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22. Mai 1998 – für C.

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“We owned a garden on a hill,
We planted rose and daffodil,
Flowers that English poets sing,
And hoped for glory in the Spring.
We planted yellow hollyhocks,
And humble sweetly-smelling stocks,
And columbine for carnival,
And dreamt of Summer’s festival.
And Autumn not to be outdone
As heiress of the summer sun,
Should doubly wreathe her tawny head
With poppies and with creepers red.
We waited then for all to grow,
We planted wallflowers in a row.
And lavender and borage blue, –
Alas! we waited, I and you,
But love was all that ever grew.”

aus: Vita Sackville-West: Poems of West & East, 1917

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Freitagsfoto: DSGVO

Das wunderbar deutsche Bürokratenwort Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und alles, was damit zusammenhängt, bringt die Netzgemeinde enorm in Wallung. Ganz ruhig bleibt die Staatsministerin für Digitales und Apple-Fan, Dorothee Bär, von der ich in dieser Sache noch nichts Substantielles gehört habe. Nach allem, was ich bis jetzt gelesen habe, ist die DSGVO ein Muster für juristisches Over-Engineering und bereitet vor allem kleineren Webseiten-Betreibern schlaflose Nächte, während die Abmahnanwälte schon freudig mit den Hufen scharren.

Alex von 1337core zeigt, wie man die DSGVO perfekt umsetzt: einfach auf das Bild klicken:

DSGVO perfekt umsetzt. Screenshot: 1337core

DSGVO perfekt umsetzt. Screenshot: 1337core

Schönes Wochenende!

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Freitagsfoto: Olympia in Tübingen

Ja, wo hängen sie denn?

Rund 2500 Kilometer sind es von Tübingen nach Olympia zum Heiligtum des Zeus im Nordwesten der Halbinsel Peleponnes. Olympisches Flair mit etwas Patina gibt es aber auch ganz in der Nähe. Wer schreibt mir, wo in Tübingen diese olympischen Ringe hängen? Die ersten Drei mit der richtigen Antwort dürfen sich 5 Motive aus unserer Serie Schöne Postkarten aussuchen. Ich bin gespannt!

 

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I still want you

Das Internet ist eine große Dreckschleuder, die tagtäglich von ziemlich vielen durchgeknallten Typen gefüttert wird, einerseits. Andererseits stößt man in diesem Internet bisweilen auf echte Perlen. Vor einem Jahr bin ich zufällig auf dem Twitter-Stream der außergewöhnlichen englischen Dichterin Helen Mort auf den Singer-Songwriter Richard Hawley aus Sheffield gestoßen. Und was soll ich sagen? Hawley hat eine unglaubliche Stimme und sein Lied “I still want you” von seiner LP “Hollow Meadows” ist für mich einer der schönsten Lovesongs. Allein diese Zeile “I still want you ‘till the sun gets cold”. Einfach mal reinhören:

Euch allen einen schönen 8. Mai

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Schöne Postkarten, die dritte Serie

„Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man ‚Oh, wie schön‘ singt und im Schatten sitzt.“ Rudyard Kipling (Schöne Postkarte Nr. 240)

„Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man ‚Oh, wie schön‘ singt und im Schatten sitzt.“ Rudyard Kipling
(Schöne Postkarte Nr. 240)

Jeder Druckbogen von Schöne Postkarten wird genau angeschaut in der Druckerei Enssle in Metzingen

Jeder Druckbogen von Schöne Postkarten wird genau angeschaut in der Druckerei Enssle in Metzingen

Schöne Postkarten in dritter Serie

Vor knapp einer Woche waren wir bei der Druckabnahme für die dritte Serie unserer Postkarten, die wir in den letzten Wochen und Monaten fotografiert, gestaltet und mit Texten versehen haben. Gestern haben wir die neuen Motive auf die Schöne-Postkarten-Homepage gestellt. Und heute morgen um kurz vor sieben haben wir die erste positive Resonanz bekommen. Das freut uns wirklich sehr, schließlich haben wir viel Arbeit, Zeit und Sorgfalt in die Produktion unserer neuen Postkarten gesteckt.

