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Wie fühlst du dich?

»Wie fühlst du dich?« Das fragt sich so leicht. Axel Hacke will’s genau wissen.

»Wie fühlst du dich?« Im Alltag oft so dahin gefragt, geht Axel Hacke der Frage auf den Grund, Foto: Trouville Plage

Angst

»Angstzustände sind weltweit die häufigste psychische Erkrankung. Schätzungen zufolge leiden 4 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer Angststörung. Langzeitstudien in den Vereinigten Staaten legen nahe, dass etwa ein Drittel der Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Angststörung entwickelt.«

Das berichtet die informative Seite »Our World in Data« der Universität Oxford. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass knapp 360 Millionen Menschen zu einem bestimmen Zeitpunkt an Angststörungen leiden; in Deutschland sind es übrigens 6,7 Millionen. (Quelle: Our World in Data)

Angst kennen wir alle. Der eine ausgeprägter, die andere versteckter. Manche Angst verfolgt uns ein Leben lang, andere Ängste entstehen neu, besonders in einer Welt, die sich rasend schnell verändert, dass man kaum mehr hinterherkommt. Die Frage ist, wie gehen wir mit unsereren Ängsten um? Warum lassen wir es zu, dass Tech-Milliardäre mit ihren Sozialen Plattformen ein Riesengeschäft mit ihnen machen? Und warum fallen so viele Menschen auf rechtsextreme Populisten rein, die unsere Ängste schüren und so gekonnt wie perfide mit unseren Gefühlen spielen?

„Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen“

»Mein Leben lang habe ich Angst gehabt, mal viel, mal weniger. Vielleicht gibt es kein Gefühl, das ich in so vielen Formen, Schattierungen, Ausprägungen und Tiefen kennengelernt habe.«

Das schreibt der Autor und Kolumnist Axel Hacke in seinem neuesten Buch »Wie fühlst du dich?«, in dem er sich intensiv mit der Angst und anderen Gefühlen und Bedürfnissen auseinandersetzt. Der Autor, den manche vielleicht nur als Verfasser humoriger, heiterer Texte kennen, hat sich tief in ein ernstes Thema eingegraben, viel recherchiert und gelesen. Man spürt das auf jeder Seite. Wir finden: Hacke hat ein wichtiges und sehr ehrliches Buch geschrieben, dessen Lektüre Orientierung zu bringen vermag und auch ein wenig Trost, den man spürt immer wieder: ich bin mit meinen Gefühlen nicht allein. Und deshalb lesen wir ja.

Warum ist es so wichtig, uns mit unseren Gefühlen und denen unserer Mitmenschen auseinanderzusetzen?, fragt sich der Autor und meint:

»Wenn sie eine solche Rolle in Ökonomie und Politik spielen, können wir nur freie Menschen sein, wenn wir in der Lage sind, unsere Gefühle zu reflektieren.«

Denn können wir das nicht, so Hacke, laufen wir Gefahr, dass unsere Gefühle manipuliert, instrumentalisiert und gnadenlos wirtschaftlich ausgebeutet werden: von Social-Media-Unternehmern aus dem Silicon Valley und von rechtsextremen Parteien. Weder den Tech-Milliardären noch den rechten Populisten geht es dabei um unser Wohl oder um den Zustand unseres Planeten. Diesen Leuten geht es ausschließlich um ihre ganz eigene Agenda, um Macht und um Geld.

Hacke beschäftigt sich in diesem Buch mit wichtigen Fragen, die uns als Einzelne und als Gesellschaft beschäftigen müssen.

»Wie gehen wir mit der Angst um, die uns alle in Atem hält? Was ist mit der Verbundenheit mit anderen Menschen, nach der wir alle suchen? Was ist mit unserem Gefühl der Hilflosigkeit angesichts der Stürme, die auf uns zurollen? Sollten wir wieder lernen, zu staunen und uns zu wundern? Was tue ich mit meiner Wut? Darf ich hassen, auf Rache sinnen, andere verachten? Was ist mit der guten alten Lebensfreude?«

Ermutigung zum Nachdenken

axel hacke, wie fühlst du dich?Angst, Freude, Müdigkeit, Überforderung, Sorgen-Karussel, Einsamkeit, Verbundenheit, Sinn, Wut, Ohnmacht, Hass, Tod, Verzweiflung, Hoffnung, Freundlichkeit, Dankbarkeit. Entlang dieser Stationen nimmt Hacke uns mit auf eine 250seitige Reise. Eine Reise, bei der wir sehr viel über unsere Gefühle, deren Entstehen und deren Erkennen, lernen. Hacke gelingt es, Zeitanalysen, theoretisches Wissen und Persönliches gekonnt miteinander zu verbinden. Dabei ist »Wie fühlst du dich?« weniger eine Warnschrift als eine kluge Ermutigung zum Nachdenken und zum Handeln.

»Besser ist: sich zu überlegen, wie und wer man sein will. Und dann entsprechend zu handeln, beharrlich, gelassen, zielstrebig. Ich glaube, dass Freundlichkeit die Welt verändern kann, an jedem Tag und in jeder Minute.«

Ungeachtet aller schlechten Nachrichten, die wir uns dank Smartphone und Social Media 24 Stunden am Tag theoretisch reinziehen können, glaubt Axel Hacke an die Kraft der Hoffnung und an die Möglichkeit einer besseren Zukunft. Allerdings müsse man dann auch von dieser besseren Zukunft erzählen:

»Man muss von einer Zukunft berichten, in der wir nicht wehrlos Öl- und Gaslieferanten ausgeliefert sind, sondern Energie auf klimaverträglichem Weg zu erzeugen in der Lage sind, in der es uns gelingt, die Maßlosigkeit Superreicher zu begrenzen, die Kommunikationssysteme, mit denen man uns beherrschen will, zu unseren zu machen und die sozialen Medien wirklich sozial zu gestalten.«

Die Fähigkeit, von einer besseren Zukunft zu erzählen, sehen wir im Moment bei den Regierungsverantwortlichen dieser Welt leider kaum. Statt dessen werden wir meist mit Allgemeinplätzen zugesülzt, oder aber Politiker lamentieren, die Laune im Land wäre schlecht(geredet). Tja, man kann halt gute Laune oder ein Zusammengehörigkeitsgefühl nicht einfach durch einen Politikermachtwort verordnen.

»Die Politiker heutzutage lesen viel zu wenig«

Das hat die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt. Es wäre zu schön, wenn dieses kluge Buch vielen Politikerinnen und Politikern unter den Weihnachtsbaum gelegt würde.

Aber vielleicht geht es Axel Hacke auch mehr darum, dass jeder einzelne, nach dieser Fähigkeit in sich sucht…

Wir wünschen eine lesensreiche Adventszeit!

NK | CK

Buchinformation

Axel Hacke
Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
DuMont Buchverlag, 2025
ISBN: 978-3-8321-6810-0

Axel Hacke schreibt auch einen interessanten Newsletter, den man auf seiner Homepage abonnieren kann.

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