Mit ‘Werbung’ getaggte Artikel

Stumme Zeugen

Donnerstag, 18. November 2010

Jetzt, da es überall wieder brummen soll und Minister Brüderle ständig vom XXL-Aufschwung pfälzert (als ob er dafür verantwortlich wäre), ist es Zeit, vielleicht mal einen Moment innezuhalten.

Krisenwerbung? Quelle: http://antarcticiana.blogspot.com/2010/05/your-message-here.html

Krisenwerbung? Quelle: http://antarcticiana.blogspot.com/2010/05/your-message-here.html. via Andrian Kreye.

Richard Arthur Fleming hat im Mai 2010 leere Plakatwände in Brooklyn fotografiert und in seinem Blog einen lesenswerten Essay dazu geschrieben: Plakatwände als stumme Mahner sozusagen.

100 x 5 = 500 Fotografen

Donnerstag, 18. November 2010

500photographers ist ein sehenswertes Blogprojekt des Niederländers Peter Wisse. Seit Anfang April stellt er jede Woche 5 neue Fotografen mit Kurzporträt, Foto, manchmal auch Filmen auf seinen Blog. Neugierig?

Fotograf: Eric Tabuchi. Quelle: http://500photographers.blogspot.com

Fotograf: Eric Tabuchi. Quelle: http://500photographers.blogspot.com

Oscarverdächtig: Rotkäppchen als Infografik

Dienstag, 09. November 2010

Wir kennen das alle. Zur Veranschaulichung einer, sagen wir mal, Produktivitätssteigerung aufgrund höherer Schnittgeschwindigkeiten beim Fräsen, soll eine Anzeige, eine Broschüre oder auch eine Website noch schnell mit einer Infografik „aufgepeppt“ werden. „Aber bitte“, hört man dann schon mal, „auf keinen Fall zu viel Aufwand, eigentlich nur quick and dirty“.

Anspruchsvoll statt quick and dirty
Mal abgesehen davon, dass „quick and dirty“ in die Rubrik „Besenkammer, Boris, Bumbum“ fällt; eine gute Infografik geht nicht mal soeben nebenbei. Eine gute Infografik ist durchdacht, informiert und unterhält. Geht das? Ja, das geht!

Schauen Sie mal wie der schwedische Graphik-Designer Tomas Nilsson die Geschichte vom Rotkäppchen als animierte Infografik umgesetzt hat. Hier wird gutes Design zur Kunst, die Grimms wären wahrscheinlich begeistert.

Slagsmålsklubben – Sponsored by destiny from Tomas Nilsson on Vimeo.

Quelle: http://www.tomas-nilsson.se. Danke für den Hinweis Jens Jacobsen.

Umweltschutz mit Unterhaltungswert

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Beim Stichwort Umweltschutz denken Sie an geplatzte Gelbe Säcke, fünf verschiedene Mülltrennbehältnisse in der Küche und den erhobenen Zeigefinger von Ihrem Abfallwirtschaftsamt? Dann sollten Sie sich unbedingt mal die Website von Annie Leonard “The Story of Stuff” und ihren Blog anschauen.

So unterhaltsam und graphisch anpruchsvoll hat meines Wissens noch kaum jemand Umweltthemen angepackt. Wichtige Botschaft exzellent verpackt, würde ich sagen. Hier zwei Beispiele zum Thema Elektronikmüll und Plastikmüll, den wir ja alle ständig produzieren:

More’s Law oder Moore’s Law

Die Geschichte vom Wasser in Plastikflaschen

Was halten Sie davon?

Schlechte Werbung, schlimme Folgen

Mittwoch, 20. Oktober 2010
Schlechte Werbung, schlimme Folgen I

Immer wenn Du eine schlechte Anzeige machst, bringt sich ein Hase um. Quelle: www.kingjames.co.za · via www.visualblog.de

Schlechte Werbung, schlechtes Karma
Immer, wenn irgendwo auf der Welt eine schlechte Anzeige gemacht wird, passiert woanders auch etwas Schlechtes. Das ist wie Karma, sagen die Leute vom Eagle Awards. Ein ziemlich beängstigender Gedanke, finden Sie nicht?

