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Was bleibt? Stoppeln!

Seit Wochen kaum Regen, seit Wochen blauer Himmel: dürre Stoppeln bei Waldhausen

Seit Wochen kaum Regen, seit Wochen blauer Himmel: dürre Stoppeln bei Waldhausen

Auch dem Weizenfeld
bleibt nur die Erinnerung –
und dürre Stoppeln

Haiku inspiriert von Bashō, der 1689 schrieb:

Sommergras –
der Kriegshelden
letzte Traumspur

Natsukusa ya / tsuwanono-doma ga / yume no ato

In diesem Haiku thematisiert Bashō (1644 – 1694) wieder einmal „Vergänglichkeit und die Nichtigkeit des menschlichen Strebens“, so Eduard Klopfenstein, der das Haiku auch übersetzt hat. Bashō schrieb dieses berühmte Haiku, nachdem er Hiraizumi erreicht hatte, ein legendärer Ort, an dem Ende des 12. Jahrhunderts der mittelalterliche Kriegsheld Minamoto no Yoshitsune mit seinen Männern fiel. Das Buch von Eduard Klopfenstein und Masami Ono-Feller haben wir vor ein paar Wochen hier vorgestellt.

NK | CK

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Hennen im Hitzestress

Hühner können nicht schwitzen, sie geben bei Hitzestress mit offenem Schnabel Hitze ab

Hühner können nicht schwitzen, sie geben bei Hitzestress mit offenem Schnabel Hitze ab

Schnäbel offen
gefiederte Skulpturen
Hennen im Hitzestress

beaks open
feathered sculptures
hens in heat stress

Kranō | Kō

Bleibt im Schatten!

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PS: Wer rausfinden möchte, wie sich das Wetter an seinem Wohnort verändert hat, kann dies mit dem Wetter-Dashboard der Süddeutschen Zeitung tun. Angezeigt werden Temperatur, Sonnenschein, Niederschlag, Trockenheit. Hier kann man seinen Wohnort eingeben.

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Vom Verrinnen der Zeit

Mit dem Verrinnen der Zeit geht meist das Verblassen der Erinnerungen einher. Foto: Norbert Kraas

Mit dem Verrinnen der Zeit geht meist das Verblassen der Erinnerungen einher. Foto: Norbert Kraas

Von der Erinnerung

„Doch wenn von einer weit zurückliegenden Vergangenheit nichts mehr exisitiert, nach dem Tod der Menschen und dem Untergang der Dinge, dann verharren als einzige, zarter, aber dauerhafter, substanzloser, beständiger und treuer der Geruch und der Geschmack, um sich wie Seelen noch lange zu erinnern, um zu warten, zu hoffen, um über den Trümmern alles übrigen auf ihrem beinahe unfaßbaren Tröpfchen, ohne nachzugeben, das unermeßliche Gebäude der Erinnerung zu tragen.“

Diese Gedanken über die Vergangenheit, die Vergänglichkeit und die Erinnerung legt Marcel Proust dem Ich-Erzähler seiner „Recherche“ ziemlich am Anfang des ersten Bands des Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ in den Mund. Ein paar Abschnitte zuvor lesen wir in der berühmten „Madeleine-Episode“, wie ein kleines Gebäckstück, das der Erzähler in seinen Lindenblütentee taucht, eine ganze Kaskade von Erinnerungen auslöst.

Solche Madeleine-Momente kennen wir alle. Ausgelöst durch einen vergessen geglaubten Geruch oder Geschmack. Das können die Abgase eines Zweitaktmopeds sein, die einen blitzschnell in die eigene Jugend zurückversetzen, oder der besondere Duft eines Gartenschuppens, wo es nach Rasenmäher, Gras, Werkzeug, Öl und Holz riecht, und wo man plötzlich das Gefühl hat, der Opa, dem der Schuppen gehört hat, müsste jeden Moment zur Tür reinkommen.

Was aber, wenn es selbst diese Madeleine-Momente nicht mehr gibt? Wenn die Erinnerungen mit dem Verrinnen der Zeit immer schwächer werden und schließlich ganz verschwinden? Und was, wenn dieser Vorgang des Verrinnens und Vergessens durch eine tückische Demenzerkrankung beschleunigt wird? Was bleibt dann noch?

Vom Verrinnen

Mit dem Thema Verrinnen und Zeit beschäftigt sich aktuell eine sehenswerte Ausstellung im Kunstmuseum Reutlingen | konkret, die wir sehr empfehlen können. „Vom Verrinnen. Zeitkonzepte der Gegenwart“ heißt die Schau, die noch bis zum 28. August 2022 in den Wandelhallen des Kunstmuseums zu sehen ist. Informationen hier.

Gezeigt werden Arbeiten von 13 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die sich intensiv und auf verschiedene Art mit dem Phänomen Zeit und ihrer Wahrnehmung auseinandergesetzt haben.

