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Frühling der Reformen

Forsythien sind Frühlingsboten und gehören zur Familie der Ölbaumgewächse

Forsythien sind Frühlingsboten und gehören zur Familie der Ölbaumgewächse

Wenigstens
die Forsythien blühen –
Frühling der Reformen

Kranō

Nach dem Herbst des Stillstands hat uns die Regierung Merz vollmundig den Frühling der Reformen angekündigt. Ob am Ende wieder mal nur die schrägen Metaphern blühen? Wir sind gespannt. Zweifel sind jedenfalls angebracht. Und es wird auch nicht genügen, die Bürgerinnen und Bürger am laufenden Band vor den Kameras abzukanzeln, wie es der Kanzler ein ums andere Mal praktiziert. Wie wäre es mit Optimismus, Freude, Empathie, Motivation? Leider Fehlanzeige. In Berlin regiert das kleine Karo.

Umkehr und Hoffnung

Dabei gäbe es große und wichtige Aufgaben, die man energisch angehen müsste. Jeden Abend starren wir in den Nachrichten auf die Straße von Hormuz und auf die Preisschilder an den Tankstellen. Wäre es da nicht eine gute Idee, unsere Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern Öl und Gas so schnell wie möglich zu verringern? Aber was tun wir? Wir planen Gaskraftwerke, verzögern den Ausbau der Netze, verteufeln das Tempolimit, feiern den Verbrenner, phantasieren uns Minireaktoren auf den Balkon und sehnen uns nach den Adenauer-Jahren. »Keine Experimente« hat Konrad Adenauer 1957 plakatieren lassen. Sollte das die Zeitenwende der Regierung Merz sein? Zurück in die 50er? Die Welt in Cadenabbia-Blau?

»Es geht nicht vor und nicht zurück. Menschen wünschen sich eine andere Politik, sogar ein anderes Leben, aber die guten Parteien haben dazu nur wenig im Angebot. Immer, wenn der Begriff der Reform fällt, folgt ein komischer Vorschlag: kleinteilig, kompliziert und am Thema vorbei.«

Das schreibt der kluge Journalist und Autor Nils Minkmar in seinem Newsletter »Der Siebte Tag«. Und er gibt die Hoffnung dennoch nicht auf.

Ostern bedeutet Umkehr und Hoffnung. Wir wünschen euch Frohe Ostern.

Genießt den Frühling!

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Die Blaukissen (Aubrieta) gehören zur Familie der Kreuzblütler und verzaubern durch zarte Opulenz

Blaukissen (Aubrieta) gehören zur Familie der Kreuzblütler und verzaubern durch zarte Opulenz

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Erleuchtung am Meer

Es gibt Menschen, für die ist das Meer ein täglicher Jungbrunnen

Es gibt Menschen, für die ist das Meer ein täglicher, lebenswichtiger Jungbrunnen

Erleuchtung

Wie ich so stehe,
gibt mir das Meer
ein Licht,
das mich entzündet, und mit den Füßen
lese ich
die Blindenschrift der Kiesel

Michael Krüger

In schöner Regelmäßigkeit und zur Freude seiner zahlreichen Leserinnen und Leser bringt der Lyriker, Autor und ehemalige Chef des Hanser-Verlags einen Gedichtband raus. »Umstellung der Zeit« heißt der Band, dem das zitierte Gedicht entnommen ist; das Buch ist 2013 erschienen. Michael Krüger, 82, denkt dichtend nach: über die Natur, das Glück, Dichterkollegen und Freunde, Hotels, Jahreszeiten, Reisen, den Regen, den Tod und eine Amsel. Unaufgeregt, unangestrengt und ohne Schnörkel versucht er, sich ein Bild von der Welt zu machen.

NK | CK

Buchinformation

Michael Krüger
Umstellung der Zeit. Gedichte
117 Seiten, Hardcover
Suhrkamp Verlag 2013,
ISBN 978-3-518-42394-3

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Bärlauch-Meer

Bärlauch (Allium ursinum) ist eine krautige Lauchpflanze und eng mit dem Knoblauch verwandt

Bärlauch (Allium ursinum) ist eine krautige Lauchpflanze und eng mit dem Knoblauch verwandt

In einem Meer
aus Bärlauch ertränke ich
meine Alpträume

Kranō

Bärlauch gehört laut Wikipedia zu den essbaren Wildpflanzen. Ein Bärlauch-Pesto ist eine schmackhafte Sache, dazu ein Teller Nudeln und ein Primitivo, und die Welt sieht ganz anders aus. Der NABU warnt unerfahrene Sammler*innen, Bärlauch nicht mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen zu verwechseln, diese beiden Pflanzen sind nämlich hochgiftig.

