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Glück, Glückseligkeit, Zufriedenheit

Den Lesekasten „Lesefreude“ haben wir in der Grundschule benutzt

Der Lesekasten „Lesefreude“ kam in den 50er und 60er Jahren in Schulen zum Einsatz

DAMIT ICH GLÜCKLICH WÄRE –

Das müßte sein von jenen blanken
Lenztagen einer, da die Kranken
man vor die dunklen Türen bringt.
Im Flieder ist ein Spatzenzanken,
weil keinem rechter Sang gelingt.
Der Bach, dem alle Bande sanken,
weiß nicht, was tun vor Glück, und springt
bis aufwärts zu den Bretterplanken,
dahinter Beete, kiesumringt,
und Blumenblühn und Birkenschwanken.
Und vor dem Häuschen, goldbezinkt,
um das der Frühling seine Ranken
wie liebeleise Arme schlingt, –
ein blondes Kind, das in Gedanken
das schönste meiner Lieder singt.

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875; † 29. Dezember 1926)

Was ist das, Glück?

Diese Frage hat sich offensichtlich auch der große Rainer Maria Rilke gestellt, dessen Todestag sich am 29. Dezember zum hundertsten Mal jährt. Für ihn scheint Glück darin zu bestehen, zumindest in diesem frühen Gedicht, einem Kind zuzuschauen, das – womöglich glücklich? –  in Gedanken versunken, eines seiner Lieder singt.

Was Glück und Glückseligkeit bedeuten, damit beschäftigt sich der Philosoph Rainer Schäfer, der an der Universität Bonn lehrt. Schäfer war vor ein paar Tagen zu Gast bei Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio auf WDR 5, eine Sendung, die wir gerne empfehlen. Schäfer und Wiebicke haben sich unter anderem mit diesen interessanten Fragen befasst:

  • Warum wir Glück zulassen, aber nicht herstellen können
  • Warum Glück nicht berechnet werden kann
  • Wie Glück und Neid zusammenhängen
  • Warum der Mensch nach Glück strebt

Es war ein ganz munteres, hörenswertes Gespräch, das man hier nachhören kann.

Flohmarkt-Glück am frühen Morgen in der Tübinger Uhlandstraße

Flohmarkt-Glück am frühen Morgen in der Tübinger Uhlandstraße

Ist Glück ein Flohmarkt?

„Glück ist wie ein Flohmarkt, auf dem Du unter all den vielen Dingen das passende Schnäppchen findest.“

So ein Flohmarkt ist in der Tat für viele Menschen eine Glücksquelle. Da braucht man nicht mal etwas finden, es reicht schon das Schlendern an den Ständen entlang, ein nettes Gespräch, ein Gegenstand, der Erinnerungen wachruft. Und wenn man dann doch noch etwas Schönes findet, dann kann man sich über diesen glücklichen Zufallsfund noch viele Jahre freuen.

NK | CK

PS: Morgen, am 4. September 2026 findet wieder der nette Flohmarkt in der Tübinger Uhlandstraße statt. Ein Glück für viele Tübingerinnen und Tübinger. Für uns auch!

„Valley′s deep and the mountains so high...“ – plötzlich war der Text wieder da

„Valley′s deep and the mountains so high…“ – und plötzlich ist der Text wieder da

 

 

 

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Das Licht von Trouville

Die Himmel, die aus dem Atlantik hochsteigen

„Die Himmel, die aus dem Atlantik hochsteigen“ begeistern zu jeder Jahreszeit

Licht und Himmel

„Kaum entferne ich mich von Trouville, habe ich das Gefühl, das Licht zu verlieren. Nicht nur das direkte, pralle Sonnenlicht, sondern auch das diffuse, weiße Licht des bedeckten Himmels und das schwarzumrandete der Gewitter. Wenn ich mich Ende des Sommers von diesem Ort entfernt habe, verliere ich die Himmel, die aus dem Atlantik hochsteigen, diese Himmel, die unterwegs sind wie »Long distance«-Reisende.“ (Marguerite Duras)

Marguerite Duras wurde am 4. April 1914 in Gia Định bei Saigon, Vietnam geboren und starb am 3. März 1996 in Paris. Von 1963 bis zu ihrem Tod im Jahr 1996 lebte die weltberühmte Schriftstellerin (Der Liebhaber) und Drehbuchautorin in Trouville-sur-Mer in der Normandie. Sie hatte ein Appartement im ehemaligen Hôtel des Roches Noires, in dem schon der kleine Marcel Proust mit seinen Eltern die Ferien verbracht hat.

