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Haiku – Gedichte aus fünf Jahrhunderten

Das Betrachten der Kirschblüte (Hanami) und das Haiku gehören in Japan zusammen

Das Betrachten der Kirschblüte (Hanami) und das Haiku gehören in Japan zusammen

Kann man sich vorstellen, einen deutschen Dichter oder eine deutsche Dichterin im Thermalbad kennenzulernen, unbekleidet versteht sich? Eher nicht. In Japan hingegen scheint dies weniger außergewöhnlich. Passiert ist dies der japanischen Dichterin und Übersetzerin Masami Ono-Feller im Jahr 2011 während einer Trekkingtour auf der Insel Kyūshū.

„Ich saß, wie in Japan üblich, unbekleidet in einem großen, aus Natursteinen gebauten Becken und fragte die beiden mitbadenden Damen, was sie hergeführt habe. Es stellte sich heraus, dass sie Haiku-Dichterinnen waren, die sich hier mit anderen Dichtern für zwei Tage versammelt hatten, um in alter Tradition gemeinsam zu dichten.“

Die beiden Damen gehörten zur Haiku-Gruppe „Sugi“, die 1970 von Mori Sumio gegründet worden war. Nach dem Bad wird Ono-Feller zu einem Ku-kai eingeladen, eine abendliche Runde, zu der jede Teilnehmerin ein paar Gedichte mitbringt.

Haiku aus fünf Jahrhunderten

So beginnt das Vorwort zu dem Haiku-Band „Haiku – Gedichte aus fünf Jahrhunderten“, der 2017 im Reclam-Verlag erschienen ist. 305 Haiku hat die Herausgeberin Masami Ono-Feller ausgewählt. Für die Übersetzung, Kommentare und das Nachwort zeichnet Eduard Klopfenstein verantwortlich, der von 1989 bis 2005 als Professor für Japanologie an der Universität Zürich lehrte. Klopfenstein hat sich erfreulicherweise bei der Übertragung nicht sklavisch an die vorgegebene Silben-/Zeilenregel (5-7-5) gehalten. Soweit man das als Nicht-Japanologe beurteilen kann, sind seine Übertragungen sehr stimmig und schön zu lesen. Beiden, Ono-Feller und Klopfenstein, gebührt ein großes Lob für dieses Werk.

Bei uns im Regal stehen einige Haiku-Bände, aber dieses Buch ist eine Schatztruhe. Es würdigt nicht nur die großen, auch in Europa bekannten Haiku-Meister Bashō, Issa, und Buson, sondern 144 weitere Haiku-Dichterinnen und -Dichter. Den Anfang macht Yamazaki Sōkan (Geburtsdatum unbekannt, gestorben 1539):

Die Hände am Boden
intoniert er in großer Pose
seinen Gesang – der Frosch

Nicht nur Bashō hat den Fröschen ein Haiku gewidmet

Nicht nur Bashō hat den Fröschen ein Haiku gewidmet

Das letzte Haiku im Buch stammt von Minayoshi Tsukasa, der 1962 geboren wurde und dichtete:

Der Juli ist da!
Den Apfel wasche ich
unter der Dusche

Beeindruckende Bandbreite

Mal ganz abgesehen davon, dass dieses Buch handwerklich sehr schön ausgestattet ist (großes Format, Leineneinband, Prägedruck, zwei Lesebändchen) – wirklich begeisternd sind:

  1. die Bandbreite der abgedruckten Haiku – von der Elektrosäge bis zum ersten Beischlaf des Jahres (eine wichtige Sache in Japan) wird alles thematisiert
  2. die ausführlichen, erläuternden und feinen Kommentare von Eduard Klopfenstein
  3. die Seitengestaltung, auf der wir einmal das Haiku auf Japanisch finden, einmal auf Deutsch und einmal in Transliteration, also die Umsetzung der japanischen Aussprache in lateinische Buchstaben und
  4. die Tatsache, dass in dieser Auswahl auch viele Haiku-Dichterinnen vertreten sind

Gerade letzter Punkt ist hervorzuheben, gewinnt man doch in Deutschland oft den Eindruck, dass Haiku dichten eine rein männliche Angelegenheit ist. Was natürlich nicht stimmt!

Das Blütenschau-Kleid
lege ich ab – und stehe umschlungen
von vielfarbigen Bändern

Dieses Haiku hat die Dichterin Sugita Hisajo (1890 – 1946) im Jahr 1919 geschrieben. Es hält, so der Übersetzer, den Moment fest, als die Frau nach ihrer Rückkehr von der Kirschblütenschau den festlichen Kimono ablegt; was angesichts der komplexen Umschnürung gar nicht so einfach zu sein scheint. Man kann sich diesen kurzen Augenblick mit den leuchtenden Bändern wirklich bildlich vorstellen, fast wie ein Foto. Und die farbigen Bänder nehmen raffiniert den ästhetischen Genuss der Kirschblütenschau (Hanami) auf.

