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Freitagsfoto: Wasser

Wasser ist ein Menschenrecht!

Wasser ist ein Menschenrecht!

„Rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Eine unfassbare Zahl. Rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser. Im Jahr 2040 werden Schätzungen zufolge fast 600 Millionen Kinder in Gegenden ohne ausreichenden Zugang zu Wasser leben.“

Streit ums Wasser

Das schrieb UNICEF anlässlich des Weltwassertags am 22. März 2022 in dem Artikel „10 Fakten über Wasser“. Bisher hat man Wassermangel ja immer mit afrikanischen Ländern in Verbindung gebracht, wo die Situation für viele Menschen, vor allem die Kinder, dramatisch und lebensbedrohlich ist. Aber wie gesagt, das war immer weit weg. Und jetzt?

Jetzt wird Wasser auch in Europa, ja sogar in Deutschland, zu einem begehrten Gut. Fast überall sinken die Grundwasserspiegel, Flüsse führen viel zu wenig oder, wie in Italien, gar kein Wasser mehr. Auch deutsche Wasserwerke machen sich große Sorgen um die geringer werdenden Wassermengen, um die sich verschiedene Parteien streiten. Die Rechercheplattform Correctiv hat festgestellt, dass gerichtliche Auseinandersetzungen um Wasser in den letzten 10 Jahren deutllich zugenommen haben. Sorge und Streit ums Wasser haben auch bei uns längst begonnen. Der Blick auf den Dürremonitor ist erschreckend.

Streit ums V-Wort

Wasser sparen wäre angesagt, ist aber schrecklich unpopulär und klingt für viele Politiker:innen, vor allem von der FDP, nach Planwirtschaft und staatlich verordnetem Verzicht. Bei den Liberalen scheinen sie das V-Wort so zu hassen, dass Wolfgang Kubicki, seines Zeichens Vizepräsident des Deutschen Bundestags, schon mal in vorauseilendem Trotz dies verkündet hat: „Robert Habeck darf gerne so kurz duschen, wie er es für richtig hält. Ich schaue jedenfalls nicht auf die Uhr, wenn ich in der Dusche stehe. Ich dusche so lange, bis ich fertig bin.“

Was für eine unwürdige Vorstellung eines deutschen Spitzenpolitikers. Und welche Idee eines Liberalismus steckt hinter so einer Haltung? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht darüber nachdenken möchte, womit er eigentlich fertig sein will …

Pilgerbrunnen in Saint-Guilhem-le-Désert in Südfrankreich. Dort ist Wasser schon immer ein kostbar.

Pilgerbrunnen in Saint-Guilhem-le-Désert in Südfrankreich. Dort ist Wasser schon immer ein kostbar.

Was ist eigentlich so schlimm daran, Verzicht zu üben, mit Ressourcen sparsam umzugehen? Ich verstehe es nicht. Sollte es doch so sein, wie Christian Kullmann, Präsident des Chemieverbandes VCI, vor zwei Tagen im Interview mit der SZ gesagt hat: „Dieses Land ist nicht darauf vorbereitet, Verzicht zu üben.“? Dabei verlangt niemand, dass wir uns gar nicht mehr waschen oder im Winter die Wohnung nur auf 10 Grad heizen. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern halt außergewöhnliche Maßnahmen.

Licht aus!

Ich habe viele Jahre Tür an Tür mit meiner Oma gelebt. Meine Oma, Jahrgang 1905, hat zwei Weltkriege mitgemacht, einen Bruder im Krieg verloren, ein anderer kam kriegsversehrt zurück. Sie musste drei Töchter ohne den Ehemann, der auch im Krieg war, durchbringen. Die Oma hatte, neben vielen guten Eigenschaften, die Angewohnheit, immer und überall das Licht auszumachen, um Strom zu sparen. Es war wie ein Zwang, der auch vor einer geschlossenen Zimmertür nicht halt machte. Es kam daher regelmäßig vor, dass meine Zimmertür am Abend plötzlich ganz leise aufging, sich eine Hand reinschob und das Licht ausknipste. Tür zu, Spuk vorbei, ich saß im Dunkeln. Mag sein, dass der Krieg mit seiner Verdunkelungsanordnung bei der Oma auch noch reingespielt hat. Ich habe jedenfalls die Lektion nicht vergessen. Und mal ehrlich, wem schadet das: ein Licht weniger an, kürzer und weniger heiß duschen, spritsparender fahren? Eben.

Acht Stunden für ein paar Liter Wasser

Wie das ist, wenn frisches Trinkwasser nicht in beliebiger Menge aus dem Hahn kommt, zeigt das Beispiel von Aysha aus Äthiopien. Dieses Mädchen verbringt täglich viele Stunden damit, frisches Wasser zu besorgen. Dieser Film zeigt in dreieinhalb Minuten einen Tag in ihrem Leben:

Bleibt im Schatten!

NK | CK

PS: Es gibt übrigens Menschen in unserem Land, für die ist Verzicht Alltag. Es sind Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind. Der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge hat dazu einen sehr lesenswerten Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung verfasst.

