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Wie man im Einkauf einer Marke schaden kann

Barbour Beaufort: Reissverschluss 2. Foto: Kraas & Lachmann

Geld wird im Einkauf verdient
An diesen blöden Spruch muss ich zur Zeit immer denken, wenn ich mich über den Reißverschluss meiner Barbour-Jacke ärgere. Barbour, das sind diese grünen Wachsjacken, die wie kaum ein anderes Kleidungsstück für englisches Landleben stehen. Meine alte Beaufort-Jacke ist seit gut 12 Jahren im Einsatz: bei Wind und Wetter, in der Stadt, im Wald, am Strand, im Sommer, im Winter. Das Ding ist nicht kaputt zu kriegen: ein Qualitätsprodukt, jeden Cent Wert.

By appointment to Her Majesty
Auf Wikipedia lesen wir: „Eine solide handwerkliche Arbeit zeichnet nach eigener Vorgabe die Barbour-Bekleidung aus. Sogar der Faden, mit dem die wasserundurchlässigen Jacken genäht werden, ist imprägniert, alle Nähte sind doppelt gerollt und gesichert. Produziert werden die Jacken ausschließlich in Schottland und England. Die Firma Barbour ist Hoflieferant des britischen Königshauses und darf deshalb deren Wappen im Etikett führen.“ Na dann.

Barbour Beaufort: Reissverschluss. Foto: Kraas & Lachmann

Die Marke wird im Einkauf zerstört
Barbour ist also eine echte Traditionsmarke, und Markenwert ist ein hohes Gut. Nun sollte man meinen, dass bei Barbour auch der Einkauf begriffen hat, dass Markenpflege nicht nur aus bunten Bildchen von schönen, Barbour-Kleidung tragenden Menschen in den Cotswolds besteht. Hat er aber nicht begriffen, der Einkauf. Vielmehr scheint man jetzt auch bei Barbour der Meinung zu sein, dass das Geld im Einkauf verdient wird.

Blech statt Qualität
Ich habe mir vor drei, vier Wochen eine neue Beaufort-Jacke von Barbour gekauft und stelle seither jeden Tag aufs Neue verärgert fest, dass Barbour mittlerweile auf blechige Billigreißverschlüsse umgestiegen ist. Meine alte Jacke ziert noch ein richtig gut laufender und gut haltender YKK-Reißverschluss, bei man die Qualität auch haptisch erleben kann. Der Reißverschluss im neuen Modell wiegt praktisch nichts mehr und fühlt sich an wie ein vergoldetes Messing-Imitat aus billigstem Blech. Der Billig-Reißverschluss sieht aber nicht nur billig aus, sondern er läuft auch sehr hakelig und hält nicht; er geht immer wieder von alleine auf.

Für ein paar lächerliche Cent
Warum torpediert eine Traditionsmarke wegen ein paar Cent das Vertrauen und die Sympathie ihrer Kunden?

Hat jemand noch andere Beispiele dieser Art?

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8 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    über´s Internet habe ich eine Barbour-Jagd-Jacke (Northumbria) gekauft und war, auf Grund der extrem schlechten Qualität sicher, daß ich ein Imitat bekommen hatte.
    Der autorisierte Importeur hat mir, hochbeleidigt, dann aber den Beweis der Echtheit erbracht.
    Diese Jacke riß sofort an einer Naht, im Gebrauch in der ersten Woche !

    Als ich mich bei meinem „altgedienten Jagdklamottenhöker“ nach einer neuen Barbour Jacke umsehen wollte, sagte dieser wörtlich: die Marke hat so nachgelassen, diese Qualität können wir unseren Kunden nicht mehr anbieten ! Ich suche gerade nach einem anderen Hersteller !

    Schade schade – meine erste BarbourJacke hat mich unverwüstbar in 20 Jahren überall hin begleitet !