Wurmlinger Kapelle und Burg Hohenzollern vor der Blauen Mauer (Schöne Postkarte Nr. 219)

Burg Hohenzollern und Wurmlinger Kapelle vor der Blauen Mauer (Schöne Postkarte Nr. 219)

Schöne Postkarten am 5./6. Mai in der Staudengärtnerei

Unsere gesamte Kollektion zeigen wir am kommenden Wochenende (Samstag, 5. Mai / Sonntag 6. Mai, jeweils von 10 bis 17 Uhr) beim Frühlingsfest der Staudenmädchen in der Staudengärtnerei Erika Jantzen in Tübingen in der Sindelfinger Straße 85. Es gibt besondere Motive unter anderem zu diesen Themen: Tübingen, Garten, Bücher, Literatur, Natur, Hunde, Katzen und Oldtimer. Und: Alle Postkarten kann man kaufen, schreiben, sammeln, rahmen oder was einem sonst noch einfällt. Also, schauen Sie vorbei, verraten Sie uns Ihre Meinung und sagen Sie uns, welche Ecke von Tübingen längst mal mit einer Postkarte gewürdigt werden sollte.

Nicht gestellt, nicht retuschiert, aber im richtigen Augenblick abgedrückt. (Schöne Postkarte Nr. 224)

Garçon qui rit avec une vache en Bourgogne (Schöne Postkarte Nr. 224)

Wir freuen uns!

Corinna Kern & Norbert Kraas

Infos kompakt

Alle Motive von Schöne Postkarten gibt’s hier online zu sehen

Schöne Postkarten im Tübinger Einzelhandel kaufen

Das Frühlingsfest in der Staudengärtnerei findet statt am Samstag, 5. und Sonntag 6. Mai 2018 jeweils von 10 bis 17 Uhr. Sindelfinger Straße 85 in Tübingen.
So kommt man zur Staudengärtnerei von Erika Jantzen

Man muss sich nicht unbedingt für ein gutes Foto auf den Kopf stellen. (Schöne Postkarte Nr. 217)

Der Neckar als Spiegel für das Tübinger Wahrzeichen. (Schöne Postkarte Nr. 217)

Zufall? Fotografenglück? Auf jeden Fall ein besonderer Moment. Schöne Postkarte Nr. 20)

Fotografenglück: Eine Schwertschrecke setzt sich auf eins unserer Bücher. (Schöne Postkarte Nr. 20)

Henry James hatte eine klare Vorstellung vom Paradies. Wie ist Ihre? (Schöne Postkarte Nr. 245)

Henry James hatte eine klare Vorstellung vom Paradies. Wie ist Ihre? (Schöne Postkarte Nr. 245)

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Freitagsfoto: Zikade (nur zu hören)

Wer sagt mir, wie der Baum heißt?

In den Bäumen
singen Zikaden –
ein Sommertraum

In the trees
singing cicadas –
a summer’s dream

Dans les arbres
chantant des cigales –
un rêve d’été

Uralte Zikade

Zikaden (auf dem Foto da oben nur zu hören), die uns nicht nur im Süden Frankreichs mit ihrem Gesang erfreuen, gibt es auf unserem Planeten seit dem Eozän. Das Eozän begann vor 56 Millionen Jahren und ging vor rund 33 Millionen Jahren zu Ende. Je nach Quellen beginnt unsere Geschichte als Homo sapiens vor ca. 60 000 Jahren. Verglichen mit der Existenz der Zikaden sind wir ein Mückenschiss in der Erdgeschichte. Und ich gehe davon aus, dass die Zikaden auch noch lange nach uns ihr Lied anstimmen werden.

Allein unter den Singzikaden gibt es übrigens mehr als 4000 bekannte Arten, insgesamt gibt es mehr als 45 000 beschriebene Arten dieser Gliederfüßer, faszinierend.

Man könnte sich verlieren in der Wissenschaft von Zikaden. Jean-Henri Fabre (1823 – 1915), der französische Entomologe, war so einer, der sich in der Welt der Insekten verloren hat. Demnächst mehr hier von diesem Forscher und Beobachter, der poetisch wie kaum ein anderer die faszinierende Welt der Insekten beschrieben hat.

Bei den Zikaden singen übrigens nur die Männchen – um die Weibchen anzulocken. Warum sonst? „Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber“, schrieb daraufhin der griechische Dichter Xenarchos im 4. Jahrhundert vor Christus. Wie langweilig und trostlos wäre doch die Welt, lieber Xenarchos, wenn die Frauen stumm wären.

„Männer machen immer so ein dummes Gesicht, wenn  sie ertappt werden. Und sie werden ertappt“, hat zum Beispiel meine kluge Frau Oscar Wilde zitiert, als sie diesen Beitrag Korrektur gelesen hat.

Schönes Wochenende!