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„Ein Hund hat die Seele eines Philosophen“ (Platon)

Der Bouvier stammt ursprünglich aus Belgien und war ein klassischer Treibhund für Rinder und Pferde

Der Bouvier des Flandres stammt aus Belgien und war ein klassischer Treibhund für Rinder und Pferde

„Hunde sind unsere Verbindung zum Paradies. Sie kennen weder Sünde noch Eifersucht noch Unzufriedenheit. An einem herrlichen Nachmittag mit einem Hund auf einem Hügel zu sitzen, heißt zurück zu sein im Garten Eden, als Nichtstun nicht Langeweile bedeutete, sondern Frieden.“

Milan Kundera

Im Frankreich-Urlaub schlabbert der Hund sein Wasser standesgemäß

Im Frankreich-Urlaub schlabbert der Hund sein Wasser standesgemäß

Heute hat unser Hund Geburtstag. Elf Jahre wird unsere Bouvier-Dame Kajsa, und wir sind froh und dankbar, dass sie noch so gut dabei ist. Und deshalb gibt’s heute ein paar Hundefotos und natürlich liebe Grüße nach Braunfels.

„Kauf einen jungen Hund und du wirst für dein Geld wilde entschlossene Liebe bekommen.“ Rudyard Kipling

„Kauf einen jungen Hund und du wirst für dein Geld wilde entschlossene Liebe bekommen.“ Rudyard Kipling

„Du denkst, Hunde kommen nicht in den Himmel? Ich sage Dir, sie werden früher dort sein als irgendeiner von uns.“ Robert Louis Stevenson

Kajsas Mama Evita, eine stattliche Hundedame mit perfektem Schnitt

Kajsas Mama Evita, eine stattliche Hundedame mit perfektem Auftreten.

„Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten sind im Hund enthalten.“ Franz Kafka

„Dogs make us human.“ Art Wolfe

„Dogs make us human.“ Art Wolfe

„Ein Hund hat die Seele eines Philosophen.“ Platon

Wenn Hunde die Seele eines Philosphen haben, wie Platon sagt, ist unser Hund eine Stoikerin

Wenn Hunde die Seele eines Philosophen haben, wie Platon sagt, ist unser Hund eine Stoikerin

Bleibt im Schatten, es wird heiß!

NK | CK

PS: Es gibt auch Postkarten mit Hund

Schöne Postkarte Nr. 128 · Fox und Bouvier: Ziemlich beste Freunde

Schöne Postkarte Nr. 128 · Fox und Bouvier: Ziemlich beste Freunde. © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 141 · Auf den Hund gekommen | © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 141 · Auf den Hund gekommen | © www.schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 129 · Junge, Hesse, Hund, Meer | © schoenepostkarten.de

Schöne Postkarte Nr. 129 · Junge, Hesse, Hund, Meer | © schoenepostkarten.de

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Ukraine lesen: „Internat“ von Serhij Zhadan

Nirgendwo werden so viele Sonnenblumen angebaut wie in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte zerstören auch gezielt Felder.

Nirgendwo werden so viele Sonnenblumen angebaut wie in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte zerstören auch gezielt Felder.

Kriegsmüde

Beim Zeitunglesen ist uns häufiger in letzter Zeit das Wort kriegsmüde aufgefallen. Verwunderlich war, dass damit fast durchweg das Gefühl vieler Menschen hier im sicheren Deutschland und im westlichen Teil Europas beschrieben wurde. Also das Gefühl von Menschen, die nicht kämpfen, nicht flüchten, sich nicht sorgen müssen um den Mann, den Sohn oder den Vater, die jeden Tag ihr Leben im Kampf gegen den russischen Aggressor riskieren. Kriegsmüde also sind Menschen, wenn wir es richtig verstehen, die sich endlich ein anderes Thema in den Nachrichten wünschen, nicht mehr diese schrecklichen, ja erschütternden Bilder von verwüsteten Städten und Leichen auf den Straßen sehen wollen. Menschen, also, die von der Kriegsberichterstattung müde sind. Verständlich, ja durchaus.

Und dann gibt es Menschen, die sich gar genervt fühlen von den „ständigen Forderungen dieses Selenskyjs“ oder den provozierenden, weil Klartext redenden Äußerungen des ukrainischen Botschafters Melnyks. Die von „mehr Diplomatie geht immer“ und von „Unsinn eines Krieges“ reden. Und sich dann aber über die eigenen Parkgebühren aufregen, die der Bürgermeister auch für Anwohner nun deutlich anheben will. Nein das wollen sie sich nicht gefallen lassen … Auch verständlich? Nein, denn sie nehmen für sich selbst ein Freiheitsverständnis in Anspruch, auf das die Ukrainer bitte verzichten sollen. Befriedet euch bitte, ihr Ukrainer, damit wir hier uns in Ruhe über Parkgebühren, Flughafenchaos oder, der Herbst kommt bald, Masken aufregen können.

