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Freitagsfoto: Kröten im April

April is not
the cruellest month –
listen! the toads

April ist nicht
der grausamste Monat –
horch! die Kröten

Das öde Land

“April is the cruellest month”, so beginnt das berühmte, komplexe Langgedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot (1888 – 1965), der 1948 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Ich gebe zu, ich habe das Gedicht nicht ganz gelesen. Die Zeile fiel mir aber ein, als ich mit meinem Sohn bei einem Spaziergang auf einen Teich gestoßen bin, in dem es ziemlich heiß herging. Das Gedicht gibt es bei Insel in einer zweisprachigen Ausgabe (ISBN 978-3-518-42022-5).

Kröten

Wer sich über das Wesen der Kröten, eines der ältesten Lebewesen auf unserem Planeten, informieren möchte, dem sei das Buch „Kröten“ von Beatrix Langner empfohlen. Eine Natur- und Kulturgeschichte dieser besonderen Tiere, erschienen 2018 in der schönen Reihe „Naturkunden“ bei Matthes & Seitz in Berlin (ISBN 978-3-95757-546-3). Wie alle Bücher dieser Reihe ein bibliophiler Genuss, da sage ich nichts Neues.

Krötienou

Seit meine Schwiegermutter eine Zeitlang vor ihrer Kellertür eine Kröte namens „Krötienou“ als Mitbewohnerin hatte, bin ich der Meinung, dass Kröten völlig zu Unrecht als abstoßend empfunden werden. Und wurde nicht im „Räuber Hotzenplotz“ die Fee Amaryllis vom bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann in eine Unke (Feuerkröte) verwandelt? Lange musste sie im Unkenpfuhl ausharren, bis Otfried Preußler sie vom Kasperl in einer dramatischen Aktion befreien ließ. Ach, was für ein großartiges Kinderbuch – übrigens auch für Erwachsene. Erschienen beim Thienemann-Verlag in Stuttgart (ISBN 978-3-522-10590-3). Prädikat: Unbedingt lesenswert!

 

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Freitagsfoto: Holzofenbrot und Weißwein

„Was macht es eigentlich mit dem Gehirn der Menschen, wenn ihr Dasein zunehmend virtuell stattfindet?“, fragt sich Sibylle Berg in ihrer aktuellen, sehr lesenswerten Kolumne auf Spiegel-online. Mark Zuckerberg wird uns diese Frage nicht beantworten, weil es ihm wahrscheinlich ziemlich egal ist, dass das Leben von immer mehr Menschen nur noch im Netz abläuft. Berg klagt, wie ich finde, zurecht, dass es „immer weniger gibt, das real stattfindet, das ein anderes Gefühl herstellt, außer Gereiztheit“.

Wir sind immer woanders

Irgendwie scheinen viele von uns immer mehr woanders zu sein, aber nie da, wo sie sich real gerade befinden. Morgens zum Beispiel, wenn ich mit unserem Hund am Waldrand spaziere, begegnen mir die ersten Jogger*innen oder Walker*innen mit ernstem Blick, sauber verstöpselt und verkabelt – und weit weg vom Schrei des Bussards über ihnen oder dem wütenden Krächzen der Rabenkrähen Saatkrähen (Danke, Rickmer!) ein paar Meter neben ihnen auf dem frisch gepflügten Acker. Und wie sollten diese in anderen Welten Herumgeisternden auch auf meinen Morgengruß reagieren können, wo sie ihn doch gar nicht hören? Wieder ein kleines Stück weniger Begegnung und ein wenig mehr Vereinsamung, auch für mich. Aber genug lamentiert jetzt, kommen wir zu etwas Schönem:

Von derlei Dingen hängt unser Leben ab

Im Blog Kaffeehaussitzer bin ich auf eine bemerkenswerte Textstelle aus Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray (Insel Taschenbuch, ISBN 978-3-458-36219-7) gestoßen. Ich habe den Roman noch nicht gelesen, er liegt seit vorgestern im Stapel auf meinem Nachttisch. Oscar Wilde schreibt:

„Du magst wähnen, du ständest sicher da und seist stark. Aber ein zufälliger Farbton in einem Zimmer oder ein Morgenhimmel, ein besonderer Duft, den du einst geliebt hast und der tiefe Erinnerungen mit sich führt, eine Zeile eines vergessenen Gedichts, die dir wieder einfällt, ein paar Takte aus einem Musikstück, das du nicht mehr gespielt hast, ich sage dir, Dorian, von derlei Dingen hängt unser Leben ab.“