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Durch des Vorhangs Falten

Sonnenunterang in Trouville-sur-Mer, Normandie

Vor der Nacht kommt der Sonnenuntergang, auch in Trouville-sur-Mer, Normandie

Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Falten
aus deinem Haar vergeßnen Sonnenschein.
Schau, ich will nichts, als deine Hände halten
und still und gut und voller Frieden sein.

Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherben
den Alltag sprengt; sie wird so wunderweit:
An ihren morgenroten Molen sterben
die ersten Wellen der Unendlichkeit.

Rainer Maria Rilke

Am Ende zehn Zeilen

„Nie gab Rilke etwas aus der Hand, was nicht ganz vollendet war“, schreibt Stefan Zweig in seinen lesenswerten Erinnerungen „Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers“ (Fischer Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-21152-4).

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium bei Montreux) selbst hätte das vermutlich nicht so gesehen. Er war sehr streng mit sich. In seinem Großstadtroman  „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ schreibt der Dichter sinngemäß, man könne froh sein, am Ende eines Lebens vielleicht zehn Zeilen geschrieben zu haben, die gut sind. Im Falle Rilkes scheint uns das allerdings maßlos tiefgestapelt.

Dieser viel zu früh Verstorbene hat so viele schöne Zeilen geschrieben! Ist das nicht wunderbar in diesem Liebesgedicht, wenn die Nacht durch des Vorhangs Falten vergessnen Sonnenschein aus dem Haar der Geliebten holt? Und in den letzten beiden Zeilen die melancholische Erkenntnis, dass eben nichts von ewiger Dauer ist?

Also: wer zwischendurch mal Pause braucht vom absurden Polittheater (und diese Pause brauchen wir alle!), gönne sich ab und an ein paar Zeilen Lyrik, gerne von Rilke, aber nicht nur. Zur weiteren Beschäftigung mit Rilke empfehlen wir als Einstieg das schmale Buch „Rainer Maria Rilke. 100 Seiten“ von Clemens J. Setz, erschienen bei Reclam, ISBN 978-3-15-020786-4)

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Die Wellen

Wasserwellen sind mechanische Wellen und breiten sich nur in einem mechanischen Medium aus.

Wasserwellen sind mechanische Wellen und breiten sich nur in einem mechanischen Medium aus

DIE WELLEN

Es heißt, dass Wellen niemals enden,
sie gehn und kommen ungezählt.
Die Kinder greifen sie mit Händen,
der Doge hat sich ihnen stolz vermählt.

Aus solcher Nässe sind wir aufgestiegen
zu jeder Schandtat stets bereit.
Wir lernten sterben und wir lernten siegen
und wurden niemals je gescheit.

Günter Kunert (* 6. März 1929 in Berlin; † 21. September 2019 in Kaisborstel)

Das Gedicht ist dem Band „Zu Gast im Labyrinth“ entnommen, erschienen im Hanser Verlag 2019.

Ob wir jemals gescheit werden?

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Auf den Frühling ist Verlass

Krokusse sind Frühlingsboten; der bekannteste ist der Crocus sativus für die Safrangewinnung

Krokusse sind Frühlingsboten; der bekannteste ist der Crocus sativus für die Safrangewinnung

Der Frühling kommt
in großen Schritten –
nicht mit der Bahn

Auf den Frühling und auf die Krokusse ist Verlass, mehr als auf die Deutsche Bahn, die von diversen CSU-Verkehrsministern und wortgewaltigen Bahn-Vorstandsvorsitzenden an die Wand gefahren wurde. Ein Trauerspiel! Jetzt hat die Bahn mit Evelyn Palla eine Vorstandsvorsitzende, die von der Österreichischen Bundesbahn kommt. Sie soll es richten. Die ÖBB hat übrigens wie die legendäre SBB der Schweiz eine Pünktlichkeitsquote von locker über 90 Prozent, wie der SPIEGEL im Januar 2026 meldete.