Wofür die ukrainschen Frauen und Männer (zum Teil noch halbe Kinder) kämpfen, das konnte man lernen in dem Dokumentarfilm „Warum Ukraine“ von Bernard-Henri Lévy, der am Dienstag auf arte ausgestrahlt wurde. Kriegsmüde schien da keiner zu sein.

Lesen statt abstumpfen: „Internat“

Wenn wir nicht abstumpfen wollen, müssen wir uns mehr und besser informieren! Das setzt aber zunächst ein grundsätzliches Interesse voraus. Und daran, glauben wir, hat es lange gefehlt. Jetzt hat diese Woche der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan, der seit Jahren über die kriegerische Gewalt in der Ukraine schreibt, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten, was an sich schon paradox und bitter anmutet. Zhadan, Jahrgang 1974, ist studierter Germanist und schreibt Prosa, Gedichte, Essays und macht Musik. Letzteres auch jetzt in den Katakomben von Charkiw, wo er lebt.

Belohnt wurden die frühen Warnungen Zhadans vor einem sich ausdehnenden Krieg nicht mit Frieden, sondern mit brutalen Angriffen der russischen Streitkräfte auf Zivilisten und einer Verwüstung des Landes. Nicht zuletzt, weil die Warnungen so richtig nur wenige interessierten. Deshalb möchten wir heute den Roman „Internat“ von Serhij Zhadan vorstellen, den wir im April diesen Jahres in unserem Literaturzirkel gelesen haben. Er erschien 2017 auf Ukrainisch und 2018 auf Deutsch im Suhrkamp-Verlag.

„Irgendwas stimmt nicht“

Protagonist ist Pascha, ein 35-jähriger Lehrer, der von seinem Vater aufgefordert wird, Sascha, seinen 13-jährigen Neffen, aus dem Internat am anderen Ende einer größeren Stadt zu holen. Weil die Schule bei der anhaltenden kriegerischen Gewalt keine Sicherheit mehr bietet. Der Roman hat keine eigentliche Handlung, beschrieben wird Paschas Weg voller Gefahren durch eine apokalyptische Landschaft hin zum Internat und wieder zurück.

Das Ganze spielt sich in drei Tagen ab, in einer nicht benannten Stadt im Donbass. Der Leser taucht ab in ein von Willkür und Orientierungslosigkeit getriebenes Geschehen, das ihn atemlos macht und in dem er sich schnell verlieren kann. Das aber ist eine sehr glaubhafte Darstellung von Krieg. So muss sich Krieg anfühlen, nicht für einen Soldaten, sondern für einen Zivilisten.

„Irgendwas stimmt nicht“ – dieses Gefühl ist eine Art Leitmotiv, das immer wiederkehrt. Pascha kann sich kaum auf etwas Gewohntes verlassen, denn Normalität gibt es nicht mehr, alles muss der Lehrer neu einschätzen lernen: Nebel kann Schutz oder gefährlich sein, je nachdem, wo man sich befindet. Das Mondlicht ersetzt die Taschenlampe, macht einen aber auch zur Zielscheibe. Wie geht man um mit ausgehungerten Hunden? Und in einer Gruppe von Fremden fällt man besser nicht auf …

Krieg: das Auflösen von Strukturen

Die Strukturierung des Romans ist nicht einfach, vielleicht weil sich Krieg nicht in eine Ordnung bringen lässt. Die zeitliche Einteilung in drei Tage hat uns jedenfalls beim Lesen nicht sehr geholfen. Ein wenig plastischer wird es, wenn man sich die Orte von Paschas gefährlicher Route durch eine weitgehend zerstörte Stadt und Landschaft vor Augen führt. Besser noch hangelt sich der Leser entlang der Weggefährten oder der Begegnungen, die Pascha an den verschiedenen Orten hat, durch diesen aufwühlenden Roman, den manche Kritiker als Roadmovie der besonderen Art beschrieben haben.

Ein Held, der nicht kämpft, aber wächst

Pascha ist kein Held. Er kämpft nicht. Nicht allein wegen seiner versehrten rechten Hand, er will auch nicht Partei ergreifen. Er will sich raushalten aus dem ganzen Kriegsgeschehen: er will seine Ruhe haben. Er ist desinteressiert an der Welt und schlecht vorbereitet für den Trip. Als Staatsangestellter ist er finanziell nicht schlecht gestellt, aber von Natur aus ist er ängstlich-aufschiebend und selbstmitleidig. Verantwortung übernehmen ist seine Sache nicht, und desillusioniert ist er auch.  Paschas emotionaler Selbstschutz besteht darin, mit anderen, egal, was ihnen widerfährt, kein Mitleid zu haben. Fast wie ein Mantra sagt er zu sich:

„Kein Mitleid, mit niemandem.“

Seine Freundin Marina, die ihn verlassen hat, wie der Leser in eingeschobenen Rückblicken erfährt, urteilt über ihn mit einer rhetorischen Frage: „Was bist du bloß für ein Mann?“