Schwester der Meere

Jens Rosteck hat 2018 im Mare-Verlag eine biographische Annäherung an Marguerite Duras veröffentlicht. „Schwester der Meere“ heißt das Buch, das wir noch nicht gelesen haben. Miriam Strieder schreibt über das Buch auf der Seite Literaturkritik.de:

„meisterhaft erzählt, sparsam aber treffend mit Zitaten untermauert und bietet nicht nur einen differenzierten Blick auf eine große Schriftstellerin, sondern auch atmosphärische Bilder von Vietnam in den 1910er und -20er Jahren, die ohne Kolonialkitsch auskommen.“

CK | NK

Das ist nicht die Duras, aber hier Plage du Trouville ist sie oft gegangen

Das ist nicht die Duras, aber hier am Strand von Trouville ist sie wohl oft gegangen

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Freitagsfoto: Grünspecht

Der Grünspecht ernährt sich fast nur Ameisen, die er am Boden findet

Der Grünspecht ernährt sich fast nur von Ameisen, die er am Boden findet

Auch du
wartest dringend auf Regen
Freund Grünsprecht

Kranō

Der Grünspecht ist ein sehr schöner Gartenbesucher mit einer Flügelspannweite von bis zu 52 Zentimetern. Er ernährt sich fast ausschließlich von Ameisen und deren Puppen und Larven. Diese findet er mit seiner zehn Zentimeter langen, hochempfindlichen Zunge im Boden. Knochentrockenen Boden mag der Grünspecht ebenso wenig wie dicke Schneeschichten. Die extreme Dürre setzt auch dem Grünspecht – wie allen Tieren, Pflanzen und Menschen – sehr zu.

Dürre

Wer sich über die aktuelle Dürresituation in Deutschland informieren möchte, dem empfehlen wir den Dürremonitor des Helmholtz-Instituts. Dort findet man auch Informationen, wie sich die Dürren in Deutschland seit 1950 entwickelt haben. Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, die Verfügbarkeit von Wasser wird weniger werden.

Hitze

Aber gab es trockene, heiße Sommer nicht schon immer? Wenn jemand mit dieser Behauptung um die Ecke kommt, empfehlen wir dringend einen Besuch der hochinformativen, exzellent aufbereiteten Webseite Klimanostalgie. Dort kann man nachschauen, wie sich das Klima an tausenden von Orten in Deutschland seit 1951 verändert hat. Die Zahlen und Diagramme basieren auf den offiziellen wissenschaftlichen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes, alles ist sehr übersichtlich aufbereitet.

Tübingen hat zum Beispiel im Mittel 61 Sommertage/Jahr (das heißt 25°C und mehr) zwischen 2006 und 2025 gehabt; im Zeitraum 1951-1970 waren es im Mittel nur 24,5 Sommertage im Jahr. Die mittlere Sommertemperatur betrug zwischen 2006 und 2025 25,2° C. Gegenüber dem Zeitraum von 1951 bis 1970 ist das eine Erwärmung von 2,2° C.

NK | CK

Not amused ist der Grünspecht über den knochentrockenen Boden

Not amused ist der Grünspecht über den knochentrockenen Boden

 

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Triage im Garten

Über die Jahre zu einem wichtigen Mitbewohner geworden, unser mächtiger, alter Birnbaum

Unser ältestes Familienmitglied, die mächtige alte Palmischbirne spendet großzügig Schatten

Für den Lieblingsbaum
ein paar Kannen Wasser –
Triage im Garten

Kô, 9.8.2026

Die Palmischbirne zählt zu den alten Streuobstsorten und wurde erstmals 1598 beschrieben. Der Baum wächst mächtig und eichenartig und kann gut und gerne 100 bis 150 Jahre alt werden. Die Früchte sind klein und bei voller Reife sehr süß, ideal als Schnaps-, Most- und Dörrbirne. Man kann aber auch ein betöriend duftendes Birnengelee daraus zaubern. Die Palmischbirne gilt als relativ robust und kommt auch mal mit Trockenheit zurecht. Aber brutale Hitzewellen wie wir sie im Moment haben (und in Zukunft noch mehr haben werden) bereiten aber auch diesem Baum Stress. Da hilft nur regelmäßiges wässern, wenn es genügend Wasser gibt.