Auch die Deutsche Bahn war übrigens mal bekannt für ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, das war vermutlich vor der Privatisierung 1998. Damals hatten die Vorstände der Bahn auch noch richtige Vornamen, seit Mehdorn werden sie alle Bahnchef gerufen. Als die Deutsche Bahn noch pünktlich war, wurde dieser Werbespot produziert, der einem heute Tränen der Rührung in die Augen treibt.

Schönes Wochenende!

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Fröhlich und stabil

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zeigen den Frühling an und lassen sich von nasskaltem Sauwetter nicht beeindrucken

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) lassen sich von nasskaltem Sauwetter nicht beeindrucken

Fröhlich und stabil
allen Widrigkeiten zum Trotz
Schneeglöckchen

Kranō

Immer mal wieder tausche ich mit meinem alten Freund H. per E-Mail einen Zeitungsartikel und ein paar Sätze zur politischen Lage in Deutschland und in der Welt aus. H. ist ein erfahrener Jurist, Kommunalpolitiker, immer realistisch und mit einem gesunden Humor gesegnet. Dazu tendiert er nicht zur rosaroten Brille, was die Zukunft angeht. Er ist stabil, wie man heute so sagt.

Stabil sind auch die Schneeglöckchen, die uns jetzt überall erfreuen. Die meiste Zeit des Jahres verbringen diese zarten Geschöpfe als unscheinbare Zwiebelchen im kühlen Dunkel unter der Erde. Aber irgendwann Ende des Winters hält diese zarten Schönheiten nichts mehr, egal, wie schmuddelig und nasskalt das Wetter ist. Dann zeigen sie uns, was es heißt, fröhlich und stabil den widrigsten Umständen zu trotzen.

Bewundernswert!

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Verkehrungen erkennen und benennen

„Krieg bedeutet Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.“ Verkehrungen in George Orwells Klassiker 1984.

„Krieg bedeutet Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.“ Verkehrungen ins Gegenteil in George Orwells Klassiker 1984.

Am 8. März 2026 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Noch ist genügend Zeit, die Unterlagen für die Briefwahl zu beantragen, damit man die Frage, ob man wählen geht, nicht von einer Befindlichkeit oder gar vom Wetter abhängig macht.

Wählen ist wichtiger denn je

Wir schreiben diesen Beitrag für diejenigen unter uns, die sich ernsthaft fragen, ob sie überhaupt noch wählen sollen. Weil sie den Glauben an die Stärke der Demokratie allmählich als naiv empfinden. Weil sie sich ständig überreizt fühlen oder in Folge nur noch müde von der Überflutung von Nachrichten, kaum unterteilt in Tatsachenmeldungen und Meinungen. Oder von den Fake News, die es zu erkennen und auszublenden gilt. (Früher sagte man zu Fake News übrigens Lügen, was weniger verharmlosend klang.)

Wenn Opfer zu Tätern gemacht werden, Aggressoren unverhohlen bewundert und hofiert werden, und der größte Bullshit in einer Rede mit Standing Ovations der Zuhörer belohnt wird, wie unlängst in Davos beim Weltwirtschaftsforum geschehen, erfasst einen der Ekel und ein unerträglicher Schwindel. Und weil man von diesem Karussell Erde nicht einfach hinuntersteigen kann, scheint zuweilen nur noch der komplette Rückzug Abhilfe zu verschaffen. Zwar gab es – anlässlich Trumps unverhohlener Besitzansprüche auf Grönland – endlich eine Welle der Empörung von Seiten der europäischen PolitikerInnen, aber diese verebbt leider auch schon wieder. Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, von der Politik enttäuscht zu sein. Man kann sich in der Tat also fragen, ob die eigene Wahlstimme überhaupt noch von Belang ist. Uns geht es da nicht anders.

Verkehrungen ins Gegenteil

Gleichzeitig nisten sich die Verkehrungen ins Gegenteil wie alle anderen Methoden der Desinformation unmerklich ein. Eine wissenschaftlich fundierte Analyse subversiver Machttechniken legt Sylvia Sasse mit ihrem klugen Buch „Verkehrungen ins Gegenteil“ vor. Wir hatten das Glück, den sehr anschaulichen Vortrag der Autorin im Sommer letzten Jahres bei einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg Außenstelle Tübingen hören zu können. Es war eine Wohltat, die vielen Verrücktheiten dieser Welt, die durch die Verkehrung ins Gegenteil entstehen, analysiert, erklärt und eingeordnet zu bekommen.