Humor, Selbstironie und Trost

Eines meiner Lieblingshaiku in diesem Band stammt von der Dichterin Abe Midorijo (1886 – 1980), „seit den zwanziger Jahren eine führende Vertreterin des Frauen-Haiku“. Midorijo veröffentlichte nachstehendes Haiku im Alter von 91 (!) Jahren.

Was noch bleibt
mit 90 Jahren ….. vergiss es
erwarte den Frühling

Ist das nicht bewunderswert, diese Gelassenheit gepaart mit der unschätzbaren Fähigkeit, sich im Hier und Jetzt über den Frühling zu freuen!

Noch ein Beispiel? Gerne:

Auf Wein verzichten?! Wie?
Was bleibt mir an Begierden
noch zum Spielen übrig?

Der Autor Kaneko Tōta (geb. 1919), hat in diesem Gedicht, das er im Alter von 75 Jahren schrieb, auf humorvolle, selbstironische Weise die Folgen seiner Gichtkrankheit beschrieben, wie wir im Kommentar lesen dürfen. Humor und und Selbstironie kommen im Haiku, bei allen Leiden und Mühen, die das Leben für uns bereithält, nicht zu kurz. Auch das macht diese Lyrikform so lesenswert.

305 Haiku, exzellent übertragen und kommentiert. Dieses Buch ist ein Schatz!

305 Haiku, exzellent übertragen und kommentiert. Dieses Buch ist ein Schatz!

Fazit

Dieser Sammelband ist ein verdienstvolles Geschenk des Reclam-Verlags für alle, die sich näher mit dem kürzesten aller Gedichte befassen wollen; darüber hinaus ist er eine starke Anregung, es vielleicht selbst einmal mit einem Haiku zu versuchen.

NK | CK

Buchinformation

Haiku – Gedichte aus fünf Jahrhunderten. Japanisch/Deutsch
Ausgewählt, übersetzt und kommentiert von Eduard Klopfenstein und Masami Ono-Feller
Gebundene Ausgabe, Format 16 × 24 cm, 422 Seiten
ISBN: 978-3-15-011387-5
Reclam-Verlag Ditzingen, neue Auflage 2022

Im Nachwort gibt Eduard Klopfenstein einen Überblick über die Haiku-Dichtung von den Anfängen bis heute. Dazu gibt es ein ausführliches Literaturverzeichnis, Kurzbiographien der Haiku-Dichter:innen und ein alphabetisches Verzeichnis aller Haiku.

PS: Für den Fall, dass der Reclam-Verlag hier mitliest, wünsche ich mir mehr solcher exzellent gemachten Haiku-Sammelbände über diese dichten, intensiven Gedichte.

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„Alles prüfe der Mensch“ – Druckabnahme

„Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen“ (Friedrich Hölderlin)

„Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen“ (Friedrich Hölderlin)

Gut zum Druck

„Bei der Druckabnahme, bzw. Druckfreigabe, hat der Auftraggeber die letzte Möglichkeit, Korrekturen – gleich welcher Art – vorzunehmen. Stellt er keine Fehler mehr fest, erklärt er die Publikation für druckreif (auch: Gut zum Druck GzD), woraufhin die Druckerei mit der endgültigen Produktion beginnt.“ (Wikipedia)

Immer wieder zieht der Drucker zur Prüfung einen Bogen aus der Maschine

Immer wieder zieht der Drucker zur Prüfung einen Bogen aus der Maschine

Letzten Montag waren wir zur Druckabnahme bei der Druckerei Enssle in Metzingen, mit der wir seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten. 24 neue Motive haben wir in den letzten Monaten für unsere Serie Schöne Postkarten fotografiert und gestaltet. Und obwohl wir schon viele Druckabnahmen für die unterschiedlichsten Druckobjekte gemacht haben, ist es doch immer wieder etwas Besonderes, wenn die eigene Arbeit nach langer Zeit auf die Druckmaschine geht. Dazu die Atmosphäre einer Druckerei: der Geruch der Druckfarben, die Hintergrundgeräusche der Druckmaschinen, die konzentrierten Drucker an der Maschine.

Hölderlin wäre schwindlig geworden, so schnell rauscht das Papier durch die Maschine

Hölderlin wäre schwindelig geworden, so schnell rauscht das Papier durch die Maschine

Die Wirkung der Farben am Computerbildschirm ist übrigens etwas ganz Anderes als auf dem fertigen Druckbogen, den der Drucker zur Prüfung aus der Maschine nimmt. Also wird genau hingeschaut und korrigiert: hier ein wenig Yellow rausgenommen, dort ein wenig Magenta dazugegeben, bis es dann endgültig heißt: Gut zum Druck.

