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Pflaumenblüte am Hölderlinturm

Unter der Pflaumenblüte am Hölderlinturm der erste Stocherkahn des Jahres

Unter der Pflaumenblüte am Hölderlinturm der erste Stocherkahn des Jahres

Komm, wir lassen uns treiben
unter der Pflaumenblüte
im Stocherkahn

Kranō

Vor dem Beginn der für Japan so wichtigen Kirschblüte ist die Pflaumenblüte ein deutliches Zeichen, dass der Winter dem Frühling weicht. In Japan stehen die Blüten des Pflaumenbaums (Ume) für Vitalität, Hoffnung und Regeneration. Die eleganten Pflaumenblüten werden auch mit Glück und Gesundheit verbunden, weil sie ihre Schönheit zu einer Zeit zeigen, in der es zumindest kurzfristig noch empfindlich kalt werden kann – wie man diese Woche auch in Tübingen erleben konnte.

Dass die Pflaumenblüte das Ende des Winters markiert, bringt ein Haiku von Yosa Buson (1716 – 1784) in der Übertragung von G. S. Dombrady sehr schön zum Ausdruck:

Erblühen sie, die Pflaumenbäume,
werden die Schneebälle
alle kleiner

Wie die Kirschblüte erinnert uns auch die Pflaumenblüte an unsere eigene Vergänglichkeit. Nochmal Buson:

Der Pflaumenbaum am Ufer:
Fallen seine Blüten ins Wasser,
trägt der Fluss sie weg!

Oder um es mit Hölderlins Hyperion zu sagen:

„Aber es geht alles auf und unter in der Welt, und es hält der Mensch mit aller seiner Riesenkraft nichts fest.“

Frohe Ostern!

NK | CK

Buchinformation

Buson
Dichterlandschaften. Eine Anthologie
Übertragung, Einführung, Annotationen von G. S. Dombrady
Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Mainz, 1992

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