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Napoleon 1812

Napoleon fasziniert – so auch unseren Sohn, der dieses Gewehr nach der Lektüre von „1812“ geschnitzt hat.

Napoleon fasziniert – so auch unseren Sohn, der dieses Gewehr nach der Lektüre von „1812“ geschnitzt hat.

„Am meisten im Leben bedaure ich, daß ich 1812 kein Mann war.“ Dies sagte Katharina, die Schwester Zar Alexanders, nach dem gescheiterten Russlandfeldzug Napoleons. Ich bin ziemlich froh, 1812 nicht als Mann gelebt zu haben. Das damalige Königreich Württemberg war nämlich von 1806 bis 1813 als Teil des Rheinbundes dem Einfluss französischer Interessen unterworfen. Als Wehrfähiger in dieser Zeit bedeutete dies mit großer Wahrscheinlichkeit eine Teilnahme am Russlandfeldzug Napoleon Bonapartes und damit womöglich auch einen erbärmlichen Tod.

1812 – Napoleons Feldzug in Russland

Ich will es gleich vorweg sagen, ich habe selten ein so spannendes und zugleich so lehrreiches Buch gelesen wie 1812, das 720 Seiten starke Werk des amerikanisch-polnischen Historikers Adam Zamoyski. Ich habe das Buch im Urlaub atemlos verschlungen, litt allerdings bisweilen auch an Alpträumen.

Dabei ging es mir mit dem Russlandfeldzug Napoloens wie wahrscheinlich vielen Menschen. Man hat davon gehört, erinnert sich vielleicht an ein, zwei Details, und das war’s auch schon. Dabei war Napoleons russischer Feldzug im Jahr 1812

eine der eindruckvollsten Episoden in der Geschichte Europas, ein Ereignis mit epischen Dimensionen, das sich tief in die Vorstellungswelt der Völker eingegraben hat.

So schreibt Zamoyski im Vorwort. Dabei erhebt er nicht den Anspruch, alle historischen Fragen erschöpfend zu beantworten. Wie sollte das auch gehen?! Was die Lektüre dieses Buches so besonders macht, ist die Tatsache, dass der Autor es schafft, die großen historischen Zusammenhänge mit zahlreichen persönlichen, häufig dramatischen Erlebnissen der Menschen zu verweben, die an diesem gewaltigen Feldzug teilgenommen haben. Für Zamoyski ist der Russlandfeldzug

eine menschliche Geschichte schlechthin, von Hybris und Nemensis, von Triumph und Katastrophe, von Ruhm und Elend, von Freude und Leid.

Menschliche Katastrophen

Der Autor hat enorme Recherchearbeit geleistet, und er erdet die historischen Fakten immer wieder auf einer menschlichen Ebene, indem er Briefe, Tagebücher, Skizzen von einfachen Soldaten, Offizieren, Ärzten, Politikern, aber auch von Händlern, die die Grande Armée begleiteten (Marketender), in seine Erzählung einflicht.

So schreibt Karl von Suckow, Leutnant in einer württembergischen Einheit auf Seiten der Franzosen, nach der dramatischen Überquerung der Beresina auf dem Rückzug:

Der Boden war mit Tieren und Menschen übersät, lebendigen und toten … Jeden Augenblick fühlte ich, wie ich über Leichen stolperte; zugegeben, ich fiel nicht, aber nur, weil ich nicht konnte, nur weil mich die Menge, die mich von allen Seiten einquetschte, aufrecht erhielt. Ich habe in meinem Leben nie etwas Grausigeres erlebt als das Gefühl, über lebende Kreaturen hinwegzugehen, die versuchten, sich an meinen Beinen festzuklammern, und die sich in ihrem Bemühen, sich wieder zu erheben, meine Bewegungen lähmten.

Innerhalb von nur drei Tagen verlor Napoleon bei der Schlacht an der Beresina Ende November 1812 bis zu 25 000 Menschen, die russische Armee Alexanders hatte ungefähr 15 000 Tote zu beklagen.