Der Eagle Awards ist ein renommierter Anzeigenwettbewerb, den die unabhängigen Zeitungen Südafrikas jährlich veranstalten. Von einer internationalen Jury werden die besten Zeitungsanzeigen des Jahres prämiert. Die Anzeigenkampagne zur Bewerbung des Eagle Award hat die Agentur King James aus Cape Town entwickelt. Das Motto des Eagle Awards (Karma, siehe oben) wurde exzellent in Bild und Text umgesetzt.

Schlechte Werbung hat Nebenwirkungen II

Immen wenn Du eine schlechte Anzeige machst, stirbt ein Einhorn. Quelle: www.kingjames.co.za · via www.visualblog.de

Besonders gelungen finde ich übrigens das Einhorn-Motiv. Das Einhorn gilt bekanntlich als das edelste aller Fabeltiere und steht für das Gute. Stirbt also mal wieder ein Einhorn wegen einer schlechten Anzeige, dann stirbt ein bißchen auch das Gute, die Phantasie, der Mut und das Schöne.

Welche Anzeigen finden Sie besonders schlimm? Schreiben Sie mir, und lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich weniger Hasen vor Züge werfen müssen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Norbert Kraas

P.S.
Mit intelligenter Werbung die FIFA ausgekontert
King James ist übrigens die Werbeagentur, über deren Werbung für die südafrikanische Fluglinie Kulula sich die FIFA so furchtbar aufgeregt hat. Die FIFA hat ja in Südafrika den Finger auf allem drauf gehabt, was nur im entferntesten mit Geld verdienen zu tun hatte. Kulula durfte sich also auf keinen Fall als offizielle Fluglinie während der Fußball-WM bezeichnen. King James hat dieses Problem mit Intelligenz und Witz sehr gut gelöst. Mal ganz abgesehen von der vielen positiven Berichterstattung über die Kampagne.

Die nicht offizielle Fluglinie.

„Die nicht offizielle Fluglinie von Sie-wissen-schon“ Quelle: www.kingjames.co.za

Schwäbische Hausfrau mit Flammenwerfer?

Mittwoch, 13. Oktober 2010
Schwäbische Hausfrau mit Flammenwerfer?

Schwäbische Hausfrau mit Flammenwerfer? via snowce > via mediaclinique. Bild: Hunter Freeman, http://snowce.tumblr.com/post/1289883223/hunter-freeman

Stuttgart 21 plant ohne Schwäbische Hausfrau
Die Schwäbische Hausfrau packt den Flammenwerfer aus, lese ich in einem Blogbeitrag von Ralf Schwartz. Es geht um Stuttgart 21 und Ralf Schwartz verweist auf einen lesenswerten Beitrag von Albrecht Müller auf dessen Blog. Ich bin ziemlich sicher, dass die Schwäbische Hausfrau in die Planungen von Stuttgart 21 nicht involviert war, steht sie doch für Vernunft, Pragmatismus, Sauberkeit und bisweilen auch schwertgoschhafte Aufrichtigkeit. Wegen letzterer braucht die Schwäbische Hausfrau auch keinen Flammenwerfer.

International angesehen
Genau wegen dieser herausragenden Eigenschaften wird die Schwäbische Hausfrau immer mal wieder von Politikern auf den Plan gerufen. Nicht nur in Deutschland von Frau Merkel etwa, sondern z B. auch in Frankreich oder in den USA. Aufgrund dieser Eigenschaften haben wir die Schwäbische Hausfrau als zentrales Motiv der Kampagne für die neue Schleifmaschine des Maschinenbauers HAAS aus dem schwäbischen Trossingen ausgewählt.

Die Schwäbische Hausfrau im Kittelschurz.

Schwäbische Hausfrau im Kittelschurz. Quelle: www.schleifblog.de

Einfach, aber bitte nicht einfältig

Mittwoch, 22. September 2010

ORTHEILS MONOLOGE 1 – Einfachheit from Literaturhaus Stuttgart on Vimeo.

