Mit ‘Werbung’ getaggte Artikel

Kreative Kartoffeln und Bratwürste

Freitag, 13. August 2010

Der Reklamekasper macht vom 14.8. bis 6.9.2010 Urlaub.

Neulich fragte mich mal der Geschäftsführer eines feinen mittelständischen Maschinenbauers, wie und wo wir eigentlich auf unsere Ideen kämen. Anlass der Frage war eine nicht alltägliche Messeeinladung (sobald die gedruckt ist, darf ich sie Ihnen zeigen). Jetzt hätte ich ausholen und die bekannten Klischees runterleiern können, wo Kreative überall kreativ sind: unter der Dusche, beim Joggen, beim Hund ausführen, beim Gleitschirmfliegen, im Schlaf usw., usw., usw. Es gibt ganze Bücherschränke zu diesem Thema. Um es kurz zu machen, es gibt eigentlich keinen festen Ort für Kreativität. Die erste Idee zu dieser Messeeinladung kam mir während des Briefinggesprächs, und ich hab zwei, drei Stichworte notiert und ein Foto gemacht.

Auf’s richtige Klima kommt es an
Viel wichtiger für die Kreativität als der Ort ist doch das Klima. Und zwar das zwischen dem Kunden und der Agentur. Je offener und vertrauensvoller dieses Klima ist, desto besser läuft’s mit den Ideen. Humor und die Fähigkeit, ausgetretene Kommunikations-Pfade verlassen zu können, sind auch hilfreich. Denken ohne Geländer, hat die jüdische Autorin Hannah Arendt das genannt. Ein Beispiel:

Einladung zum Grillfest für Mitarbeiter und Geschäftspartner

Einladung zum Grillfest für Mitarbeiter und Geschäftspartner. Quelle: www.multigrind.de

Ob man dann immer alles 1:1 umsetzt, was die Agentur so präsentiert, das ist eine andere Frage. Zunächst mal geht es darum, in alle Richtungen zu denken und vor allem auch Anregungen aus anderen Bereichen (Kunst, Literatur, Wissenschaft, Politik, Musik) aufzunehmen.

Unerschöpflich kreativ sind nur Kartoffeln
„Ja, wenn es überhaupt etwas gibt, auf das all jenes zutrifft, was immer wieder am Künstler diskutiert wird: Innovationsfreude, Kreativität, Spontanität, Produktivität, das Schaffen ganz aus sich heraus und so weiter – dann ist es die Kartoffel: Man sehe nur, wie sie da, im dunklen Keller liegend, ganz spontan zu keimen beginnt und in schier unerschöpflicher Kreativität Keim um Keim innoviert, und wie sie – ganz hinter ihrem Werk zurücktretend – bald unter ihren Trieben verschwindet und dabei die wunderlichsten Gebilde erschafft! (…) Das ist das wahre Schöpfertum, ist wirkliche Vollendung!“ (Quelle: Süddeutsche 12.6.2010). Kein geringerer als Sigmar Polke hat das gesagt, der kürzlich gestorben ist. Polke war ein großer Künstler und ein Enfant Terrible. Er wurde stets bewundert für „seine Unverfrorenheit und seinen Mangel an Kontrollwut (…).“ Schauen Sie mal:


Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann, 1969, Sigmar Polke.

Bis die Tage!

P.S. Wenn Sie nicht wegfahren, genießen Sie diesen unterhaltsamen Sommerfilm im Kino

Papa, Du bist peinlich!

Freitag, 06. August 2010

Blumentopf und die saugut gerappten RAPortagen zur WM in Südafrika. Vielleicht erinnert sich noch jemand? Blumentopf hören meine Frau und ich seit der WM praktisch täglich, nein nicht im Radio, sondern gesungen bzw. gerappt von unseren Kindern: “Ey Beckham, guck mal so geht kick and rush”.