Voilà! Schöne Postkarte Nr. 75, frisch gedruckt und bald erhältlich

Voilà! Schöne Postkarte Nr. 75, frisch gedruckt und bald erhältlich

Im Moment liegen unsere Postkarten noch in der Druckerei zum Trocknen, bevor sie auf das endgültige Format geschnitten, verpackt und zu uns geliefert werden.

In diesem Sinne: demnächst mehr!

CK | NK

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Wo Worte weiden

Schöne Postkarte Nr. 100 · Hölderlinturm · © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 100 · Hölderlinturm · © www.schoenepostkarten.de

Worte
weiden am Wasser –
Hölderlinturm

Hölderlin und Haiku

Ob Friedrich Hölderlin von der japanischen Gedichform Haiku Kenntnis hatte? Eher nicht, aber ganz genau weiß man es nicht. Dabei gibt es diese siebzehnsilbigen Dreizeiler in Japan schon seit dem 13. Jahrhundert als eigenständige Lyrikform, damals noch unter dem Namen Hokku.

Der ideenreichen und engagierten Leiterin des Tübinger Museum Hölderlinturm, Dr. Sandra Potsch, ist es zu verdanken, dass das Haiku auch im Turm am Neckar Einzug gehalten hat. Online findet man dort eine kleine Anleitung zum Verfassen eines Haiku. Das gesamte Veranstaltungsprogramm im Hölderlinturm findet man auf der Homepage. Am 7. Mai wird zum Beispiel der Frage nachgegangen, wie die Gedichte Hölderlins schmecken; zur Lesung wird Quittengeist gereicht.

Frohe Ostern!

NK | CK

PS: Wir sind grade dabei, neue Motive für Schöne Postkarten zu gestalten. Die Hölderlin-Postkarte da oben bekommt die Nummer 100 und geht bald in Druck.

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Olivia Laing wandert und schreibt: „Zum Fluss“

Virginia Woolf liebte die wasserreiche Landschaft in Sussex: Fluss Cuckmere

Virginia Woolf liebte die wasserreiche Landschaft in Sussex: Fluss Cuckmere

Es gibt Lieder, an die erinnert man sich noch nach Jahrzehnten, obwohl man sie in seiner Jugend nur ein paar Mal gehört hat. „Bring mir das Wasser vom Michigan River“ von Chris Andrews ist so ein Lied. Für mich ist dieser Song mit meinem Cousin E. verbunden, der viel zu früh und unglücklich verstarb. Mir kommt es heute so vor, der Schlager sei für E. eine Art Sehnsuchtstext gewesen.

Der Deutsch-Brite Chris Andrews besingt darin ein Mädchen, das er am Michigan River kennengelernt hat und nie vergessen konnte. Geblieben ist einzig die Erinnerung an den Michigan River, an dessen Ufer es schöner sein soll als in Rio, Toronto, San Francisco oder New York. Und dieses Wasser des Michigan River soll ihm nun der Wind übers Meer tragen, um seine Liebessehnsucht zu lindern.

Geheimnisvoller Fluss

„Flüsse sind von einem Geheimnis umgeben, das uns anzieht, denn sie entspringen dem Verborgenen und nehmen morgen vielleicht schon einen ganz anderen Lauf als heute. Im Unterschied zu einem See oder dem Meer hat ein Fluss ein Ziel, und die Bestimmtheit, mit der er sich darauf zubewegt, gibt ihm etwas ungemein Beruhigendes, insbesondere in den Augen derer, die den Glauben an ihr eigenes Fortkommen verloren haben.“

Ob die britische Autorin und Kulturjournalistin Olivia Laing im Frühjahr 2009 den Glauben an ihr Fortkommen verloren hatte, als sie sich aufmachte, um an dem Fluss Ouse im Süden Englands Trost zu suchen und neue Kraft zu schöpfen? Ganz so schlimm war es vielleicht nicht, aber immerhin musste sie die Trennung von ihrem Partner und obendrein den Verlust ihres Jobs verkraften. Also entschloss sie sich zu einer Wanderung von der Quelle der Ouse in West Sussex bis zu deren Mündung in den Ärmelkanal bei Newhaven.

„Die Ouse ist nicht sonderlich bedeutend“

Das Buch „Zum Fluss – eine Reise unter die Oberfläche“ ist das Ergebnis dieser einwöchigen Wanderung im englischen Mittsommer. Eine Wanderung, die aber nicht nur eine rein geographische ist, sondern gleichzeitig eine Expedition durch die Zeit, durch die Literatur und natürlich durch die reiche Flora und Fauna dieser Landschaft. So wie die Ouse, dort wo sie noch nicht begradigt ist, durch die südenglische Landschaft mäandriert, so schlängelt sich Laings Text durch Raum und Zeit.

Stratford Mill am Fluss Stour in Suffolk. John Constable hat diese Szene wundervoll gemalt.

Stratford Mill am Fluss Stour in Suffolk. John Constable hat diese Szene wundervoll gemalt.

