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Das Jahr verliert sich

Morgenstimmung auf dem Steinenberg: Österberg und Albtrauf im Nebel | #nofilter #nophotoshop

Morgenstimmung auf dem Steinenberg: Österberg und Albtrauf im Nebel | #nofilter #nophotoshop

Das Jahr
verliert sich im Nebel
Septembermorgen

Dieses Haiku fiel mir vor ein paar Tagen am frühen Morgen auf der Hunderunde ein. Es trifft ziemlich gut meine Stimmung. Dieses melancholische Gefühl lässt mich nur schwer los nach diesem endlosen, viel zu heißen Corona-Sommer. Ein Sommer übrigens, der uns gezeigt hat, dass das Virus nicht unser einziges großes Problem ist. Die riesigen Waldbrände an der amerikanischen Westküste und in Südamerika sprechen eine deutliche Sprache. Die Seite Global Forest Watch bietet eine interaktive Karte mit Waldbränden weltweit, die über Satellit erkennbar sind.

Ich bin jedenfalls froh, dass es endlich abkühlt und dass unser Birnbaum uns nicht mehr jeden Morgen mit räsen Mostbirnen bombardiert. Und ich wünsche mir im Gegensatz zu Rilke auch keine südlicheren Tage mehr. Mir ist nach Herbststimmungen, in denen ein wohlwollender Nebel seine milchige Decke über dieses anstrengende Jahr ausbreitet. Und Regen, Regen wäre auch gut.

Passt auf euch auf!

NK | CK

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4 Kommentare

  1. Was für ein schönes Haiku und welch wunderbaren Worte ihr gefunden habt. Ich fühle absolut gleich und genieße schon jetzt die kühleren Morgen auf dem Fahrrad. Möge es überall auf der Welt etwas abkühlen…

  2. Hallo Herr Kraas,
    wie trefflich Sie das Corona-Jahr 2020 mit wenigen Worten beschrieben haben! Ich unterstütze Ihren Wunsch schnellst möglichst eine Decke darüber auszubreiten…
    Nach meiner Rückkehr von meiner missglückten 2-jährigen Expedition ins, noch trockenere, Heckengäu finde ich auch hier in Reutlingen eine Printmedien-Branche die im Corona-Sumpf langsam aber stetig vollends unterzugehen droht.
    Alle Gute und Grüße
    Andreas Jüptner

  3. Wir zählen die Jahre, teilen die Zeit in kleinste Einheiten, wissen womöglich nicht wirklich, ob die Zeit einen Anfang und ein Ende hat oder schon immer ist. Bleibt dem All im völlig leergefegten Zustand die Zeit erhalten?
    Ein Jahr geht rechnerisch dem Ende entgegen. Oft marschiere ich auf dem Zeitpfeil in Gedanken zurück, dann wieder nach vorne bis an die Grenze der Zukunft, über die ich zumindest spekuliere, wie viele Zeiteinheiten mir noch bleiben könnten. Was ist von all meinen 70 Jahren im Kopf haften geblieben, frage ich mich, und verlängere den Rückblick auf das demnächst ins letzten Drittel gehende Jahr, weil der Mensch selbst in ausweglos scheinenden Situationen immer noch mit der Zukunft rechnet, aber nie wirklich wissen kann, wie diese dann beschaffen sein mag.
    Die Lotterie des Lebens zieht aus -sagen wir mal 294 Möglichkeiten- bei jeder Geburt 32 Optionen, die darüber entscheiden, wann und wo man in welcher Familie in welchem Jahrhundert auf diesem oder jenem Kontinent auf die Welt entlassen wird. Wie hoch ist Anzahl der Menschen, die auf ihrem „Zeitpfeil“ sicherlich Gegebenheiten erzählen können, wie sie im Vergleich zu meiner eigenen Existenz nicht bedrückender sein könnten oder mit meinem eher alltäglichen Leben nicht tauschen wollten? Ich unterlasse jegliche Spekulation wie alles hätte anders kommen können, wenn ich mit schwarzer Haut in Amerika auf die Welt gekommen wäre usw. In der Lotterie des Lebens verbieten sich derartige Vergleiche irgendwie, weil die Möglichkeiten der Bewusstwerdung in der Regel nicht unterschiedlicher sein können und die Wunschvorstellung alle unter ein und denselben Hut zu bringen schier unmöglich ist. Was bleibt, ist dieses Gefühl von Scham all jenen gegenüber, die etwas, viel oder unsagbar viel schlechter gestellt sind als ich selbst und das auch dann eine Belastung bleibt, wenn man sich mit einer Spende „freizukaufen“ glaubt …
    Im Wörterbuch lese ich zu Korona, dass damit Menschen gemeint sind, die gemeinsam (also eher fröhlich) etwas unternehmen, damit aber auch eine Horde Randalierender gemeint sein könnte. Corona ist ein Virus, der auf dem Schachbrett des Lebens viele matt setzen wird. Existenzen stehen auf dem Spiel, die Not in jenen Ländern, die bereits durch Kriege, lokale Aufstände, Hungersnöte usw. über Gebühr leiden, also eher aus der Sicht von uns „Satten“ zu den „Verlierern“ gerechnet werden müssen, verschlechtern sich dadurch weiter und die Theorien, wie die Pandemie in den Griff zu bekommen ist, spaltet die Gesellschaft, wenn nicht gar die Welt, ohne dabei das ebenfalls nicht wirklich in den Griff zu bekommende Klima, die Kinderarbeit, die Obdachlosen, die gesellschaftlich Gestrandeten, aber auch die vom Diebstahl, der Geldwäsche, der Erpressung, dem Betrug lebenden Existenzen, von Diktatoren um ihre Rechte Betrogenen usw. usw. usw. zu vergessen.
    Die Melancholie des Herbstes …. Tief spüre ich in diesen Blues hinein.

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