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2018: Vorsätze und Erwartungen

Schon die ersten Vorsätze für 2018 gebrochen?

Rund fünf Millionen Treffer bringt die Suchanfrage „Vorsätze 2018“, und das sind nur die Resultate auf Deutsch. Mehr Sport, mehr lesen, abnehmen, zunehmen, weniger trinken, mehr trinken, sich mehr um die Familie kümmern, weniger daddeln: alles dabei. Es gibt so gar Apps, die uns helfen sollen, unsere Vorsätze umzusetzen. Alles schön und gut, aber wie wäre es damit?

“Don’t expect much of the day. Be glad when you make it back to bed.”

Diese zwei Sätze stammen aus einem Gedicht des US-amerikanischen Dichters und emeritierten Literaturprofessors Jack Ridl aus Michigan in den USA. Das Gedicht heißt Take Love for Granted und ist in der Sammlung practicing to walk LIKE A HERON enhalten.

Mir gefällt das: einfach mal die Erwartungen runterschrauben, sich mit dem beschäftigen, sich an dem erfreuen, was jetzt ist. Nicht gestern, nicht morgen, nicht in einer Stunde, jetzt. Klar braucht das Übung, aber einen Versuch ist es wert.

In diesem Sinne: Euch / Ihnen allen ein gutes neues Jahr!

 

P.S.

In dem Gedicht geht es nicht um gute Vorsätze, sondern um die Liebe in der Ehe. Und wenn das kein wichtiges Thema für 2018 ist.

Take Love for Granted

Assume it’s in the kitchen,
under the couch, high
in the pine tree out back,
behind the paint cans
in the garage. Don’t try
proving your love
is bigger than the Grand
Canyon, the Milky Way,
the urban sprawl of L.A.
Take it for granted. Take it
out with the garbage. Bring
it in with the takeout.Take
it for a walk with the dog.
Wake it every day, say,
“Good morning.” Then
make the coffee. Warm
the cups. Don’t expect much
of the day. Be glad when
you make it back to bed.
Be glad he threw out that
box of old hats. Be glad
she leaves her shoes
in the hall. Snow will
come. Spring will show up.
Summer will be humid.
The leaves will fall
in the fall. That’s more
than you need. We can
love anybody, even
everybody. But you

can love the silence,
sighing and saying to
yourself, “That’ s her.”
“That’s him.” Then to
each other, “I know!
Let’s go out for breakfast!”

“Take Love for Granted” von Jack Ridl, aus Practicing to walk Like a Heron. Wayne State University Press, Detroit, 2013, ISBN 978-0-8143-3453-9. Nutzung des Textes hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Ein Gedichtband von Jack Ridl ist für mich wie ein warmer Mantel, der auch die Seele wärmt, egal zu welcher Jahreszeit. Deshalb liegt ein Buch von Jack eigentlich immer auf meinem Nachttisch. Mehr Gedichte und Texte von findet man auf Jacks Homepage hier.

#supportyourlocalbookstore

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Glück im Stall!

Diese Kuh von Jean in Burgund hatte Glück, im Stall und auf der Weide

Diese Kuh von Jean in Burgund hatte Glück, im Stall und auf der Weide

„I wünsch’ Glück im Stall“

Prinzipiell bin ich ja gegen elektronische Weihnachtsgrüße und Neujahrswünsche. Es fehlt die Haptik und eine Mail geht halt auch schnell unter im Postfach. Heute allerdings habe ich eine Weihnachtsmail von einem Geschäftsfreund bekommen, die mich angesprochen hat. Der sympathische Allgäuer Herr Sch. wünscht mir darin Glück im Stall und schreibt:

„Wenn’s im Allgäu heißt ‚ich wünsch’ Glück im Stall‘ dann ist an guten Wünschen bereits alles im Rucksack – Privates, Gesundheit, Familie, Beruf, Zufriedenheit.“

Das gefällt mir, weil ich mich seit Kindesbeinen in Ställen echt wohlfühle. Ich mag die Atmosphäre dort, vor allem, wenn es ein Kuhstall ist: die Wärme, der Geruch der Tiere, der Duft nach Heu, nach Stroh und Holz, die Geräusche, die Nester der Schwalben, diese Dinge.

Ich wünsche Euch / Ihnen, den Leserinnen und Lesern dieses kleinen Blogs, in diesem Sinne viel Glück im Stall im kommenden Jahr!

Zu einem anderen Stall

„Weihnachten im Stall“ heißt eine besondere, völlig kitschfreie, Weihnachtsgeschichte, die Astrid Lindgren 1961 geschrieben hat. Lindgren, die man nicht vorstellen muss, lässt darin eine Mutter ihrem Kind vom ersten Weihnachten erzählen. Es gibt keine Maria, keinen Josef, keinen Esel. Statt dessen sehen wir einen Mann und eine Frau, die in einer kalten Nacht (in Schweden?) auf tief verschneiten Wegen nach einem Unterschlupf suchen. Sie finden einen Stall.

