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Was bitte ist an Schrift so wichtig?

Schriftwechsel: aus Futura wird Verdana

Schriftwechsel: aus Futura wird Verdana

Ein Aufschrei geht durch die Reihen der Designer und Typografen: IKEA hat seine Katalogschrift geändert! Die bewährte Futura wurde im neuen Katalog ersetzt durch die Verdana.

Der Normalkonsument denkt: Na und? Er wird es vielleicht gar nicht mal bemerken. Irgendwie sieht’s halt anders aus.
Natürlich ist es nicht Sache des Verbrauchers, sich um Typografie zu sorgen. Schrift ist ein Werkzeug, um Text darzustellen, man soll nicht sie bemerken, sondern den Inhalt. Aber wie beim Heimwerken muss man auch bei der Schrift mit Bedacht das richtige Werkzeug für den jeweiligen Zweck wählen. Abgesehen vom Charakter, den jede Schrift hat, gibt es Schriften für verschiedenste Zwecke: Manche eignen sich besonders für Überschriften, andere für Lauftexte in kleinen Größen, wieder andere sind für Tabellendarstellung ideal. Die meisten Schriften erfüllen mehrere Aufgaben gleich gut. Die Verdana hingegen ist eine reine Bildschirmschrift.
1996 im Auftrag von Microsoft entwickelt, ist sie speziell für die gute Pixeldarstellung am Computer konzipiert. Dafür ist sie auch gut geeignet. Aber gedruckt auf Papier wirkt sie seltsam deplatziert. Das Schriftbild verliert an Gleichmäßigkeit, das Lesen wird unbequemer. Ein Rückschritt.

Die bisher verwendete Futura stammt aus einer Zeit, als noch niemand über Bildschirmdarstellung nachdachte. Sie ist seit 1927 eine der besten, lesbarsten und trotz ihres Alters modern wirkenden Druck-Schriften, im Fontshop-Ranking der 100 besten Schriften an fünfter Stelle (die Verdana taucht dort gar nicht erst auf).
Warum gibt man so eine Schrift, die seit 65 Jahren mit dem IKEA-Erscheinungsbild eng verknüpft ist, zugunsten einer untauglichen Bildschirmschrift auf? Offenbar hat der Onlinebereich – in dem schon lange Verdana verwendet wird – so an Wichtigkeit gewonnen, dass ihm nun der Printbereich angepasst wird. Das Internet mit seinen eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten als Vorbild für Drucksachen?
Die Tatsache, dass nicht irgendwer, sondern die Marketing- und Design-Vollprofis von IKEA diesen Weg gehen, lässt vermuten, dass sich hier ein neuer Trend ankündigt. Ein bedenklicher Schritt weg von guter Qualität. Hoffen wir, dass er nicht allzu viele Nachahmer findet!

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