Was uns anrührt

Was für ein Satz! Natürlich wissen wir alle, dass es nicht immer eine Klaviersonate von Mozart oder eine vergessene Gedichtzeile von Rilke sein müssen, die uns anrühren. Es darf gerne auch der Duft von frisch gebackenem Holzofenbrot sein oder der erste Schluck Weißwein an einem sonnigen Frühlingstag, wenn es für das T-Shirt noch zu kalt und für die Winterjacke schon zu warm ist. Ob von solchen Dingen unser Leben abhängt? Vielleicht nicht im wörtlichen Sinn, aber sind es nicht solche Momente, die das Leben um so vieles lebenswerter machen?

Santé und Frohe Ostern!

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Freitagsfoto: Tea Time

Wer würde da nicht gerne zum Tee eingeladen werden? Strandhütte in Whitstable, Kent.

Wer würde da nicht gerne zum Tee eingeladen werden? Strandhütte in Whitstable, Kent.

Am 21. März war Welttag der Poesie. Zufällig bin ich dieser Tage auf das Gedicht „Tea“ der schottischen Lyrikerin Carol Ann Duffy gestoßen. Duffy wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet und war im Jahr 2009 Poet Laureate des Britischen Königreichs. „Tea“ ist, wie ich finde, ein außergewöhnliches Liebesgedicht, aufgehängt an dem profanen Alltagsthema Tee.

Tea

von Carol Ann Duffy

I like pouring your tea, lifting
the heavy pot, and tipping it up,
so the fragrant liquid streams in your china cup.

Or when you’re away, or at work,
I like to think of your cupped hands as you sip,
as you sip, of the faint half-smile of your lips.

I like the questions – sugar? – milk? –
and the answers I don’t know by heart, yet,
for I see your soul in your eyes, and I forget.

Jasmine, Gunpowder, Assam, Earl Grey, Ceylon,
I love tea’s names. Which tea would you like? I say
but it’s any tea for you, please, any time of day,

as the women harvest the slopes
for the sweetest leaves, on Mount Wu-Yi,
and I am your lover, smitten, straining your tea.

nachzulesen in:
Love Poems
Picador, 2010
ISBN: 978-0330512725
oder in:
Rapture
Picador, 2010
ISBN: 9781509852789

Tea, gelesen von Carol Ann Duffy:

Die Bücher von Carol Ann Duffy gibt’s in jedem guten lokalen Buchladen. Die Tees aus dem Gedicht gibt’s in Tübingen in Hinrichs Teehus in der Froschgasse. Das Foto ist in Whitstable, Kent entstanden, und wird demnächst als Postkarte bei Schöne Postkarten erscheinen.

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Frühling auf der Fensterbank

Hyazinthen sind eine Gattung innerhalb der Spargelgewächse und duften nach Frühling

Hyazinthen sind eine Gattung innerhalb der Spargelgewächse und duften nach Frühling

die Küche
duftet nach Frühling –
draußen liegt Schnee

Die Hyazinthe hat ihren Namen aus der griechischen Mythologie. Der Gott Apollon soll den schönen Jüngling Hyakinthos aus Versehen mit einem Diskus getötet haben. Apollon soll darüber so traurig gewesen sein, dass er die Blutstropfen in Blumen verwandelt hat.

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Freitagsfoto: The Blue Watering Can

The Blue Watering Can

so much depends
upon

a blue
watering can

on the white
snow

beside the green
one

frei nach William Carlos Williams

Arzt und Dichter

Der amerikanische Dichter William Carlos Williams (1883 – 1963) hat sein ganzes Leben als Kinder- und Allgemeinarzt in seiner Geburtsstadt Rutherford in New Jersey an der amerikanischen Ostküste verbracht. Geschrieben hat er meist in aller Herrgottsfrühe vor den Sprechstunden oder am späten Abend; oft hat er sich auch zwischen zwei Patienten schnell ein paar Notizen gemacht.