Besonders beeindruckend, vielleicht auch weil es einen an die eigene Kindheit und Jugend, die Großeltern und die Eltern erinnert, ist die Rauminstallation „Komm’ Heinz, wir gehen“ des Künstlers Timo Klos. Klos, Jahrgang 1983, hat zwei Wände im rechten Winkel gestellt und diese mit einer altmodischen Mustertapete aus den 1950ern oder 1960ern tapeziert. An diese beiden Wände hat er Fotografien in alten Rahmen in unterschiedlicher Größe gehängt. Klos schreibt dazu:

„Die Motive könnten alle aus dem Familienalbum eines verstorbenen Ehepaares stammen und zeigen, wie dieses auf ganz unterschiedliche Weise aus den Bildern verschwindet. Die Foto­grafien scheinen den Moment nicht festhalten zu können“

„Komm’ Heinz, wir gehen“ (Timo Klos), Ausstellungsdetail. Foto: Norbert Kraas

„Komm’ Heinz, wir gehen“ (Timo Klos), Ausstellungsdetail. Foto: Norbert Kraas

Die Fotos in den Bilderrahmen sind handwerklich bewusst nicht perfekt. Sie sind unscharf, über-, unter- oder mehrfach belichtet. Der ausgebleichte, verschwommene Effekt gibt dem Leben etwas Vages. Die Individualität des Menschen löst sich auf. Der Moment, das Abgelichtete, scheint flüchtig; die Arbeiten konterkarieren die eigentliche Intention des Fotografierens, nämlich den Augenblick festzuhalten. Nichts lässt sich auf ewig festhalten.

Was sieht ein Demenzkranker?

Während unseres Besuchs in der Ausstellung fragte ich mich, ob diese Aufnahmen wohl den Bildern im Gedächtnis meiner demenzkranken Mutter ähneln. Mal erkennt sie mich, mal sieht sie andere Personen in mir, mal vergisst sie während eines Besuchs ganz, dass ich da bin. Offensichtlich (und schmerzhaft für mich) verinnt mit der Zeit und dem Fortschreiten der Krankheit ganz langsam die Erinnerung an Personen, Ereignisse, Erlebnisse. Zuerst verschwindet das unmittelbar, ganz frisch Erlebte und nach und nach auch frühere Geschehnisse. Bleicht die Erinnerung schließlich so aus, dass man nur noch helle weiße Flecke hat? Wer öfter mit Menschen zu tun hat, die an Demenz erkrankt sind, kann diesen Eindruck durchaus gewinnen. Ob der Künstler bei der Konzeption an die Krankheit Demenz gedacht hat, die allein in Deutschland 900 Mal pro Tag diagnostiziert wird?

Endlich

Ausstellungsdetail aus der Serie „Good Old Germany“ des Künstlers Gosbert Gottmann. Foto: Norbert Kraas

Aus der Serie „Good Old Germany“ des Künstlers Gosbert Gottmann. Foto: Norbert Kraas

Mit dem Verrrinnen der Zeit werden wir älter, und mit dem Älterwerden zwickt es nicht nur überall, sondern auch unsere Handschrift wird undeutlicher und schlechter lesbar. Gosbert Gottmann, geboren 1955 im Schwarzwald, hat sich mit dem Phänomen der Handschrift alter Menschen befasst und aus vielen Schriftproben ein digitales Alphabet geschaffen, eine eigene Schrift mit einzelnen Buchstaben von A bis Z. Und mit diesen teils krakeligen, teils verkünstelten Buchstaben hat er dann geschrieben. Das Wort „endlich“ zum Beispiel, das unsere ganze kleine menschliche Existenz in nur sieben Buchstaben zusammenfasst. Ein hingekrakeltes Memento Mori, das einen besonders berührt, weil man um die Herkunft der Buchstaben weiß.

Das hätte auch Lucius Annaeus Seneca, dem großen römischen Stoiker gefallen. Wie alle Stoiker legte er großen Wert darauf, sich der eigenen Sterblichkeit immer bewusst zu sein und aus diesem Grund möglichst wenig Lebenszeit zu verschwenden. Er schrieb:

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

NK | CK

Informationen

Vom Verrinnen. Zeitkonzepte der Gegenwartskunst
Kunstmuseum Reutlingen | konkret
Eberhardstraße 14
Wandel-Hallen
72764 Reutlingen
noch bis zum 28. August 2022

Demenz

Wer sich dem Thema Demenz literarisch näher möchte, dem empfehlen wir zwei Romane:

Arno Geiger
Der alte König in seinem Exil
Hanser Verlag, 2011

David Wagner
Der vergessliche Riese
Rowohlt Verlag, 2019

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Gute Vorsätze mit Goethe

Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm war 1776 sein erster eigener Wohnsitz in Weimar.

Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm, 1776 sein erster eigener Wohnsitz in Weimar

Nicht nur zum Jahreswechsel werden unzählige gute Vorsätze gefasst; auch für den Urlaub nehmen sich die Menschen gerne mal viel vor. Viel sehen, viel laufen, viel schwimmen, viel lesen, viel wandern und so weiter.