Die Autorin, Jahrgang 1977, ist belesen und vielseitig interessiert; sie hat eine Weile Englische Literatur studiert und später eine Ausbildung zur Pflanzenheilkundlerin gemacht. Beides merkt man diesem leisen, informativen Buch an. Wobei man sich als Leser ab und an wünscht, man hätte zu den vielen Pflanzennamen immer gleich ein Bild vor Augen. Aber gut, man kann ja googeln und dann darüber staunen, was zum Beispiel an einem verwahrlosten Brückendamm alles so sprießt. Zum Beispiel der Acker-Schachtelhalm, auch als Zinnkraut und Botanikern als Equisetum arvense bekannt. Diese Pflanze wuchs dort schon, als noch Dinosaurier Südengland unsicher gemacht haben. Erste Erkenntnis: auch ein recht unbedeutender Fluss hat einiges zu bieten, wenn man genau hinschaut.

Das Tal der Ouse

„Die Ouse ist nicht sonderlich bedeutend. Sie hat die breiten Ströme der Geschichte nur ein- oder zweimal gekreuzt; als Virginia Woolf 1941 dort ertrank und als an ihren Ufern, Jahrhunderte zuvor, die Schlacht von Lewes ausgefochten wurde.“

Virginia Woolf, der wir in diesem Buch immer wieder begegnen, lebte mit ihrem Mann Leonard von 1919 bis zu ihrem Freitod im Jahr 1941 in einem kleinen Cottage in Rodmell unweit der Ouse. Das Haus war sehr einfach, „es gab kein heißes Wasser und in der feuchten Außentoilette stand ein Rohrstuhl mit einem Eimer drunter“, schreibt Laing, die sich zur Vorbereitung auf ihre Tour durch die Schriften von Virginia und Leonard gelesen hat.

„Doch Leonard und Virginia liebten Monk’s House, und die Ruhe und die Abgeschiedenheit erwiesen sich als der Arbeit förderlich. Große Teile von Mrs. Dalloway, Zum Leuchtturm, Die Wellen und Zwischen den Akten entstanden dort, neben hunderten von Rezensionen, Kurzgeschichten und Essays.“

Virginia Woolf (25. 1. 1882 – 28. März 1941) liebte die südenglische Landschaft, hier versuchte sie zur Ruhe und zum Arbeiten zu kommen. „Ihre einsamen, oft täglichen Wanderungen und Exkursionen scheinen ein wesentlicher Bestandteil des Schreibprozesses gewesen zu sein.“ Woolf war übrigens ziemlich humorvoll, besonders in ihren Tagebüchern und ganz und gar nicht nur die triste, trübselige Autorin, schreibt Laing.

Garten von Virginia Woolf in Rodmell, der Fluss Ouse ist nicht weit

Garten von Virginia Woolf in Rodmell, der Fluss Ouse ist nicht weit

Ist es nicht interessant, dass mit Virginia Woolf eine der wichtigsten VertreterInnen der Stream-of-Consicousness-Literatur im Zentrum eines Buches über einen Fluss steht? Vom Strom des Wassers, das Woolf liebte und inspirierte bis zum Strom der Gedanken, den sowohl Woolf als auch die Nature Writerin Laing gekonnt fließen lassen, ist es nicht weit.

„Der Tag hing offen in den Angeln.“

Wer sich mittreiben lässt von diesem bisweilen poetischen und von Thomas Mohr wunderbar übersetzten Text, der erfährt einiges über die Menschen, die an der Ouse gelebt und gearbeitet haben, aber auch dort gestorben sind. Aberhunderte von Kämpfern starben etwa in der Schlacht von Lewes am 14. Mai 1264, als die englische Adelsopposition Heinrich III. vernichtend schlug. Beim Bau der Eisenbahn von Brighton nach Hastings im Jahr 1845 stießen Bauarbeiter auf die Gebeine der Opfer dieses Gemetzels.

„Die Züge nach Hastings und Newhaven, nach Glynde und Ore und Seaford fahren jeden Tag über die verdichteten Gebeine der Männer, die 1264 hier gekämpft haben“

Noch weiter zurück in die Vergangenheit blickt die Autorin, wenn sie die Lebensgeschichte des Hobby-Archäologen Gideon Mantell streift, auch er ein Bewohner des Tals der Ouse. Mantell (1790 – 1852) war ein leidenschaftlicher, ja fanatischer Sammler von Fossilien, der zu Lebzeiten vergebens um die Anerkennung der akademischen Welt kämpfte; ihm verdanken wir heute den Begriff Dinosaurier.

