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150 Jahre Postkarte: Eine Geschichte mit Zukunft

Seit 150 Jahren gibt es die Postkarte, und sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich und noch viel Zukunft vor sich. Die Medienwissenschaftlerin Anett Holzheid vom ZKM in Karlsruhe hat sich in ihrer Doktorarbeit intensiv mit der Postkarte beschäftigt. Das SWR-Fernsehen hat dazu einen kleinen, sehenswerten Beitrag gebracht:

Die Postkarte ist, da sind wir ganz sicher, auch im 21. Jahrhundert nicht unterzukriegen. Warum? Weil sie analog und persönlich ist und der Empfängerin oder dem Empfänger eine ganz besondere Wertschätzung signalisiert. Außerdem: schon mal versucht, eine WhatsApp-Nachricht an die Wand zu pinnen?

Postkarten schreiben entschleunigt übrigens auch. Weil man in einen ganz anderen Modus kommt, sagt die Medienwissenschaftlerin Holzheid. Dazu passt, finden wir, das entschleunigende Zitat von Franz Kafka, das es bei Schöne Postkarten als Motiv gibt:

Schöne Postkarte Nr. 168 · Warum erster sein? Franz Kafka © 2018 Schöne Postkarten

Schöne Postkarte Nr. 168 · Warum erster sein? Franz Kafka © 2018 Schöne Postkarten

Schönes Wochenende!

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Haiku aus dem Westerwald

Georges Hartmann lebt und schreibt im Westerwald Haiku und Kurzprosa

Georges Hartmann lebt und schreibt im Westerwald Haiku und Kurzprosa

Leise Kunst aus Japan

Wer Haiku hört, denkt an Japan. Von dort kommen sie ursprünglich, diese auf den ersten Blick unscheinbaren Kurzgedichte, die uns in 17 Silben ganze Assoziationsräume erschließen können. Das Haiku ist eine leise Kunst. Die großen Meister – Bashō, Buson, Shiki, Issa – waren sehr bescheidene Menschen, die mitunter ein mönchisch-karges Leben führten und aus ihrer Kunst kein Aufhebens gemacht haben.

17 Silben aus dem Westerwald

Nun muss man nicht unbedingt den Blick gen Japan richten, wenn man gute Haiku lesen möchte. Gute Haiku findet man auch in Deutschland, zum Beispiel im Westerwald. Dort lebt und schreibt Georges Hartmann, und wie sein Vorbild Issa macht auch er kein Aufhebens aus seinen dreizeiligen Kleinoden. Ich habe Georges Hartmann vor zwei Jahren bei einem Workshop kennen- und schätzengelernt. Mittlerweile wandern seine kleinen Haiku-Büchlein bei uns immer mal wieder von Nachttisch zu Nachttisch. Georges Hartmann schreibt Haiku mal klassisch (mit Jahreszeiten- und Naturbezug), mal auch ganz frei. Zwei Beispiele:

Ein Kinderlachen
erlöst mich aus der Schwermut
am jetzt leeren Strand

Beim Elternabend
suche ich auf der Schulbank
nach meiner Kindheit

Todheiter und tröstlich

„Das große Haiku ist todheiter“, schreibt Günther Wohlfahrt in dem Reclam-Heft „Zen und Haiku“. Diese widersprüchliche Charakterisierung passt auch zu Georges Hartmanns Arbeit. In seinen melancholisch-heiteren, feinsinnig-witzigen oder traurig-komisch Dreizeilern führt er uns immer wieder Situationen vor Augen, die wir alle kennen. Es sind Momente der Einsamkeit, des Zweifels, des Scheiterns oder des wehmütigen Erinnerns:

Einsamer Playboy!
Über dein schütteres Haar
streicht nur noch der Wind

„Erzählen ist tröstlich“, hat einmal ein Literaturkritiker über den Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel geschrieben. Und ist es nicht tröstlich zu lesen, dass auch an stillgelegten Bahngleisen Leben herrscht?