Wir sind letztes Jahr in Weimar auf diese Textstelle von Goethe gestoßen:

„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

Johann Wolfgang Goethe (28. August 1749 – 22. März 1832)

So schreibt Goethe in seinem Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, der 1795/96 erstmals erschien. Dieser maßvollen Orientierung wollen wir nicht widersprechen!

Schöne Ferien!

NK | CK

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Freitagsfoto: Wasser

Wasser ist ein Menschenrecht!

Wasser ist ein Menschenrecht!

„Rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Eine unfassbare Zahl. Rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser. Im Jahr 2040 werden Schätzungen zufolge fast 600 Millionen Kinder in Gegenden ohne ausreichenden Zugang zu Wasser leben.“

Streit ums Wasser

Das schrieb UNICEF anlässlich des Weltwassertags am 22. März 2022 in dem Artikel „10 Fakten über Wasser“. Bisher hat man Wassermangel ja immer mit afrikanischen Ländern in Verbindung gebracht, wo die Situation für viele Menschen, vor allem die Kinder, dramatisch und lebensbedrohlich ist. Aber wie gesagt, das war immer weit weg. Und jetzt?

Jetzt wird Wasser auch in Europa, ja sogar in Deutschland, zu einem begehrten Gut. Fast überall sinken die Grundwasserspiegel, Flüsse führen viel zu wenig oder, wie in Italien, gar kein Wasser mehr. Auch deutsche Wasserwerke machen sich große Sorgen um die geringer werdenden Wassermengen, um die sich verschiedene Parteien streiten. Die Rechercheplattform Correctiv hat festgestellt, dass gerichtliche Auseinandersetzungen um Wasser in den letzten 10 Jahren deutllich zugenommen haben. Sorge und Streit ums Wasser haben auch bei uns längst begonnen. Der Blick auf den Dürremonitor ist erschreckend.

Streit ums V-Wort

Wasser sparen wäre angesagt, ist aber schrecklich unpopulär und klingt für viele Politiker:innen, vor allem von der FDP, nach Planwirtschaft und staatlich verordnetem Verzicht. Bei den Liberalen scheinen sie das V-Wort so zu hassen, dass Wolfgang Kubicki, seines Zeichens Vizepräsident des Deutschen Bundestags, schon mal in vorauseilendem Trotz dies verkündet hat: „Robert Habeck darf gerne so kurz duschen, wie er es für richtig hält. Ich schaue jedenfalls nicht auf die Uhr, wenn ich in der Dusche stehe. Ich dusche so lange, bis ich fertig bin.“

Was für eine unwürdige Vorstellung eines deutschen Spitzenpolitikers. Und welche Idee eines Liberalismus steckt hinter so einer Haltung? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht darüber nachdenken möchte, womit er eigentlich fertig sein will …

Pilgerbrunnen in Saint-Guilhem-le-Désert in Südfrankreich. Dort ist Wasser schon immer ein kostbar.

Pilgerbrunnen in Saint-Guilhem-le-Désert in Südfrankreich. Dort ist Wasser schon immer ein kostbar.

Was ist eigentlich so schlimm daran, Verzicht zu üben, mit Ressourcen sparsam umzugehen? Ich verstehe es nicht. Sollte es doch so sein, wie Christian Kullmann, Präsident des Chemieverbandes VCI, vor zwei Tagen im Interview mit der SZ gesagt hat: „Dieses Land ist nicht darauf vorbereitet, Verzicht zu üben.“? Dabei verlangt niemand, dass wir uns gar nicht mehr waschen oder im Winter die Wohnung nur auf 10 Grad heizen. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern halt außergewöhnliche Maßnahmen.

Licht aus!

Ich habe viele Jahre Tür an Tür mit meiner Oma gelebt. Meine Oma, Jahrgang 1905, hat zwei Weltkriege mitgemacht, einen Bruder im Krieg verloren, ein anderer kam kriegsversehrt zurück. Sie musste drei Töchter ohne den Ehemann, der auch im Krieg war, durchbringen. Die Oma hatte, neben vielen guten Eigenschaften, die Angewohnheit, immer und überall das Licht auszumachen, um Strom zu sparen. Es war wie ein Zwang, der auch vor einer geschlossenen Zimmertür nicht halt machte. Es kam daher regelmäßig vor, dass meine Zimmertür am Abend plötzlich ganz leise aufging, sich eine Hand reinschob und das Licht ausknipste. Tür zu, Spuk vorbei, ich saß im Dunkeln. Mag sein, dass der Krieg mit seiner Verdunkelungsanordnung bei der Oma auch noch reingespielt hat. Ich habe jedenfalls die Lektion nicht vergessen. Und mal ehrlich, wem schadet das: ein Licht weniger an, kürzer und weniger heiß duschen, spritsparender fahren? Eben.