    Mit freundlichen Grüßen
    A. Lazer

  2. Danke für Ihren Kommentar. Dachte schon, ich wäre der einzige, dem die nachlassende Qualität aufgefallen ist. Oder trauen sich viele nicht darüber zu sprechen, weil es eben eine Markenjacke ist, und sich niemand gerne eine Fehlinvestition eingesteht.

  3. Das fällt schon auf… Hab gerade nachgeschaut: Mein etwa fünfjähriges Stück hat noch einen YKK-Reißverschluss, dafür nirgends ein königliches Wappen, schade. Eine Naht unterm Ärmel ist eingerissen und das Futter löchert an zwei Stellen, aber hey. Sollte man jetzt seine Vintage-Barbours hüten wie die Levi’s 501, die man noch in der Badewanne einschrumpfen musste?

    Ein Shitstorm von lauter Barbourjackenträgern („Hihihi, erscheinen jetzt die Einzelhausbesitzer auf ihrer Jagdpacht inadäquat zum Tee?“), das geht nicht gut :)

  4. Hallo Wolf,
    danke für Deinen Kommentar. Nein, nein, ein ein sog. Shitstorm (übrigens Anglizismus des Jahres 2011) würde bei Barbour auch nicht mehr helfen, da Barbour auf Mails nicht oder nur von ganz oben herab mit einer klassischen stiff upper lip reagiert. Eine Tatsache, die mir auch ein sehr großer, langjähriger Barbour-Händler in Stuttgart bestätigt hat.

  5. Ich kann das nur bestaetigen. Hatte bis vor kurzem eine Barbour Beaufort und eine International Jacke fast 20 Jahre in Gebrauch. Als diese nicht mehr zu retten waren, kam eine neue Beaufort ins Haus und die Verabeitung ist unterirdisch! Der Stoff ist duenner, Naehte loesen sich, der Reisverschluss ein schlechter Witz. Ich habe ihn dann gleich gegen den alten (!!) Reisverschluss aus der 20 Jahre alten Beaufort ausgetauscht. Die Kroenung ist aber der Lining Stoff und die darunter liegende Plastik(?) Folie, die als winddichte Zwischenschicht zwischen AUssen- und Innenstoff vernaeht wurde. Damit schwitzt man schon bei einem gemaechlichen Spaziergang wie in der Sauna, das ist einfach irrwitzig!

    Mit Barbour habe ich abgeschlossen!

  6. Ich habe etwa 25 Barbour Jacken, teils über 40 Jahre alte und neue Modelle. Sämtliche Wachsmodelle, tweed, Membranjacken,Steppjacken…..

    Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

    Barbour hat sein Portfolio um modische Linien erweitert, die qualitativ sicher nicht besonders hochwertig sind.( Z.B. Ariel quilt – toller Schnitt, super Optik, qualitativ aber kein Vergleich zu einer Countryman – für hin und wieder schon ok, die aufgerufenen 250 +- € hätte ich im Leben nicht gezahlt dafür).
    Von den klassischen Modellen habe ich sowohl alte (2 crest, 3 crest mit gelbem check, Solway zipper, Northumbria,) natürlich die klassischen drei Standard Modelle border, beaufort, bedale als auch deren neue pendands.
    Zipper sind die gleichen, nur optisch abgedunkelt.
    Stoff: derselbe, gleiche Grammatur,, ägyptische Baumwolle, gleiches Wax (nämlich thornproof Dressing), nur die Zurichtung ist anders, die Faser wird vor dem wachsen nicht kalandriert. Das ist dann das sog. “Sylkoil”, sprich, ein anderes finish. Leicht zu erkennen am Label an der Balgtasche. War übrigens das erste finish bei Barbour überhaupt. Ich mag im Alltag die neuen tatsächlich lieber, da sie weniger stinken (habe dafür keine Erklärung) und mir das sylkoil besser gefällt. Ist weicher, im Griff nicht so wachsig und farblich schöner. Das zip im System ist sinnvoll, da ich lieber die quilted Westen nutze oder eine richtige passende dicke Daunenweste von Barbour. ( Gab’s mal kurz, sehr selten leider).
    Zur Haltbarkeit der “alten” Jacken: Auch diese bekommen Löcher, die Handwärmertaschen reißen aus, das Futter scheuert durch, die RV’s gehen kaputt. Alles kampfspuren, die ich an meinen Jacken finde. Alt ist hierbei nicht besser als neu.