Olivia Laing, Zum FlussMan könnte noch einige Beispiele anführen, wie gekonnt die Autorin ihre Wanderung mit ihrer Lebensgeschichte, der Geschichte des Landes und den Geheimnisses des Flusses verknüpft. Olivia Laing zeigt auf, wie sehr wir Menschen schon immer Teil einer vielschichtigen Natur waren, auch wenn wir das in unserer hochtechnisierten Zeit nicht mehr wahrhaben wollen. Aber: unser Handeln hat Konsequenzen – und zwar immer. Was wir der Natur antun, etwa in Form von Flussbegradigungen an der Ouse, schlägt früher oder später auf uns zurück: zum Beispiel als tödliches Hochwasser, weil der Fluss keinen Platz mehr hat.

„Sanft, klug und geheimnisvoll“, hat der englische Autor Robert Macfarlane dieses Buch genannt. Alles richtig, aber hervorzuheben ist auch der wohltuend zurückhaltende Ton von Olivia Laing.

NK | CK

Buchinformation

Olivia Laing
Zum Fluss – eine Reise unter die Oberfläche
aus dem Englischen von Thomas Mohr
Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten
mit einem ausführlichen Literaturverzeichnis
ISBN: 978-3-442-75865-4

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Zehntausend Blumen

Zehntausend Blumen im Frühling ...

Zehntausend Blumen im Frühling …

10,000

Ten thousand flowers in spring,
the moon in autumn,
a cool breeze in summer,
snow in winter.

If your mind isn’t clouded
by unnecessary things,
this is the best season of your life.

10.000

Zehntausend Blumen im Frühling,
der Mond im Herbst,
eine kühle Brise im Sommer,
Schnee im Winter.

Wenn dein Geist nicht getrübt ist
durch unnötige Dinge,
ist dies die beste Jahreszeit deines Lebens.

Wu-Men (1183–1260), chinesischer Dichter und Zen-Meister hat diese Zeilen verfasst. Er ist berühmt für seine Kōan-Sammlung: The Gateless Barrier. Unter einem Kōan versteht man im Zen-Buddhismus eine Anekdote, eine Anspielung oder ein Rätsel, häufig paradox, zur Darstellung einer beispielhaften Aussage oder Weisheit. Das Rätsel kann vom Zen-Schüler nicht durch Nachdenken gelöst werden. Mehr dazu auf Wikipedia und hier beim RBB.

Man muss aber nicht Zen praktizieren, um eine Blumenwiese im Frühling wahrzunehmen und zu genießen. Auch wenn dies angesichts des furchtbaren Leids in der Ukraine und der damit empfundenen eigenen Macht- und Hilflosigkeit schwer fällt. Die Frage, ob man überhaupt etwas Schönes genießen darf, während 2000 Kilometer weiter östlich Menschen ausgebombt werden, steht immer mit im Raum.

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Postkarte als kulturhistorisches Dokument

Postkarte von 1974: Paignton Harbour, Devon, England

Postkarte von 1974: Paignton Harbour, Devon, England

Postkarte aus England

Liebe Oma,

wie geht’s Dir? Mir geht es sauschlecht, das englische Essen bekommt mir nicht mehr. Wenn ich am Samstag, 10.8. wieder in Hechingen bin, brauche erst einmal wieder Hörnle und Apfelmus. Auch gibt’s hier nur Weißbrot.

Viele Grüße

Dein Norbert

Als ich diese Postkarte von einem Sprachaufenthalt in Devon im Südwesten Englands an meine Oma schrieb, war Deutschland gerade Fußballweltmeister geworden, Richard Nixon stand dank Watergate kurz vor dem Rücktritt, und ich war in meine Mitschülerin K. verliebt, die ebenfalls in Devon ihre Englischkenntnisse verbessern wollte. Und: das englische Essen war für einen 13-jährigen aus dem Hohenzollerischen eine Herausforderung. Gut, dass die Oma gleich eine Pfanne Hörnle mit Apfelmus auf dem Tisch hatte, als ich heimkam.

Fast fünfzig Jahre ist das jetzt her, und die Postkarte wirkt, als wäre sie eben erst angekommen. Erstaunlich, nicht wahr? Ob man im Jahr 2072 noch auf irgendwelche WhatsApp-Nachrichten wird zugreifen können? Wohl kaum! Und eine WhatsApp an der Kühlschranktür? Geht auch nicht. Die Postkarte ist der Alleskönner, ein soziales Medium ohne Mindesthaltbarkeitsdatum. Es gibt sie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und sie lebt munter weiter.

Postkarten aus Rottenburg

Dass die Postkarte auch ein kulturhistorisches Dokument ist, kann man derzeit in einer Ausstellung in der Zehntscheuer in Rottenburg am Neckar sehen. „Post aus Rottenburg“ heißt die Schau, die aus dem Stadtarchiv Rottenburg und der privaten Sammlung Eitelmann bestückt wurde. Die Exponate zeigen Rottenburg, das im Krieg nur relativ geringe Schäden davongetragen hat, in vielen Facetten. Die Austellung ist von Mittwoch bis Samstag jeweils von 15 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Infos findet man auf der Website der Zehntscheuer.