Apfel und Hirn

Williams gilt heute als einer der Wegbereiter der Moderne und als der erste Dichter, der seine Themen und seine Sprache dem amerikanischen Alltag entnahm. Immer geht es Williams um das genaue Hinschauen, die Betrachtung aller Details eines Gesichtes oder eines Objektes im jeweiligen Moment. Dieses Objekt konnte ein Apfel sein, wie in dem Gedicht „Perfection“, oder ein Hirn ohne Schädeldecke, das er als Student im Sezierkurs gesehen hatte („These Purists“), oder auch eine rote Schubkarre, die er in einem seiner bekanntesten Gedichte „The Red Wheelbarrow“ besungen hat. Zu diesem Gedicht gibt es eine nette Anekdote, die ich vor Jahren in einem Text von Stefana Sabin in der Neuen Zürcher Zeitung (27.3.1999) gelesen habe:

Geschenkt

Wallace Stevens, ein anderer Großmeister der amerikanischen Lyrik des 20. Jahrhunderts, war mit Williams befreundet und hat diesem in einem Brief im Jahr 1915 von seinen Schwierigkeiten mit den letzten Zeilen eines Gedichts berichtet, an dem er, Stevens, gerade arbeitete. Williams riet Stevens die letzten Zeilen einfach wegzulassen. Stevens folgte dem Rat und schenkte Williams diese Zeilen, aus denen Williams dann einen lyrischen Klassiker formte, den wohl die meisten älteren Amerikaner auswendig können.

The Red Wheelbarrow

so much depends
upon

a red wheel
barrow

glazed with rain
water

beside the white
chickens.

Rowohlt hat 2001 eine zweisprachige Ausgabe der Gedichte von William Carlos Williams als Taschenbuch rausgebracht. Dort findet man auch die Übertrag von „The Red Wheelbarrow“ von Walter Fritzsche:

Die rote Schubkarre

so viel hängt ab
von

einer roten Schub-
karre

glänzend von Regen-
wasser

bei den weißen
Hühnern

Poetisch schön: Paterson

Eine filmische Annäherung an William Carlos Williams bietet übrigens der Film „Paterson“ von Jim Jarmusch aus dem Jahr 2016, der die Geschichte des dichtenden Busfahrers Paterson in der amerikanischen Kleinstadt Paterson erzählt. Es ist wohl kein Zufall, das das berühmteste Langgedicht von Williams auch Paterson heißt. Paterson ist ein leiser, poetischer, stellenweise anrührender Film und damit ein wohltuender Gegensatz zu dem lauten Gebrüll, mit dem uns der Bewohner des Weißen Hauses jeden Tag aufs Neue auf die Nerven geht.

Infos zum Buch:

William Carlos Williams: Gedichte
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2001
ISBN 3-499-22840-8
nur noch antiquarisch erhältlich

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Frühlingsanfang

Sehr erfrischend. Zum Frühlingsanfang ein kleines Bad im Schnee bei -8°C

Sehr erfrischend. Zum Frühlingsanfang ein kleines Bad im Schnee bei -8°C

Frühlingsanfang unter Null

Heute am 1. März ist der meteorologische Frühlingsanfang. Die frostigen Temperaturen sprechen zwar eine andere Sprache, aber die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat halt den 1. März als Frühlingsanfang festgelegt. Um Wetter- und Klimastatistiken besser erstellen und vergleichen zu können, hat die WMO jeder Jahreszeit drei Monate zugeteilt. Also Dezember, Januar und Februar für den Winter, März, April, Mai für den Frühling und so weiter.

Aber, wenn wir Glück haben, und danach sieht es aus, geht es ja mit den Temperaturen zum Wochenende hin deutlich in die Höhe. Wird auch Zeit, werden alle Gärtnerinnen und Gärtner hier jetzt sagen, die schon den ganzen Winter sehnsüchtig in Gartenbüchern und Pflanzenkatalogen geblättert haben.

300 Gartenfragen

Ein ganz praktisches Gartenbuch hat übrigens Alan Toogood geschrieben. Es heißt „Gartenpraxis: Die 300 häufigsten Fragen – kompetent beantwortet“. Toogood hat für das 288 Seiten umfassende Nachschlagewerk aus rund 62000 Fragen, die die Royal Horticultural Society in England jedes Jahr beantwortet, die am häufigsten gestellten Fragen ausgewählt. Die Royal Horticultural Society ist so was wie der Heilige Gral der englischen Gartenkunst.

