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Freitagsfoto: Winterschlaf

30. November 2017. Ruhe im Beet!

im Winterschlaf
Garten und Gärtnerinnen –
der erste Schnee

hibernating
garden and gardeners –
the first snow

hibernant
jardin et jardiniers –
la première neige

Die Staudenmädchen der Tübinger Staudengärtnerei Erika Jantzen sind seit heute im verdienten Winterschlaf bis Ende Februar 2018. Entzugserscheinungen dämpfen erfahrene Hobbygärtnerinnen und -gärtner mit schönen Gartenbüchern und guten Romanen. Der melancholische Anblick des winterlichen Gartens lässt sich sehr gut mit einem Whiskey Old Fashioned genießen.

Whiskey Old Fashioned

  • 5 cl Whiskey (Bourbon oder Rye, kein Single Malt; alles erhältlich in Tübingen z.B. im legendären Weinhaus Beck am Rathaus)
  • Angostura
  • 1 Zuckerwürfel (1 Teelöffel geht auch)
  • Orangenviertel
  • Zitronenviertel
  • Kirsche (geht zur Not auch ohne)
  • Wasser, Soda oder, mein Favorit: Ginger Ale

In ein Tumbler-Glas den Zucker geben, diesen mit Angostura tränken. Die geviertelte Orangen- und Zitronenscheibe dazu, Whiskey drüber gießen, mit Eiswürfeln auffüllen, alles gut verrühren, zum Schluss mit Wasser, Soda oder Ginger Ale aufgießen. Die Münchner Barlegende Charles Schumann, in dessen „Barbuch“ ich dieses Rezept vor Jahren entdeckt habe, schreibt, man könne statt Whiskey auch Gin, Brandy oder Rum verwenden. Ich mag den Old Fashioned am liebsten mit Whiskey. Aber Vorsicht, bitte! Old Fashioned trinkt sich sehr leicht.

Fakten zum Buch:

Charles Schumann: Barbuch – Drinks und Stories, Wilhelm Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-360044, nur noch antiquarisch erhältlich. Die Fotos im Buch sind von Isolde Ohlbaum, die Texte unter anderem von Joachim Kaiser, Raymond Chandler, Ernest Hemingway und Michael Krüger.

Cheers!

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Freitagsfoto: Krähen nach Bashō

Krähen sitzen
auf dem kahlen Birnbaum –
ein kalter Morgen

crows perched
on the bare pear –
a cold morning

les corneilles assises
sur la poire nue –
un matin froid

 

angelehnt an Matsuo Bashō (1644 – 1694), der zauberhaft schöne und einfache Haiku über den Herbst schrieb, unter anderem dieses:

Auf entlaubtem Ast
ließ die Krähe sich nieder –
ein Abend im Herbst

aus: Matsuo Bashō: Hundertundelf Haiku, Amman Verlag & Co, Zürich, 2009, ISBN 9783250108054. Das kleine Büchlein ist leider nur noch antiquarisch erhältlich, aber die Suche lohnt.

Mehr und sehr schön gestaltete Bücher mit und zum Thema Haiku finden Interessierte bei der bemerkenswerten Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung zu Mainz. Ein Blick ins Programm lohnt sich.

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Freitagsfoto: Novemberpogrome

Jüdischer Waldfriedhof Weildorf bei Haigerloch. Ruhestätte der Haigerlocher Juden zwischen 1567 und 1884.

Jüdischer Waldfriedhof Weildorf bei Haigerloch. Ruhestätte der Haigerlocher Juden zwischen 1567 und 1884.

Am Morgen des 7. November 1938 besorgt sich Herschel Feibel Grynszpan, ein polnischer Staatsbürger jüdischen Glaubens, eine Waffe, mit der er in Paris den deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath anschießt. Vom Rath stirbt am Tag darauf. Als Hitler am Abend des 8. November 1938 davon erfuhr, ordnete er an, dass überall im Reich Aktionen gegen die Juden vorzunehmen seien, vordergründig zur Vernichtung jüdischen Besitzes. Was folgte, waren die Novemberpogrome mit der sogenannten Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Jüdische Geschäfte, Einrichtungen und Synagogen wurden geplündert und zerstört, vielfach mit Unterstützung der Passanten auf der Straße. Auch die Synagoge der Stadt Haigerloch, auf deren Gemarkung der Jüdische Waldfriedhof bei Weildorf steht (Foto oben) wurde verwüstet.