Postkarten aus Tübingen

Die Postkarte gehört übrigens zu den Nutznießern der Corona-Pandemie. Während weniger Briefe per Post befördert wurden, haben deutlich mehr Menschen mal wieder eine Postkarte geschrieben. Ob man Schöne Postkarten in 100 Jahren auch einmal in einer Ausstellung sehen wird. Warum nicht!

NK | CK

Hölderlinturm mit Neckarfront in der Morgensonne: ein Klassiker | Schöne Postkarten Nr. 239 ·

Hölderlinturm mit Neckarfront in der Morgensonne: ein Klassiker | Schöne Postkarten Nr. 239 ·

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Die Stare sind zurück

Der Star (Sturnus vulgaris) ist einer der Vögel, die am häufigsten auf der Welt vorkommen

Stare (Sturnus vulgaris) gehören zu den Vögeln, die am häufigsten auf der Welt vorkommen

Die Stare sind zurück
futterneidisch wie immer –
ein neues Frühjahr

The starlings are back
jealous of food as always –
a new spring

Haiku für Georges Hartmann, der am 8. März Geburtstag hatte. Wir gratulieren herzlich, wünschen alles Gute und freuen uns, wenn wir hin und wieder ein neues Haiku oder einen Kommentar von Georges hier im Blog lesen dürfen. Alle, die den bescheidenen Haiku-Dichter aus dem Westerwald noch nicht kennen, schauen mal hier.

Mozart und sein Star

Der Star (Sturnus vulgaris) ist übrigens ein begabter Stimmenimitator, weshalb wir ihm nachsehen, dass unser Vogelfutterverbrauch dramatisch nach oben schnellt, wenn die Stare im Frühjahr zurück sind. Der bayerische Landesbund für Vogelschutz e. V. (LBV) hat auf seiner Website viele lesenswerte Artenporträts (Vögel, Insekten, Schmetterlinge), über den Star steht da:

Wie talentiert Stare beim Imitieren von Lauten und sogar Musikstücken sind, hat sogar Eingang in die Musikgeschichte gefunden. Wolfgang Amadeus Mozart hielt drei Jahre lang einen Star als Haustier. Schon bald konnte der gelehrige Vogel das Rondothema aus dem Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur (Köchelverzeichnis 453) nachpfeifen. Als sein „Vogel Stahrl“ starb, war der begnadete Komponist untröstlich und widmete ihm gar ein eigenes Poem: „Hier ruht ein lieber Narr/ Ein Vogel Staar/ Noch in den besten Jahren/ Mußt‘ er erfahren/ Des Todes bittern Schmerz“.

NK | CK

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Warten auf den Frühling, leben auf Trümmern

„Wir haben im Laufe unserer Geschichte immer nur überlebt, nie gelebt!“ (Swetlana Alexijewitsch)

„Wir haben im Laufe unserer Geschichte immer nur überlebt, nie gelebt!“

Seit knapp zwei Jahren haben wir einen kleinen Lesekreis und treffen uns regelmäßig, um uns zu bekochen und dann bei ein paar Gläsern Wein über das Buch zu sprechen, das vorgeschlagen wurde. Klar, da sind auch mal Bücher dabei, die man selbst eher nicht gekauft und gelesen hätte. Weil man sich halt gerne innerhalb seiner eigenen Leseblase bewegt. Dabei soll man ja überhaupt nur „Bücher lesen, die einen beißen und stechen“, hat Franz Kafka gesagt.

Unbekannter Osten

Ob der nächste Roman, den wir im Lesekreis besprechen, beißt und sticht, wird die Diskussion zeigen. Aber eine Bereichung des Lesehorizonts ist er schon jetzt. Denn der Roman, den unser belesener Freund S. vorgeschlagen hat, spielt auf der russischen Halbinsel Kamtschatka in der Putin-Ära, also in der Zeit, die Historiker:innen die postsowjetische nennen. Ich habe bei der Lektüre des Romans festgestellt, dass ich eigentlich fast nichts über diese Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion weiß – und beschlossen, mich etwas näher damit zu befassen.

Bei der Recherche bin ich dann auf ein Spiegel-Interview mit der weissrussischen Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch gestoßen, in dem diese sich gemeinsam mit Herta Müller über die Kriegsgefahr in der Ukraine austauscht, die vom russischen Präsidenten Putin ausgeht. Das war vor dem 24. Februar 2022, dem Tag, an dem der ehemalige KGB-Agent Wladimir Wladimirowitsch Putin seinen Truppen den Einmarsch in die Ukraine befohlen hat. Mit diesem Überfall auf einen souveränen Staat ist eingetreten, was ich nie für möglich gehalten hätte: Krieg in Europa. Die Ukraine ist flächenmäßig der größte Staat, dessen Grenzen komplett innerhalb des Kontinents Europa liegen. Doch zurück zur Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Ich habe mir also ein Buch von Swetlana Alexijewitsch über diese Zeit gekauft und gebannt gelesen. Ich habe einiges gelernt: über die Sowjetunion, über die Zeit von Stalin bis Putin, über das Raubrittertum nach der Perestroika, und, und, und.