Aber Aufgabe und Umstände lassen ihn allmählich wachsen. So muss Pascha die Führung eines Trecks übernehmen, nachdem der eigentliche Führer abgehauen ist. Dem pubertären Neffen, der ihn anfangs frech provoziert und Pascha seine Ignoranz und Passivität vorwirft, begegnet Pascha gelassen und fast verständnisvoll. Aber erst die Begegnung mit dem Grauen in einem verwaisten, zerstörten Kindergarten lässt Paschas Selbsterkenntnis reifen:

„Dass er ein Arschloch ist, das bis zum letzten Moment gewartet hat, bis sich die Falle öffnete, und das dann arglos hineingetrottet ist, und zwar nicht alleine, sondern mit dem Jungen. Und jetzt, wo die Stadt ganz eingeschlossen ist, wo alle möglichen Spalten und Löcher abgedichtet sind, kann er mit dem Jungen nur noch von einer Ecke in die andere laufen, hin und her, wie zwei Ratten, die ihr Schiff verpasst haben.“

Metaphern, Rhythmus, Drive

Dieser starke Roman ist reich an ungewöhnlichen Metaphern: Der Fernseher leuchtet und wärmt wie das Ewige Feuer, der Januarmorgen ist lang und unbeweglich wie die Warteschlange in der Ambulanz; eine Leitung ist an einigen Stellen gebrochen wie ein Knochen, der schmerzt und jetzt Hilfe braucht. Immer wieder vermischen sich Sinneseindrücke, die eine dichte, eindrückliche Atmosphäre entstehen lassen: der feuchte Signalton, die kalten Schlaglöcher, der Geruch von Hysterie und Klagen.

Lebewesen werden sich im Krieg ähnlicher: Die kriegsverletzten Bäume sind wachsam wie Tiere, das Harz, ihr Schmerzenssaft, rinnt an ihnen hinab wie Blut. Orte werden personifiziert: die Bahnhofsstation gibt Hoffnung, hat ein Herz, das allerdings vom Dampflokqualm geschwärzt ist. Der Bus wird zum Transportwesen, auf dessen Metallhaut die Faust des Soldaten einschlägt. Ein Taxi wird zum Hund auf rasender Tour, bei der man als Leser:in nach Luft schnappt – und spürt, dass Zhadan, der auch Musiker ist, ein unglaubliches Rhythmusgefühl hat.

„Ihr Opel stürzt sich in ein Schneeloch wie ein Hund in das schäumende Meer, schlittert, spuckt unter den Rädern Schwarzerde und Eis, aber bewegt sich vorwärts, kriecht Stück für Stück aus dem Schneematsch heraus, bekommt festen Boden unter die Räder, arbeitet sich auf das mit Schotter bedeckte Gras, wo der alte Weg gerade noch zu erkennen ist, gerät auf dem nassen Lehm immer wieder ins Rutschen, schiebt sich aber vorwärts, die Maulbeerbäume entlang, die schwarz sind wie Zeitungsschlagzeilen.“

Und dann die Angst, „ein allumfassendes, unsichtbares Wesen“, die selbst dann auftaucht, wenn gerade keine Gefahr zu erkennen ist.

Wer sind die Guten, wer die Bösen?

Der Roman liest sich teilweise wie ein Action-Film, bei dem man auch des Öfteren die Orientierung verliert: wer sind nochmal die Guten, wer die Bösen? In der grauenhaften Kindergarten-Szene spürt man förmlich die Kamera des Autors heranzoomen.

Dass Zhadan zudem auch noch die Erzählperspektive mehrfach wechselt, hätte es unserer Meinung nach nicht bedurft. Die Desorientierung und Willkür im Krieg werden schon so anschaulich genug geschildert. Symbolhaft, wenn auch vielleicht nicht ganz stimmig, wird immer wieder der nachlassende Akku von Paschas Handy erwähnt. Steht er für die verbleibende Energie von Pascha? Und wird diese für ihn und seinen Neffen reichen?

Als wir den Roman im April gelesen und besprochen haben, hatten wir vor allem die Fernsehbilder der vielen flüchtenden Ukrainerinnen im Kopf: Frauen, die ihre Männer zurücklassen mussten und nicht wussten, wie es weiter geht und die sich dennoch die Tränen verkniffen. Pascha ist nun der Antiheld. Er will nicht kämpfen. Vielleicht ist er auch etwas kriegsmüde, denn im Donbass, wo der Roman spielt, ist seit 2014, also seit drei Jahren Krieg. Aber Pascha muss über sich hinauswachsen, und er tut dies im Rahmen der Möglichkeiten seiner Person.

Interessieren wir uns genug?

Dass er dazugelernt hat, auch seine Meinung zu sagen und dazu zu stehen, lesen wir am Ende des Romans, als Pascha einen etwas großkotzigen arroganten Journalisten aus dem Westen zum zweiten Mal trifft und diesem jetzt die Meinung sagt.

„Auch für uns interessieren Sie sich nicht. Das wollte ich Ihnen sagen.“

Serhij Zhadan: Das Internat. Was für ein klasse Roman!Das ist ein direkter Vorwurf an uns hier im Westen, die wir uns schon 2014 nach dem Euromaidan in Kiew und der russischen Annektion der Krim nicht wirklich für das Schicksal der Ukraine und die Rolle Russlands interessiert haben. Und auch dann noch nicht, als die ukrainischen Separatisten mit Hilfe Russlands den Donbass mit Krieg überzogen haben.