Acht Stunden für ein paar Liter Wasser

Wie das ist, wenn frisches Trinkwasser nicht in beliebiger Menge aus dem Hahn kommt, zeigt das Beispiel von Aysha aus Äthiopien. Dieses Mädchen verbringt täglich viele Stunden damit, frisches Wasser zu besorgen. Dieser Film zeigt in dreieinhalb Minuten einen Tag in ihrem Leben:

Bleibt im Schatten!

NK | CK

PS: Es gibt übrigens Menschen in unserem Land, für die ist Verzicht Alltag. Es sind Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind. Der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge hat dazu einen sehr lesenswerten Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung verfasst.

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„Ein Hund hat die Seele eines Philosophen“ (Platon)

Der Bouvier stammt ursprünglich aus Belgien und war ein klassischer Treibhund für Rinder und Pferde

Der Bouvier des Flandres stammt aus Belgien und war ein klassischer Treibhund für Rinder und Pferde

„Hunde sind unsere Verbindung zum Paradies. Sie kennen weder Sünde noch Eifersucht noch Unzufriedenheit. An einem herrlichen Nachmittag mit einem Hund auf einem Hügel zu sitzen, heißt zurück zu sein im Garten Eden, als Nichtstun nicht Langeweile bedeutete, sondern Frieden.“

Milan Kundera

Im Frankreich-Urlaub schlabbert der Hund sein Wasser standesgemäß

Im Frankreich-Urlaub schlabbert der Hund sein Wasser standesgemäß

Heute hat unser Hund Geburtstag. Elf Jahre wird unsere Bouvier-Dame Kajsa, und wir sind froh und dankbar, dass sie noch so gut dabei ist. Und deshalb gibt’s heute ein paar Hundefotos und natürlich liebe Grüße nach Braunfels.

„Kauf einen jungen Hund und du wirst für dein Geld wilde entschlossene Liebe bekommen.“ Rudyard Kipling

„Kauf einen jungen Hund und du wirst für dein Geld wilde entschlossene Liebe bekommen.“ Rudyard Kipling

„Du denkst, Hunde kommen nicht in den Himmel? Ich sage Dir, sie werden früher dort sein als irgendeiner von uns.“ Robert Louis Stevenson

Kajsas Mama Evita, eine stattliche Hundedame mit perfektem Schnitt

Kajsas Mama Evita, eine stattliche Hundedame mit perfektem Auftreten.

„Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten sind im Hund enthalten.“ Franz Kafka

„Dogs make us human.“ Art Wolfe

„Dogs make us human.“ Art Wolfe

„Ein Hund hat die Seele eines Philosophen.“ Platon

Wenn Hunde die Seele eines Philosphen haben, wie Platon sagt, ist unser Hund eine Stoikerin

Wenn Hunde die Seele eines Philosophen haben, wie Platon sagt, ist unser Hund eine Stoikerin

Bleibt im Schatten, es wird heiß!

NK | CK

PS: Es gibt auch Postkarten mit Hund

Schöne Postkarte Nr. 128 · Fox und Bouvier: Ziemlich beste Freunde

Schöne Postkarte Nr. 128 · Fox und Bouvier: Ziemlich beste Freunde. © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 141 · Auf den Hund gekommen | © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 141 · Auf den Hund gekommen | © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 129 · Junge, Hesse, Hund, Meer | © schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 129 · Junge, Hesse, Hund, Meer | © schoenepostkarten.de

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Ukraine lesen: „Internat“ von Serhij Zhadan

Nirgendwo werden so viele Sonnenblumen angebaut wie in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte zerstören auch gezielt Felder.

Nirgendwo werden so viele Sonnenblumen angebaut wie in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte zerstören auch gezielt Felder.

Kriegsmüde

Beim Zeitunglesen ist uns häufiger in letzter Zeit das Wort kriegsmüde aufgefallen. Verwunderlich war, dass damit fast durchweg das Gefühl vieler Menschen hier im sicheren Deutschland und im westlichen Teil Europas beschrieben wurde. Also das Gefühl von Menschen, die nicht kämpfen, nicht flüchten, sich nicht sorgen müssen um den Mann, den Sohn oder den Vater, die jeden Tag ihr Leben im Kampf gegen den russischen Aggressor riskieren. Kriegsmüde also sind Menschen, wenn wir es richtig verstehen, die sich endlich ein anderes Thema in den Nachrichten wünschen, nicht mehr diese schrecklichen, ja erschütternden Bilder von verwüsteten Städten und Leichen auf den Straßen sehen wollen. Menschen, also, die von der Kriegsberichterstattung müde sind. Verständlich, ja durchaus.