Im Urlaub habe ich ein ganz wunderbares Buch von Hanns-Josef Ortheil gelesen. „Die Erfindung des Lebens“ heißt das Werk, in dem die bewegende Befreiungs-Geschichte eines Jungen erzählt wird, dessen Eltern kaum erträgliches Leid durchleiden mussten, und der die ersten 7 bis 8 Jahre seines Lebens nicht sprechen konnte. Beides hängt miteinander zusammen. Mehr sei nicht verraten.

Nun habe ich ein bisschen über Hanns-Josef Ortheil recherchiert und finde auf der Seite des Literaturhauses Stuttgart nette Kurzfilme, in denen er sich zu aktuellen Themen auslässt. Und siehe da, Ortheil schreibt nicht nur großartig, sondern er spricht auch klug und gut. Zum Beispiel zum Thema Einfachheit, siehe oben.

Einfach eine Messeeinladung
Einfachheit ist ja ein Thema, das uns in der Werbung ständig beschäftigt. Die Werbebotschaft soll möglichst einfach, einfallsreich und exakt sein (Dank an Springer & Jacoby für diese schöne Alliteration). Warum nur, frage ich mich, wenn ich mir viele Messeeinladungen so anschaue, wollen manche Leute eigentlich alles, ja am liebsten jedes noch so kleine technische Detail z. B. in eine Messeeinladung packen? Gleiches gilt übrigens auch für sehr sehr viele Anzeigen im Industriegüterbereich.

Überhaupt: müssen Messeeinladungen immer so aussehen wie Messeeinladungen, und wie hätte, sagen wir mal, Picasso eine Messeeinladung gestaltet? Vielleicht so?

Einfach anders: Messeeinladung.

Einfach anders: Messeeinladung.

Rosa Strümpfe für den Wolf im Mann

Freitag, 17. September 2010

Endlich mal eine richtig gute Rote-Socken-Kampagne!

Susanne Padberg, die hier gleich um die Ecke ihre wunderbare und immer besuchenswerte Buchkunst-Galerie Druck & Buch betreibt, macht mich gerade per Mail (Danke!) auf eine sehr schöne Internet-Seite von Falke aufmerksam.

Rosa Strümpfe für den Wolf im Mann. Quelle: www.falke-shop.com/de/herren/wollsocken

Rosa Strümpfe für den Wolf im Mann. Quelle: www.falke-shop.com/de/herren/wollsocken

Da wird, so die kunstsinnige Galeristin, richtig schön mit Klischee, Ironie und Humor gearbeitet. Finde ich auch, und das Ganze wirkt ziemlich cool, very British und handwerklich exzellent gemacht. Kompliment an die Kollegen. So kann Werbung halt auch sein, vorausgesetzt Agentur und Kunde haben den Mut dazu, und es passt zu Produkt und Unternehmen.

Was meinen die Leserinnen und Leser des Reklamekasper dazu? Ich bin gespannt!

Schönes Wochenende!

Norbert Kraas

P.S. Buchtipp für kalte Herbstabende: Jack Londons „Wolfsblut“

Wenn ungeahnte Dimensionen ganz konkret werden

Freitag, 10. September 2010

In Werbung und PR wird ja gerne mal über Dimensionen geredet. Gemeint sind dann meistens die sog. ungeahnten Dimensionen, in die ein neues Produkt vorstoßen soll. Beim Kunden sollen so Assoziationen an Größe und Überlegenheit geweckt werden, und oft klappt das auch.

Mein Kollege Jörn macht mich nun auf eine interessante Website der BBC aufmerksam, bei der es um Dimensionen geht, und zwar in einer der ursprünglichen Bedeutungen dieses Begriffes. Dimension verstanden als „Beziehung einer beliebigen Größe zu den Basisgrößenarten eines Maßsytems, wie z. B. Länge, Temperatur, Masse u.a.“ (Quelle: Wahrig, Deutsches Wörterbuch).