Bis heute sehen die Franzosen Napoleon lieber als Sieger: Sondermarke zur Schlacht von Austerlitz

Bis heute sehen die Franzosen Napoleon lieber als Sieger: Sondermarke zur Schlacht von Austerlitz

Historisches Wimmelbuch

Die gekonnte Verknüpfung historischer Fakten mit den persönlichen Erzählungen der Zeitzeugen machen aus 1812 ein beeindruckendes historisches Wimmelbuch, das entlang des chronologischen Verlaufs erzählt wird. Adam Zamoyski, der in heute in England lebt, zeigt sich dabei nicht nur als exzellenter Historiker, sondern auch als brillianter Stilist. Die Übersetzer Ruth Keen und Erhart Stöltling haben auch ganze Arbeit geleistet: einmal angefangen, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zum Verständnis tragen 24 Karten sowie 60 historische Abbildungen (meist Zeichnungen und Skizzen, auch vom Kriegsgeschehen) bei.

Besonders eindrucksvoll war für mich, wie der Autor aufzeigt, wie Frankreich und Russland – Napoleon und Alexander – in diese Katastrophe mehr oder weniger unbeabsichtig, ja halbherzig, aber unaufhaltsam hineinschlittern. Dazu brauchte es als Zutaten auf beiden Seiten: Ehrgeiz, Misstrauen, Intrigen, Ruhmsucht und Hybris. Von allen haben die Protagonisten Napoleon und Alexander reichlich im Tornister.

„Der Wein ist eingeschenkt“

„Der Wein ist eingeschenkt, er muß getrunken werden“, entgegnet Napoleon nach der Schlacht von Smolensk (August 1812) seinen Generälen, die der Überzeugung sind, die Grande Armée solle nicht mehr weiter nach Russland vordringen, es seien für einen einzigen Feldzug genügend Strapazen ertragen worden. Für Napoleon, den einstmals strahlenden Strategen, ist Rückzug jedoch keine Option. Er will weiter, immer weiter und damit der Katastrophe entgegen.

Adam Zamoyski, 1812. Napoleons Feldzug in Russland. Von den 550 000 bis 600 000 Mann, die auf französischer Seite für Napoleon kämpften, kehrten im Dezember 1812 nur rund 120 000 zurück. Auf russischer Seite fielen bis zu 400 000 Soldaten in einem Krieg, der die Menschen bis heute bewegt und „für politsche Zwecke vereinnahmt“ wird. Zamoyskis Verdienst ist es, dass er mit zahlreichen Mythen, Fehleinschätzungen und propagandistischen Interprationen aufräumt und zeigt, dass ein Krieg vor allem Opfer und kaum Helden hervorbringt.

Wer glaubt, Geschichte sei eine trockene Angelegenheit, lese 1812. Dieses Buch ist ein spannendes und bewegendes Meisterwerk über eine große menschliche Katastrophe!

Buchinformation

Adam Zamoyski
1812. Napoleons Feldzug in Russland
aus dem Englischen von Ruth Keen und Erhard Stölting
Verlag C.H. Beck, München, 2012
ISBN: 978-3-406-63170-2

Zum 250sten Geburtstag von Napoleon Bonaparte erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Aufsatz über „Frankreichs Nationalmythos – und was ihn mit Emmanuel Macron verbindet“. Kann man hier online nachlesen.

N.K. | C.K.

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Freitagsfoto: Frosch mit Issa

Was sieht der Frosch, wenn er uns ansieht? Man würd’s gerne wissen. Foto: Norbert Kraas

Was sieht der Frosch, wenn er uns ansieht? Man würd’s gerne wissen. Foto: Norbert Kraas

Er sieht mich an, der Frosch –
Aber was macht er
Für ein Gesicht?

Kobayashi Issa (15.6.1763 – 5.1.1828)

Mensch, Frosch!
Ist Dir auch so heiß
diesen Sommer?

N.K.

Es sieht leider so aus, dass es derzeit keine deutschsprachige Sammlung der wunderbar einfühlsamen Haiku von Issa gibt. Das ist sehr bedauerlich. Sowohl „Die letzten Tage meines Vaters“ als auch „Mein Frühling“ von Issa sind nur noch antiquarisch erhältlich.

Schreiben wie Issa

Lesens- und damit empfehlenswert für alle, die Issa mögen und sich vielleicht selbst mal an einem Haiku versuchen möchten, ist auf jeden Fall das Buch „Schreiben wie Issa“ von David G. Lanoue, dem ehemaligen Präsidenten der Haiku Society of America. Darin findet man etliche Haiku von Issa, aber auch von zeitgenössischen Haiku-Künstlern, die sich in der Tradition von Issa sehen und so dichten. Der profunde Issa-Kenner und Professor für Englisch Lanoue zeigt uns in seinem Buch, was das Besondere an Issas einfühlsamer Kunst ist.