P.S. Wer kann mir sagen, wie der Baum auf dem Foto heißt?

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Freitagsfoto: Vom Schilderwald zum Professorengarten

Leidsystem oder Leitsystem? Fotogene Beschilderung vor dem Tübinger Rathaus

Leitsystem oder Leidsystem? Fotogene Beschilderung vor dem Tübinger Rathaus

Schilderwald

Erik Spiekermann, 70, hat als Typograph und Gestalter in seinem Leben viele Designpreise bekommen und noch mehr stilbildende Schriften, Symbole und Leitsysteme geschaffen. Die von ihm entwickelten Schriftfamilien Meta und Officina gelten heute weltweit als Klassiker. Er hat für das ZDF gearbeitet, die Deutsche Bahn, den Düsseldorfer Flughafen und die Stadt London.

Zum Thema Leitsysteme hat Spiekermann mal gesagt, dass diese eine Anleitung für Fußgänger seien, wie man mit einer Stadt umzugehen habe und dabei natürlich auch architektonische Folgen hätten. An Spiekermann musste ich denken, als ich diese Woche auf dem Tübinger Marktplatz stand, Rücken zum Rathaus, und mir dieses überdimensionierte Schilderungetüm ins Auge sprang.

Ich bin ja auch für die Energiewende, und die Stadtwerke Tübingen und die Verwaltung leisten hier sicher sehr gute Arbeit. Aber ist es für die Besucher*innen der Stadt wirklich von Interesse, wie weit es vom Marktplatz zum Windpark Oberkochen ist? Und wer, bitteschön, möchte als Tourist*in die Photovoltaikanlage an einer Sportarena besichtigen? Ja, diese mehrköpfige Schilderhydra hat gravierende architektonische Folgen: sie verschandelt den Blick auf Fachwerkhäuser und Rathaus, je nach Standort. Ich wüsste gerne, was Erik Spiekermann dazu sagen würde.

Gut erhalten und heute ein Paradies für Spinnen: Gärnterhütte im Professorengarten

Gut erhalten und heute ein Paradies für Spinnen: Gärtnerhütte im Professorengarten

Professorengarten

Keinen einzigen Hinweis findet man hingegen auf ein sehenswertes landschaftliches Kleinod ganz in der Nähe von Tübingen. Nur fünfeinhalb Kilometer zu Fuß sind es vom Tübinger Marktplatz zum Professorengarten bei Kusterdingen auf den Härten. Ich hatte von diesem besonderen Waldstück auch noch nie etwas gehört, in das uns unser Freund W. diese Woche zum ersten Mal geführt hat. Der Professorengarten wurde 1902 im Forstgebiet Großholz als Arboretum des Lehrstuhls für Forstwirtschaft der Universität Tübingen angelegt.

Neben dem ehemaligen Gärtnerhaus kann man im Professorengarten große Mammutbäume, exotische Nadelgehölze und japanische Zelkoven (Zelkova zerrata) bewundern, vorausgesetzt, man ist mit jemandem unterwegs, der in Baumbestimmung firm ist. Die japanische Zelkove war mir kein Begriff, sie ist bei uns als japanische Ulme bekannt und wird bis zu 30 Meter hoch. Ihr Holz gilt als sehr wertvoll und wird in Japan unter anderem zum Bogenbau eingesetzt. Sie hat eine besonders auffällige und schöne Rinde.

Auffällige Borke der japanischen Ulme (Zelkova serrata)

Borke der japanischen Ulme (Zelkova serrata)

Der Lehrstuhl für Forstwirtschaft, der seit 1818 bestand, wurde übrigens 1920 nach Freiburg verlegt, der interessante Professorengarten geriet dadurch ziemlich in Vergessenheit. Weder auf der Homepage der Stadt Tübingen noch bei der Tübinger Touristeninformation konnte ich online einen Hinweis darauf finden. Einzig im Unimagazin attempto! gab es im Dezember 2013 einen Artikel. Schade eigentlich. Dabei verfügt der Professorengarten mit Sicherheit über mehr grünen Zauber als ein Windpark im 111 Kilometer entfernten Oberkochen.

Zelkoven haben kurze, dicke Stämme und bilden eine weit ausladende Krone, wenn sie Platz haben. In der Nähe von Osaka steht ein Exemplar, das mehr als 1000 Jahre alt ist.

Zelkoven haben kurze, dicke Stämme und bilden eine weit ausladende Krone, wenn sie Platz haben. In der Nähe von Osaka steht ein Exemplar, das mehr als 1000 Jahre alt ist.