Und mal ehrlich, mir gefällt der sprachlich höchst anspruchsvolle Blumentopf-Sprechgesang auch, obwohl ich mit den Rolling Stones sozialisiert wurde und vor Urzeiten, sprich 1976, im Neckarstadion Honky Tonk Women mitgegrölt habe.

Bringe ich also neulich unseren Sohn zum Kingergarten und singe auf dem Weg in seinen Gruppenraum so eine RAPortage vor mich hin, und raten Sie mal, was ich mir anhören musste? „Papa, das ist peinlich“, klärt mich mein Sohn auf und verbittet sich einen rappenden Papa. Dabei hat sich die Werbung längst auch diesen Musikstil gekrallt und spielt damit, mal mehr, mal weniger gut.

Gerade habe ich diesen gut gemachten Spot für den Toyota Siena entdeckt. Zielgruppe: Minivan fahrende Ehepaare mit Kindern, denen klar ist, dass die Zeit von Sex and Drugs and Rock’n'Roll endgültig vorbei ist und die damit cool umgehen können. Das ist Werbung mit Humor und Selbstironie. Schauen Sie mal:

gesehen auf Der Feuilletonist.

Ein Ball sagt mehr als 1000 Worte

Donnerstag, 08. Juli 2010
Domingo's Ball, Mozambique. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Domingo's Ball, Mozambique. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

„Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“
Keine Ahnung, ob unsere Fußballer in Südafrika Samuel Beckett in der Hotel-Bibliothtek haben, das Zitat passt aber nach der Niederlage gegen Spanien ganz gut. Beckett geht es ums Aufstehen nach dem Scheitern, um die Hoffnung und den festen Glauben, dass es beim nächsten Mal besser wird. Scheitern gewissermaßen als positiv gedachtes Lebensprinzip, weil es eben „die“ Perfektion nicht gibt. Auch wenn uns das die Werbung und die Medien immer wieder suggerieren wollen: die perfekte Rasur, der perfekte Waschbrettbauch, der perfekte Busen, das perfekte Promidinner und so weiter und so weiter.

Nur Fußball
Ein bisschen Demut würde auch in der Kommunikation nicht schaden. Beckett selbst war übrigens unglaublich bescheiden und zurückhaltend und, auch das ist bekannt, in der Jugend ein begeisterter Sportler. Peter Handke soll ihn später mal gefragt haben, ob er fernsehe. Beckett: „Nur Fußball.“ Darauf Handke: „Beckett, das finde ich prima.“

Beira, Mozabique. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Beira, Mozabique. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Der Ball ist rund – aber nicht immer
Zurück zum Ball. Im New York Times Fotoblog habe ich vor ein paar Tagen von einem ganz wunderbaren Fotobuch gelesen. „Amen: Grassroots Football“ heißt es, und gemacht hat es die belgische Fotojournalistin Jessica Hilltout. Mit ihrer alten 1978er Hasselblad hat sie das Thema Fußball in Afrika auf ganz besondere Weise umgesetzt. Es sind Bilder, die anrühren: Bilder von selbst hergestellten Fußbällen und Fußballtoren, Bilder von Kindern, die keinen offiziellen Jaboulani-FIFA-WM-Ball für 100 Euro haben und denen Sepp Blatters Bannmeilen um die Stadien in Südafrika so was von egal sind. In „Amen: Grassroots Football“ geht es um das Spiel, um echte Leidenschaft und Begeisterung.

Sambos Sock, Burkina Faso. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Sambos Sock, Burkina Faso. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Für das Projekt hat Jessica Hilltout 10 afrikanische Länder besucht, mit dem Ziel, die Leidenschaft der Afrikaner für den Fußball einzufangen. Aber es ist nicht nur ein Buch über Fußball, wie sie selbst sagt: „This is not just a book about football or indeed Africa. It tries to capture the beauty and strength of the human spirit.“ Chapeau!

Pacasse, Mozambique. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Pacasse, Mozambique. Foto: Jessica Hilltout. www.jessicahilltout.com

Ergänzung: 8.7.2010: Es gibt von Jessica Hilltout auf Vimeo ein paar nette Minifilme zu ihrem „Amen-Projekt“. Das ist einer davon:

Isaac makes a ball from THE AMEN PROJECT on Vimeo.