Und dann gibt es Menschen, die sich gar genervt fühlen von den „ständigen Forderungen dieses Selenskyjs“ oder den provozierenden, weil Klartext redenden Äußerungen des ukrainischen Botschafters Melnyks. Die von „mehr Diplomatie geht immer“ und von „Unsinn eines Krieges“ reden. Und sich dann aber über die eigenen Parkgebühren aufregen, die der Bürgermeister auch für Anwohner nun deutlich anheben will. Nein das wollen sie sich nicht gefallen lassen … Auch verständlich? Nein, denn sie nehmen für sich selbst ein Freiheitsverständnis in Anspruch, auf das die Ukrainer bitte verzichten sollen. Befriedet euch bitte, ihr Ukrainer, damit wir hier uns in Ruhe über Parkgebühren, Flughafenchaos oder, der Herbst kommt bald, Masken aufregen können.

Wofür die ukrainschen Frauen und Männer (zum Teil noch halbe Kinder) kämpfen, das konnte man lernen in dem Dokumentarfilm „Warum Ukraine“ von Bernard-Henri Lévy, der am Dienstag auf arte ausgestrahlt wurde. Kriegsmüde schien da keiner zu sein.

Lesen statt abstumpfen: „Internat“

Wenn wir nicht abstumpfen wollen, müssen wir uns mehr und besser informieren! Das setzt aber zunächst ein grundsätzliches Interesse voraus. Und daran, glauben wir, hat es lange gefehlt. Jetzt hat diese Woche der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan, der seit Jahren über die kriegerische Gewalt in der Ukraine schreibt, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten, was an sich schon paradox und bitter anmutet. Zhadan, Jahrgang 1974, ist studierter Germanist und schreibt Prosa, Gedichte, Essays und macht Musik. Letzteres auch jetzt in den Katakomben von Charkiw, wo er lebt.

Belohnt wurden die frühen Warnungen Zhadans vor einem sich ausdehnenden Krieg nicht mit Frieden, sondern mit brutalen Angriffen der russischen Streitkräfte auf Zivilisten und einer Verwüstung des Landes. Nicht zuletzt, weil die Warnungen so richtig nur wenige interessierten. Deshalb möchten wir heute den Roman „Internat“ von Serhij Zhadan vorstellen, den wir im April diesen Jahres in unserem Literaturzirkel gelesen haben. Er erschien 2017 auf Ukrainisch und 2018 auf Deutsch im Suhrkamp-Verlag.

„Irgendwas stimmt nicht“

Protagonist ist Pascha, ein 35-jähriger Lehrer, der von seinem Vater aufgefordert wird, Sascha, seinen 13-jährigen Neffen, aus dem Internat am anderen Ende einer größeren Stadt zu holen. Weil die Schule bei der anhaltenden kriegerischen Gewalt keine Sicherheit mehr bietet. Der Roman hat keine eigentliche Handlung, beschrieben wird Paschas Weg voller Gefahren durch eine apokalyptische Landschaft hin zum Internat und wieder zurück.

Das Ganze spielt sich in drei Tagen ab, in einer nicht benannten Stadt im Donbass. Der Leser taucht ab in ein von Willkür und Orientierungslosigkeit getriebenes Geschehen, das ihn atemlos macht und in dem er sich schnell verlieren kann. Das aber ist eine sehr glaubhafte Darstellung von Krieg. So muss sich Krieg anfühlen, nicht für einen Soldaten, sondern für einen Zivilisten.

„Irgendwas stimmt nicht“ – dieses Gefühl ist eine Art Leitmotiv, das immer wiederkehrt. Pascha kann sich kaum auf etwas Gewohntes verlassen, denn Normalität gibt es nicht mehr, alles muss der Lehrer neu einschätzen lernen: Nebel kann Schutz oder gefährlich sein, je nachdem, wo man sich befindet. Das Mondlicht ersetzt die Taschenlampe, macht einen aber auch zur Zielscheibe. Wie geht man um mit ausgehungerten Hunden? Und in einer Gruppe von Fremden fällt man besser nicht auf …

Krieg: das Auflösen von Strukturen

Die Strukturierung des Romans ist nicht einfach, vielleicht weil sich Krieg nicht in eine Ordnung bringen lässt. Die zeitliche Einteilung in drei Tage hat uns jedenfalls beim Lesen nicht sehr geholfen. Ein wenig plastischer wird es, wenn man sich die Orte von Paschas gefährlicher Route durch eine weitgehend zerstörte Stadt und Landschaft vor Augen führt. Besser noch hangelt sich der Leser entlang der Weggefährten oder der Begegnungen, die Pascha an den verschiedenen Orten hat, durch diesen aufwühlenden Roman, den manche Kritiker als Roadmovie der besonderen Art beschrieben haben.