Die Heckenrosen
am stillgelegten Bahngleis
blühn wie jedes Jahr

Buchinformation

Von Georges Hartmann sind im bon-say-verlag erschienen:

Almkuh: 48 Haiku ohne Jahrenszeitenbezug, 16 Seiten
nahtlos: 48 Haiku mit Jahrenszeitenbezug, 16 Seiten
Wunschträume: Kurztexte mit Haiku, 16 Seiten

Die Bücher sind direkt beim Verlag zu beziehen:

bon-say-verlag
Inh. Gabriele Hartmann
Ober der Jagdwiese 3
57629 Höchstenbach
www.gabriele-reinhard.de/verlag.php
E-Mail: info@bon-say.de

Fragen und Antworten

Wie kommt man eigentlich als Betriebsprüfer bei der Zollverwaltung zum Schreiben von Haiku und anderen Miniaturen? Das haben wir uns gefragt und Georges Hartmann, der 1950 im lothringischen Bitche zur Welt kam, um ein paar Antworten gebeten:

Vorbilder?

Als Anfänger ohne jegliche Ahnung vom Haiku orientiert man sich zwangsläufig an den Dichtern aus Japan, dem Ursprungsland des Haiku. Heute sind es im fliegenden Wechsel die europäischen Haiku-Schreiber, die wie Pilze aus dem Boden schießen und sich mit gelungenen Texten präsentieren, sodass es mir schwerfällt auch nur einen zu benennen, ohne alle anderen zu beleidigen. Mein absoluter Favorit ist Issa (1763 – 1828). Irgendwann habe ich mich dann im Übermut als „Issa von Bornheim“ (der Frankfurter Stadtteil, in dem ich damals wohnte) bezeichnet, was immerhin einen Tag lang für Gelächter gesorgt hat.

Lieblings-Haiku

Bei der existierenden Haiku-Schwemme ist es nahezu unmöglich, sich auf ein einziges Haiku festzulegen. Eines von Morikawa Kyoriku könnte auch in unsere Zeit der befristeten Arbeitsstellen passen. Was wird aus mir werden? Was wird mir die Zukunft bringen? Was wird aus meinem Leben? Dies könnten Fragestellungen sein, die heute so aktuell sind wie es damals für bestimmte Berufsgruppen wohl ebenfalls Gültigkeit hatte …

Dienstbotenwechsel …
Den Schirm gesenkt schaut sie in
den Abendregen

Haiku schreiben

Allen Haiku-Novizen empfehle ich dringend, sich einen Kreis Gleichgesinnter zu suchen, mit denen man ja in stetiger Konkurrenz steht, was ehrgeizige Menschen immerhin dazu verführt, mal schnell den nächsten Gang einzulegen und über sich hinaus zu wachsen. Wichtig ist aus meiner Sicht auch die Diskussion, das Ringen um Worte, die Orientierung an Texten, die man zuhauf im Internet findet und das Finden einer eigenen, unverkennbaren Stilistik. Es gibt eine Flut völlig langweiliger, manchmal auch absolut unverständlicher Haiku. Wenn man es entgegen der Empfehlung auf eigene Faust versuchen möchte, sollte man so viele Haiku wie möglich lesen, lesen und nochmals lesen, bis man herausgefunden hat, welche „Melodie“ die eigenen Haiku haben sollten. Die Deutsche Haiku Gesellschaft e.V. bietet für Haiku-Novizen auch die Möglichkeit, sich bei einem Mentor Rat zu holen.

Der Haiku oder das Haiku?

Richtig ist „das Haiku“ und entgegen dem DUDEN „die Haiku“. Ein Antrag auf Änderung (der DUDEN gibt „die Haikus“ vor) wurde vom Verlag abgelehnt.

Wir danken Georges Hartmann, der, wie wir wissen, ein besonderes Verhältnis zu Kühen hat. Deshalb gibt’s jetzt noch ein anrührendes Haiku von Georges und ein Foto von einem Aubrac-Rind.

Der dicken Almkuh
das Bratenfleisch gestreichelt
und bitterlich geweint.

N.K. / C.K.

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There’s a beauty out there

Chasing The Sublime from Amanda Bluglass on Vimeo.

“There’s a beauty out there and a purity which I think we both embrace. It’s good to swim with someone with a poet’s heart.”