Dieser Roman ist ein sehr guter, noch dazu extrem spannender Einstieg in eine literarische Beschäftigung mit der Ukraine und dem Schicksal der Menschen dort. Unbedingte Leseempfehlung, nicht zuletzt wegen der großartigen Übersetzung von Juri Durkot und Sabine Stöhr, die den Roman in ein frisches, packendes Deutsch übertragen haben.

„Alle bereiten sich auf den Krieg vor, der weitergeht. Jeder plant, am Leben zu bleiben, zurückzukehren. Alle wollen zurück nach Hause, alle mögen das Gefühl heimzukehren.“

CK | NK

Buchinformation

Serhij Zhadan
Internat
Suhrkamp Verlag Berlin 2018
Fester Einband mit Schutzumschlag, 300 Seiten
ISBN 978-3-518-42805-4

Weiterführende Informationen

Für alle, die sich intensiver mit der Ukraine, Russland und dem System Putin beschäftigen wollen, jetzt noch ein paar Empfehlungen. Wobei wir beschämt anmerken, dass auch bei uns dieses Interesse für Osteuropa und speziell die Ukraine erst jetzt seit dem Kriegsbeginn erwacht ist. Da ist ein literarischer Kontinent zu entdecken.

Infoseite des Verlags über Serhij Zhadan

Warum Ukraine – Dokumentarfilm von Bernard-Henri Lévy

Swetlana Alexijewtisch: Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus
Ein Buch über den Zusammenbruch der Sowjetunion, und was das für die Menschen bedeutet hat.

Catherine Belton: Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
Catherine Belton beschreibt auf 704 mit Fakten vollgepackten Seiten, den Aufstieg des russischen Präsidenten und den Plan seiner KGB-Clique, sich die Macht in Russland zurückholen und den Westen mit Geld zu spalten, zu unterminieren, zu manipulieren. Eine gewaltige Rechercheleistung und bestimmt kein Wohlfühlbuch, aber ein schmerzhafter, wichtiger Augenöffner. Ein Interview mit Catherine Belton im Deutschlandfunk kann man hier nachhören.

Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht
14 Autorinnen und Autoren, darunter auch Serhij Zhadan, schreiben über das, was sie während der ukrainischen Revolution 2014 auf dem Euromaidan, davor und danach, erlebt haben, über ihr Verhältnins zu ihrem Land, ihre Sicht auf den Westen und ihre Sehnsucht nach einer freien Ukraine als Teil Europas. Das Buch ist 2014 auf Deutsch erschienen, und die Warnungen vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine springen einen aus diesem Buch förmlich an. Leider waren dem Westen billige Energie und gute Geschäfte mit dem Machthaber im Kreml wichtiger. Lesenswert!

Prof. Dr. Karl Schlögel, einer der führenden Osteuropa-Historiker, hält eine bewegende Rede zum Krieg in der Ukraine und dem Versagen des Westens.

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Das Geheimnis des Glücks

In Würde altern: Oldtimer können das

In Würde altern: Oldtimer wie diese Ente (Citroën 2V) können das

Zweihunderttausend Meilen

„Im Alter von einundsechzig Jahren komme ich mir an manchen Tagen vor wie ein Wagen mit zweihunderttausend Meilen auf dem Tachometer. Ein Klopfen meldet sich im Motor, die Heizung läßt sich nicht abstellen, das Fahrgestell ist rostig, die Sitzbezüge zerrissen und verfleckt, ein Scheibenwischer hat den Geist aufgegeben, der Auspufftopf sieht aus wie ein Salatsieb, und Öl verliert der Wagen auch.“

Charles Simic hat das geschrieben, der amerikanische Dichter, der 1938 in Belgrad zur Welt kam, und seit 1954 in den USA lebt. Simic gilt als einer der bedeutendsten Lyriker, aber seine Essays sind ebenso empfehlenswert wie seine Gedichte, für die er zig Auszeichnungen erhalten hat. Auch äußert er sich zu aktuellen Themen und nimmt dort genauso wenig ein Blatt vor den Mund, wie wenn er über das Altern spricht.

Wir haben dieser Tage Klassentreffen anlässlich des 42. Jahrestages unseres Abiturs. Kaum zu glauben ist das an manchen Tagen und in der Nacht zwischen drei und vier schon gar nicht. Aber wie es der Zufall will, ist mir beim melancholischen Stöbern im Bücherregal dieser Text von Charles Simic in die Hände gefallen.