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Freitagsfoto: Gärtnern

Keine Frage von Reichtum: englisches Gartenglück in Nayland, Suffolk

Keine Frage von Reichtum: englisches Gartenglück in Nayland, Suffolk

„Gärtnern ist keine Frage von Renommee oder Reichtum, Gärtnern ist ein Lebensstil.“

Dieses Zitat stammt von Beth Chatto, 95, die mit den Beth Chatto Gardens im Osten von Essex aus einem verwilderten Ödland ein wahres Gartenparadies geschaffen hat. Ein Besuch dort ist äußerst inspirierend.

Man muss aber nicht gleich nach England fahren, um sich in Sachen Garten und Gärtnern anregen zu lassen. Dieses Wochenende finden zum Beispiel in der Tübinger Staudengärtnerei von Erika Jantzen die Kräutertage statt. Am Samstag und Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr, bieten die kundigen Staudenmädchen allen Gärterinnen und Gärtnerinnen klugen Rat und natürlich viele gesunde Kräuter und andere Pflanzen zum Mitnehmen.

Inspierend ist übrigens auch der unterhaltsame, teils anrührende Briefwechsel zwischen Beth Chatto und Christopher Lloyd, den ich hier schon mal erwähnt habe. Christopher Lloyd hat den Garten Great Dixter in East Sussex zu einem Mekka für Gartenfreunde gemacht. Dear Friend and Gardener! heißt das Buch. Es geht um Gärtnern, Gärten, das Leben, Musik, Essen, Trinken und die intensive Freundschaft zweier Gartenkünstler. Eine Leseprobe gibt es hier online. Prädikat lesenwert, nicht nur für Gartenfreunde.

Infos zum Buch

Beth Chatto, Christopher Lloyd: Dear Friend and Gardener!
DVA Random House, 2013.
ISBN: 978-3-421-03887-6

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Emphase gegen Ego

Jack Ridl, 74, amerikanischer Lyriker, der sich mit den Zuständen im Weißen Haus nicht abfinden will. Screenshot: Video by Fetzer Institute.

Jack Ridl, 74, amerikanischer Lyriker, der sich mit den Zuständen im Weißen Haus nicht abfinden will. Screenshot: Video by Fetzer Institute.

„Wenn die Sache irr wird, werden die Irren zu Profis“ hat der amerikanische Schriftsteller und Journalist Hunter S. Thompson (1937-2005) mal geschrieben. Thompson, der zu drastischen Worten ebenso wie zu exzentrischen Handlungen neigte, konnte nicht ahnen, dass die Sache mal so irr werden könnte. Ein irrlichternder, an Schlafstörungen leidender Präsident im Weißen Haus versetzt die Welt regelmäßig mit nächtlichen Twitter-Botschaften in einen Zustand höchster Erregung und Besorgnis. Gestern Nacht gab’s wieder so eine Botschaft, die es heute auf die Titelseite der Süddeutschen Zeitung geschafft hat: Trump kündigte in einem Tweet einen Raketenangriff auf Syrien an. Die syrische Regierung ist, wie wir wissen, mit Russland verbündet. Was für ein Irrsinn!

Emphase gegen Ego

“I have never thought of my life as divided between poetry and politics”, sagte Pablo Neruda im September 1969, als er zum Präsidentschaftskandidaten der chilenischen Sozialisten gewählt wurde. Klingt gut, aber kann Poesie etwas ausrichten gegen diesen Mann im Weißen Haus, der sich selbst für den Allergrößten hält und dies die Welt fast stündlich wissen lässt?

Christian Zaschke, New-York-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, ist der Frage, ob Lyrik etwas bewirkt, am Lake Michigan nachgegangen und hat ein äußerst lesenswertes Portrait des amerikanischen Dichters Jack Ridl geschrieben. Am Ostersamstag hat es die SZ auf der Seite Drei gebracht. Man kann dem immer lesenswerten Christian Zaschke und der SZ nicht genug danken dafür: Lyrik auf der dritten Seite!