Sasse lehrt als Professorin für Literaturwissenschaft und Slawistik an der Universität Zürich und zeigt in ihrem Buch anhand vieler Beispiele (einige aus der russischen Geschichte), dass die Technik der Verkehrung ins Gegenteil alles andere als neu ist. Der amtierende amerikanische Präsident, ein Meister der Verdrehung und Verkehrung, bewegt sich hier sicher auf den Spuren von Ivan dem Schrecklichen, Josef Stalin, Adolf Hitler und Wladimir Putin. Die Russen, so Sasse, seien übrigens besessen von George Orwells Klassiker 1984. Die Propagandaexperten im Kreml interpretieren diesen Klassiker, und jetzt wird’s ganz verrückt, als Warnung vor der westlichen Demokratie. Sasse schreibt:

„Was wir also historisch beobachten können, ist, so meine These, dass totalitäre Systeme mit Umkehrungen arbeiten, dass, mit anderen Worten, die Umkehrung ein Kennzeichen totalitärer Systeme und autokratischer Praktiken ist.“

Beispiel: Putin rechtfertigte seinen völkerrechtswidrigen Einmarsch in die Ukraine mit der Begründung, er müsse die Ukraine „entnazifizieren“. Das ist eine Verkehrung ins Gegenteil, denn ein faschistoides Regime in Moskau rühmt sich der „Entnazifizierung“ der demokratischen Ukraine, deren Präsident Wolodymyr Selenskyj in eine jüdische Familie geboren wurde.

Anderes Beispiel: Der Vizepräsident der USA beklagt seit der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 immer wieder, dass in Europa und vor allem in Deutschland die Meinungsfreiheit nicht mehr gelte. Was für eine perfide Verkehrung, bedenkt man, dass in den USA aktuell Medien und freie Bürger*innen bedroht und verklagt werden, wenn sie ihre Meinung zu der immer autoritärer werdenden Politik ihres Landes äußern.

Ein letztes Beispiel: Politikerinnen und andere Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland, die ständig in Talkshows die große Bühne bekommen, beklagen sich mit weinerlicher Opfermiene, man dürfe in diesem Land nicht mehr alles sagen, weil die bösen Woken die Macht übernommen hätten. Geht’s noch lächerlicher? Man darf in diesem Land so ziemlich alles sagen, auch den größten Blödsinn, nur halt nicht ohne Widerspruch.

Machttechniken aufdecken

Was aber tun gegen diese strategischen Verkehrungen, Verdrehungen und Lügen? Ein Patentrezept gegen diese subversiven Machttechniken hat auch Sylvia Sasse nicht. Aber sie betont, wie wichtig der erste Schritt ist: nämlich die Verkehrungen aufzuschlüsseln und als solche zu benennen. Eine weitere Strategie ist es laut Sasse, den Blick vom Empfänger auf den Sender zu richten. Für die Wissenschaftlerin ist

„die Verkehrung ins Gegenteil im Grunde die verräterische Selbstadressierung.“

Mit anderen Worten: Wer dem politischen Gegner die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit vorwirft, der plant womöglich selbst die Abschaffung derselben.

Ein weiterer Rat der Autorin: sich an Fakten zu orientieren und nicht drumherum zu reden. Wenn der Kaiser nackt ist, dann muss man seine Nacktheit benennen. So wie es Kanadas Premierminister Mark Carney in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2026 in Davos gemacht hat. Er sagte:

„Die Macht der weniger Mächtigen beginnt mit Ehrlichkeit.“

Entscheidet Euch!

„Entscheidet Euch!“, so heißt die 2025 im Verlag Metropol erschienene Flugschrift des Journalisten Hermann Vinke, der sich aufgrund der aktuellen Wahlprognosen große Sorgen macht um unsere Demokratie. In seiner aufrüttelnden, unbedingt empfehlenswerten Streitschrift ruft der 86jährige, erfahrene Journalist auf:

„Keiner von uns hat das Recht, aus einer momentanen oder auch länger aufgestauten Protesthaltung heraus grundlegende Freiheiten infrage zu stellen und einer demokratiefeindlichen Partei die Stimme zu geben. Vielmehr ist es unsere Pflicht, für unser freiheitliches demokratisches System mit aller Kraft einzutreten.

