Mit ‘Industriewerbung’ getaggte Artikel

Photoshop oder die Angst vor dem Unverfälschten

Mittwoch, 14. Juli 2010
Links Obama allein am Strand. Rechts das ganze Foto von Larry Downing/Reuters.

Links Obama allein am Strand. Rechts das ganze Foto von Larry Downing/Reuters.

Spätestens seit Barack Obamas Wahlkampf 2.0 wissen wir, wie sehr dem amerikanischen Präsidenten bzw. seinen Beratern daran gelegen ist, die ihrer Meinung nach korrekte Sicht auf die Welt und die entsprechenden Bilder dazu zu verbreiten. Kaum anzunehmen, dass die PR-Leute von Obama das beliebte Bildbearbeitungsprogramm Photoshop nicht auf ihren Rechnern haben.

Die Kontrolle der Bilder ist ja gerade in der Politik häufig wichtiger als die Inhalte der derselben. Frau Merkel will nur aus ganz bestimmten Winkeln fotografiert werden, Sarkozy lässt Hüftspeck wegmachen und möchte bitte schön niemanden neben sich haben, der größer ist und Schröder legte, wie wir ja alle wissen, sehr viel Wert auf die korrekte Beurteilung seiner Haarpracht.

Retusche wie geschmiert: Obama am Ölstrand
Nun ist Obama selbst Opfer einer manipulativen Darstellung geworden. Das renommierte britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ hat vor einigen Tagen mit einem Coverfoto aufgemacht, das einen einsamen, nachdenklichen Obama an einem Strand zeigt, im Hintergrund unscharf wahrscheinlich eine Ölplattform. So weit so schön.

Gar nicht schön findet das Economist-Cover allerdings der Reuters-Fotograf Larry Downing. Auf seinem Originalbild war Obama nämlich im Gespräch mit dem Chef der US-Küstenwache Thad W. Allen und der Lokalpolitikerin Charlotte Randolph aus Louisiana. Nimmt man nun noch die Headline dazu „Obama v BP“ (Obama gegen BP), und das vor dem Hintergrund, das die US-Regierung seit dem Unglück nur noch von British Petrol spricht und nicht mehr nur von BP, (schon gar nicht von Beyond Petrol) dann wird aus dem Cover eine klare Aussage über die politischen Spannungen zwischen Washington und London im Zuge der Ölkatstrophe.

Retusche und Manipulation
Das Wort Retusche kommt aus dem Französischen (retouche=Nachbesserung). Gemeint war damit ursprünglich das manuelle Entfernen von Schmutz und Flecken von einer Oberfläche oder eines Fotos. Heute fallen darunter Belichtungskorrekturen (Aufhellen) oder das Entfernen von Staubflecken auf dem digitalen Negativ etc.

Das Entfernen von Personen auf Fotos, die Veränderung des fotografierten Inhalts, der ja immer die subjektive Realität des Fotografen widerspiegelt, ist die Fotomanipulation. Manche sagen auch verharmlosend Aufhübschen dazu. Heute kann man davon ausgehen, dass die Coverfotos der meisten Magazine, die uns jeden Tag die Stars und Sternchen zeigen, ohne ausgiebige Retusche/Manipulation nicht auf die Druckmaschinen kommen. Einer der Meister dieses Fachs ist Pascal Dangin, der für große Marken und Magazine arbeitet und an seiner Tätigkeit nichts Schlimmes findet, zu lesen in einem interessanten Interview in der Weltwoche.

«Man muss wissen, dass jedes Bild manipuliert wurde»: Pascal Dangin, Louis-Vuitton-Werbung mit Francis Ford und Sofia Coppola, Ausstellung von Patrick Demarchelier, Fotografie von Philip-Lorca diCorcia (im Uhrzeigersinn). Bilder: Boxstudios, Louis Vuitton, Boxstudios, Philip-Lorca diCorcia. (Quelle: weltwoche.ch)

«Man muss wissen, dass jedes Bild manipuliert wurde»: Pascal Dangin, Louis-Vuitton-Werbung mit Francis Ford und Sofia Coppola, Ausstellung von Patrick Demarchelier, Fotografie von Philip-Lorca diCorcia (im Uhrzeigersinn). Bilder: Boxstudios, Louis Vuitton, Boxstudios, Philip-Lorca diCorcia. (Quelle: weltwoche.ch)

Fotos in der Industriegüterwerbung
Was für die Modebranche und die Hochglanzmagazine gilt, nimmt auch im Bereich der Industriegüterwerbung mittlerweile überhand. Die Titelfotos der einschlägigen Fachzeitschriften werden auch, häufig auf nachdrücklichen Wunsch der Kunden, aufgehübscht, retuschiert, manipuliert. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir aufgrund der unablässig strömenden Flut der makellosen, oft dadurch leblosen Bilder gar nicht mehr in der Lage sind, unretuschierte, unmanipulierte Fotos zu „ertragen“. Gerade so als ob die Realität, das Authentische eigentlich nicht gut genug ist. Ist das so?

Unten sehen Sie zwei Fotos, die wir für Kunden gemacht haben und die unbearbeitet veröffentlicht wurden. Was meinen Sie? Hätte man diese Fotos in der Retusche noch „aufhübschen“ müssen?