Ein Held, der nicht kämpft, aber wächst

Pascha ist kein Held. Er kämpft nicht. Nicht allein wegen seiner versehrten rechten Hand, er will auch nicht Partei ergreifen. Er will sich raushalten aus dem ganzen Kriegsgeschehen: er will seine Ruhe haben. Er ist desinteressiert an der Welt und schlecht vorbereitet für den Trip. Als Staatsangestellter ist er finanziell nicht schlecht gestellt, aber von Natur aus ist er ängstlich-aufschiebend und selbstmitleidig. Verantwortung übernehmen ist seine Sache nicht, und desillusioniert ist er auch.  Paschas emotionaler Selbstschutz besteht darin, mit anderen, egal, was ihnen widerfährt, kein Mitleid zu haben. Fast wie ein Mantra sagt er zu sich:

„Kein Mitleid, mit niemandem.“

Seine Freundin Marina, die ihn verlassen hat, wie der Leser in eingeschobenen Rückblicken erfährt, urteilt über ihn mit einer rhetorischen Frage: „Was bist du bloß für ein Mann?“

Aber Aufgabe und Umstände lassen ihn allmählich wachsen. So muss Pascha die Führung eines Trecks übernehmen, nachdem der eigentliche Führer abgehauen ist. Dem pubertären Neffen, der ihn anfangs frech provoziert und Pascha seine Ignoranz und Passivität vorwirft, begegnet Pascha gelassen und fast verständnisvoll. Aber erst die Begegnung mit dem Grauen in einem verwaisten, zerstörten Kindergarten lässt Paschas Selbsterkenntnis reifen:

„Dass er ein Arschloch ist, das bis zum letzten Moment gewartet hat, bis sich die Falle öffnete, und das dann arglos hineingetrottet ist, und zwar nicht alleine, sondern mit dem Jungen. Und jetzt, wo die Stadt ganz eingeschlossen ist, wo alle möglichen Spalten und Löcher abgedichtet sind, kann er mit dem Jungen nur noch von einer Ecke in die andere laufen, hin und her, wie zwei Ratten, die ihr Schiff verpasst haben.“

Metaphern, Rhythmus, Drive

Dieser starke Roman ist reich an ungewöhnlichen Metaphern: Der Fernseher leuchtet und wärmt wie das Ewige Feuer, der Januarmorgen ist lang und unbeweglich wie die Warteschlange in der Ambulanz; eine Leitung ist an einigen Stellen gebrochen wie ein Knochen, der schmerzt und jetzt Hilfe braucht. Immer wieder vermischen sich Sinneseindrücke, die eine dichte, eindrückliche Atmosphäre entstehen lassen: der feuchte Signalton, die kalten Schlaglöcher, der Geruch von Hysterie und Klagen.

Lebewesen werden sich im Krieg ähnlicher: Die kriegsverletzten Bäume sind wachsam wie Tiere, das Harz, ihr Schmerzenssaft, rinnt an ihnen hinab wie Blut. Orte werden personifiziert: die Bahnhofsstation gibt Hoffnung, hat ein Herz, das allerdings vom Dampflokqualm geschwärzt ist. Der Bus wird zum Transportwesen, auf dessen Metallhaut die Faust des Soldaten einschlägt. Ein Taxi wird zum Hund auf rasender Tour, bei der man als Leser:in nach Luft schnappt – und spürt, dass Zhadan, der auch Musiker ist, ein unglaubliches Rhythmusgefühl hat.

„Ihr Opel stürzt sich in ein Schneeloch wie ein Hund in das schäumende Meer, schlittert, spuckt unter den Rädern Schwarzerde und Eis, aber bewegt sich vorwärts, kriecht Stück für Stück aus dem Schneematsch heraus, bekommt festen Boden unter die Räder, arbeitet sich auf das mit Schotter bedeckte Gras, wo der alte Weg gerade noch zu erkennen ist, gerät auf dem nassen Lehm immer wieder ins Rutschen, schiebt sich aber vorwärts, die Maulbeerbäume entlang, die schwarz sind wie Zeitungsschlagzeilen.“

Und dann die Angst, „ein allumfassendes, unsichtbares Wesen“, die selbst dann auftaucht, wenn gerade keine Gefahr zu erkennen ist.

Wer sind die Guten, wer die Bösen?

Der Roman liest sich teilweise wie ein Action-Film, bei dem man auch des Öfteren die Orientierung verliert: wer sind nochmal die Guten, wer die Bösen? In der grauenhaften Kindergarten-Szene spürt man förmlich die Kamera des Autors heranzoomen.

Dass Zhadan zudem auch noch die Erzählperspektive mehrfach wechselt, hätte es unserer Meinung nach nicht bedurft. Die Desorientierung und Willkür im Krieg werden schon so anschaulich genug geschildert. Symbolhaft, wenn auch vielleicht nicht ganz stimmig, wird immer wieder der nachlassende Akku von Paschas Handy erwähnt. Steht er für die verbleibende Energie von Pascha? Und wird diese für ihn und seinen Neffen reichen?

