Mit ‘Identität’ getaggte Artikel

Von und zu Astroturfing

Montag, 28. Februar 2011

update 10.3.2011

„Wann ist ein Fan ein Fan?“, fragt sich die ZEIT online in einem längeren Artikel am 8.3.2011 zum Thema Astroturfing.

„Roses are red, violets are blue, I am schizophrenic and so am I.“ Diesen lustigen Spruch habe ich vor gefühlten 100 Jahren mal im legendären Szenekino Arsenal in Tübingen an der Wand gelesen. Eine Person, zwei Identitäten. So weit so gut und beileibe nicht nur ein Problem für die Psychiatrie, sondern auch eines für die Politik, wie wir in den letzten Tagen gelernt haben. Hier der ehrenwerte Freiherr mit Bismarcks Dogge, Bismarcks Urenkelin und seinem für die ganze Misere verantwortlichen Unbewussten (kann er das eigentlich auch entlassen?), dort der Doktor a.D., dessen Finger für längere Zeit an die Copy- und Paste-Tasten angewachsen waren.

Dieser Freiherr hat im Netz anscheinend hunderttausende von Anhängern, die sich in diversen Communities vehement für ihre oberfränkische Wettertanne Klaufichte einsetzen. Das liest sich dann zum Beispiel so:

Jörg sagt dazu: „Karl-Theodor zu Guttenberg ist und bleibt für mich ein Mann mit Doktor Tietel egal ob geklaut oder fehler ich hab nix gesehen er verdient ihn eh schon durch seine super Arbeit die er macht !“ Das Original und mehr von diesen lustigen Statements gibt es hier. Den Hinweis verdanke ich diesem Blog.

Nun fragt sich die SZ von heute, ob es diese zahllosen Anhänger wirklich gibt, oder ob es sich um sog. Fake-Identitäten handelt. Also gefälschte Identitäten, wie sie im Internet an der Tagesordnung sind. Wer will schon im angesagten Sadomaso-Forum mit vollem Namen seine Meinung zu dieser oder jener Spielart kundtun? Ein, zwei falsche Identitäten zu jonglieren, das geht ja noch, aber 10, 20, 100? Da braucht es eine Astroturfing-Software, und an der wird, so die SZ, in den USA gerade gearbeitet. Damit wird Astroturfing zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung mit gefälschten Identitäten richtig schön nach oben skalierbar. Alptraum oder Wunschtraum für Kommunikationsprofis? Ich find’s beängstigend, denn so wird Vertrauen und Glaubwürdigkeit in großem Stil zerstört.

Die Wikipedia-Definition von Astroturfing
„Der Begriff Astroturfing bezeichnet – insbesondere im amerikanischen Sprachraum – Public-Relations – und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse usw. zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.“ Quelle: Wikipedia.

Ehrlich währt am längsten, hat meine Oma immer gesagt. Der Ehrliche ist der Dumme, hat Ulrich Wickert geschrieben. Was jetzt?

Wird aus der Volksbank jetzt die iBank?

Dienstag, 29. September 2009
Was treibt ihn wohl an?

iMac, iPod, iPhone, iBank?

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt
So lautet die aktuelle Imagekampagne der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland. Eine wirklich gute Idee, bisweilen ganz gut umgesetzt und je nach Stadt auch gut lokal adaptiert. Die Motive sind – zum großen Teil – glaubhaft, denn sie wirken authentisch. Die Idee passt zur Volksbank, die ja bewusst als lokaler oder regionaler Partner ihrer Kunden auftritt. Wie übrigens auch die Kreissparkassen, die sich auch um den lokalen Kunden vor Ort bemühen (einen schönen Vergleich der aktuellen Spots gibt es hier). Im Unterschied zum Beispiel zu den immer sehr diskreten Privatbanken, die sich gerne und hauptsächlich um die ganz großen Vermögen kümmern. Private Wealth Management heißt das dann im Bankerslang.

Was trieb die Volksbank zu diesem Motiv?
Vor ein paar Tagen sehe ich dann dieses Motiv in der Tageszeitung und denke natürlich sofort an diese diskreten Privatbanken (siehe oben). Denn das suggeriert mir der brav-biedere Jüngling vor seinem Porträt in Öl. Alles fotografiert auf dem Landsitz der Eltern oder der Oma? Falsch. Die Anzeige will uns glauben machen, dass der junge Mann, dessen Antrieb nur er selbst ist („Ich“), bereits ein großes Vermögen aufgebaut hat. Beeindruckend, oder?

Ich weiß nicht wie’s Ihnen geht, für mich ist das nicht stimmig. Es passt nicht zum spezifischen Charakter, zur Markenidentität der Volksbanken. Das wirkt irgendwie so, wie wenn die altehrwürdige Privatbank Pictet aus Genf morgen mit dem kostenlosen Gehaltskonto für Azubis ankommen würde. Passt auch nicht. Darüber hinaus passt die starke Ich-Betonung auch nicht unbedingt zu einer Bank, die das Genossenschaftsprinzip hochhält. Aber vielleicht passt das Motiv ja zu einer Ich-Gesellschaft, deren Mitglieder sich zum Teil vor lauter Begeisterung über sich selbst kaum noch einkriegen.

Haltung wirkt, auch in der Werbung
Gerade jetzt, finde ich, muss die Kommunikation zum Unternehmen passen und Orientierung vermitteln. Für uns als Kommunikationspartner bedeutet dies, rauszufinden, wofür ein Unternehmen, respektive die Menschen, die in diesem Unternehmen arbeiten, eigentlich stehen. Es geht um die unternehmerische Identität und die Identifikation damit. Wofür steht man? Wofür steht man nicht? Im besten Fall ist diese unternehmerische Identität, die in allen Kommunikationsmaßnahmen zum Ausdruck kommen muss, ein Symbol für Haltung, Klarheit und Berechenbarkeit. Manche sagen dazu auch Versprechen, das dann von den Mitarbeitern und von den Produkten eines Unternehmens eingelöst werden muss. Passiert dies nicht, tritt beim Kunden eine Verunsicherung und in der Folge ein Glaubwürdigkeitsverlust ein.

Lesenswert zum Thema Antrieb ein Artikel in brand eins: Warum? Wofür? Für Wen?