Gibt’s uns überhaupt, oder wo stehen wir bei Google?

Mittwoch, 19. Mai 2010
Erster Platz

Erster Platz. Quelle: http://kunden.ausderhoelle.de

„Cogito ergo sum.“ Schön und gut, aber wo stehen wir bei Google?
Ich denke, also bin ich. So hat es der französische Philosoph und Mathematiker René Descartes im 17. Jahrhundert in seinen „Prinzipien der Philosophie“ formuliert. Das ist lange her. Heute gelten andere Gesetze. Wenn ich mir die schier unglaubliche Bedeutung der Internet-Suchmaschine Google anschaue, dann müsste die Definition von „Sein“ lauten: „Ich existiere vielleicht (!), wenn ich gegoogelt werde, und ich existiere sicher, wenn ich bei Google ganz oben stehe.“

Bedenkenswert: Die Macht einer Suchmaschine
Eine Kombination von geheimen Suchalgorithmen Suchalgorhythmen (Danke Stefan!), über die on- und offline so leidenschaftlich spekuliert wird wie über den Heiligen Gral, hat mehr und mehr Einfluss auf unser persönliches und wirtschaftliches Handeln. Dass man Gäste, die man zum Essen einlädt, vorher gründlich googelt, soll in den USA längst die Regel sein. Und es soll Unternehmer geben, die jeden Morgen als Erstes den Namen ihrer Firma googeln. Die Stimmung schwankt dann je nach Pagerank. Bedenklich, oder? Vor allem dann, wenn man weiß, dass Google bevorzugt bereits bekannte Seiten bzw. solche, auf die oft verwiesen wird, weit oben platziert. Etwas wirklich Unbekanntes, Neues, Bahnbrechendes bleibt da unter Umständen mangels Verweisen im Dickicht der geheimen Algorithmen Algorhythmen auf der Strecke. Toll.

Die beste Seite

Die beste Seite. Quelle: http://kunden.ausderhoelle.de

Sehenswert: Die besten Webseiten 2010
Vor ein paar Tagen wurden die Webby Awards 2010 vergeben. Von einer Jury werden alljährlich die besten Leistungen im Bereich Webdesign prämiert. Es geht um interaktives Design, Kreativität, Nutzerfreundlichkeit und Funktionalität. Von Pageranking habe ich da jetzt mal nichts gelesen. Dafür gibt es in jeder Kategorie auch einen Publikumspreis, über den die Internet-Nutzer abgestimmt haben. Es lohnt sich, da mal reinzuschauen. Mich haben besonders die Seiten von HBO, einem amerikanischen TV-Sender, und vom Literatur- und Kulturmagazin New Yorker beeindruckt. Die Liste mit allen Gewinnern gibt’s hier.

HBO-Website

HBO-Website. Quelle: http://www.webbyawards.com

Ist Google HAL?
Wissen Sie, woran mich diese Sache mit der Macht von Google erinnert? An den Film „2001: A Space Odyssey“. Stanley Kubrick hat sich da schon vor mehr als 40 Jahren seine Gedanken gemacht. Beeindruckend ist besonders der Dialog zwischen dem Bordcomputer HAL und dem Astronauten Dave, den HAL nicht mehr ins Raumschiff lässt. Schauen Sie mal:

Einkäufer, Obama und Bob

Donnerstag, 06. Mai 2010

Mal angenommen, Sie haben einen Termin beim Frisör, der schneidet und stylt, dass es eine Wonne ist, Sie sind richtig zufrieden und fühlen sich hinterher rundum wohl. Käme es Ihnen da in den Sinn, an der Kasse noch schnell einen Nachlass von sagen wir mal 10 % zu verlangen? Mit der Begründung, dass ein Haarschnitt in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, schließlich umgerechnet nur 2 Euro kostet, inklusive Nackenmassage, Ohren waschen und was weiß ich nicht alles. Absurd, oder? In der Industrie aber gar nicht so selten. Meist wird dort allerdings das Nachverhandeln bereits vereinbarter Preise mit dem Suchen nach Haaren in der Suppe gezielt vorbereitet.