Zu schreiben wie Issa heißt, liebevoll über alle seine Mitgeschöpfe zu schreiben, sowohl über Menschen als auch über Tiere. Das heißt, mit einer Haltung kindlicher Wahrnehmung zu schreiben, Herz und Verstand weit für das Universum und seine unendlichen Überraschungen offen zu halten. Das bedeutet, mit einer Bereitschaft zum Lachen über die dem Leben innewohnenden Absurditäten zu schreiben. Das heißt, mit kühner Subjektivität zu schreiben, allen Lehrern und Gelehrten zu widerstehen, die von notwendiger „Objektivität“ im Haiku faseln. Und schreiben wie Issa heißt, mit einer Art unbändiger Fantasie zu schreiben, die beeindruckend erfrischende Juxtapositionen und Offenbarungen entdeckt.

Das Buch ist in sechs Lektionen gegliedert. In jedem Kapitel zeigt Lanoue an konkreten Haiku von Issa und anderen Dichtern, wie sich genau diesem Haiku die Haltung Issas zeigt. Am Ende der verständlich geschriebenen Lektionen ermuntert der Autor seine Leser selbst ein oder mehrere Haiku zu schreiben.

Buchinformation

David G. Lanoue
Schreiben wie Issa: Ein Haiku-Ratgeber
aus dem Amerikanischen von Martina Sylvia Khamphasith
ISBN: 978-3-749435-68-5
erschienen und erhältlich bei Stefan Wolfschütz Haiku 24

Und wer jetzt selbst ein Haiku zu dem Foto da oben schreiben möchte, darf dies gerne im Kommentar tun. Wir würden uns freuen!

N.K. | C.K.

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Freitagsfoto: Der Spaziergang · Hölderlin

Schwärzlocher Hof bei Tübingen, im Hintergrund die Burg Hohenzollern. Vertraute Landschaft für Friedrich Hölderlin

Schwärzlocher Hof bei Tübingen, im Hintergrund die Burg Hohenzollern. Hier ist Friedrich Hölderlin gewandert.

Der Spaziergang

Ihr Wälder schön an der Seite,
Am grünen Abhang gemalt,
Wo ich umher mich leite,
Durch süße Ruhe bezahlt
Für jeden Stachel im Herzen,
Wenn dunkel mir ist der Sinn,
Den Kunst und Sinnen hat Schmerzen
Gekostet von Anbeginn.
Ihr lieblichen Bilder im Tale,
Zum Beispiel Gärten und Baum,
Und dann der Steg, der schmale,
Der Bach zu sehen kaum,
Wie schön aus heiterer Ferne
Glänzt einem das herrliche Bild
Der Landschaft, die ich gerne
Besuch in Witterung mild.
Die Gottheit freundlich geleitet
Uns erstlich mit Blau,
Hernach mit Wolken bereitet,
Gebildet wölbig und grau,
Mit sengenden Blitzen und Rollen
Des Donners, mit Reiz des Gefilds,
Mit Schönheit, die gequollen
Vom Quell ursprünglichen Bilds.

Friedrich Hölderlin (20.3.1770 – 7.6.1843)

zitiert aus:

Friedrich Hölderlin
Und voll mit wilden Rosen – 33 Gedichte mit Interpretationen
Hg. Marcel Reich-Ranicki
Insel Verlag, Frankfurt, 2009
ISBN: 3458174427
nur noch antiquarisch erhältlich

Hölderlinturm, ausnahmsweise mal im Neckar. © Schoene Postkarten, Tübingen, Nr. 217

Hölderlinturm, ausnahmsweise mal im Neckar. © Schoene Postkarten, Tübingen, Nr. 217

Hölderlin 2020

Zum Hölderlin-Jahr 2020 wird es im Hölderlin-Turm in Tübingen auch eine neue Dauerausstellung geben. Derzeit wird der Turm noch renoviert. Alle Informationen dazu hier.

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Schwimmen

Schwimmen ist also ein Übergangsritus, das Überschreiten einer Grenze: der Küstenlinie, des Flussufers, des Beckenrandes, der Wasseroberfläche selbst. Im Moment des Eintauchens vollzieht sich eine Art Metamorphose. Wir lassen das Land hinter uns, gehen durch den Spiegel und betreten eine neue Welt, in der das erste Ziel das Überleben ist, nicht Lust oder Ehrgeiz.

Roger Deakin, Logbuch eines Schwimmers, Naturkunden, Berlin 2015. Das lesenswerte Buch haben wir hier besprochen.