Nicht manipuliert: Foto von HPC-Fräser von Wunschmann (www.wunschmann.de). Quelle: www.kraas-lachmann.com

Nicht manipuliert: Foto von HPC-Fräser von Wunschmann (www.wunschmann.de). Quelle: www.kraas-lachmann.com

Echt und aus der Fertigung. Mitarbeiter der HAAS Schleifmaschinen GmbH. (www.multigrind.com). Quelle: www.kraas-lachmann.com.

Echt und aus der Fertigung. Mitarbeiter der HAAS Schleifmaschinen GmbH. (www.multigrind.com). Quelle: www.kraas-lachmann.com.

Geheim, geheim, nicht geheim

Freitag, 14. August 2009

„Geheim!“,
sagt unsere neunjährige Tochter Emma verschmitzt, wenn wir wissen wollen, wer denn gerade zu ihren engsten Freundinnen zählt.

„Kryptos”, Skulptur auf dem CIA-Gelände (Quelle: SZ; Foto: oH)

„Kryptos”, Skulptur auf dem CIA-Gelände (Quelle: SZ; Foto: oH)

Geheim
ist auch die Botschaft, die der amerikanische Künstler James Sanborn als verschlüsselten Text vor 20 Jahren in seine Skulptur „Kryptos“ auf dem Gelände des CIA-Hauptquartiers eingearbeitet hat. So geheim, dass die besten Verschlüsselungsexperten des CIA die Botschaft bis heute nicht entschlüsseln konnten, wie die Süddeutsche in einem lesenswerten Artikel vom 21.7.2009 schreibt.

Verschlüsselte Botschaft? Anzeige in Fachzeitschrift.

Verschlüsselte Botschaft? Anzeige in Fachzeitschrift.

Geheim
scheint mir auch die Botschaft dieser Anzeige zu sein, die ich vor ein paar Tagen in einer Fachzeitschrift für Metallbearbeitung gesehen habe. Lieblich gezeichnete Löwen träumen von Stahlbauteilen, während sich die Löwin an ihren Partner anlehnt. Gibt es da draußen jemanden, der mir die Botschaft dieser Anzeige entschlüsseln kann?

Nicht geheim
ist, dass unser Büro ab morgen zwei Wochen geschlossen bleibt. Am Montag, den 31.8.2009 sind wir wieder im Einsatz.

Gar nicht geheim
sind unsere Lese-, Hör- und Sehtipps, die wir heute für Sie haben:
Alan Stockbridge empfiehlt einen Klassiker von Kurt Vonnegut. „Galapagos“ heißt der satirische Roman, der in dieser krisengebeutelten Zeit sicher gut tut.
Maria Lehmann schickt uns ins Kino, wo es „Coco Chanel“ zu sehen gibt, den neuen Film mit Audrey Tautou, die wie Coco Chanel in der Auvergne aufwuchs.
Jörn Elfert rät, sich den französischen Episodenfilm „So sind die Tage und der Mond“ anzuschauen.
Corinna Kern empfiehlt „Marie des Brebis“ von Christian Signol. Erzählt wird das Leben einer Schafhirtin im frühen 20. Jahrhundert, das einem in mehrfacher Hinsicht die Augen für das eigene Leben öffnet.
Mein Tipp lautet: „Odyssee“ von Homer; und zwar in der Erstausgabe im Original zu lesen. Schließlich entspannt unser Wirtschaftsminister vom Studium der ewigen Opel-Konzepte auch bei Platon im Original. Aber, Spaß bei Seite: Homer ja, aber als Hörbuch, gelesen vom einmalig guten Christian Brückner (Sie wissen schon, die deutsche Stimme von Robert de Niro) auf 13 CDs. Ein Genuss!

Humor im Wahlkampf – geht doch!

Dienstag, 11. August 2009

Vor ein paar Tagen habe ich hier noch meine schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich eines wahrscheinlich extrem langweiligen Wahlkampfes zum Ausdruck gebracht. Und jetzt das:

Endlich kommt Humor auf.

Endlich kommt Humor auf. Quelle: Stern online


Im Stern online sehe ich das Plakat der CDU-Politikerin Vera Lengsfeld aus Berlin. Chapeau Frau Lengsfeld. Ich gratuliere Ihnen zu Mut, Humor und Gelassenheit inmitten unserer bisweilen hysterisch-gender-gemainstreamten Gesellschaft, der die political correctness zum Teil schon zu den Ohren rauskommt. Peinlich finde ich den Kommentar des sog. Kommunikationsforschers Michael Scharkow in der taz, der da labert, die CDU sollte “staatstragender” wahlkämpfen und meint, die Wähler (in unserer Branche würde man von Zielgruppe sprechen) würden diese Art von Selbstironie nicht goutieren.

Ein Argument, das ich leider auch manchmal von Kommunikationsverantwortlichen in der Industrie höre. Da heißt es dann gerne auch mal, die Zielgruppe (z. B. Techniker und Ingenieure) verstehe das nicht und denke Tag und Nacht nur an Zahlen und Fakten. Leider falsch. Denn auch Ingenieure und Techniker haben ein Herz und Humor und fühlen sich von guter Werbung mit Humor und Augenzwinkern angesprochen.

Was meinen Sie?
1. Darf eine Politikerin so für sich werben?
2. Haben Ingenieure und Techniker Herz und Humor?
Ich freue mich auf Ihren Kommentar hier im Blog.