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Freitagsfoto: Glück im rechten Augenblick

Richard Sobotta arbeitet beim Maschinen- und Anlagenbauer Weckenmann in Dormettingen.

Richard Sobotta arbeitet beim Maschinen- und Anlagenbauer Weckenmann. Foto: Kraas & Lachmann.

Ist Euch/Ihnen aufgefallen, wie gut die meisten unserer Politikerinnen und Politiker auf den Wahlplakten aussehen? Beim Anblick der Fotoportraits könnte man glatt meinen, die Abgeordneten arbeiteten nicht in einem ziemlich nervenaufreibenden Beruf, sondern verbrächten die meiste Zeit in einem dieser schönen Wellness-Hotels in den Schweizer Alpen. Gesunde Haut, kaum Fältchen, jede Haarsträhne an ihrem Platz, strahlendes Kukident-Lächeln. Mich würde interessieren, wieviel Zeit die Fotografen und Photoshop-Experten in diese Portraits investiert haben. Natürlich wirken sie auf mich nicht mehr. Die stilisierten Schwarzweißbilder vom Dreitagebartmodel Lindner übrigens erst recht nicht. Oder wie geht’s Euch/Ihnen da?

Sparsamkeit
Von Henri Cartier-Bresson, dem großen französischen Fotografen, stammt das Zitat „Erst durch große Sparsamkeit in der Wahl der Mittel gelangt man zur Einfachheit des Ausdrucks.“ (Henri Cartier Bresson: Auf der Suche nach dem rechten Augenblick: Aufsätze und Erinnerungen, Edition Christian Pixis, Berlin, ISBN 3-928942-57-3). Schaut man sich die Bilderflut an, die tagtäglich in den verschiedensten Kanälen on- und offline durch Abertausende von Fotos gespeist wird, kann von Sparsamkeit der Mittel keine Rede sein. Da wird meist geposed, gestylt, retuschiert und mitunter getrickst, was das Zeug hält. Allein das Arsenal von Filtern diverser Gratis-Fotoapps ist beeindruckend. Die Ergebnisse, die wir sehen, sind es oft weniger.

Glück
Von Cartier-Bresson habe ich auch einmal gelesen, dass er seine Portraits meist in sehr, sehr kurzer Zeit mit seiner Leica aufgenommen hat. Das war in der Regel eine Sache weniger Minuten, wenn nicht Sekunden. Von langen Inszenierungen und endlosen Belichtungsreihen hielt er nichts. Cartier-Bresson war der Meinung, dass ein Fotograf blitzschnell die Stimmung wahrnehmen müsse und dabei jeden Kunstgriff vermeiden solle, und vor allem solle der Fotograf sich und die Kamera vergessen machen. Dazu gehört viel Übung. Und zu einem guten Foto gehört nicht selten auch Glück! Auch diese Einsicht stammt übrigens vom Gründer der legendären Fotoagentur Magnum in Paris.

Das Foto von Richard Sobotta, das ich mit seiner Erlaubnis hier zeigen darf, habe ich während eines Firmenrundgangs bei unserem Kunden Weckenmann in Dormettingen gemacht – in ein oder zwei Minuten. Mehr Zeit hatte ich nicht; dafür ein wenig Glück im rechten Augenblick. Bei Weckenmann bauen sie beeindruckende Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Betonfertigteilen. Die Anlagen genießen weltweit einen sehr guten Ruf und Menschen dort sind zu recht stolz auf ihre Arbeit.

Noch ein Buchtipp?
Euer/Ihr Interesse für Fotografie vorausgesetzt, empfehle ich Cartier-Bresson „Auf der Suche nach dem rechten Augenblick“ (siehe oben) und den wirklich sehr schönen Bildband „Der Klang der Seele. Portraits“ (Schirmer/Mosel, 2006, ISBN 3-8296-0241-3). Beide Bücher sind nur noch antiquarisch erhältlich, zum Beispiel bei ZVAB.

 

 

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