Mir sparet, koscht es, was es wolle: Einkaufen auf Schwäbisch
Rückblick: Vor gut einem Jahr ging es der Automobilindustrie (und zwar nicht nur Opel) richtig bescheiden. Das Jammern war groß und zeigte Wirkung. Die Abwrackprämie, deren langfristige Wirkung noch nicht absehbar ist, wurde ins Leben gerufen, um einen Industriezweig zu stützen, der nicht nur immer wieder Autos komplett am Markt vorbei entwickelt, sondern sich auch durch ein Einkaufsverhalten auszeichnet, das mit dem Bild der ausgequetschen Zitrone wahrscheinlich nur unzureichend beschrieben ist. Interessant, wenn nicht sogar zynisch in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass ausgerechnet Dieter Zetsche letztes Jahr gefordert hat, die Politik müsse auch die Automobilzulieferer unterstützen, weil sonst die Hersteller in Schwierigkeiten kämen. Und das, nachdem man vorher z. B. die vielen kleinen mittelständischen Zulieferer bis auf die Knochen ausgezogen hat. Geht’s eigentlich noch?

Wolfgang Pittrich, Chefredakteur der fertigung, hat zum Thema Einkauf einen Branchenreport geschrieben und ein interessantes Interview mit Martin Fahrner von der ubf Unternehmensberatung aus Tübingen geführt. Fahrner vertritt unter anderem die These, dass die Automobilisten zunehmend in die technologische Defensive geraten, weil der Wertschöpfungsanteil von deren Zulieferern (2002 lag er bei ca. 65 Prozent) ständig steigt. Der Einkäufer steht also vor der Situation, dass er einerseits den Zulieferer und dessen großes technisches Know-how braucht, andererseits ihm aber zeigen will, wo der Barthel den Moscht holt. Da geht’s dann dem Einkäufer wie unserem fünfjährigen Sohn Henry, der einerseits mit mir schon gerne im Garten kicken will, andererseits aber bitte nur nach seinen Regeln. Keine einfache Situation. Den ganzen Artikel zum Thema Einkauf können Sie hier lesen oder runterladen: Branchenreport Einkauf (fertigung 3-4/2010)

Die Marke in Verkaufsverhandlungen
Was für globale Marken gilt, trifft auch für einen mittelständischen Hersteller von technischen Gütern zu. Marken erfüllen für den Verbraucher und den Einkäufer eine Reihe wichtiger Funktionen. Dazu zählt unter anderem die Differenzierungsfunktion, die die Marke vom Wettbewerb abhebt und als einzigartig positioniert. Erreicht wird diese Alleinstellung entweder über das Produkt selbst, oder, wenn es viele ähnliche Produkte gibt, über die Kommunikation.
Darüber hinaus können starke Marken helfen, bessere Preise zu erzielen, die Kunden stärker zu binden und den Absatz zu erhöhen. Mit einer starken Marke im Rücken tut sich der Verkäufer mit Sicherheit leichter in Verkaufsverhandlungen. Nicht umsonst investieren Unternehmen wie adidas oder Apple überdurchschnittlich viel im Bereich Marketing und Kommunikation.

