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Weihnachten light

Weihnachtsbaum light passend zu Weihnachten light

Die Leichtmatrosen unter den Ministerpräsidenten haben uns den „Shutdown light“ vor einigen Wochen als schwere Waffe gegen das Corona-Virus verkauft. Gewirkt hat diese Waffe: überhaupt nicht. Die Zahlen der Infizierten und Toten stiegen. Immer schneller sogar. Hat was mit exponentiellem Wachstum zu tun, aber das braucht ein Ministerpräsident nicht zu verstehen.

Das Virus kann sich fröhlich weiter verbreiten und noch fröhlicher weiter mutieren. Warum uns die frühere Obergrenze von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (es heißt, bis zu dieser Grenze könnten die Gesundheitsämter die Kontakte nachverfolgen) nun als Ziel für die Beendigung des Shutdowns angegeben wird, mögen wir alle als Weihnachtsrätsel lösen: zwischen den von Frau Eisenmann angeratenen Mensch-ärgere-dich-nicht-Runden, den gesundheitsfördernden Kniebeugen und dem wärmenden Händeklatschen (statt Singen).

RKI-Präsident Prof. Wieler hockt immer einsamer am Tisch der Pressekonferenz, als würde er schon mal Weihnachten üben. Er ist sehr besorgt und rät zu einem minimalistischen Weihnachten im allerkleinsten Kreis. Dazu passend spartanisch unser Bild von einem Weihnachtsbaum. Grün und Rot und ein spitzes Dreieck, Zack!, ergänzt unser Gehirn dieses Foto aus den Tiefen unseres Archivs zu einem veritablen Weihnachtsbaum. Ist natürlich fake, der Tennisplatz lässt grüßen, aber was soll’s, passt in unsere verkehrte Welt …

Allen Leserinnen und Lesern des Reklamekaspers wünschen wir schöne Weihnachten light! Danke für euer / Ihr Interesse, die Kommentare, Fotos und Haiku, die uns hier im Kommentar oder per E-Mail erreicht haben. Das motiviert uns weiter.

Was wir noch sagen wollten

Bleibt zu Hause, haltet Abstand, seid geduldig, gebt dem Virus keine Chance und bitte: fallt nicht auf Fakenews und verdrehte Wahrheiten von Leuten rein, die meinen, man könne ein wissenschaftliches Studium samt Habilitation mal eben durch einen Abend googeln ersetzen.

Bis demnächst!

NK & CK

PS: Noch ein Buchtipp? Die genial bissig-witzige schottische Schriftstellerin A.L.Kennedy hat ihre Blogbeiträge & Essays in einem Buch mit dem Titel „Schreiben“ (erschienen bei Hanser) herausgegeben. Hier ein Auszug zum Thema Weihnachten:

„Ich bin kein großer Freund der Feiertage – ich kann die Farbkombination nicht ausstehen, ich kann die Verschwendung nicht ausstehen, ich hasse die Unterstellung der Massenmedien, dass jeder Mensch, der sich nicht mit seinen siebzig engsten Freunden und Familienmitgliedern im Geist des Festes um eine glänzende Genießertafel versammelt, ein irgendwie unrettbarer Versager ist, ich will keine Karten an Menschen versenden, mit denen ich sonst überhaupt nicht kommunizieren würde, ich finde auch nicht, dass es besser wird, wenn die Karten hinterher recycelt werden – wieso kann man nicht einfach aufs Kartenverschicken verzichten?–, ich hasse die Promi-Weihnachtssonderaussgabe irgendwelcher Quizsendungen nach dem Motto „Wer weiß mehr als ein Ziegelstein?“, und selbst wenn ich eine superfromme Christin wäre (oder vielleicht gerade dann), wäre mir doch bewusst, dass der 25. Dezember ein ziemlich willkürliches Datum ist, das aus verschiedenen religionspolitischen Gründen gewählt wurde, und dass wir also in Wirklichkeit etwas zutiefst Heidnisches feiern, und außerdem vielleicht noch unsere Fähigkeit, bei jeder Mahlzeit die einem Rhinozeros entsprechende Menge an Kalorien in uns hineinzustopfen. Ein Teller Weihnachtsgebäck und ein Liederabend sind für mich mehr als ausreichend.

Ich habe natürlich überhaupt nichts gegen Ausbrüche von Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Ich bin ganz im Gegenteil sehr dafür, dass beide sich zur Weihnachtszeit zusammentun, damit wir alle wie vor knapp hundert Jahren im Niemandsland Fußball spielen können (im übertragenen Sinne) und uns nicht ständig vor den möglichen Kriegsgerichtsfolgen fürchten müssten.“

#SupportYourLocalBookstore #KaufDeinBuchvorOrt

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1 Kommentar

  1. Hi Norbert, wünsche Dir Frohe Weihnachten, lese eben im Hacke/Wemut und hab schon wieder eine Inspiration durch Dich. Kennedy liest sich wirklich gut und ich musste eben mehrmals richtig lachen😝. Obwohl der Kern des Essays bitterernst ist. Mal sehen ob ich die Kalorienschlacht hinter mich bringe. Oder zumindest beim Sport die Tage mehr verbrauche😂

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