Gar nicht so einfach: Nichtstun. Quelle: http://www.donothingfor2minutes.com/
„Um die Kraft für einen Richtungswandel zu finden, benötigen wir ausgerechnet das, was uns am meisten fehlt: Muße und Zeit“, schreibt der Autor Ulrich Schnabel in seinem Buch „Muße. Vom Glück des Nichtstuns“, erschienen im Verlag Blessing. Jana Petersen hat in der taz eine lesenswerte Rezension darüber geschrieben.
Wenn Sie mit dem Nichtstun schon mal anfangen wollen, nur zwei Minuten lang, dann klicken Sie auf do nothing for 2 minutes.
Der Reklamekasper macht vom 14.8. bis 6.9.2010 Urlaub.
Neulich fragte mich mal der Geschäftsführer eines feinen mittelständischen Maschinenbauers, wie und wo wir eigentlich auf unsere Ideen kämen. Anlass der Frage war eine nicht alltägliche Messeeinladung (sobald die gedruckt ist, darf ich sie Ihnen zeigen). Jetzt hätte ich ausholen und die bekannten Klischees runterleiern können, wo Kreative überall kreativ sind: unter der Dusche, beim Joggen, beim Hund ausführen, beim Gleitschirmfliegen, im Schlaf usw., usw., usw. Es gibt ganze Bücherschränke zu diesem Thema. Um es kurz zu machen, es gibt eigentlich keinen festen Ort für Kreativität. Die erste Idee zu dieser Messeeinladung kam mir während des Briefinggesprächs, und ich hab zwei, drei Stichworte notiert und ein Foto gemacht.
Auf’s richtige Klima kommt es an
Viel wichtiger für die Kreativität als der Ort ist doch das Klima. Und zwar das zwischen dem Kunden und der Agentur. Je offener und vertrauensvoller dieses Klima ist, desto besser läuft’s mit den Ideen. Humor und die Fähigkeit, ausgetretene Kommunikations-Pfade verlassen zu können, sind auch hilfreich. Denken ohne Geländer, hat die jüdische Autorin Hannah Arendt das genannt. Ein Beispiel:
Einladung zum Grillfest für Mitarbeiter und Geschäftspartner. Quelle: www.multigrind.de
Ob man dann immer alles 1:1 umsetzt, was die Agentur so präsentiert, das ist eine andere Frage. Zunächst mal geht es darum, in alle Richtungen zu denken und vor allem auch Anregungen aus anderen Bereichen (Kunst, Literatur, Wissenschaft, Politik, Musik) aufzunehmen.
Unerschöpflich kreativ sind nur Kartoffeln
„Ja, wenn es überhaupt etwas gibt, auf das all jenes zutrifft, was immer wieder am Künstler diskutiert wird: Innovationsfreude, Kreativität, Spontanität, Produktivität, das Schaffen ganz aus sich heraus und so weiter – dann ist es die Kartoffel: Man sehe nur, wie sie da, im dunklen Keller liegend, ganz spontan zu keimen beginnt und in schier unerschöpflicher Kreativität Keim um Keim innoviert, und wie sie – ganz hinter ihrem Werk zurücktretend – bald unter ihren Trieben verschwindet und dabei die wunderlichsten Gebilde erschafft! (…) Das ist das wahre Schöpfertum, ist wirkliche Vollendung!“ (Quelle: Süddeutsche 12.6.2010). Kein geringerer als Sigmar Polke hat das gesagt, der kürzlich gestorben ist. Polke war ein großer Künstler und ein Enfant Terrible. Er wurde stets bewundert für „seine Unverfrorenheit und seinen Mangel an Kontrollwut (…).“ Schauen Sie mal:
Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann, 1969, Sigmar Polke.
Bis die Tage!
P.S. Wenn Sie nicht wegfahren, genießen Sie diesen unterhaltsamen Sommerfilm im Kino
„Geheim!“,
sagt unsere neunjährige Tochter Emma verschmitzt, wenn wir wissen wollen, wer denn gerade zu ihren engsten Freundinnen zählt.
„Kryptos”, Skulptur auf dem CIA-Gelände (Quelle: SZ; Foto: oH)
Geheim
ist auch die Botschaft, die der amerikanische Künstler James Sanborn als verschlüsselten Text vor 20 Jahren in seine Skulptur „Kryptos“ auf dem Gelände des CIA-Hauptquartiers eingearbeitet hat. So geheim, dass die besten Verschlüsselungsexperten des CIA die Botschaft bis heute nicht entschlüsseln konnten, wie die Süddeutsche in einem lesenswerten Artikel vom 21.7.2009 schreibt.
Verschlüsselte Botschaft? Anzeige in Fachzeitschrift.
Geheim
scheint mir auch die Botschaft dieser Anzeige zu sein, die ich vor ein paar Tagen in einer Fachzeitschrift für Metallbearbeitung gesehen habe. Lieblich gezeichnete Löwen träumen von Stahlbauteilen, während sich die Löwin an ihren Partner anlehnt. Gibt es da draußen jemanden, der mir die Botschaft dieser Anzeige entschlüsseln kann?
Nicht geheim
ist, dass unser Büro ab morgen zwei Wochen geschlossen bleibt. Am Montag, den 31.8.2009 sind wir wieder im Einsatz.
Gar nicht geheim
sind unsere Lese-, Hör- und Sehtipps, die wir heute für Sie haben: Alan Stockbridge empfiehlt einen Klassiker von Kurt Vonnegut. „Galapagos“ heißt der satirische Roman, der in dieser krisengebeutelten Zeit sicher gut tut. Maria Lehmann schickt uns ins Kino, wo es „Coco Chanel“ zu sehen gibt, den neuen Film mit Audrey Tautou, die wie Coco Chanel in der Auvergne aufwuchs. Jörn Elfert rät, sich den französischen Episodenfilm „So sind die Tage und der Mond“ anzuschauen. Corinna Kern empfiehlt „Marie des Brebis“ von Christian Signol. Erzählt wird das Leben einer Schafhirtin im frühen 20. Jahrhundert, das einem in mehrfacher Hinsicht die Augen für das eigene Leben öffnet. Mein Tipp lautet: „Odyssee“ von Homer; und zwar in der Erstausgabe im Original zu lesen. Schließlich entspannt unser Wirtschaftsminister vom Studium der ewigen Opel-Konzepte auch bei Platon im Original. Aber, Spaß bei Seite: Homer ja, aber als Hörbuch, gelesen vom einmalig guten Christian Brückner (Sie wissen schon, die deutsche Stimme von Robert de Niro) auf 13 CDs. Ein Genuss!