Das Geheimnis des Glücks

So heißt der Aufsatz, in dem sich Simic mit seinem Alter und den Begebenheiten seines Lebens auseinandersetzt. Er berichtet von seiner jugoslawischen Oma, die den kleinen Jungen vor dem Erwachsenwerden warnt, erinnert sich an sein Klassenzimmer als Erstklässler, in dem Marx, Stalin und Tito an der Wand hingen. Er hadert mit einem Rezensenten, der ihm mit zunehmendem Alter eine zunehmende Düsterkeit in seinen Gedichten vorwirft, und er fragt sich, warum die Zeit nach dem sechzigsten Lebensjahr noch schneller vergeht, und wohin die „Faulenzersommer“ seiner Jugend entschwunden sind, in denen die Zeit nicht verging. Kennen wir dieses Gefühl, oder? Und genau da, in diesem Gefühl der gedehnten, nicht vergehenden Zeit verortet Simic das Geheimnis des Glücks.

„Damals bewegten sich die Uhrzeiger im Schneckentempo, und der Minutenzeiger machte lange Pausen, bevor er weiterzuwandern geruhte – nur um mich zu ärgern! Du Narr, denke ich heute, das waren reine Wonnen. Das Geheimnis des Glücks war in der Uhr verborgen. Die Zeit war so gnädig, deinetwegen innezuhalten; wie eine neue Geliebte öffnete die Ewigkeit die Tür zu einem Zimmer, von dessen Existenz du keine Ahnung gehabt hattest und das in weitere Zimmer führte, luftig und voll trägen, goldenen Sonnenlichts. Du verharrtest unschlüssig und zappelig auf der Schwelle, und in deiner Herzeneinfalt – kaum wage ich es auszusprechen – seufztest du erleichtert auf, wenn die Tür vor deiner Nase zugeschlagen wurde und der Uhrzeiger sich weiterbewegte.“

In diesem Sinne: haltet inne.

NK  | CK

„Das Geheimnis des Glücks liegt in der Uhr verborgen“ (Charles Simic)

„Das Geheimnis des Glücks liegt in der Uhr verborgen.“ (Charles Simic)

Buchinformation

Charles Simic
Das Geheimnis des Glücks
aus dem Amerikanischen von Melanie Walz, illustriert von Kurt Löb
2007, Verlag Thomas Reche, Neumarkt
Hardcover, Leinenbindung
ISBN: 3-929566-53-6
sehr ansprechend gestaltet und handwerklich exzellent gemachtes Buch

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Frosch, Teich, Haiku

Damit der Frosch laut quaken kann, braucht er seine Schallblase

Damit der Frosch laut quakend balzen kann, braucht er seine Schallblase

Dieser laute Frosch
hat seinen Bashō
nicht gelesen

This loud frog
has not read
his Bashō

Haiku für die Freundin K. aus Hamburg, die heute Geburtstag hat und sich vielleicht noch an die Frösche im Botanischen Garten der Universität Tübingen erinnert. An diesen heißen Tagen ist der schattige Platz am Seerosenteich des Botanischen Gartens eine echte Oase.

Unser Haiku ist eine Antwort auf Matsuo Bashō (1644 – 1694); er schrieb:

Der alte Teich!
Ein Frosch springt rein
das Wasser gluckst

Entstanden ist Bashōs Haiku vermutlich im Jahr 1686 oder 1682, die Übersetzung stammt von Eduard Klopfenstein aus dem Buch „Haiku – Gedichte aus fünf Jahrhunderten“. Wir haben das Buch hier vorgestellt.

Dieses Haiku von Bashō ist wahrscheinlich außerhalb Japans das berühmteste Haiku überhaupt. Es gibt auch im Deutschen einige verschiedene Übertragungen.

Über weitere Haiku zu diesem Thema, gerne in den Kommentaren, freuen wir uns!

NK | CK

Schöne Postkarte Nr. 57 · Bashō: Alter Teich mit Frosch

Schöne Postkarte Nr. 57 · Bashō: Alter Teich mit Frosch. © www.schoenepostkarten.de

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Landschaft – ein Gedicht von Margarete Hannsmann

Blick vom Mädlesfelsen (774 Meter ü. NN.) in die Landschaft mit Achalm und Albvorland

Blick vom Mädlesfelsen (774 Meter ü. NN.) in die Landschaft mit Achalm und Albvorland

Landschaft

Aber es werden Menschen kommen
denen das Zeitauf Zeitab
der Fabriken gleichgültig ist
sie wollen nicht auf den Supermärkten
einkaufen aber sie fragen nach dem
Millionen Jahre alten Wind
ob ihr noch Vögel
Fische
Füchse
Sumpfdotterblumen
aufgehoben habt
wenn anderswo
alle Wälder zerstückelt sind
alle Städte über die Ränder getreten
alle Täler überquellen vom Müll
Könnt ihr noch Wetterbuchen liefern?
einen unbegradigten Fluss?
Mulden ohne schwelenden Abfall?
Hänge ohne Betongeschwüre?
Seitentäler ohne Gewinn?
habt ihr noch immer nicht genug
Einkaufszentren in die Wiesen gestreut
Möbelmärkte zwischen Skabiosen
nicht genug Skilifte ohne Schnee
Nachschubstraßen für Brot und Spiele
Panzerschneisen hügelentlang
wenn ihr die Schafe aussterben lasst
stirbt der Wachholder
Silberdisteln
Bald wird man diese Namen aussprechen
wie Joringel Jorinde als Kind
zu den Ammoniten im Steinbruch
wird man wie nach Eleusis gehen
eure Geschichtslosigkeit war ein Windschatten
abseits
der Erosion des Jahrtausends
könnt ihr denen die zu euch kommen
eine Wacholderstunde anbieten
erdalterlang
falls ihr den Augenblick
euren
nicht zementiert?