CK | NK

Stamm und Rinde der Palmischbirne ähneln einer Eiche

Stamm und Rinde der Palmischbirne ähneln einer Eiche

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Der Name an der Wand: André Chaix

Für den Zauber der Landschaft werden André Chaix und seine Maquisards kaum Augen gehabt haben

Für den Zauber der Landschaft werden André Chaix und seine Maquisards kaum Augen gehabt haben

Der Schriftsteller Hervé Le Tellier, Jahrgang 1957, sucht im Jahr 2020 ein Haus, in dem er endlich Wurzeln schlagen kann. Gefunden hat er es in dem kleinen Weiler La Paillette im Süden des Département Drôme. Es ist die ehemalige Poststation, die bis dahin von einer deutschen Keramikerin als Wohn- und Atelierhaus genutzt wurde. Bei ihrem Auszug nimmt sie auch die an der Hauswand montierten Keramikkacheln ab.

„Als die letzte, ganz rechte Tafel abgehängt war, erschien ein Name, der in Großbuchstaben in den Rohputz geritzt war: ANDRÉ CHAIX.“

Der Autor stutzt, fragt sich, wer das sein könnte, vergisst den Namen wieder, bis er eines Tages auf einem Denkmal in der Nachbarschaft den Namen André Chaix erneut entdeckt. Das Denkmal ist den gefallenen Widerstandskämpfern im Untergrund, dem Maquis, gewidmet. Einer dieser Kämpfer war André Chaix, „ein junger Mann mit einem kurzen Leben, derer es viele gab.“ Chaix fiel im August 1944 in einem aussichtlosen Gefecht mit der deutschen Wehrmacht in der Nähe von Grignan. Er wurde 20 Jahre alt.

Inspiriert von dieser zweiten „Begegnung“ mit André Chaix beginnt Le Tellier im Frühjahr 2020 mit einer intensiven Recherche. 2024, zum hundertsten Geburtstag des jungen Résistance-Kämpfers, erscheint das Buch „Der Name an der Wand“.

Dieulefit – Gott hat’s gemacht

Der 2020 mit dem renommierten Prix Goncourt ausgezeichnete Autor nähert sich auf 160 Seiten dem bis dahin unbekannten Kämpfer André Chaix. Eine große Hilfe und Anregung ist ihm dabei eine kleine Schachtel mit persönlichen Gegenständen von André Chaix: Fotografien, Briefe, Andrés Personalausweis, ein Flugblatt der Francs-tireur et Partisans, eine Brieftasche und „ganz abseitig, erschreckend intim und voller Leben, seine Zigarettenspitze.“

Le Telliers Nachforschungen und die Arbeit an diesem Buch nehmen uns mit in eine düstere Vergangenheit der deutschen und der französischen Geschichte. Von 1940 bis 1944 dauerte die deutsche Besatzung Frankreichs. Während dieser Zeit gab es willfährige Kollaborateure ebenso wie mutige Widerstandskämpferinnen und -kämpfer. Das Département Drôme liegt im Südosten Frankreichs, nördlich der Provence, und war ein Zentrum des französischen Widerstands. Dort wuchs André Chaix auf, unweit des kleinen Orts Dieulefit (auf Deutsch: Gott hat’s gemacht), dessen mutige Bürgerinnen und Bürger mehr als 1500 von den Nazis verfolgten Menschen (darunter Kinder, Erwachsene, bekannte Literaten und Résistance-Kämpfer) Unterschlupf boten.

Mut und Menschlichkeit

Vielleicht war es die besonders verschworene Atmosphäre dieses kleinen Ortes, die den jungen André Chaix wie viele andere auch zum Widerstandskämpfer werden ließ. Le Tellier bewegt sich vorsichtig reflektierend durch das Leben von André Chaix. Wir lernen Andrés Verlobte kennen, sehen seine Lehrstelle als Keramiker in Dieulefit, lesen die zärtlichen Briefe an die Eltern und an die Verlobte, fahren auf dem LKW mit seinen Mitkämpfern.

Dabei bewegt sich Le Tellier immer wieder vom Konkreten zum Allgemeinen, er spannt den Bogen vom imaginierten Kinobesuch des jungen Kämpfers bis hin zu den grausamen Verbrechen der Nazis und ihrer französischen Helfer. Von letzeren sitzt übrigens nach dem französischen Amnestiegesetz vom 6. August 1953 kein einziger mehr im Gefängnis.