Dieser sehenswerte Film von Blaise Hayward zeigt den 90jährigen Amerikaner Walter Strohmeyer, der täglich vor Long Island im Atlantik schwimmt. Beeindruckend!

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Freitagsfoto: La France profonde

Hügellandschaft im Burgund, weit ab vom Schuss: La France Profonde

Hügellandschaft im Burgund, weit ab vom Schuss: La France profonde

Sturz ins Leben

Sylvain Tesson, Jahrgang 1972, in Frankreich als Schriftsteller, Journalist und reisender Autor bekannt, überlebt schwer verletzt einen selbst verschuldeten Sturz aus acht Metern Höhe von einem Dach. Nach vier Monaten im Krankenhaus, wo ihn kundige Ärztinnen und Ärzte wieder einigermaßen hergestellt haben, wird ihm dringend ein medizinisches Reha-Programm empfohlen. Tesson, dessen Wirbelsäule verschraubt und dessen Gesicht infolge des Sturzes leicht schief ist, entscheidet sich dagegen. Statt dessen will er sich gesund wandern.

Sein Ziel: „Auf versunkenen Wegen“ (so der Titel seines Buches) quer durch Frankreich, von der französisch-italienischen Grenze bis zur Halbinsel Cotentin in der Normandie. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist ein Bericht der französischen Regierung über die ländlichen Gebiete Frankreichs, den sogenannten „Hyperländlichen Raum“.

Ein Trupp von Experten, also Spezialisten des Unüberprüfbaren, gelangte zu der Auffassung, dass etwa dreißig französische Départements extrem ländliche Strukturen aufwiesen. Für diese Experten war Ländlichkeit keine Gnade, sondern ein Fluch: […] Was wir armselige, romantische Dussel für einen Schlüssel zum Paradies auf Erden hielten, – die Verwilderung, die Erhaltung der Natur, die Abgeschiedenheit –, wurde auf diesen Seiten zum Kriterium für die Unterentwicklung.

La France hyper-rurale

Tesson entscheidet sich, exakt diese hyperländlichen, in der Karte der Regierung dunkel markierten Regionen zu durchmessen. Dabei nutzt er nicht die bekannten Wanderrouten, sondern läuft auf den alten Wegen und Triften der Schäfer, Händler, Schmuggler, Widerstandskämpfer und Landstreicher. Die sehr genauen Karten des Nationalen Geografischen Instituts Frankreichs (IGN France) im Maßstab 1: 25000 helfen ihm dabei. Denn: Diese Generalstabskarten waren Wunderwerke, man konnte sich freuen, solche exakten Darstellungen des Geländes zu besitzen. In diesen Karten findet der wandernde Rekonvaleszent seine versunkenen Wege abseits des großen Gedränges. Wege auch zu sich selbst.

Manche Menschen hofften darauf, in die Geschichte einzugehen. Ich gehörte zu den wenigen, die es vorzogen, im Gelände unterzutauchen. Die versunkenen Pfade waren auch verborgene Verbindungswege, sie skizzierten die Fußwege eines vergessenen Frankreichs, das Wegenetz eines ehemals bäuerlichen Landes.

Gehen, essen, trinken, beobachten

Natürlich muss Tesson immer mal wieder auf seiner Tour Kompromisse machen, sich den ungeliebten, dicht besiedelten Zonen nähern oder diese samt Schnellstraßen durchqueren. Im Großen und Ganzen jedoch bewältigt er seine beeindruckend langen, zu Beginn schmerzhaften Tagesmärsche fernab von dem, was wir Zivilisation nennen, und was ihn immer wieder melancholisch stimmt. Tesson marschiert, isst, trinkt, schläft, letzteres meist ohne Zelt unter freiem Himmel. Vor allem jedoch beobachtet der Autor mit stetig wachsender Aufmerksamkeit: Pflanzen, Tiere, Landschaft, manchmal andere Menschen. Und er denkt darüber nach, was sein Land und dessen Regierung bereitwillig dem Fortschritt geopfert haben, und was jetzt durch noch mehr Fortschritt (hyperschnelles Internet in jedem Kuhstall) wieder repariert werden soll. Tesson hat große Zweifel und zitiert Jean Cocteau: Möglicherweise ist der Fortschritt nur die Weiterentwicklung eines Irrtums.