Yes, we can: Obama hat seinen Wahlkampfslogan gut einkauft
Zahllose Unternehmen werben mittlerweile auf meist peinliche Art mit dem Slogan „Yes, we can“, der allgemein dem amerikanischen Präsidenten Barrack Obama bzw. dessen Wahlkampfteam zugeschrieben wird. Stimmt aber nicht. Der Slogan stammt, so stand es vor einer Weile in der Süddeutschen, von Keith Chapman, der damit der britischen BBC eine Menge Geld eingespielt hat. Keith Chapman ist der Schöpfer von Bob der Baumeister (auch das eine sehr starke Marke!), der zahlreiche Eltern wahrscheinlich noch im Schlaf verfolgt. „Yes, we can“, singen Bobs Freunde immer dann, wenn Bob sie fragt: „Can we fix it?“

Wie verkauft man eigentlich Ramsch?
Wo wir gerade beim Verkaufen sind. Wollen Sie mal sehen, wie Verkäufer aussehen, denen es gelungen ist, absolute Ramschprodukte für richtig gutes Geld zu verkaufen? Dann schauen Sie sich die Goldmann-Sachs-Anhörungen vor dem US-Kongress an. Da bleibt mir die Spucke weg. (Quelle: Andrian Kreye)

Zahnloser Tiger in neuem NIKE-Spot

Freitag, 09. April 2010

Tiger Woods, Sie wissen schon, das ist dieser unglaubliche Golfspieler, der mit diesem unglaublichen schwedischen Ex-Model (ja, auch das ist eine Berufsbezeichnung) verheiratet ist und der, wie man es von einem guten Golfer erwarten kann, so unglaublich sicher einlocht puttet. Also, dieser Tiger kommt jetzt mit großem Medientamtam aus seiner Instant-Sex-Entzugstherapie und locht wieder ein, diesmal in Augusta beim renommierten, altehrwürdigen Masters. So weit so langweilig.

Und jetzt wird’s peinlich. Aus Sorge um das Image seines Werbeträgers lanciert der Sportartikelhersteller NIKE einen Werbespot, der pathetisch, triefend, sentimental und dabei so typisch amerikanisch ist, dass man es kaum aushält. Woods blickt grenzdebil verdattert in die Kamera und aus dem Off hält ihm sein verstorbener Vater eine Moralpredigt. Schade. Da haben wir doch von NIKE schon viel bessere Spots gesehen.

Was halten Sie von so einem pathetischen Stuss? Schauen Sie mal:

P.S. Warum verzichtet NIKE eigentlich hier auf den schönen Slogan JUST DO IT?

Nichts Neues unterm Sonnenschirm

Mittwoch, 24. März 2010

Gestern hat mich die Marketingleiterin unseres Kunden Zeutschel auf einen Artikel in der März-Ausgabe des Bahn-Magazins „mobil“ hingewiesen, der in Bild und Headline ebenso genau wie unverfroren ein Anzeigenmotiv der laufenden, internationalen Zeutschel-Kampagne kopiert. Die Umsetzung ist allerdings eher ziemlich bescheiden. Ist das jetzt Zufall oder einfach nur ein schlechtes Plagiat?

Zufall oder schlecht kopiert? (Quelle: Magazin mobil 3/2010)

Original Zeutschel-Anzeigenmotiv. (Quelle: www.zeutschel.de)

So alt wie die Menschheit: Das Plagiat
Woody Allen soll mal gesagt haben, nach Goethe sei alles nur noch Zitat; aber vielleicht hat der gute Woody diesen Satz ja bei Charlotte von Stein geklaut. Und wenn wir noch weiter zurückgehen, lesen wir beim Prediger Salomo, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. (Prediger 1,9). Das Thema Plagiat ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit, erlebt aber in Zeiten des Internets eine ganz neue Blüte. Da wird kopiert und geklaut, was das Zeug hält. PowerPoint-Präsentationen mit Fotos und Zeichnungen, deren Herkunft alles andere als geklärt ist, sind eher die Regel als die Ausnahme. Kein Wunder also, dass es zum Thema Plagiarismus jede Menge Informationen gibt, unter anderem eine interessante Website, auf der zahlreiche Plagiatsfälle nachzulesen sind: http://www.plagiarismus.de/category/plagiatsfalle/werbeagenturen

