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Freitagsfoto: Eichhörnchen

Eichhörnchen im Schönbuch bei Hagelloch

Eichhörnchen im Schönbuch bei Hagelloch

Das Eichhörnchen
verjagt munter
trübe Gedanken

Haiku für Georges Hartmann, der vergangenen Montag Geburtstag hatte. Georges, ein Haiku-Künstler aus dem Westerwald, macht wie sein Vorbild Issa kein Aufhebens aus seiner Wortkunst. Wir haben Georges Hartmann hier im Blog vor einer Weile vorgestellt.

Und weil es mit dem Reisen gerade nicht so einfach ist, hier noch ein schönes Haiku von Georges Hartmann, das mich in 15 Silben auf die Autoroute westlich des Rheins versetzt: Mulhouse, Montbéliard, Besançon, Beaune, Maçon, Lyon, tanken, Valence, Montélimar Nord, Montélimar Sud, Orange, und irgendwann raus Richtung Carpentras, links der Mont Ventoux – und endlich das Vaucluse: Thymian, Rosmarin, Rosé, Merguez, Pastis, Petrarca.

Nach der französischen Grenze
die Melodie
des Asphalts

aus: Georges Hartmann, Almkuh, 48 Haiku, erschienen im bon-say-Verlag.

After the French border
the melody
of the tarmac

Après la frontière française
la mélodie
de l’asphalte

À bientôt

NK & CK

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2 Kommentare

  1. Georges Hartmann 12. März 2021 um 15:54

    Ein neuer „Reklamekasper“ und die jeden Freitag regelmäßig von mir Besitz ergreifende Neugier, welches Thema es dieses Mal sein wird. Das E-Mail geöffnet, staunend das kopfüber am Baumstamm verharrende Eichhörnchen betrachtet und überlegt, welche Geduld man aufbringen muss, um solch ein Foto zu realisieren. Mit einem anerkennenden Kopfnicken zum Haiku gewechselt und im Innersten mit Zustimmung reagiert, weil die Kletter-Akrobaten tatsächlich dazu beitragen können, den Betrachter derselben in Erstaunen zu versetzen und eine mögliche, eher trübe Stimmung augenblicklich ins Nirwana zu katapultieren.

    Im Weiterlesen meinen Namen entdeckt, den Bezug zum Eichhörnchen mit einem Lächeln kommentiert, um dann am Wort „Künstler“ hängenzubleiben, ein Prädikat, das mir genau genommen nicht zusteht, weil ich über einen Anfänger eigentlich nie wirklich hinausgekommen bin. Und nun schafft es tatsächlich Norbert „Die Melodie des Asphalts“ im Zusammenhang mit dem Überschreiten der Grenze nach Frankreich auch in mir eine Vielzahl von Assoziationen wachzurufen, zumal ich seine Aufzählung augenblicklich nachvollziehen kann, weil es für mich ebenfalls ganz persönliche sind, die ihre Wurzeln in jener Zeit haben, als mein Vater den Führerschein gemacht hatte und wir mit dem günstigsten aller Renaults zum ersten Mal in Richtung Lothringen zur Oma und den Schwestern meiner Mutter unterwegs waren. Nach der Zollkontrolle rollten wir nach etwa 700 Meter auf französischen Boden und ich registrierte augenblicklich ein geändertes Abrollverhalten der Reifen. Es klang rau, irgendwie auch melodisch und beflügelte meine Freude, dass es nun nicht mehr weit bis zur Oma, den Cousinen und einem Cousin war, mit denen ich dann garantiert was unternehmen würde. Es hatte so etwas von „Freiheit“, weil die Erwachsenen mit sich selbst beschäftigt waren, wir Kinder auf uns allein gestellt sein durften und ich endlich den Status des Einzelkinds für die Dauer des Aufenthalts ablegen konnte, ohne gleich wieder „in den Senkel“ gestellt zu werden.

    Norbert hat den Bogen weiter gespannt und mit der Aufzählung von Städten, Weinen, Gewürzen usw. jenen Punkt berührt, der auch meine Erinnerungen wieder wachgerufen hat, zumal ich nicht nur als Kind mehrfach mit Onkel, Tante und meinen Eltern nach Frankreich in Urlaub gefahren war, sondern später nach dem Abitur mit meinem Schulfreund, der bereits über einen fahrbaren Untersatz verfügte, mehrfach in die Bretagne und in die Camargue gefahren bin. Weit weg von der elterlichen Strenge, war das natürlich eine völlig andere Situation und hatte diesen Aspekt von „Freiheit“, der so manche Fantasie in mir zumindest wachgerufen hat, was jedoch fast schon wieder eine andere Geschichte ist … und wachsame Mütter oft zu Ansagen verleitet, bis man wieder gewärtig wird, wo Bartel den Most holt … bis die persönliche Grenze mit einer geharnischten Ansage lang vor dem Schlagbaum nach Frankreich gezogen wird, um so ein vermutetes Fiasko bereits im Ansatz zu ersticken. Die Melodie des Asphalts, gleicht manchmal auch dem Gesang einer Sirene …

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