Das sind wir den Freiheitskämpfern unserer Geschichte schuldig, den Widerstandskämpfern im Dritten Reich, den Bürgerrechtlern in der DDR, ebenso den von Diktaturen Verfolgten und Ermordeten.

Das sind wir auch denen schuldig, die heute in den Haftanstalten ausharren, drangsaliert und gefoltert werden, weil sie sich für Freiheit und Demokratie in ihren Ländern eingesetzt haben.“

Hermann Vinke, der in seinem Journalistenleben als Augenzeuge viel erlebt hat, hofft auf die Macht der Vernunft. Er appeliert an uns, die Zivilgesellschaft, aber auch an unsere Politiker*innen, die er unmissverständlich auffordert, alles für einen handlungsfähigen, funktionierenden Staat zu tun. Denn nur so, schreibt Vinke, lässt sich rechtsextremen Rattenfängern, die nur Hetze und Spaltung im Programm haben, der Nährboden entziehen.

Wir haben die Wahl

Die Selbstverständlichkeit der Demokratie, wie wir sie seit Jahrzehnten erleben durften, ist heute bereits verschwunden. Das muss wirklich jeder inzwischen begriffen haben. Jeder, der die Demokratie für wert erachtet, sollte an ihr mitwirken, und sei es nur, dass er oder sie wählen geht.

In diesem Sinne: Geht wählen. Es kommt auf jede unserer Stimmen an.

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Buchinformation

Sylvia Sasse
Verkehrungen ins Gegenteil
Fröhliche Wissenschaft 220
Matthes & Seitz, Berlin, 2023
ISBN: 978-3-7518-0566-7
188 Seiten, Klappenbroschur, 15,00 Euro

Hermann Vinke
Entscheidet Euch! Eine Flugschrift
Metropol Verlag, Berlin, 2025
ISBN: 978-3-86331-821-5
96 Seiten, Broschur, 9,90 Euro

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Vom Glück des Genießens

„Der Genuss ist es, der uns glücklich macht.“ Michel de Montaigne

„Der Genuss ist es, der uns glücklich macht.“ Für Lisbeth, das Terrier-Mädchen keine Frage.

„Der Genuss ist es, der uns glücklich macht.“

Michel de Montaigne, geboren am 28. Februar 1533 auf Schloss Montaigne im Südwesten Frankreichs im Périgord, gestorben am 13. September 1592 auf Schloss Montaigne.

Wer sich für den klugen, dem Humor und den Sinnesfreuden nicht abgeneigten französischen Essayisten und Philosophen interessiert, dem sei zum Einstieg das Buch von Hans Stilett Von der Lust, auf dieser Erde zu leben: „Wanderungen durch Montaignes Welten“ (ISBN 978-3847740315) empfohlen. Stilett, der vor mehr als 20 Jahren die Essais von Montaigne in modernes, hervorragendes Deutsch übertragen hat, führt in 19 Kapiteln durch Leben und Gedankenwelt Montaignes. Das ist wunderbar klug und anregend. Ein wissenschaftlicher Kommentar, der sich mit Lust lesen lässt und dennoch auf dem neusten Forschungsstand ist“, hieß es in einer Rezension im Deutschlandfunk.

Die Gesamtausgabe der Essais in der Übersetzung von Hans Stilett ist als dtv Taschenbuch in drei Bänden (ISBN 978-3423590822) aktuell nur noch antiquarisch erhältlich.

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U2P: Ukraine to Power – Krieg und Kälte

Ausgebombte, ausgekühlte Wohnungen sind in der Ukraine an der Tagesordnung

Ausgebombte, ausgekühlte Wohnungen sind in der Ukraine an der Tagesordnung

Vor gut einem Monat hatten wir im leer stehenden Haus meiner verstorbenen Eltern ein Heizungsproblem: das Öl war fast aus, und der Brenner nach über 40 Jahren am Ende. Die Temperatur im Haus betrug nur noch wenige Grad über dem Gefrierpunkt, bei entsprechend hoher Luftfeuchtigkeit. Die Außentemperaturen lagen auch tagsüber unter Null. Das Problem konnte mit technischem Aufwand schnell gelöst werden. Es war ärgerlich und ungemütlich, mehr nicht.