„Selbst die Mörder von Tulle, Figeac und Argenton-sur-Creuse sowie die Henker von Oradour-sur-Glane, um nur die wenigen Verurteilten zu nennen – viele vergesse ich – sie alle, absolut alle sind ab 1953 frei.“

André Chaix aus La Paillette, geboren am 23. Mai 1925 und ermordet von Soldaten der Wehrmacht am 23. August 1944, war keiner dieser Kollaborateure. Er stand auf der anderen Seite und schließt sich 1943 dem Maquis, dem bewaffneten Widerstand an. Die genauen Motive kennt auch der Autor Le Tellier nicht, aber:

„Ich setze also darauf, dass er sich aus Überzeugung dem Maquis de la Lance angeschlossen hat, der seinen Namen dem Berg verdankt, in dessen Schutz er sich aufhält.“

Mit seinem Buch hat Hervé Le Tellier dem jungen Résistant aus dem Drôme ein bewegendes literarisches Denkmal geschaffen. „Der Name an der Wand“ überzeugt mit sprachlicher Klarheit (sehr gute Übersetzung!) und präzise recherchierten Fakten. Ein schmales, fesselndes Buch, das am Beispiel von André Chaix und dem kleinen Ort Dieulefit zeigt, was möglich ist, wenn Menschlichkeit und Mut auch in größter Bedrängnis die Oberhand behalten.

„Was ich weiß ist, dass ich ohne diesen in eine Wand gravierten Namen, dass ich ohne André Chaix als Senkblei niemals diese Epoche hätte erkunden können, in der Großherzigkeit und Mut mit Egoismus und Niedertracht eng beieinanderlagen wie nur selten.“

NK | CK

PS: Der Reklamekasper macht eine kleine Sommerpause. Bleibt im Schatten, bleibt gesund, bleibt uns gewogen!

Buchinformation

Hervé Le Tellier
Der Name an der Wand
aus dem Französischen von Romy Ritte und Jürgen Ritte
2025 Rowohlt Verlag Hamburg
ISBN 978-3-498-00742-3

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Freitagsfoto: Wasserläufer

Dank der Härchen auf den Tarsen und der Oberflächenspannung des Wassers sinken Wasserläufer (Gerridae)nicht ein

Dank der Härchen auf den Tarsen und der Oberflächenspannung des Wassers sinken Wasserläufer (Gerridae) nicht ein

Denk dran, Menschlein
nur der Wasserläufer
läuft übers Wasser

In ungewissen Zeiten wie diesen haben Wunderheiler Konjunktur, in der Politik wie im Sport. Denn wir Menschen halten Ungewissheit nun mal schwer aus und sehnen uns nach einfachen Rezepten für komplizierte Herausforderungen. Ein aktuelles Beispiel ist die Misere der Fußballnationalmannschaft der Herren, wo Jürgen Klopp es richten soll: koste es, was es wolle.

Klopp ist in Glatten im Nordschwarzwald aufgewachsen, durch diesen kleinen Ort fließt die Glatt. Ob der kleine Jürgen jemals trockenen Fußes über diesen Bach gegangen ist? Man könnte es meinen, so viel Hoffnung setzen sie beim DFB in diesen Wunderheiler, mit dem alles wieder gut werden soll.

Aber wie sagte einst die Dortmunder Fußballlegende Adi Preißler (* 9. April 1921 in Duisburg; † 15. Juli 2003):

„Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“

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Freitagsfoto: Morgendämmerung

Morgenstimmung bei Ecussols (Saint-Pierre-le-Vieux) im Burgund

Morgenstimmung bei Ecussols (Saint-Pierre-le-Vieux) im südlichen Burgund

Morgendämmerung,
bleib‘ doch noch
mit deiner Kühle

Kranō

El Niño

Heute soll die zweite heftige Hitzewelle des Jahres enden. Endlich! Dann haben wir ein wenig Zeit zum Durchatmen. Aber vermutlich werden es nicht die letzten Hitzetage dieses Sommer gewesen sein. Denn im Pazifik baut sich gerade ein El Niño auf, wie es ihn, so Klimawissenschafter*innen, noch nicht gegeben hat. Dazu schreibt das gemeinnützige Rechercheportal Volksverpetzer:

„Die Meerestemperatur im wichtigsten Klimaüberwachungsgebiet der Erde liegt so hoch wie in keinem Jahr seit Beginn der Satellitenmessungen zu dieser Jahreszeit. Während der Ozean dieses Signal sendet, hat der Bundestag am 10. Juli das Heizungsgesetz beerdigt und keinen Plan, wie wir unsere Klimaziele einhalten sollen.“

Leider hat es die beeindruckende Grafik dazu auf keine einzige Titelseite in Deutschland geschafft. Wer diesen aufschlussreichen Text zum El Niño 2026 mit der Grafik lesen will, kann dies hier ohne Bezahlschranke (!) tun. Es lohnt sich!

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Freitagsfoto: Pétanque

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Friedrich Schiller

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Friedrich Schiller

Pétanque
Das Spiel dauert
solange es dauert

In Trouville-sur-Mer gibt es einen schönen Pétanque-Platz an der Strandpromenade, an dem sich jeden Tag, außer es schüttet, ein paar Leute, meist Einheimische, zur Pétanque treffen. Es wird leidenschaftlich gespielt, geraucht, diskutiert, nachgemessen, geschwiegen und manchmal auch etwas getrunken. Es ist ein wunderbares kleines Schauspiel, das alleine schon vom Zuschauen seine Blutdruck senkende, beruhigende Wirkung entfaltet.

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Ein Gespräch über Autos – mit der KI

Der Mercedes-Benz 190 SL (W 121 B II) wurde von 1955 bis 1963 gebaut.

Der Mercedes-Benz 190 SL (W 121 B II) wurde von 1955 bis 1963 gebaut.

Die KI, eine Schleimerin

Keine Sorge, das wird hier kein Werbebeitrag für den legendären 190 SL, obwohl das ein wunderschönes Auto war, ganz im Gegensatz zu den aufgeblasenen Kisten, die heute auf den Straßen rumfahren.

Ich möchte heute auf einen Text des bekannten Soziologen Armin Nassehi hinweisen, der an der LMU München Soziologie und Gesellschaftstheorie lehrt und ein Autofreak ist. Nassehi ist Mitherausgeber der legendären Kulturzeitschrift Kursbuch, und er verfügt über eine Eigenschäft, der sich nicht alle Wissenschaftler rühmen dürfen. Nassehi ist in der Lage, kluge und überraschende Gedanken so zum Ausdruck zu bringen, dass man seine Texte gerne liest.

Im aktuellen Beitrag auf dem Blog der Zeitschrift Kursbuch schreibt Nassehi über ein „Gespräch“, das er mit der KI seines Vertrauens geführt hat. Es geht darin um Autos, genauer um Nassehis aktuelles Auto und das ehemalige Familienauto seiner Eltern. Es ist interessant zu lesen, wie sich dieses „Gespräch“ zwischen Nassehi und der KI (LLM: Large Language Model) entwickelt. Wobei es dem Soziologen weniger um den Inhalt, sondern um die Art des „Gesprächs“ geht, in das er sich von der KI hineinziehen hat lassen.

„Der Kommunikationsstil erzeugte nicht nur einen Aufforderungscharakter, sondern auch so etwas wie eine permanente Verarbeitung meiner Informationen in eine Richtung, die diesen Informationen in die Karten spielt. Anders ausgedrückt: Das LLM meines Vertrauens ist ein ziemlicher Schleimer“

Wer den ganzen Text von Armin Nassehi nachlesen möchte, kann dies hier tun.

Der Erfolg der KI, so Nassehi, scheint weniger durch die – gerne mal fehlerhaften – Ergebnisse gerechtfertigt zu sein, als durch die Art und Weise, wie sich diese Maschine als Technik in unseren Alltag „einschleimt“.

NK | CK

PS: Eine Anfrage bei Chat-GPT benötigt übrigens 0,42 Wattstunden. Der Energiehunger der KI-Rechenzentren ist gewaltig, ebenso deren Wasserbedarf. Alle KI-Zentren zusammen verbrauchen mit 450 Terrawattstunden im Jahr mehr Strom als ganz Frankreich. 4,5 Billionen Liter Wasser benötigen alle Datenzentren weltweit zum Betrieb – jährlich. Das entspricht rund 1,5 Mal dem Starnberger See. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 17.6.2026)

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