Margarete Hannsmann

Achalm

Vor ein paar Tagen haben uns die Freunde I. und W. auf eine schöne Wanderung auf die Schwäbische Alb mitgenommen. Von Unterhausen bei Pfullingen ging es auf den Übersberg, von dort zum Mädlesfelsen, dann runter, rauf, rüber zum Ursulahochberg und am Ende wieder nach Unterhausen. Knapp 13 Kilometer, 500 Höhenmeter und das alles in der Landschaft im Naturschutzgebiet Hohenäcker-Imenberg. Die Tour bietet herrliche Ausblicke vom Mädlesfelsen Richtung Achalm und Albvorland und vom Ursulahochberg zum Schloss Liechtenstein. Daneben findet man auf den geschützten Wiesen jede Menge seltener Pflanzen und Schmetterlinge.

Beim Blick auf den Zeugenberg Achalm fällt einem natürlich sofort der Holzschneider HAP Grieshaber ein, der dort am Fuß der Achalm gewohnt und gearbeitet hat. Einen Text von Grieshaber über „Die Rauhe Alb“ findet man in dem Band „Wundersame Blaue Mauer“, dessen Vorgängerausgabe („Albgeschichten“) wir im Reklamekasper vor einer Weile vorgestellt haben.

Mitwanderer am Ursulahochberg

Mitwanderer am Ursulahochberg

Nach der Wanderung zum Mädlesfelsen habe ich das Buch mal wieder rausgenommen und bin auf das beeindruckende Gedicht „Landschaft“ von Margarete Hannsmann gestoßen, das 1981 erstmals erschienen ist. 1981 war auch das Todesjahr von HAP Grieshaber, und dessen Lebensgefährtin war seit 1967 eben Margarete Hannsmann. Hannsmann wurde am 10. Februar 1921 in Heidenheim an der Brenz geboren und starb am 29. März 2007 in Stuttgart. Sie schrieb Prosa, Gedichte, Hörspiele und Reisebeschreibungen. Auf der Homepage des Stuttgarter Schriftstellerhauses findet man eine kurze Würdigung zu ihrem 100. Geburtstag. Hannsmann engagierte sich auch in der Umweltbewegung. Das Gedicht „Landschaft“ bringt das deutlich und gekonnt zum Ausdruck.

Der Grantler von der Achalm

Wer sich näher mit dem Künstler Grieshaber, den manche auch den Grantler von der Achalm nannten, befassen möchte, kann dies in einer aktuellen Ausstellung im Reutlinger Kunstmuseum im Spendhaus tun. „Die Liebe ist ein Hemd aus Feuer – Liebespaare bei HAP Grieshaber“ heißt die Ausstellung, die gerade eröffnet wurde und bis 25. September 2022 zu sehen ist. Alle Infos dazu hier.

So Freunde, jetzt raus ins Offene!

NK | CK

Auch ein Liebespaar: Hornklee-Widderchen am Ursulahochberg bei Pfullingen

Auch ein Liebespaar: Hornklee-Widderchen am Ursulahochberg bei Pfullingen

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Marilyn Monroe – an ihre Liebhaber

Marilyn Monroe: Grab | Foto: Jürgen Graf, Public Domain, Wikimedia Commons

Marilyn Monroe: Grab | Foto: Jürgen Graf, Public Domain, Wikimedia Commons

Ein langes Leben wünschen sich wohl die meisten von uns. Das Älterwerden ist dann aber doch nicht immer einfach und lustig. Die Frühverstorbenen wie James Dean oder Janis Joplin, um nur zwei Beispiele zu nennen, bleiben für immer jung – aber das haben sie teuer bezahlt.

Maßlos unterschätzt

Auch Marilyn Monroe, eine Ikone des 20. Jahrhunderts ist viel zu früh gestorben. Gerade mal 36 Jahre alt wurde Norma Jeane Mortenson, so ihr Geburtsname, die am 1. Juni 1926 in Los Angeles auf die Welt kam und am 4. August 1962 starb. Es ist müßig, hier etwas über Marilyn Monroe zu schreiben. Es gibt hunderte von Büchern, dazu Dokumentarfilme, Lieder und natürlich die Filme, in denen sie selbst spielte.

Kritiker übrigens halten Marilyn Monroe in vielerlei Hinsicht für maßlos „unterschätzt“ und leider immer wieder auf eine Klischeefigur reduziert. Anders Lee Strasberg, in dessen legendärem Actor’s Studio Marilyn Monroe Schauspielunterricht nahm. Sein Urteil. „Sie gehörte zu den zwei oder drei sensibelsten und talentiertesten Menschen, die ich je gesehen habe.“

Ungeschminkte Tragik

Wir freuen uns, dass wir anlässlich des Geburtstags von Marilyn Monroe ein Gedicht von Mechthild Paul hier bringen dürfen. Mechthild Paul, die in Dettingen/Erms am Fuße der Uracher Alb lebt, schreibt und malt und hat sich mit viel Empathie und dichterischem Können in die Person Marilyn Monroe hineinversetzt. Auf gerade mal dreizehn Zeilen gelingt es der Künstlerin, die ganze Tragik und das vergebliche Sehnen dieses Lebens hineinzupacken.