Die hyperländlichen Regionen Frankreichs (dunkel markiert), rechts Tessons Route

Die hyperländlichen Regionen Frankreichs (dunkel markiert), rechts Tessons Route

 

Samthäutige Blüten des Aubrac

Tesson ist nicht gut auf die blutleeren Verwaltungsbeamten in Paris zu sprechen, keine Frage.

Die Abdecker des alten Lebensraumes kümmerten sich darum, den Kadaver des ländlichen Frankreichs wieder zusammenzuflicken, zu dessen Ableben sie beigetragen hatten.

Doch bei aller Melancholie und Wut, die ihn bisweilen überkommt, überrascht er den Leser immer wieder mit poetischen Naturschilderungen, so zum Beispiel, als er das dünn besiedelte Aubrac durchwandert:

Selbst die Samthaut der Kühe fing das Licht anmutig ein. Im Aubrac fasste man diese Tiere unter einer Bezeichnung zusammen, die, so dachte ich, den Völkern Zentralasiens vorbehalten war, und unter die ich zu meinem Bedauern nicht fiel: die »Rasse der großen Weiten«. Ich grüßte diese »Blüten des Aubrac« mit begeisterten Gesten.

Mit samtener Haut: Aubrac-Rinder, fotografiert im Burgund

Mit samtener Haut: Aubrac-Rinder, fotografiert im Burgund

Es gibt Zwischenräume

Man musste sie suchen, es gab Zwischenräume. Es gab noch die versunkenen Pfade. So beendet Sylvain Tesson dieses besondere Frankreich-Buch, das man Lesern und Wanderern in den Rucksack legen möchte, die sich für die Schönheiten, aber auch für das Absonderliche abseits der Trampelpfade der Menge begeistern können.

Buchinformation

Sylvain Tesson
Auf versunkenen Wegen
Deutsche Übersetzung: Holger Fock, Sabine Müller
Knaus Verlag, München, 2017
ISBN: 978-3-8135-0775-1

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Freitagsfoto: When the weather changes

Wetterwechsel in Bildstein, Vorarlberg. Wer kann mir sagen, welche Berge ich da fotografiert habe?

Wetterwechsel in Bildstein, Vorarlberg. Wer kann mir sagen, welche Berge ich da fotografiert habe?

Wechselhafte Zeiten

Zur Zeit ist viel von Wetter und Klima die Rede. Letzten Mittwoch hat es hier in Tübingen wie aus Kübeln geschüttet. Gestern war es wieder sonnig und warm. Heute, so der Deutsche Wetterdienst, „greift das Frontensystem eines Sturmtiefs südwestlich von Irland auf Deutschland über.“ Wechselhaftes Wetter also und immer mal wieder ein sogenannter Luftmassenaustausch. Letzteres ist eines meiner Lieblingswörter aus der Meteorologie.

Vergiss’ nicht, den Hund zu streicheln

Der amerikanische Dichter Jack Ridl thematisiert den Wetterwechsel zu Anfang seines wunderbar lakonischen Gedichts „Over in That Corner, the Puppets“ und erinnert uns daran, dass Veränderungen zum Wetter ebenso gehören wie zu unserem gesamten Leben. Was tun also, wenn sich das Wetter ändert, wenn es auch sonst ziemlich turbulent zugeht in der Welt? Wie wär’s damit: den Hund streicheln, die Katze zum Schnurren bringen, schauen, was sich vor dem Fenster tut?

Over in That Corner, the Puppets

–for Naomi Shihab Nye

Even when the weather changes,
remember to pet the dog, make
the cat purr, watch whatever

comes to the window. If you
stand there long enough,
someone will come by,

a stranger perhaps, one who
could be more, but needs
to keep walking. Hello

is likely all you can say.

–Jack Ridl

Jack Ridl, Saint Peter and the Goldfinch, Poems, 2019. Published by Wayne State University Press. Buchinformation

Jack Ridl
Saint Peter and the Goldfinch
Wayne State University Presse, 2019
ISBN: 9780814346464

Das Gedicht bringen hier wir mit Genehmigung des Autors, die Buchbesprechung folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Wir wünschen schöne Sommertage, egal wie oft sich das Wetter ändert.

N. / C.

 

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Freitagsfoto: Das Rennen

Bessere Räder, dieselben Straßen

Die großen Fahrer haben bessere Räder als wir, sie haben teurere Schuhe und eine größere Auswahl an Radhosen. Aber sie haben dieselben Straßen.