Ein Satz aus einem poetisch schönen Film, den die englische Filmemacherin Amanda Bluglass über Kate Rew und Kari Furre gemacht, die beide zu den Gründer*innen von The Outdoor Swimming Society gehören.

Schwimmen: There’s a beauty out there.

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Persönliche Daten gehackt?

Identity Leak Checker

Das renommierte Hasso-Plattner-Institut des SAP-Gründers Hasso Plattner bietet auf seiner Homepage einen Identity Leak Checker an. Damit lässt sich mittels der eigenen E-Mailadresse prüfen, ob persönliche Identitätsdaten bereits im Internet veröffentlicht wurden.

Hier geht’s zum Identity Leak Checker.

Dank an die Journalistin und Schriftstellerin Anne Siegel, die diese nützliche Information via Twitter verbreitet hat.

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Neujahrsmorgen 2019

Die Hoffnung zerplatzt
bereits am Neujahrsmorgen.
Alles wie gehabt.

aus: nahtlos, 48 Haiku von Georges Hartmann

Mit diesem Haiku von Georges Hartmann wünschen wir Euch / Ihnen allen ein gutes neues Jahr! In Kürze werden wir diesen besonderen Haiku-Dichter aus dem Westerwald hier im Reklamekasper ausführlich vorstellen. Eine Entdeckung, so viel sei schon mal verraten.

Bis bald!

Corinna Kern · Norbert Kraas
Neujahr 2019

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…und ringsumher ist alles weiß

Dem schwarzen Hund streckt sie die Zweige hin, bereit. Schönbuch bei Tübingen, 3. Advent 2018

Dem schwarzen Hund streckt sie die Zweige hin, bereit. Schönbuch bei Tübingen, 3. Advent 2018

Weiße Weihnachten?

Schön wär’s! Es gibt eher „heiße Weihnachten“ so lesen wir gerade. Was übrigens ziemlich häufig vorkommt, Schmuddelwetter an Weihnachten. Klimatologische Singularität nennen das die Meteorologen, dieses „Weihnachtstauwetter“, das in 7 von 10 Jahren auftritt, so Spektrum online. Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten in Tübingen liegt entsprechend bei maximal 20 Prozent. Es steht zu befürchten, dass dies in Zukunft nicht besser wird. Im Gegenteil: Vielleicht sollten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass dereinst der Lavendel auf der Zugspitze blühen wird, während irgendwo auf der Welt einmal im Jahr auf einem Klimagipfel darüber gestritten wird, ob man die Klimaziele von Paris jetzt mal strenger einhalten sollte.

Es klopft bei Wanja in der Nacht

Reichlich Schnee gibt es dafür in einer der schönsten Wintergeschichten, die wir kennen. Es ist die Geschichte des Jägers Wanja, und die ist bei uns im Hause so oft gelesen worden, dass unsere Kinder sie noch heute fast fehlerfrei aufsagen können.

Weit fort in einem kalten Land
steht Wanjas Haus am Waldesrand.
In langen Zapfen hängt das Eis
und ringsumher ist alles weiß.

So geht das los, und dann beginnt mitten in der Nacht ein bitterkalter Schneesturm zu toben, es pocht an Wanjas Tür, und mit jeder Doppelseite steigt die Spannung: denn es pocht nochmal und nochmal und Wanja heizt den Ofen ein. Mehr sei nicht verraten, für alle, die die Geschichte noch nicht kennen. Tilde Michels hat schöne Verse gereimt, gerade so, wie es Kinder lieben, und Reinhard Michl hat das spannende Geschehen in Wanjas kleiner, gemütlicher Hütte in stimmungsvollen Bildern illustriert. Also, wer noch ein Geschenk für Kinder, Enkel, Nichten, Neffen sucht:

Buchinformation

Tilde Michels, Reinhard Michl
Es klopft bei Wanja in der Nacht
Ellermann Verlag
ISBN 978-3-7707-5737-4

Wir wünschen Euch allen (auch den Lesern im Outback!) genussvolle Lese- und Mußestunden über die Feiertage und ein gutes, neues Jahr!

Corinna Kern · Norbert Kraas