Mit ‘Kraas’ getaggte Artikel

Nichts Neues unterm Sonnenschirm

Mittwoch, 24. März 2010

Gestern hat mich die Marketingleiterin unseres Kunden Zeutschel auf einen Artikel in der März-Ausgabe des Bahn-Magazins „mobil“ hingewiesen, der in Bild und Headline ebenso genau wie unverfroren ein Anzeigenmotiv der laufenden, internationalen Zeutschel-Kampagne kopiert. Die Umsetzung ist allerdings eher ziemlich bescheiden. Ist das jetzt Zufall oder einfach nur ein schlechtes Plagiat?

Zufall oder schlecht kopiert? (Quelle: Magazin mobil 3/2010)

Original Zeutschel-Anzeigenmotiv. (Quelle: www.zeutschel.de)

So alt wie die Menschheit: Das Plagiat
Woody Allen soll mal gesagt haben, nach Goethe sei alles nur noch Zitat; aber vielleicht hat der gute Woody diesen Satz ja bei Charlotte von Stein geklaut. Und wenn wir noch weiter zurückgehen, lesen wir beim Prediger Salomo, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. (Prediger 1,9). Das Thema Plagiat ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit, erlebt aber in Zeiten des Internets eine ganz neue Blüte. Da wird kopiert und geklaut, was das Zeug hält. PowerPoint-Präsentationen mit Fotos und Zeichnungen, deren Herkunft alles andere als geklärt ist, sind eher die Regel als die Ausnahme. Kein Wunder also, dass es zum Thema Plagiarismus jede Menge Informationen gibt, unter anderem eine interessante Website, auf der zahlreiche Plagiatsfälle nachzulesen sind: http://www.plagiarismus.de/category/plagiatsfalle/werbeagenturen

Wann darf oder muss man also von Plagiat sprechen? Und wann haben einfach ein paar Leute eine ganz ähnliche oder gar die gleiche Idee zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten gehabt? Spießer Alfons bringt auf seinem lesenswerten Blog „off the record“ eine ganz interessante Definition, die ich nicht kopiere, sondern gerne zitiere: „Als Plagiat kann man ein Werk in der Werbung immer dann bezeichnen, wenn eine Idee kopiert wurde, die a) sehr spitz ist und b) wenn diese Idee auch noch im gleichen Produktsegment erfolgt ist.“

Alles Kasperei
So viel also zum Thema Plagiat, Ideenklau und dergleichen Kaspereien. Zum Abschluss jetzt noch einen netten Clip mit Bully Herbig zum Thema Kasperei, genauer Business-Kasperei. Mir gefällt der Spot immer noch gut, weil er uns auf sehr unterhaltsame Weise auffordert, ab und an mal unser ach so wichtiges Tun mit etwas mehr Distanz zu betrachten.

Wird aus der Volksbank jetzt die iBank?

Dienstag, 29. September 2009
Was treibt ihn wohl an?

iMac, iPod, iPhone, iBank?

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt
So lautet die aktuelle Imagekampagne der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland. Eine wirklich gute Idee, bisweilen ganz gut umgesetzt und je nach Stadt auch gut lokal adaptiert. Die Motive sind – zum großen Teil – glaubhaft, denn sie wirken authentisch. Die Idee passt zur Volksbank, die ja bewusst als lokaler oder regionaler Partner ihrer Kunden auftritt. Wie übrigens auch die Kreissparkassen, die sich auch um den lokalen Kunden vor Ort bemühen (einen schönen Vergleich der aktuellen Spots gibt es hier). Im Unterschied zum Beispiel zu den immer sehr diskreten Privatbanken, die sich gerne und hauptsächlich um die ganz großen Vermögen kümmern. Private Wealth Management heißt das dann im Bankerslang.

Was trieb die Volksbank zu diesem Motiv?
Vor ein paar Tagen sehe ich dann dieses Motiv in der Tageszeitung und denke natürlich sofort an diese diskreten Privatbanken (siehe oben). Denn das suggeriert mir der brav-biedere Jüngling vor seinem Porträt in Öl. Alles fotografiert auf dem Landsitz der Eltern oder der Oma? Falsch. Die Anzeige will uns glauben machen, dass der junge Mann, dessen Antrieb nur er selbst ist („Ich“), bereits ein großes Vermögen aufgebaut hat. Beeindruckend, oder?

Ich weiß nicht wie’s Ihnen geht, für mich ist das nicht stimmig. Es passt nicht zum spezifischen Charakter, zur Markenidentität der Volksbanken. Das wirkt irgendwie so, wie wenn die altehrwürdige Privatbank Pictet aus Genf morgen mit dem kostenlosen Gehaltskonto für Azubis ankommen würde. Passt auch nicht. Darüber hinaus passt die starke Ich-Betonung auch nicht unbedingt zu einer Bank, die das Genossenschaftsprinzip hochhält. Aber vielleicht passt das Motiv ja zu einer Ich-Gesellschaft, deren Mitglieder sich zum Teil vor lauter Begeisterung über sich selbst kaum noch einkriegen.

Haltung wirkt, auch in der Werbung
Gerade jetzt, finde ich, muss die Kommunikation zum Unternehmen passen und Orientierung vermitteln. Für uns als Kommunikationspartner bedeutet dies, rauszufinden, wofür ein Unternehmen, respektive die Menschen, die in diesem Unternehmen arbeiten, eigentlich stehen. Es geht um die unternehmerische Identität und die Identifikation damit. Wofür steht man? Wofür steht man nicht? Im besten Fall ist diese unternehmerische Identität, die in allen Kommunikationsmaßnahmen zum Ausdruck kommen muss, ein Symbol für Haltung, Klarheit und Berechenbarkeit. Manche sagen dazu auch Versprechen, das dann von den Mitarbeitern und von den Produkten eines Unternehmens eingelöst werden muss. Passiert dies nicht, tritt beim Kunden eine Verunsicherung und in der Folge ein Glaubwürdigkeitsverlust ein.

Lesenswert zum Thema Antrieb ein Artikel in brand eins: Warum? Wofür? Für Wen?