„Da fanden die Wanderer am Weg einen Stall. Der Mann öffnete die Tür und leuchtete mit seiner Laterne hinein. Vielleicht gab es dort drinnen Tiere? Denn wo Tiere schlafen, da ist es warm, und die beiden Wanderer froren und waren müde.“

Ja, im Stall gibt es Tiere, Schafe, Hühner, ein Pferd und eine Kuh, die sich über die Wanderer wundern. Die Tiere spüren, was die beiden Frierenden brauchen. Als die Nacht am dunkelsten und kältesten ist, bringt die Frau im Stall ein Kind auf die Welt, und über dem Stall leuchtet ein Stern, den ein paar Schäfer sehen. Wie es weitergeht?

„Alles war ganz still. Und über dem Stall leuchtete der Weihnachtsstern. Denn als dies geschah, war es Weihnachten. Ein Weihnachten vor langer Zeit. Das allererste Weihnachten.“

Astrid Lindgrens erzählt diese Geschichte in schnörkellosen, einfachen Sätzen, die Wärme und Zugewandheit ausstrahlen. Die Bilder von Lars Klinting ziehen junge und ältere Leser in die Geschichte hinein, so dass man am Ende das Gefühl hat, im Stall dabei gewesen zu sein.

Information zum Buch

Astrid Lindgren: Weihnachten im Stall
Deutsch von Anna-Liese Kornitzky
Bilder von Lars Klinting
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2002
ISBN: 3-7891-6837-8

Frohe Weihachten und Glück im Stall!

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Weihnachten in Wales

“Can the fishes see it’s snowing?” “They think it’s the sky falling down.”
Dylan Thomas: A Child’s Christmas in Wales.

Eine der schönsten Weihnachtsgeschichten, die ich kenne. Auch als CD erhältlich, gelesen vom großen walisischen Dichter und Trinker Dylan Thomas (27.10.1914 – 9.11.1953) selbst. Großes Kino für die Ohren, um es mal flapsig auf den Punkt zu bringen.

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Freitagsfoto: Nebel statt blauem Postkarten-Himmel

Ohne blauen Himmel, dafür poetisch. Hölderlinturm im Neujahrsnebel. © www.schoenepostkarten.de

Ohne blauen Himmel, dafür poetisch: Hölderlinturm im Neujahrsnebel. © www.schoenepostkarten.de

Himmelblaues Klischee

Mehr als 200 Millionen Postkarten befördert die Deutsche Post pro Jahr nach eigenen Angaben, davon über ein Viertel in den Sommermonaten. Ich vermute stark, dass die Mehrzahl dieser Postkarten einen schönen, klischeehaft blauen Himmel zeigen. Warum ist das so? Scheint überall dort, wo Postkarten verkauft werden, jeden Tag die Sonne?! Was ist mit der langen, bleiernen Zeit, wie Friedrich Hölderlin die neblig-düsteren Herbst- und Wintertage genannt hat? Oder liegt es an uns, den Postkartenkäufern? Spiegelt sich in dieser Vorliebe für den blauen Postkartenhimmel etwa das Streben nach perfektionierter Äußerlichkeit, hinter der ein ultimatives Glück vermutet wird? Ein Leben, in dem alles immer großartig und überwältigend und gleichzeitig easygoing sein muss?

Persönliche Druckabnahme für „Schöne Postkarten“

Persönliche Druckabnahme für „Schöne Postkarten“

Schöne Postkarten

Ist uns eine Postkarte ohne blauen Himmel, dafür mit Nebel zu melancholisch, zu düster? Uns jedenfalls nicht. Deshalb möchte ich Euch/Ihnen heute ein besonderes Projekt vorstellen, ein Projekt das uns am Herzen liegt und Freude bereitet: „Schöne Postkarten“. Wir, Corinna Kern und Norbert Kraas, haben es uns zum Ziel gesetzt, Postkarten zu gestalten, die möglichst weit von den gängigen Postkarten-Klischees entfernt sind. Bisher gibt es 18 gedruckte Motive, die man sich alle auf der Homepage von „Schöne Postkarten“ anschauen kann. Ein Teil davon ist bereits im Handel in Tübingen erhältlich, darunter auch das Motiv vom Hölderlinturm im Nebel oder die Tübinger Neckarhalde. Beide Fotos haben wir an einem ziemlich frostigen Neujahrsmorgen in aller Herrgottsfrühe aufgenommen. Ich weiß nicht, wie’s Euch/Ihnen geht, aber uns hat die melancholiche Atmosphäre schon beim Fotografieren gefangen genommen.