Leben auf Trümmern

„Unter dem Sozialismus und unter dem Kapitalismus. Rote oder Weiße, das ist für uns gleich. Wir warten immer auf den Frühling.“ (Normalbürgerin)

„Wir warten immer auf den Frühling.“

„Wir warten immer auf den Frühling.“

Swetlana Alexijewitsch notiert diesen Satz einer sogenannten Normalbürgerin der Russischen Föderation im letzten Kapitel ihres atemberaubenden Buches „Secondhand-Zeit – Leben auf den Trümmern des Sozialismus.“ 2015 hat Alexijewitsch, die 1948 in der Ukraine geboren und in Belarus aufgewachsen ist, den Nobelpreis für Literatur bekommen. Die Autorin lebt heute in Berlin, nachdem sie unter dem belarussischen Diktator Lukaschenko nicht mehr sicher war.

Secondhand-Zeit ist kein Roman, kein Geschichtsbuch, keine Reportage. Swetlana Alexijewitsch hat, so schrieb es auch das Nobelpreiskommitee, mit ihrer Art zu schreiben ein ganz eigenes literarisches Genre geschaffen. Zuhören ist dabei zentral:

„Wir nehmen Abschied von der der Sowjetzeit. Von unserem damaligen Leben. Ich versuche, alle Beteiligten am sozialistischen Drama, mit denen ich mich treffe, fair anzuhören …“

Alexijewitsch ist eine einfühlsame und ausdauernde Zuhörerin. Sie schafft es, auch die verstocktesten Gesprächspartner:innen, die sie seit dem Jahr 2001 getroffen hat, zum Erzählen zu bringen. Und dann gelingt ihr noch viel mehr. Sie macht aus diesen zutiefst persönlichen, schockierenden, bisweilen todtraurigen Erzählungen Weltliteratur. Man liest diesen „vielstimmigen Chor“, wie es der Osteuropa-Historiker Professor Schlögel nannte, mit heruntergeklappter Kinnlade und muss immer wieder innehalten, um das Gelesene zu verdauen.

Die russische Küche

„Die russische Küche … Die armselige Chruschtschowka-Küche – neun, wenn man Glück hatte, zwölf Quadratmeter, hinter der dünnen Wand die Toilette. Sowjetische Bauweise. Auf dem Fensterbrett Zwiebellauch in Mayonnaisegläsern, ein Blumentopf mit Aloe gegen Schnupfen. Die Küche ist bei uns nicht nur der Ort, wo gekocht wird, sie ist zugleich Esszimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Tribüne. Ort kollektiver therapeutischer Sitzungen. Im 19. Jahrhundert entstand die ganze russische Kultur auf Adelsgütern, im 20. entstand sie in der Küche. Auch die Perestroika.“

Swetlana Alexijewitsch nimmt uns mit in diese russischen Küchen, wo ihr ihre Gesprächspartner:innen ihr Leben erzählen, ihr Herz ausschütten, schreien, fluchen, stammeln, schweigen, weinen (es wird viel geweint) und – auch gar nicht selten – trotzig ihre stalinistischen Glaubensbekenntnise entgegenschleudern. Letzeres, weil sie nicht akzeptieren wollen und können, dass alles, was sie in ihrem Leben geleistet, riskiert und gehofft haben, jetzt in ihrem „Secondhand-Leben“ keine Kopeke mehr Wert ist.

„Wehe dem, der in der UdSSR geboren wurde und in Russland leben muss.“

Freiheit als Größe der Finsternis

Wer eine Ahnung davon bekommen möchte, wie es für die Sowjetbürger:innen gewesen sein muss, nach Jahrzehnten des Terrors und der Bespitzelung, der permanenten Indokrination, aber auch einer gewissen Sicherheit auf bescheidenem materiellen Niveau, plötzlich in das Stahlbad der Freiheit geworfen zu werden, der lese dieses Buch, das mit Sätzen gespickt ist, die wahrlich beißen und stechen.