Auf dieser Website lassen sich ganz konkret die Ausmaße (Dimension) der Flutkatastrophe in Pakistan oder die Größe der radioaktiven Wolke der Tschernobyl-Katastrophe in Relation zu der Gegend oder dem Land setzen, in dem man lebt. Damit bekommen abstrakte Größenangaben in Pressemeldungen einen lebensnahen, vielfach wirklich erschreckenden Bezug. Also: Um mal ein realistisches Gefühl für die Größenordnungen zu bekommen, einfach Wohnort oder Land eingeben.

Screenshot: http://howbigreally.com

Screenshot: http://howbigreally.com

Zur Dimensionen-Website der BBC: Bitte hier drauf klicken!

Kreative Kartoffeln und Bratwürste

Freitag, 13. August 2010

Der Reklamekasper macht vom 14.8. bis 6.9.2010 Urlaub.

Neulich fragte mich mal der Geschäftsführer eines feinen mittelständischen Maschinenbauers, wie und wo wir eigentlich auf unsere Ideen kämen. Anlass der Frage war eine nicht alltägliche Messeeinladung (sobald die gedruckt ist, darf ich sie Ihnen zeigen). Jetzt hätte ich ausholen und die bekannten Klischees runterleiern können, wo Kreative überall kreativ sind: unter der Dusche, beim Joggen, beim Hund ausführen, beim Gleitschirmfliegen, im Schlaf usw., usw., usw. Es gibt ganze Bücherschränke zu diesem Thema. Um es kurz zu machen, es gibt eigentlich keinen festen Ort für Kreativität. Die erste Idee zu dieser Messeeinladung kam mir während des Briefinggesprächs, und ich hab zwei, drei Stichworte notiert und ein Foto gemacht.

Auf’s richtige Klima kommt es an
Viel wichtiger für die Kreativität als der Ort ist doch das Klima. Und zwar das zwischen dem Kunden und der Agentur. Je offener und vertrauensvoller dieses Klima ist, desto besser läuft’s mit den Ideen. Humor und die Fähigkeit, ausgetretene Kommunikations-Pfade verlassen zu können, sind auch hilfreich. Denken ohne Geländer, hat die jüdische Autorin Hannah Arendt das genannt. Ein Beispiel:

Einladung zum Grillfest für Mitarbeiter und Geschäftspartner

Einladung zum Grillfest für Mitarbeiter und Geschäftspartner. Quelle: www.multigrind.de

Ob man dann immer alles 1:1 umsetzt, was die Agentur so präsentiert, das ist eine andere Frage. Zunächst mal geht es darum, in alle Richtungen zu denken und vor allem auch Anregungen aus anderen Bereichen (Kunst, Literatur, Wissenschaft, Politik, Musik) aufzunehmen.

Unerschöpflich kreativ sind nur Kartoffeln
„Ja, wenn es überhaupt etwas gibt, auf das all jenes zutrifft, was immer wieder am Künstler diskutiert wird: Innovationsfreude, Kreativität, Spontanität, Produktivität, das Schaffen ganz aus sich heraus und so weiter – dann ist es die Kartoffel: Man sehe nur, wie sie da, im dunklen Keller liegend, ganz spontan zu keimen beginnt und in schier unerschöpflicher Kreativität Keim um Keim innoviert, und wie sie – ganz hinter ihrem Werk zurücktretend – bald unter ihren Trieben verschwindet und dabei die wunderlichsten Gebilde erschafft! (…) Das ist das wahre Schöpfertum, ist wirkliche Vollendung!“ (Quelle: Süddeutsche 12.6.2010). Kein geringerer als Sigmar Polke hat das gesagt, der kürzlich gestorben ist. Polke war ein großer Künstler und ein Enfant Terrible. Er wurde stets bewundert für „seine Unverfrorenheit und seinen Mangel an Kontrollwut (…).“ Schauen Sie mal:


Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann, 1969, Sigmar Polke.

Bis die Tage!

P.S. Wenn Sie nicht wegfahren, genießen Sie diesen unterhaltsamen Sommerfilm im Kino