    “Folien” wie “hieronymus” beschreibt, finde ich nicht in meinen beauforts (?!), es sei denn, es handelt sich bei ihm um ein “waterproof and breathable” Modell?

    Das ist dann keine Folie, sondern eine Membran. Die finde ich z.B. In meiner waterproof tweed Beaufort. Aber in einem Classic Waxcotton-Modell – never seen before.

    Mein Fazit: DIE Barbour gibt es nicht (mehr).

    Die alten kann man mögen, v.a. aus Nostalgiegründen.

    Die neuen (Classic) Modelle sind keinesfalls schlechter.

    Die neuen Modejacken sind nun mal Modejacken (kann jeder selbst bewerten).
    Barbour verwässert seinen Namen, ohne diese Strategie gäbe es die Marke aber heute vielleicht nicht mehr.
    Der Übergang der Diversifikation verlief auch recht holprig, jahrelang die gleiche Handvoll Modelle, plötzlich musste man ganze Kollektionen mit Hemden, Pyjamas, Schuhen, usw. auf den Markt werfen.
    Ergebnis war eine chaotische sublabel-Struktur plus die Kollaborationen in der sich keine Sau mehr auskennt. International, Beacon, Depth, Norton&Sons, To Ki To, dann noch James Bond, hä?

    Wer high end Qualität sucht, schaut mal zu Private White (allein die RiRi zipper lassen jede barbourette alt aussehen), Filson, chrysalis usw.

    Sorry für den Roman :-)

  7. Enttäuschte Kundin 17. November 2020 um 19:02

    Die neuen Jacken sind definitiv schlechter verarbeitet. Ich hatte eine „Beaufort“-Jacke aus dem Jahr 1995, die ich einmal (!) zur Reparatur bringen mußte, weil ich mich mit dem Ärmel in einem Brombeeergestrüpp verhakt hatte. Die Löcher im Ärmel und noch ein paar Kleinigkeiten — ein verlorener Druckknopf und ein paar Verstärkungen an den Außentaschen — wurden geflickt, die Jacke neu gewachst, und ich konnte sie bis zum Herbst 2016 weiter benutzen (Übrigens gehöre ich nicht zu den Barbour-tragenden Rechtsanwälten, sondern habe einen großen Nutzgarten und einen Kachelofen, für den ich selbst das Holz schlage). Im Herbst 2016 fand irgendein Idiot die Jacke wohl immer noch so gut in Schuß, daß sie in der Bahn geklaut wurde.
    Darauf neue Jacke (ca. 350,- €) im örtlichen Waffengeschäft gekauft. Kommentar des Verkäufers: „Also, zum jagen würde ich Ihnen aber was anderes empfehlen.“ Den versteckten Hinweis habe ich leider nicht kapiert…
    Folge: Nach etwa einem Jahr Reißverschluß der Brusttasche abgerissen. Nach zweieinhalb Jahren unerklärbares Auftreten mehrerer kleiner Löcher über beiden Handgelenken. Nach drei Jahren — und 2017/18 waren ja nicht gerade feucht, also habe ich sie eher selten getragen — Baumwollfutter an mehreren Stellen durchgescheuert. Heute ist dann als krönender Abschluß der Messingreißverschluß kaputtgegangen, er ließ sich nicht mehr öffnen, so daß ich mit dem Kopf nicht mehr aus der Jacke rauskonnte und ein Kollege mit dem Taschenmesser den Reißverschluß seitlich aufschneiden mußte.
    Fazit: Da kommt jetzt ein 08/15-Ersatz rein, ich trage die Jacke auf, und dann wandert sie in den Müll. Ich werde NIE WIEDER ein Barbour-Produkt kaufen!

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