Marilyn

An meine Liebhaber

Wäre schön gewesen,
wenn einer von euch,
mich auch ungeschminkt
ertragen hätte,
mir durch meine gestylte Mähne
gestrichen, mir die Schminke
vom Mund geküsst,
unter den dichten Wimpern meine
Falten zum Lächeln gebracht hätte,
mir einen Herbst gegönnt
in meinen Farben,
mit mir im Fallen getanz hätte,
ohne auf mich zu treten.

Mechthild Paul

Mechthild Paul, Dichterin und Malerin

Mechthild Paul, Dichterin und Malerin

Das Gedicht ist in dem Band „Blattwerk“ enthalten, der 2020 erschienen ist.

Buchinformation

Mechthild Paul
Blattwerk – Gedichte und Grafik
Hardcover, 88 Seiten, 20 Euro zzgl. Versandkosten
Dettingen/Erms, 2020
Das Buch kann direkt bei der Künstlerin bestellt werden: Mechthild.Paul@gmx.de

CK | NK

PS: Da wir aus rechtlichen Gründen keine Fotos von Marilyn Monroe hier bringen dürfen, verlinken wir jetzt noch auf ein Video, das mit dem Song „Like a Candle in the Wind“ von Elton John unterlegt ist. Das Lied kam 1973 raus, ein Ohrwurm, dessen trauriger Inhalt sich uns damals noch nicht erschlossen hat. Heute treibt es einem das Wasser in die Augen, ebenso wie das wunderbare Gedicht von Mechtild Paul.

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Sommerfest: Stauden, Kräuter, Schöne Postkarten

„Blume ist Kind von Wiese“, heißt ein Buch von Helga Glantschnig

„Blume ist Kind von Wiese“, heißt ein Buch von Helga Glantschnig

Garten-Liebe

„Ich liebe meine Frau. Und ich liebe unseren Garten. In dieser Reihenfolge. Eindeutig. Bei meiner Frau bin ich mir über die Reihenfolge nicht immer ganz so sicher.“ (Peter Würth)

Es ist jedes Jahr dasselbe. Zuerst hat man den Eindruck, es wird gar nicht mehr Frühling, nichts treibt aus, kaum eine Blüte in Sicht. Aber dann, nach ein paar feuchten und wärmeren Tagen, explodiert die Natur förmlich, und jetzt Ende Mai kommt man kaum noch hinterher. Garten und Balkon fordern unseren vollen Einsatz.

Und auch das ist jedes Jahr dasselbe: Man nimmt sich vor, den Garten mehr zu genießen, anstatt immer nur den Rücken krumm zu machen. Aber dann findet sich doch noch ein Plätzchen für eine bienenfreundliche Staude oder für ein paar Kräuter, deren Duft einen in Nullkommanichts in die Provence versetzt.

Sommerfest in der Staudengärtnerei Tübingen (28.5.)

Gärtnerinnen und Gärtner, die sich diesen Samstag inspirieren lassen wollen, empfehlen wir das Sommerfest in der schönen Staudengärtnerei von Erika Jantzen in Tübingen (Anfahrt hier). Gärtnerei und Gartencafé sind am Samstag, den 28. Mai von 10 – 18 Uhr geöffnet. Es gibt Stauden, Kräuter, Blumen, alte Möbel, Nützliches für Drinnen und Draußen, Nostalgisches im Glashaus und Schöne Postkarten mit vielen neuen Motiven.

Gärtnern macht glücklich

Schon vor Corona haben Studien gezeigt, dass Gartenarbeit den Menschen guttut. Dabei muss es kein großer Garten sein, es reicht auch eine Terrasse oder ein Balkon.

Schöne Postkarte Nr. 7: Unkraut jäten macht glücklich. © Schöne Postkarten

Schöne Postkarte Nr. 7: Unkraut jäten macht glücklich. © Schöne Postkarten

Säen, düngen, gießen und ernten macht offensichtlich zufrieden, schreibt Spektrum der Wissenschaft. Es ist daher wenig überraschend, dass gärtnernde Menschen mit der Pandemie besser zurechtkamen.

Postkarten wurden übrigens während Corona auch mehr geschrieben als sonst. Warum? Weil Postkarten, und besonders schöne Postkarten, einfach mehr Wertschätzung ausdrücken als eine schnöde WhatsApp. Oder wie es Cornelius Pollmer im SZ-Magazin auf den Punkt brachte:

„Postkarten sind eine Umarmung auf Abstand“

NK | CK

Schöne Postkarte Nr. 240 · Kipling: Gardens are not made by singing

Schöne Postkarte Nr. 240 · Kipling: Gardens are not made by singing