Melancholische Schönheit: Neckarhalde, Tübingen

Melancholische Schönheit: Neckarhalde, Tübingen

Melancholie

Über die Melancholie schreibt die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt in ihrem Buch „Zufriedenheit – Warum sie lohnender ist als das flüchtige Glück“ (dtv, 2016): „Wer melancholisch ist, ist sensibel für die Welt, er erfährt sie in all ihrer Sinnlichkeit, denkt über das Leben nach und besinnt sich auf sich selbst. Er fördert die Weite seiner Seele und seines Empfindens.“ Ich empfehle das Buch allen, denen die permanente Selbstoptimierung und der Zwang zu Perfektion auf den Keks geht. Statt mit allen Kräften dem Glück hinterherzujagen, empfiehlt uns die promovierte Biochemikerin, uns um die „Stiefschwester des Glücks“ zu kümmern. Gemeint ist die Zufriedenheit, der einzige Zustand in dem man, so Berndt, nachhaltiges Wohlbefinden erreiche. Zur Untermauerung dieser These präsentiert sie gut lesbar jede Menge Forschungsergebnisse unter anderem aus der Neurochemie, Genetik, Soziologie und Psychologie. Glücksgefühle, so lesen wir, sind eher nicht von Dauer und das Glück darüber hinaus „fast immer eine Reaktion auf Reize von außen, es ist damit wenig kalkulierbar und auch nicht so leicht zu beeinflussen.“ Demgegenüber sei die Zufriedenheit eine Sache, die aus dem Inneren kommt. Christina Berndt schreibt :

„Sie [die Zufriedenheit] tritt vor allem dadurch ein, dass man lernt, die kleinen glückseligen Momente im Leben wieder wertzuschätzen und die großen Visionen freundlich aus der Ferne zu betrachten, während man die realisierbaren Träume umzusetzen versucht.“

Das wäre doch mal ein Vorsatz fürs neue Jahr, die großen Visionen freundlich aus der Ferne zu betrachten.

Informationen zum Buch

Christina Berndt: Zufriedenheit – Wie man sie erreicht und warum sie lohnender ist, als das flüchtige Glück, dtv Taschenbuch, 2017, 10,90 Euro, ISBN 978-3-423-34929-1.

Information zu „Schöne Postkarten“

Alle zur Zeit erhältlichen Motive, die Bezugsquellen im Einzelhandel und weitere Informationen zu diesem Projekt gibt’s hier: www.schoenepostkarten.de

 

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Neckarhalde, Tübingen statt Quartier Latin, Paris

Buchhandlung Quichotte in der Neckarhalde, Tübingen

Buchhandlung Quichotte in der Neckarhalde, Tübingen

Wer besondere Buchhandlungen sucht, musst nicht ins Quartier Latin nach Paris. Die Neckarhalde in Tübingen hat auch was, z.B. Quichotte Literarische Buchhandlung.

2017 wurde Wolfgang Zwierzynskis Quichotte als hervorragende Buchhandlung ausgezeichnet

2017 wurde Wolfgang Zwierzynskis Quichotte als hervorragende Buchhandlung ausgezeichnet

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Gesucht war: Hölderlin in Tübingen

Die Hölderlin-Büste findet man außen am Hölderlin-Turm in Tübingen. © www.schoenepostkarten.de

Diese Hölderlin-Büste findet man außen am Hölderlin-Turm in Tübingen. © www.schoenepostkarten.de

Kaum zu glauben, aber nicht viele Tübingerinnen und Tübinger können auf Anhieb sagen, wer hier zu sehen ist, geschweige denn, wo die Büste steht. Also, die Büste von Friedrich Hölderlin (geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, gestorben am 7. Juni 1843 in Tübingen) steht außen am Hölderlinturm in einer Nische im Mauerwerk. Ausführliche Informationen zu Hölderlin findet man auf der Seite der Hölderlin-Gesellschaft.

Das Zitat haben wir dem Gedicht „Der Zeitgeist“ entnommen. Wie gut diese Zeilen in unsere heutige Zeit passen, nicht wahr? Das Motiv gibt es jetzt auch als Postkarte. Mehr Information dazu unter „Schöne Postkarten“. Dort steht auch, beim welchen Einzelhändlern in Tübingen es diese und andere Schöne Postkarten gibt.

Der Zeitgeist

Zu lang schon waltest über dem Haupte mir,
Du in der dunkeln Wolke, du Gott der Zeit!
Zu wild, zu bang ists ringsum, und es
Trümmert und wankt ja, wohin ich blicke.

Ach! wie ein Knabe, seh ich zu Boden oft,
Such in der Höhle Rettung von dir, und möcht,
Ich Blöder, eine Stelle finden,
Alleserschüttrer! wo du nicht wärest.

Laß endlich, Vater! offenen Augs mich dir
Begegnen! hast denn du nicht zuerst den Geist
Mit deinem Strahl aus mir geweckt? mich
Herrlich ans Leben gebracht, o Vater! –

Wohl keimt aus jungen Reben uns heilge Kraft;
In milder Luft begegnet den Sterblichen,
Und wenn sie still im Haine wandeln,
Heiternd ein Gott; doch allmächtger weckst du

Die reine Seele Jünglingen auf, und lehrst
Die Alten weise Künste; der Schlimme nur
Wird schlimmer, daß er bälder ende,
Wenn du, Erschütterer! ihn ergreifest.

Quelle: Projekt Gutenberg

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