Die KI, eine Schleimerin
Keine Sorge, das wird hier kein Werbebeitrag für den legendären 190 SL, obwohl das ein wunderschönes Auto war, ganz im Gegensatz zu den aufgeblasenen Kisten, die heute auf den Straßen rumfahren.
Ich möchte heute auf einen Text des bekannten Soziologen Armin Nassehi hinweisen, der an der LMU München Soziologie und Gesellschaftstheorie lehrt und ein Autofreak ist. Nassehi ist Mitherausgeber der legendären Kulturzeitschrift Kursbuch, und er verfügt über eine Eigenschäft, der sich nicht alle Wissenschaftler rühmen dürfen. Nassehi ist in der Lage, kluge und überraschende Gedanken so zum Ausdruck zu bringen, dass man seine Texte gerne liest.
Im aktuellen Beitrag auf dem Blog der Zeitschrift Kursbuch schreibt Nassehi über ein „Gespräch“, das er mit der KI seines Vertrauens geführt hat. Es geht darin um Autos, genauer um Nassehis aktuelles Auto und das ehemalige Familienauto seiner Eltern. Es ist interessant zu lesen, wie sich dieses „Gespräch“ zwischen Nassehi und der KI (LLM: Large Language Model) entwickelt. Wobei es dem Soziologen weniger um den Inhalt, sondern um die Art des „Gesprächs“ geht, in das er sich von der KI hineinziehen hat lassen.
„Der Kommunikationsstil erzeugte nicht nur einen Aufforderungscharakter, sondern auch so etwas wie eine permanente Verarbeitung meiner Informationen in eine Richtung, die diesen Informationen in die Karten spielt. Anders ausgedrückt: Das LLM meines Vertrauens ist ein ziemlicher Schleimer“
Wer den ganzen Text von Armin Nassehi nachlesen möchte, kann dies hier tun.
Der Erfolg der KI, so Nassehi, scheint weniger durch die – gerne mal fehlerhaften – Ergebnisse gerechtfertigt zu sein, als durch die Art und Weise, wie sich diese Maschine als Technik in unseren Alltag „einschleimt“.
NK | CK
PS: Eine Anfrage bei Chat-GPT benötigt übrigens 0,42 Wattstunden. Der Energiehunger der KI-Rechenzentren ist gewaltig, ebenso deren Wasserbedarf. Alle KI-Zentren zusammen verbrauchen mit 450 Terrawattstunden im Jahr mehr Strom als ganz Frankreich. 4,5 Billionen Wasser benötigen alle Datenzentren weltweit zum Betrieb – jährlich. Das entspricht rund 1,5 Mal dem Starnberger See. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 17.6.2026)