Krieg und Kälte

Wesentlich dramatischer stellt sich die Situation in diesem kalten Winter in der Ukraine dar. Denn der russische Aggressor hat sich zum Ziel gesetzt, die Ukrainerinnen und Ukrainer zu zermürben. Unablässig lässt er zivilie Infrastruktur wie Heizkraft-, Strom- und Wasserwerke, usw. bombardieren. Die Menschen in der Ukraine sollen frieren, sie sollen im Dunkeln sitzen, sie sollen Angst haben, sie sollen reif für eine Kapitulation geschossen werden. Es ist widerwärtig! Aber es wird dem russischen Aggressor nicht gelingen, die Menschen in der Ukraine zu brechen.

Der Wille und die Widerstandskraft der Ukrainerinnen und Ukrainer können nur als heroisch beschrieben werden. Was man leider von der Entschlossenheit der sogenannten Koalition der Willigen (Deutschland gehört auch dazu) nicht behaupten kann. Wann werden endlich wirksame Sanktionen gegen Russland durchgesetzt? Wann wird die Schattenflotte aufs Trockene gelegt? Wann erhält die Ukraine von der NATO und der EU endlich die militärische Unterstützung, die sie braucht? Was ist mit dem Taurus, den der Bundeskanzler so vollmundig versprochen hatte, als er noch nicht Kanzler war?

U2P – Ukraine to Power

Und wie können wir den Menschen in der Ukraine gerade helfen? Der Politikwissenschaftler Carlo Masala hat online auf eine Initiative hingewiesen, mit der wir die Menschen in der Ukraine unterstützen können. U2P – Ukraine to Power ist eine gemeinnnützige Organisation, die Gemeinden in der Ukraine beim Wiederaufbau der Energieinfrastruktur unterstützt. In Deutschland wird U2P von der gemeinnützigen Organisation WeAid vertreten. Aktuell läuft dort der Nothilfe-Aufruf Winter 2026. Für 80 Euro stellt U2P Wärme- und Überlebenspakete zusammen und bringt diese dorthin, wo sie in der Ukraine gebraucht werden. Hier die Beschreibung:

„Derzeit erleben viele Menschen in Kyjiw und anderen Städten eine extreme humanitäre Situation. Tausende Haushalte haben keinen Strom, keine Heizung und oft kein Wasser. Die Temperaturen in den Wohnungen liegen teilweise nur bei neun bis zwölf Grad. Draußen herrscht starke Kälte.

Ukraine2Power reagiert auf diese akute Lage mit schneller, pragmatischer Nothilfe für Wohnhäuser, in denen Menschen besonders gefährdet sind. Wir stellen Wärme- und Überlebenssets für Wohnungen bereit. Diese bestehen aus einem Camping-Gaskocher für warme Getränke, einer elektrischen Heizdecke, Powerbanks, chemischen Handwärmern und einer großen Thermoskanne.

Ein Set kostet rund 80 Euro und kann einer Wohnung helfen, diese kritische Phase zu überstehen.“ (Quelle: https://www.we-aid.org/de/project-details/50/)

Wer die Menschen in der Ukraine mit einem Nothilfepaket unterstützen möchte, kann hier spenden. Die Abwicklung erfolgt durch die Zahlungsplattform Stripe, Zuwendungen per Kreditkarte, Sepa-Lastschrift und andere gängige Zahlungsdienstleister sind möglich. Es ist unkompliziert. Man kann aber auch seine Spende ganz normal überweisen:

Begünstigter: WE AID gGmbH
IBAN (Spendenkonto): DE 52 3702 0500 0001 8388 01
BIC: BFSWDEXXX
Verwendungszweck: Ukraine2Power
Name der Bank: SozialBank
Bankadresse: SozialBank AG, Konrad-Adenauer-Ufer 85, 50668 Köln

„Kein Strom, keine Wärme, kein Wasser. Was für meine Familie, Freunde und Kolleg:innen in Deutschland unvorstellbar ist – für die Menschen in der Ukraine eine neue Realität. Russlands Krieg ist besonders brutal, weil er vor allem die Schwächsten trifft.“ (Vassili Golod, Studioleiter & Korrespondent ARD Kyjiw auf BlueSky, 28.1.2026)

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