Das Dritte Reich auf 140 Seiten

„Die Überfälle, Brandstiftungen, Plünderungen, Morde waren in aller Öffentlichkeit geschehen, und niemand in Deutschland konnte fortan behaupten, von der Verfolgung der Juden nichts gewusst zu haben.“ Das schreibt der Freiburger Historiker Ulrich Herbert in seinem Buch „DAS DRITTE REICH: Geschichte einer Diktatur“, erschienen bei C.H.BECK, München 2016. Das Buch hat keine 140 Seiten, ist dafür aber dicht gepackt, sehr lesbar und verständlich. Der Kritiker Robert Probst schrieb in der Süddeutschen Zeitung von einem „Präzisionswerk“, in dem mehr stünde als in manchem dicken Wälzer zur NS-Geschichte. Ich habe das Buch gestern angefangen und sehe das nach dem ersten Viertel genauso. Eine lohnende, lehrreiche Lektüre, gerade jetzt, wo wir eine Partei im Deutschen Bundestag haben, die in Teilen zum Dritten Reich und den Nazis mit ihren Gräueltaten eine nicht akzeptable Haltung einnimmt.

Geschichte erwandern

Wer sich den Jüdischen Waldfriedhof bei Weildorf anschauen möchte, dem empfehle ich dies im Rahmen einer Wanderung mit 14 schönen, landschaftlich reizvollen Kilometern rund um das Kloster Kirchberg bei Haigerloch zu tun. Man kann aber auch abkürzen. Die Wanderung ist in dem kleinen Wanderführer „Stille Ziele im Ländle“ von Werner Brenner gut beschrieben. Erschienen im Silberburg-Verlag, 2010, Tübingen.

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Freitagsfoto: Glaubenssache

Wanderer kommst Du nach Dublin. Die Kirche neben der Guiness-Brauerei mahnt zum Maßhalten.

Wanderer kommst Du nach Dublin. Die Kirche neben der Guiness-Brauerei mahnt zum Maßhalten.

Irisches Tagebuch: Schule des Wahrnehmens

Dieses Jahr wäre Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden, am 21. Dezember 2017. Und in diesem Jahr hat auch sein „Irisches Tagebuch“ Geburtstag, das 1957 erschien. Es gibt zu diesem immer noch lesenswerten Buch (erhältlich bei dtv) eine gut gemachte, informative Homepage, die von René Böll verantwortet wird. Er schreibt: „Bölls Irisches Tagebuch ist nicht nur ein Buch des Reisens, es ist auch ein Buch, oder besser noch eine Schule des Wahrnehmens, des Wahrnehmens des Anderen, exemplarisch vor- und dargestellt in vielfältig eingefangenen literarischen Miniaturen.“ (Quelle: Heinrich Böll: Irisches Tagebuch)

Draußen regnet es in Strömen, während ich diesen Beitrag schreibe. Endlich Herbst! Ich werde jetzt, ganz irisch, Gummistiefel anziehen und mit dem Hund einen Spaziergang im Regen machen, um mich danach mit einem irischen Paddy aufzuwärmen.

 

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Gedanken an Karl Poralla

rostiges eisen
in der herbstsonne – wer liest
die botschaft?

rusty iron
in the autumn sun – who reads
the message?

Prof. Dr. Karl Poralla (30.5.1938 – 21.10.2016)

Prof. Dr. Karl Poralla (30.5.1938 – 21.10.2016)

Vor einem Jahr, am 21. Oktober 2016, starb unser Freund, der Tübinger Mikrobiologe und Eisenplastiker Karl Poralla. Er gehörte zu den Menschen, die fähig waren, in einem alten rostigen Eisen mehr zu sehen als nur ein wertloses Stück Metall. Meist lagen die Fundstücke, die er auf Schrottplätzen im Süden Frankreichs gesammelt hatte, monatelang in Werkstatt und Wohnzimmer im Entringer Haus. Immer wieder wurden Teile kombiniert, nebeneinander gelegt, wieder getrennt, neu kombiniert, bis er schließlich mit dem Ergebnis zufrieden war.

„Schäkelei“. Eisen-Collage von Karl Poralla. Höhe 13 cm.

„Schäkelei“. Eisen-Collage von Karl Poralla. Höhe 13 cm.

Karl Poralla war jemand, auf den zutraf, was der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau (1817 – 1862), einmal geschrieben hat: „Die Frage ist nicht, was man betrachtet, sondern was man sieht.“

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