Als wir den Roman im April gelesen und besprochen haben, hatten wir vor allem die Fernsehbilder der vielen flüchtenden Ukrainerinnen im Kopf: Frauen, die ihre Männer zurücklassen mussten und nicht wussten, wie es weiter geht und die sich dennoch die Tränen verkniffen. Pascha ist nun der Antiheld. Er will nicht kämpfen. Vielleicht ist er auch etwas kriegsmüde, denn im Donbass, wo der Roman spielt, ist seit 2014, also seit drei Jahren Krieg. Aber Pascha muss über sich hinauswachsen, und er tut dies im Rahmen der Möglichkeiten seiner Person.

Interessieren wir uns genug?

Dass er dazugelernt hat, auch seine Meinung zu sagen und dazu zu stehen, lesen wir am Ende des Romans, als Pascha einen etwas großkotzigen arroganten Journalisten aus dem Westen zum zweiten Mal trifft und diesem jetzt die Meinung sagt.

„Auch für uns interessieren Sie sich nicht. Das wollte ich Ihnen sagen.“

Serhij Zhadan: Das Internat. Was für ein klasse Roman!Das ist ein direkter Vorwurf an uns hier im Westen, die wir uns schon 2014 nach dem Euromaidan in Kiew und der russischen Annektion der Krim nicht wirklich für das Schicksal der Ukraine und die Rolle Russlands interessiert haben. Und auch dann noch nicht, als die ukrainischen Separatisten mit Hilfe Russlands den Donbass mit Krieg überzogen haben.

Dieser Roman ist ein sehr guter, noch dazu extrem spannender Einstieg in eine literarische Beschäftigung mit der Ukraine und dem Schicksal der Menschen dort. Unbedingte Leseempfehlung, nicht zuletzt wegen der großartigen Übersetzung von Juri Durkot und Sabine Stöhr, die den Roman in ein frisches, packendes Deutsch übertragen haben.

„Alle bereiten sich auf den Krieg vor, der weitergeht. Jeder plant, am Leben zu bleiben, zurückzukehren. Alle wollen zurück nach Hause, alle mögen das Gefühl heimzukehren.“

CK | NK

Buchinformation

Serhij Zhadan
Internat
Suhrkamp Verlag Berlin 2018
Fester Einband mit Schutzumschlag, 300 Seiten
ISBN 978-3-518-42805-4

Weiterführende Informationen

Für alle, die sich intensiver mit der Ukraine, Russland und dem System Putin beschäftigen wollen, jetzt noch ein paar Empfehlungen. Wobei wir beschämt anmerken, dass auch bei uns dieses Interesse für Osteuropa und speziell die Ukraine erst jetzt seit dem Kriegsbeginn erwacht ist. Da ist ein literarischer Kontinent zu entdecken.

Infoseite des Verlags über Serhij Zhadan

Warum Ukraine – Dokumentarfilm von Bernard-Henri Lévy

Swetlana Alexijewtisch: Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus
Ein Buch über den Zusammenbruch der Sowjetunion, und was das für die Menschen bedeutet hat.

Catherine Belton: Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
Catherine Belton beschreibt auf 704 mit Fakten vollgepackten Seiten, den Aufstieg des russischen Präsidenten und den Plan seiner KGB-Clique, sich die Macht in Russland zurückholen und den Westen mit Geld zu spalten, zu unterminieren, zu manipulieren. Eine gewaltige Rechercheleistung und bestimmt kein Wohlfühlbuch, aber ein schmerzhafter, wichtiger Augenöffner. Ein Interview mit Catherine Belton im Deutschlandfunk kann man hier nachhören.

Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht
14 Autorinnen und Autoren, darunter auch Serhij Zhadan, schreiben über das, was sie während der ukrainischen Revolution 2014 auf dem Euromaidan, davor und danach, erlebt haben, über ihr Verhältnins zu ihrem Land, ihre Sicht auf den Westen und ihre Sehnsucht nach einer freien Ukraine als Teil Europas. Das Buch ist 2014 auf Deutsch erschienen, und die Warnungen vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine springen einen aus diesem Buch förmlich an. Leider waren dem Westen billige Energie und gute Geschäfte mit dem Machthaber im Kreml wichtiger. Lesenswert!

Prof. Dr. Karl Schlögel, einer der führenden Osteuropa-Historiker, hält eine bewegende Rede zum Krieg in der Ukraine und dem Versagen des Westens.

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Das Geheimnis des Glücks

In Würde altern: Oldtimer können das

In Würde altern: Oldtimer wie diese Ente (Citroën 2V) können das

Zweihunderttausend Meilen

„Im Alter von einundsechzig Jahren komme ich mir an manchen Tagen vor wie ein Wagen mit zweihunderttausend Meilen auf dem Tachometer. Ein Klopfen meldet sich im Motor, die Heizung läßt sich nicht abstellen, das Fahrgestell ist rostig, die Sitzbezüge zerrissen und verfleckt, ein Scheibenwischer hat den Geist aufgegeben, der Auspufftopf sieht aus wie ein Salatsieb, und Öl verliert der Wagen auch.“

Charles Simic hat das geschrieben, der amerikanische Dichter, der 1938 in Belgrad zur Welt kam, und seit 1954 in den USA lebt. Simic gilt als einer der bedeutendsten Lyriker, aber seine Essays sind ebenso empfehlenswert wie seine Gedichte, für die er zig Auszeichnungen erhalten hat. Auch äußert er sich zu aktuellen Themen und nimmt dort genauso wenig ein Blatt vor den Mund, wie wenn er über das Altern spricht.