„Viele nahmen die Wahrheit auf wie einen Feind. Und auch die Freiheit.“

So heißt es im ersten Kapitel. Und einen Absatz später:

„Da ist sie – die Freiheit! Hatten wir sie uns so vorgestellt? Wir waren bereit, für unsere Ideale zu sterben. Dafür zu kämpfen. Doch dann begann ein Leben wie bei Tschechow. Ohne große Geschichte. Alle Werte zerstört, bis auf den Wert des Lebens. Des Lebens an sich. (…) Die Freiheit entpuppte sich als Rehabilitierung des Kleinbürgertums, das im russischen Leben gewöhnlich unterdrückt wurde. Als Freiheit Seiner Majestät Konsum. Als eine Größe der Finsternis.“

Ist es ein Wunder, dass viele Menschen in Russland heute Putin bewundern? Einen Mann, der ihnen mit perfiden Mitteln das Gefühl einer starken Führung zurückgibt? Und so wie es in der ehemaligen DDR eine Ostalgie gibt, getragen von einer diffusen Sehnsucht nach Überschaubarkeit und Sicherheit, so gibt es in Russland heute eine Sehnsucht nach der Sowjetunion. „Nach dem Stalin-Kult.“ Die alten Ideen, schreibt Alexijewitsch im Jahr 2013 (!), „leben wieder auf: vom großen russischen Imperium, von der eisernen Hand, vom besonderen russischen Weg.“

Hört man sich heute, im März 2022, den russischen Diktator und seine Machtclique an, dann findet sich in deren Reden exakt dieser anachronistische feuchte Männertraum von einem großrussischen Reich wieder, das mit aller Härte wiederhergestellt werden muss. Die Bomben auf Kiew und Charkiw sprechen für sich. Aber das nur am Rande. Zurück zum Buch.

Ein Höllenteppich aus Geschichten

Wie die Teppichknüpfer in der früheren, zentralasiatischen Sowjetrepublik Usbekistan knüpft die Autorin mit meisterhafter Präzision aus den Geschichten ihrer traumatisierten Gesprächspartner einen Höllenteppich, der uns beim Lesen alles abverlangt und uns dabei nicht mehr loslässt.

Zentrale Elemente der Küchengespräche mit den Studenten, den dekorierten Weltkriegssoldaten, den GULag-Häftlingen, GuLag-Aufsehern, Henkern, Opfern, Geheimdienstmitarbeitern, Obdachlosen, KPdSU-Funktionären, Großverdienern und Kreml-Insidern sind der Terror, die Gewalt, die Trostlosigkeit, die Angst und der Tod. Aber ganz erstaunlich bei all dem Elend: dazwischen gibt es immer wieder Stimmen, die noch einen Funken Hoffnung auf eine bessere oder wenigstens einigermaßen erträgliche Zukunft haben.

Während in der Sowjetzeit jene dem Untergang gewidmet waren, die es wagten, selbstständig zu denken, oder manchmal einfach nur zu falschen Zeit am falschen Ort standen, waren in der postsowjetischen Zeit nach 1991 die Menschen zum Untergang verdammt, die vorher mit jeder Faser ihres Körpers hinter den Ideen eines irrwitzigen brutalen Staates standen. Letzere nennt die Autorin den „Homo sovieticus“, den umgemodelten Menschen. Für ihn gilt:

„der Staat war ihr Universum geworden, er ersetzte ihnen alles, sogar das eigene Leben. Sie konnten sich nicht aus der großen Geschichte herauslösen, sich von ihr verabschieden und auf andere Weise glücklich werden“

Wer verstehen möchte, was der Zusammenbruch des sowjetischen Riesenreiches für die Menschen, und Alexijewitsch geht es immer um jeden einzelnen Menschen, wirklich bedeutet, sollte dieses Buch lesen. Die Autorin lässt die zu Wort kommen, die nach dem Ende der Sowjetunion mit inneren und äußeren Verletzungen auf einem trostlosen, kaputten Nebengleis gelandet sind, während die russischen Oligarchen von Putins Gnaden auf deutschen Werften gewaltige Jachten in Auftrag gegeben haben.

Wenn normales Leben zur Literatur wird

Die Autorin selbst bringt sich übrigens sehr sparsam mit erklärenden oder vertiefenden Kommentaren ein. So wie am Ende des Buches, als sie ganz kurz ihr Ziel und ihre Vorgehensweise erläutert. Es geht Alexijewitsch um diesen einen Moment des Übergangs in einem Gespräch,

„wo das normale Leben zu Literatur wird – auf diesen Moment warte ich immer, ich höre ihn in jedem Gespräch heraus, ob unter vier Augen oder in größerer Runde, aber manchmal bin ich nicht wachsam genug, dabei kann ein »Stück Literatur« überall aufblitzen, an den überraschendsten Stellen.“

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Buchinformation

Swetlana Alexijewitsch
Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus
aus dem Russischen übersetzt und mit hilfreichen Fußnoten zum besseren Verständnis versehen von Ganna-Maria Braungardt
Hanser Berlin, Carl Hanser Verlag, 2013, 576 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-446-24150-3

Homepage von Swetlana Alexijewitsch

Spiegel-Interview mit Swetlana Alexijewitsch und Herta Müller

Die Sonnenblume ist die Nationalblume der Ukraine. Als Zeichen der Hoffnung kann man sie jetzt einsäen.

Die Sonnenblume ist die Nationalblume der Ukraine. Als Zeichen der Hoffnung kann man sie jetzt säen.

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