So viel Latein muss sein: Iris germanica, u.a. Echte Schwertlilie genannt, gehört zur Gruppe der Iris barbata (Bart-Iris)

So viel Latein muss sein: Iris germanica, u.a. Echte Schwertlilie genannt, gehört zur Gruppe der Iris barbata (Bart-Iris)

Wer bei der RHS Mitglied werden möchte, sollte mindestens alle Pflanzen auf seinem Balkon oder in seinem Garten mit dem korrekten lateinischen Namen benennen können. Man kann also davon ausgehen, dass das Buch fundierte und praxisorientierte Informationen bereithält. Ich würde sogar behaupten, dass sich mit Toogoods Buch so die meisten Aufgaben, die sich uns im Garten stellen, zufriedenstellend lösen lassen. Und etwas Pflanzenlatein lernt man auch noch nebenbei. Die englischen Gartenbücher, die ich kenne, arbeiten grundsätzlich mit den lateinischen Namen.

Winterschlaf beendet

Und was ist mit den Fragen, die Alan Toogood in seinem Buch nicht beantwortet? Die stellen wir am besten Erika Jantzen und ihren Staudenmädchen aus der gleichnamigen Tübinger Stauden- und Kräutergärtnerei. Die kundigen, sympathischen Stauden- und Kräutergärterinnen haben nämlich ihren offiziellen Winterschlaf beendet und freuen sich bestimmt schon auf motivierte Gärtnerinnen und Gärtner.

Infos zum Buch

Alan Toogood: Gartenpraxis: Die 300 häufigsten Fragen – kompetent beantwortet
Dorling Kindersley, München, 2010.
ISBN: 978-3-8310-1624-2 (nur noch gebraucht erhältlich)

Infos zur Postkarte

Motiv Nr. 2: © www.schoenepostkarten.de

Motiv Nr. 2: © www.schoenepostkarten.de

Die Postkarte mit dem Zitat von Virginia Woolf ist in der Reihe Schöne Postkarten erschienen und in Tübingen in diesen Geschäften erhältlich. Das Foto haben wir in Sissinghurst in der englischen Grafschaft Kent gemacht. Dieses Gartenparadies wurde von Vita Sackville-West und ihrem Mann Harold Nicolson angelegt. Virginia Woolf war zeitweise die Geliebte von Sackville-West und selbst begeisterte Gärtnerin in ihrem Garten in Monk’s House.

Viel Freude beim Unkraut jäten!

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Freitagsfoto: Many Shades of Grey and White and Light

The Mystery of Light

“It is the eye that discovers the mystery of light, not only the moon and the stars and the vast splendours of the Aurora, but the endless changes the earth undergoes under changing lights.”

Nan Shepherd: The Living Mountain

Mehr zu diesem Klassiker des englischen Nature Writing ein andermal. Ich bin noch beim Vorwort (englische Ausgabe) von Robert Macfarlane, aber das ist schon mal sehr lesenswert. Die deutsche Ausgabe ist 2017 unter dem Titel „Der lebende Berg“ in der wunderbaren Reihe Naturkunden (Hg. Judith Scharlansky) bei Mattthes & Seitz in Berlin erschienen.

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Die Weisse Rose

DIE WEISSE ROSE. In Stein gemeißeltes Epigramm von Karl Poralla im Botanischen Garten in Tübingen

DIE WEISSE ROSE. In Stein gemeißeltes Epigramm von Karl Poralla im Botanischen Garten in Tübingen

Aufruf zur Zivilcourage

Vor 75 Jahren wurden Sophie und Hans Scholl von den Nazis geköpft. Sie gehörten zur Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“, die sich mit unglaublicher Zivilcourage gegen die Nazi-Diktatur einsetzte.

Der Entringer Künstler und frühere Tübinger Professor für Mikrobiologie Karl Poralla, der dieses Jahr 80 Jahre alt geworden wäre, hat dieses in Stein gemeißelte Epigramm zum Gedenken an „Die Weiße Rose“ geschaffen. Es ist zu besichtigen im Botanischen Garten der Universität Tübingen. Das Kunstwerk wurde 1990 in den Wiesenhang zusammen mit der weißen Rose, Rosa alba, gesetzt.

Appeal for moral courage
75 years ago, Sophie and Hans Scholl were beheaded by the Nazis. They belonged to the resistance group “Die Weiße Rose”, which fought against the Nazi dictatorship with incredible courage.

Karl Poralla, an artist from Entringen and former professor of microbiology in Tübingen, who would have been 80 years old this year, has created this stone carved epigram to commemorate “Die Weiße Rose”. It can be visited in the Botanical Garden of the University of Tübingen. The work of art was placed in the meadow slope together with the white rose, Rosa alba, in 1990.

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