Wann darf oder muss man also von Plagiat sprechen? Und wann haben einfach ein paar Leute eine ganz ähnliche oder gar die gleiche Idee zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten gehabt? Spießer Alfons bringt auf seinem lesenswerten Blog „off the record“ eine ganz interessante Definition, die ich nicht kopiere, sondern gerne zitiere: „Als Plagiat kann man ein Werk in der Werbung immer dann bezeichnen, wenn eine Idee kopiert wurde, die a) sehr spitz ist und b) wenn diese Idee auch noch im gleichen Produktsegment erfolgt ist.“

Alles Kasperei
So viel also zum Thema Plagiat, Ideenklau und dergleichen Kaspereien. Zum Abschluss jetzt noch einen netten Clip mit Bully Herbig zum Thema Kasperei, genauer Business-Kasperei. Mir gefällt der Spot immer noch gut, weil er uns auf sehr unterhaltsame Weise auffordert, ab und an mal unser ach so wichtiges Tun mit etwas mehr Distanz zu betrachten.

Was Marken so vertragen, oder auch nicht

Donnerstag, 11. Februar 2010

Die in manchen Branchen spürbare Erholung sollte nicht dazu führen, manche in der Krise erkannten Probleme wieder schnell unter den Teppich zu kehren. Ein bisher nicht sonderlich beachteter Aspekt sind Kultur- und Kommunikationsentwicklungen der letzten Jahrzehnte. Leider nur allzu kurz war von wiederkehrenden, „alten“ Werten wie Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit die Rede: im Zwischenmenschlichen, in der Politik und natürlich auch in Marketing, Werbung und PR.

Das Thema Ehrlichkeit bewegt auch Marketingleute
Yvette Schwerdt von der Absatzwirtschaft fragt in ihrem lesenswerten Schwerdt-Blog, wieviel Ehrlichkeit das Marketing verträgt, z. B., ob ein Unternehmen auch zu Makeln stehen sollte.

Ich meine, eine Marke und wir Verbraucher/Kunden halten wesentlich mehr Ehrlichkeit und Authentizität aus, als die meisten Marketingexperten in Agenturen und Unternehmen behaupten. Ich möchte sogar behaupten, dass viele Verbraucher (und das sind wir ja alle, egal ob wir eine Maschine, eine Betriebseinrichtung oder ein paar Jeans kaufen) genug haben von zum Teil aalglatten, völlig abgehobenen oder banalen Werbebotschaften à la Mario Barth.

Mir jedenfalls geht dieses ständige „Wir sind die Allergrößten und haben, wenn nicht das Rad, doch mindestens das Rädle erfunden“ auf den Wecker. Es langweilt, weil es jeder behaupten kann, und glaubhaft ist es längst nicht mehr. Manchmal erstaunt es mich viel mehr, wie viel Blödsinn, Missmanagement und dergleichen eine Marke überhaupt aushält, wie man im aktuellen brand eins „Hart im Nehmen. Die Marke“ lesen kann.

Kann ein Patriarch eine Marke vor den Baum fahren?
Mich würde interessieren, wie sehr die Marken VW und Porsche unter den Testosteronausbrüchen von ein paar größenwahnsinnigen Aufsichtsräten und Vorständen gelitten haben. Denn das dürfte den Imagewerten nicht zuträglich gewesen sein, oder wie haben Sie das erlebt?

Mein Käfer, der erste SUV: mit 34 PS und klasse Werbung
Mein erstes Auto war ein VW Käfer, 34 PS, Baujahr Ende der 60er Jahre. Und der stand für mich und meinen Vater für Qualität und Zuverlässigkeit. Und das waren keine leeren Worthülsen, sondern bedeutete konkret: man kam damit überall hin und hoch, ohne Allrad und 400 PS, und zwar bei jeder Wetterlage.
Ja, mein Käfer war vielleicht der erste SUV (Sport Utility Vehicle, was für ein bescheuertes Wortungetüm). Wir sind damit zu fünft den Arlberg hoch und wieder runter, und, wenn’s mal ganz heftig verschneit war, hat man zwei Leute auf die Heckstoßstange gestellt und hätte jeden Schneepflug überholen können. A propos Schneepflug:

Wie kommt eigentlich der Schneepflugfahrer zum Schneepflug?
Damals in den Sechzigern hat man in Wolfsburg nicht nur gute Autos gebaut, sondern in der Werbung auch noch richtig gute Geschichten erzählt, und zwar ohne ständig von PS, Zylindern und so was zu schwafeln. Helmut Schmitz, damals VW-Werbeleiter in den USA, hat seinerzeit etliche legendäre Anzeigen und Werbefilme mit DDB entwickelt. Meines Erachtens kann man beim Betrachten solcher Werbeklassiker mehr lernen als in Marketingseminaren vieler Hochschulen. Schauen Sie mal!

Das perfekte Briefing

Freitag, 30. Oktober 2009

Perfektes Briefing
Klare Worte: Briefing von Mick Jagger. Quelle: www.swiss-miss.com

Briefing, dazu gibt es unzählige Definitionen im Internet, und manchmal habe ich den Eindruck, dass da jede und jeder was anderes drunter versteht. Ursprünglich kommt dieser Begriff aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Kurzbesprechung oder Kurzeinweisung. Das Wort Briefing wurde zuerst beim Militär verwendet und entspricht dem, was man heute Lagebesprechung vor dem Tagesbefehl nennt. Piloten sprechen heute noch von Briefing.

Beim Briefing in unserer Branche geht es im wesentlichen darum, wer (Anbieter) wem (Zielgruppe) womit (Medium) was (Inhalt) sagen will. So einfach ist das. In so fern ist das Briefing, das Mick Jagger für Andy Warhol geschrieben hat, ziemlich gut und witzig dazu. Es ging übrigens um die Gestaltung des Plattencovers für das absolut legendäre und auch heute noch hörenswerte Album STICKY FINGERS.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Donnerstag, 15. Oktober 2009

„Ideen zu haben ist himmlisch, sie auszuarbeiten die Hölle.“ Dieses Zitat wird dem belgischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Maurice Maeterlinck (1862–1949) zugeschrieben.

Ein netter Ausspruch, der gerne auch mal von uns sogenannten Kreativen bemüht wird. Besonders dann, wenn ein Gegenüber mal wieder der Meinung ist, die Agentur solle einfach nur mal schnell eine „pfiffige“ Idee liefern, umsetzen könne man es ja dann alleine, dazu brauche man die Agentur nicht. Wozu auch? „Wissen Sie, das machen wir inhouse, auf dem kleinen Dienstweg, quick and dirty.“ Und überhaupt, der Bruder der Chefin, ja der hätte ein richtig gutes Händchen fürs Fotografieren, und für Betriebsfeiern schreibe er auch immer so launige Gedichte.

Starke Sache? Quelle: Form+Werkzeug 5/09

Aber nein, das ist kein Witz, sondern oft erlebte Realität. Die Ergebnisse solcher „In-house-Aktionen“ sind allerdings manchmal sehr witzig. Wie man an der o.g. Anzeige der Firma bedra sehr schön sehen kann. Vom Oberarm bis hin zur Tätowierung, hier signalisiert alles provinzielle Mittelmäßigkeit. Von Leidenschaft keine Spur, wie uns die Headline suggeriert. Mal ganz abgesehen davon, dass weder eine Internet- noch eine Postadresse dem potenziellen Kunden die Kontaktaufnahme ermöglichen. Wie man sieht, ist es durchaus möglich, jede gute Idee mit einer schlechten Umsetzung in den Marketingabgrund zu stoßen.

Die gleiche Idee, aber etwas anders und zeitlich lange vorher umgesetzt in einer Anzeigenkampagne für die Walter AG, einer der führenden Hersteller von Präzisionswerkzeugen zur Metallbearbeitung.

Anspruchsvolles Produkt, anspruchsvolle Umsetzung.

Anspruchsvolles Produkt, anspruchsvolle Umsetzung.