Jack Ridl, den ich hier im Blog schon mehrfach empfohlen habe, setzt dem Lautsprecher im Weißen Haus seit dessen Wahl, an jedem Donnerstag seine klugen Gedanken und vor allem seine einfühlsamen, feinen Gedichte entgegen. Emphase gegen Ego, Leise gegen Laut. Der Dichter und emeritierte Lyrik-Professor schreibt am 17.11.2016, wenige Tage nach Trumps Wahlsieg:

“So each Thursday for the next four years, I’m going to post a poem of mine […] on my blog, as a kind of protest against the anti-soul perched atop the once free world.” (Quelle: Ridl.com)

Mittlerweile hat dieser Blog mehrere tausend Abonnenten, die sich jeden Donnerstag an seinen klugen, witzigen, einfühlsamen und auch tröstlichen Gedanken und Gedichten erfreuen. Durch die Reportage in der SZ sind mehr als 200 neue Leser*innen aus dem deutschsprachigen Raum dazugekommen, wie Ridl vor gut einer Woche auf seinem Blog schrieb. Dank Christian Zaschke, der Ridl mit diesen Worten zitiert:

„Plötzlich hat mein Schreiben einen konkreten Zweck. Plötzlich ist meine Dichtung Widerstand. Mit einem Mal ist sie im ganz unmittelbaren Sinne nützlich, auf eine neue und, vor allem, seelenvolle Weise.“ (Quelle: SZ)

Die ganze Reportage mit dem Titel „The Number of the Beast“ kann man hier online nachlesen. Es lohnt sich! Die Texte und Gedichte von Jack Ridl, die sich gegen die Trump-Administration richten findet man unter diesem Link.

practicing to walk LIKE A HERON

Lohnend ist im übrigen auch die Investition in Jacks Ridls Gedichtbände. Diese sind zwar – noch – nicht als zweisprachige Ausgaben in Deutschland erhältlich, Jack Ridls Englisch ist aber sehr gut verständlich und lesbar, und dann gibt es ja auch noch gute Lexika.

Der erste Band, den ich gekauft habe, hat den schönen Titel practicing to walk LIKE A HERON, 2013 bei Wayne State University Press erschienen. Als Einstieg, noch vor dem ersten Teil, steht ein Gedicht, das für mich Jack Ridls menschenfreundliche und achtsame Haltung – und natürlich seine Sprachkunst – wunderbar zum Ausdruck bringt. Achtsam ist Jack Ridl zum Beispiel in Bezug auf die vielen Menschen, von denen wir nichts wissen und die nicht täglich im Fokus von Fox News stehen oder bei Twitter trenden.

In diesem Gedicht schafft er es in 8 Strophen, die unterschiedlichsten Menschen mit wenigen Strichen so zu charakterisieren, dass man das Gefühl hat, man würde in derselben Kleinstadt leben wie diese Leute.

“Write to Your Unknown Friends“ (Jeff Gundy)

This is for Bob. He’s a good guy, likes
to fly fish, records each catch, where
he caught it, the weather, type of fly,
time of day. He tosses everyting back.

This is for Tanya. She’s a single mom
with three kids. She works behind
the counter in the post office, knows
everyone in town. Years ago she
threw away the “Return to Sender.
Address Unknown” stamp.

This is for Ted. Ted sells cars.
He wishes cars with fins would
come back. He knows gas mileage
matters. But “You don’t see
mileage when a car drives by.”

This is for Kenny. He never made it
past the sixth grade. In the winter,
he plows driveways, shovels walks.
The rest of the year he paints houses,
mows lawn, hauls junk. Each morning
he buys a paper, reads it over a cup
of coffee, black, and does the crossword.

This is for Ann. In her backyard, she
has a perennial garden, best in town,
more than a hundred different plants.
She has four greyhounds and a parakeet.
Where she goes, she wears a hat.

This is for Martha. She talks to
sparrows. She tries to tell them
something they’ve never heard.

This is for Sammy. He’s always late.
He loves to play blackjack. He’s
no good at counting cards. He wants
to own a motorcycle and ride it
to places he’s never been – Toledo,
Jacksonville, Los Angeles, Maine.

Today there’s no one around.
Too bad. It’s a good day
to call some friends, see if
they’s like to come over, shoot
the breeze, have some pizza, maybe
watch an old movie on TV.

Jack Ridl
(used here with permisson of the author)

„Schreib’ deinen Freunden, die du nicht kennst“ (Jeff Gundy)

Das ist für Bob. Er ist ein netter Kerl. Geht gerne
Fliegenfischen, notiert jeden Fang, wo
er ihn gefangen hat, Wetter, welche Fliege,
Tageszeit. Er wirft alles zurück.

Das ist für Tanya. Alleinerziehende Mutter
mit drei Kindern. Sie arbeitet hinterm
Schalter bei der Post, kennt
jeden in der Stadt. Vor Jahren
hat sie den Stempel „Zurück an Absender!
Adresse unbekannt“ weggeworfen.