Wir haben dieser Tage Klassentreffen anlässlich des 42. Jahrestages unseres Abiturs. Kaum zu glauben ist das an manchen Tagen und in der Nacht zwischen drei und vier schon gar nicht. Aber wie es der Zufall will, ist mir beim melancholischen Stöbern im Bücherregal dieser Text von Charles Simic in die Hände gefallen.

Das Geheimnis des Glücks

So heißt der Aufsatz, in dem sich Simic mit seinem Alter und den Begebenheiten seines Lebens auseinandersetzt. Er berichtet von seiner jugoslawischen Oma, die den kleinen Jungen vor dem Erwachsenwerden warnt, erinnert sich an sein Klassenzimmer als Erstklässler, in dem Marx, Stalin und Tito an der Wand hingen. Er hadert mit einem Rezensenten, der ihm mit zunehmendem Alter eine zunehmende Düsterkeit in seinen Gedichten vorwirft, und er fragt sich, warum die Zeit nach dem sechzigsten Lebensjahr noch schneller vergeht, und wohin die „Faulenzersommer“ seiner Jugend entschwunden sind, in denen die Zeit nicht verging. Kennen wir dieses Gefühl, oder? Und genau da, in diesem Gefühl der gedehnten, nicht vergehenden Zeit verortet Simic das Geheimnis des Glücks.

„Damals bewegten sich die Uhrzeiger im Schneckentempo, und der Minutenzeiger machte lange Pausen, bevor er weiterzuwandern geruhte – nur um mich zu ärgern! Du Narr, denke ich heute, das waren reine Wonnen. Das Geheimnis des Glücks war in der Uhr verborgen. Die Zeit war so gnädig, deinetwegen innezuhalten; wie eine neue Geliebte öffnete die Ewigkeit die Tür zu einem Zimmer, von dessen Existenz du keine Ahnung gehabt hattest und das in weitere Zimmer führte, luftig und voll trägen, goldenen Sonnenlichts. Du verharrtest unschlüssig und zappelig auf der Schwelle, und in deiner Herzeneinfalt – kaum wage ich es auszusprechen – seufztest du erleichtert auf, wenn die Tür vor deiner Nase zugeschlagen wurde und der Uhrzeiger sich weiterbewegte.“

In diesem Sinne: haltet inne.

NK  | CK

„Das Geheimnis des Glücks liegt in der Uhr verborgen“ (Charles Simic)

„Das Geheimnis des Glücks liegt in der Uhr verborgen.“ (Charles Simic)

Buchinformation

Charles Simic
Das Geheimnis des Glücks
aus dem Amerikanischen von Melanie Walz, illustriert von Kurt Löb
2007, Verlag Thomas Reche, Neumarkt
Hardcover, Leinenbindung
ISBN: 3-929566-53-6
sehr ansprechend gestaltet und handwerklich exzellent gemachtes Buch

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Frosch, Teich, Haiku

Damit der Frosch laut quaken kann, braucht er seine Schallblase

Damit der Frosch laut quakend balzen kann, braucht er seine Schallblase

Dieser laute Frosch
hat seinen Bashō
nicht gelesen

This loud frog
has not read
his Bashō

Haiku für die Freundin K. aus Hamburg, die heute Geburtstag hat und sich vielleicht noch an die Frösche im Botanischen Garten der Universität Tübingen erinnert. An diesen heißen Tagen ist der schattige Platz am Seerosenteich des Botanischen Gartens eine echte Oase.

Unser Haiku ist eine Antwort auf Matsuo Bashō (1644 – 1694); er schrieb:

Der alte Teich!
Ein Frosch springt rein
das Wasser gluckst

Entstanden ist Bashōs Haiku vermutlich im Jahr 1686 oder 1682, die Übersetzung stammt von Eduard Klopfenstein aus dem Buch „Haiku – Gedichte aus fünf Jahrhunderten“. Wir haben das Buch hier vorgestellt.

Dieses Haiku von Bashō ist wahrscheinlich außerhalb Japans das berühmteste Haiku überhaupt. Es gibt auch im Deutschen einige verschiedene Übertragungen.

Über weitere Haiku zu diesem Thema, gerne in den Kommentaren, freuen wir uns!

NK | CK

Schöne Postkarte Nr. 57 · Bashō: Alter Teich mit Frosch

Schöne Postkarte Nr. 57 · Bashō: Alter Teich mit Frosch. © www.schoenepostkarten.de