Das schreibt Tim Krabbé in seinem Buch Das Rennen, das schon heute zu den Klassikern der niederländischen Literatur und des Sportromans zählt. So der Reclam-Verlag über dieses Buch. Ich bin bei einer Recherche über das Zitat gestolpert, das mich spontan angesprochen hat. Kennt jemand das Buch? Dann freue ich mich auf kundige Kommentare.

Die Marke Motobécane exisitert, wie so viele Traditionsmarken, nicht mehr. Von meinem Vater habe ich zum Abitur ein Motobécane-Rennrad bekommen, das heute als Retrobike Aufsehen erregen würde. Das blaue Kinder-Rennrad auf dem Foto ist mir im Languedoc vor die Linse gekommen.

Buchinformation

Tim Krabbé
Das Rennen
übersetzt von Susanne George
Reclam Verlag
ISBN: 978-3-15-020521-1

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Weltpostkartentag – nicht nur am Strand von Bochum

Heute ist der Weltpostkartentag. Keine Sorge, ich will Euch hier nicht langweilen mit irgendwelchen Jahrestagen, die es inzwischen ja zu allem gibt.

Aber weil uns das Kulturgut Postkarte halt doch ein wenig am Herzen liegt, verweisen wir schnell nochmal auf den Beitrag über das schöne Buch von Jurek Becker „am Strand von Bochum ist allerhand los“. Das Buch ist anscheinend in der ersten Auflage ausverkauft. Wir haben es vor einer Weile hier im Reklamekasper vorgestellt.

Und weil gerade in Baden-Württemberg die großen Ferien beginnen, hier ein schönes Motto für die Ferienzeit, das wir bei Hermann Hesse gefunden haben:

Das Glück ist ein Wie, kein Was; ein Talent, kein Objekt

© Schöne Postkarten Tübingen, Nr. 129 · (Werbung)

© Schöne Postkarten Tübingen, Nr. 129 · (Werbung)

So, für alle, die noch nicht im Urlaub sind hier ein wunderbares Video der englischen Künstlerin und Outdoor-Schwimmerin Vivienne Rickman-Poole. Die Musik stammt von britischen Band Elbow aus Manchester.

Prädikat: sehens- und hörenswert

Schöne Ferien und kommt gesund wieder!

N. / C.

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Freitagsfoto: So eine Hitze!

Auch die zweite Hitzewelle in diesem Sommer ist anstrengend: für Menschen, Tiere und Pflanzen

Auch die zweite Hitzewelle in diesem Sommer ist anstrengend: für Menschen, Tiere und Pflanzen

„Eine Hitze, so eine Hitze! Würde der Herrgott doch ein bisschen Regen schicken!“
Tolstoi, Anna Karenina

Lesenswert, trotz des anfänglich abschreckenden Umfangs, ist nicht nur Tolstois Buch, sondern auch die Kritik von Ilma Rakusa in der Zeit vom Dezember 2009: online hier.

Buchinformation

Lew Tolstoi
Anna Karenina
Neu übersetzt von Rosemarie Tietze
dtv, 1296 Seiten, ISBN 978-3-423-13995-3

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Freitagsfoto: Dohlen, Raben oder Krähen

Dohlen, Raben oder Krähen? Rabenkrähen am Schönbuchrand bei Tübingen.

Dohlen, Raben oder Krähen? Rabenkrähen am Schönbuchrand bei Tübingen.

Imitationen

Sind’s Dohlen, Raben oder Krähen?
Schwer zu unterscheiden ihr Ton.
Sie feilschen um Kompromisse.
Imitieren unsere Große Koalition.

Hans Bender (1919 – 2015) kannte ich nicht, bis ich vor ein paar Jahren zufällig in einer Buchhandlung den schmalen Band „Auf meine Art“ entdeckt habe. Darin bringt der Essayist, Geschichtenerzähler und Lyriker Bender in jeweils vier Zeilen Beobachtungen und Gedanken zu den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens zum Ausdruck. Oft gereimt, oft humorig, oft nachdenklich stimmend.

„Benders kurze Gedichte sind poetische Mitschriften des Lebens, die oft an völlig unverhofften Orten fündig werden“, schreibt der Deutschlandfunk in seiner Kritik. Noch ein Beispiel:

Orte des Schreckens

Fukushima, Utøya –
immer neue Orte
des Schreckens lernen
wir zu buchstabieren.

Buchinformation

Hans Bender
Auf meine Art
Edition Akzente, Hanser, 2012
nur noch antiquarisch erhältlich