Das ist für Ted. Ted verkauft Autos.
Er wünscht sich Autos mit Heckflossen
zurück. Er weiß, dass Verbrauch
wichtig ist. Aber: „Du siehst den
Verbrauch nicht, wenn ein Auto vorbeifährt.“

Das ist für Kenny. Er hat’s nie
über die 6. Klasse raus geschafft. Im Winter
räumt er die Einfahrten, schippt die Fußwege.
Den Rest des Jahres streicht er Häuser,
mäht Rasen, fährt Gerümpel weg. Jeden Morgen
kauft er die Zeitung, liest sie bei einer Tasse
Kaffee, schwarz, und löst das Kreuzworträtsel.

Das ist für Ann. Hinter ihrem Haus hat
sie einen Staudengarten, den schönsten in der Stadt,
mehr als hundert verschiedene Pflanzen.
Sie hat vier Greyhounds und einen Sittich.
Egal, wo sie hingeht, sie trägt immer Hut.

Das ist für Martha. Sie redet
mit Spatzen. Sie versucht, ihnen
Dinge zu erzählen, die sie noch nie gehört haben.

Das ist für Sammy. Er kommt immer zu spät.
Spielt gerne Black Jack. Er kann
keine Karten zählen. Er möchte
ein Motorrad haben und damit an
Orte fahren, wo er noch nie war – Toledo,
Jacksonville, Los Angeles, Maine.

Heute ist keiner da.
Zu schade. Ist ein guter Tag,
um Freunde anzurufen, fragen, ob sie
vorbeikommen wollen, bisschen
quatschen, Pizza essen, vielleicht
einen alten Film im Fernsehen anschauen.

Kleine Anmerkung: Ich bin weder Lyriker noch Lyrikübersetzer aber immer offen für Verbesserungsvorschläge. Ich übersetze, mit kluger Unterstützung meiner Frau, weil es mir Freunde macht und weil damit auch eine intensivere Beschäftigung mit einem Gedicht einhergeht.

Infos zum Buch

Jack Ridl: practicing to walk LIKE A HERON
Wayne State University Press, Detroit, 2013
ISBN: 9780814334539

Das Buch, wie auch die anderen Bücher von Jack Ridl kann man in jedem guten Buchladen vor Ort kaufen oder bestellen.

#supportyourlocalbookstore

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Freitagsfoto: Kröten im April

April is not
the cruellest month –
listen! the toads

April ist nicht
der grausamste Monat –
horch! die Kröten

Das öde Land

“April is the cruellest month”, so beginnt das berühmte, komplexe Langgedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot (1888 – 1965), der 1948 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Ich gebe zu, ich habe das Gedicht nicht ganz gelesen. Die Zeile fiel mir aber ein, als ich mit meinem Sohn bei einem Spaziergang auf einen Teich gestoßen bin, in dem es ziemlich heiß herging. Das Gedicht gibt es bei Insel in einer zweisprachigen Ausgabe (ISBN 978-3-518-42022-5).

Kröten

Wer sich über das Wesen der Kröten, eines der ältesten Lebewesen auf unserem Planeten, informieren möchte, dem sei das Buch „Kröten“ von Beatrix Langner empfohlen. Eine Natur- und Kulturgeschichte dieser besonderen Tiere, erschienen 2018 in der schönen Reihe „Naturkunden“ bei Matthes & Seitz in Berlin (ISBN 978-3-95757-546-3). Wie alle Bücher dieser Reihe ein bibliophiler Genuss, da sage ich nichts Neues.

Krötienou

Seit meine Schwiegermutter eine Zeitlang vor ihrer Kellertür eine Kröte namens „Krötienou“ als Mitbewohnerin hatte, bin ich der Meinung, dass Kröten völlig zu Unrecht als abstoßend empfunden werden. Und wurde nicht im „Räuber Hotzenplotz“ die Fee Amaryllis vom bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann in eine Unke (Feuerkröte) verwandelt? Lange musste sie im Unkenpfuhl ausharren, bis Otfried Preußler sie vom Kasperl in einer dramatischen Aktion befreien ließ. Ach, was für ein großartiges Kinderbuch – übrigens auch für Erwachsene. Erschienen beim Thienemann-Verlag in Stuttgart (ISBN 978-3-522-10590-3). Prädikat: Unbedingt lesenswert!