Mein Kollege Jörn schickt mir gerade diesen Link (Danke!). Spannung, Humor, Überraschung: alles drin, was gute Werbung ausmacht.
Warum gibt’s nicht mehr davon? Liegt’s an der Einfallslosigkeit der Agenturen? Liegt’s an der Mutlosigkeit der Auftraggeber? Wollen wir, die Konsumenten, mit immer dem gleichen Werbekäse ins Konsumdelirium gelangweilt werden?
Warum wird in Briefings gerne großspurig ein kreativer Big Bang gefordert und dann im Pitch ein lächerliches Mini Bängle ausgewählt? Kapiert das jemand?
Schau mir in die Augen, Kleiner
Für ihre bewegende Rolle als Edith Piaf hat die französische Schauspielerin Marion Cotillard 2008 den Oscar bekommen, völlig zurecht. Denn Marion Cotillard ist eine klasse Schauspielerin und dazu mit reichlich Humor gesegnet, wie dieser Werbespot für „Stirnbrüste“ zeigt. Ein nicht ganz einfaches Thema, das Frauen und Männer auf je unterschiedliche Art bewegt, sehr witzig in Szene gesetzt.
Wäre interessant zu wissen, wie viele Frauen (oder Männer) tatsächlich versucht haben, das Scherzprodukt zu bestellen. Was lernen wir daraus? Mit intelligentem (!!!) Humor lässt sich fast jede Botschaft transportieren.
…werden die Irren zu Profis, hat Hunter S. Thompson mal geschrieben. Das hat sich wohl auch der Schweizer Bundesrat Hans-Rudolf Merz beim Verlesen einer absurd anmutenden amtlichen Mitteilung über den Import von Trockenfleisch gedacht. Kann man sich Angela Merkel so vorstellen?
Quelle: Schweizer Fernsehen Tagesschau. http://www.videoportal.sf.tv
Endlich mal eine richtig gute Rote-Socken-Kampagne!
Susanne Padberg, die hier gleich um die Ecke ihre wunderbare und immer besuchenswerte Buchkunst-Galerie Druck & Buch betreibt, macht mich gerade per Mail (Danke!) auf eine sehr schöne Internet-Seite von Falke aufmerksam.
Rosa Strümpfe für den Wolf im Mann. Quelle: www.falke-shop.com/de/herren/wollsocken
Da wird, so die kunstsinnige Galeristin, richtig schön mit Klischee, Ironie und Humor gearbeitet. Finde ich auch, und das Ganze wirkt ziemlich cool, very British und handwerklich exzellent gemacht. Kompliment an die Kollegen. So kann Werbung halt auch sein, vorausgesetzt Agentur und Kunde haben den Mut dazu, und es passt zu Produkt und Unternehmen.
Was meinen die Leserinnen und Leser des Reklamekasper dazu? Ich bin gespannt!
Schönes Wochenende!
Norbert Kraas
P.S. Buchtipp für kalte Herbstabende: Jack Londons „Wolfsblut“
Blumentopf und die saugut gerappten RAPortagen zur WM in Südafrika. Vielleicht erinnert sich noch jemand? Blumentopf hören meine Frau und ich seit der WM praktisch täglich, nein nicht im Radio, sondern gesungen bzw. gerappt von unseren Kindern: “Ey Beckham, guck mal so geht kick and rush”.
Und mal ehrlich, mir gefällt der sprachlich höchst anspruchsvolle Blumentopf-Sprechgesang auch, obwohl ich mit den Rolling Stones sozialisiert wurde und vor Urzeiten, sprich 1976, im Neckarstadion Honky Tonk Women mitgegrölt habe.
Bringe ich also neulich unseren Sohn zum Kingergarten und singe auf dem Weg in seinen Gruppenraum so eine RAPortage vor mich hin, und raten Sie mal, was ich mir anhören musste? „Papa, das ist peinlich“, klärt mich mein Sohn auf und verbittet sich einen rappenden Papa. Dabei hat sich die Werbung längst auch diesen Musikstil gekrallt und spielt damit, mal mehr, mal weniger gut.
Gerade habe ich diesen gut gemachten Spot für den Toyota Siena entdeckt. Zielgruppe: Minivan fahrende Ehepaare mit Kindern, denen klar ist, dass die Zeit von Sex and Drugs and Rock’n'Roll endgültig vorbei ist und die damit cool umgehen können. Das ist Werbung mit Humor und Selbstironie. Schauen Sie mal:
Gerade eben bekomme ich den Newsletter der auf Medienrecht spezialisierten Stuttgarter Kanzlei Axel Rühl auf den Schirm. Darin lese ich, dass der Bundesgerichtshof (BGH) einen humorvollen Werbevergleich in einem äußerst witzigen Werbespot der taz durchgehen lässt. Der Spot, so schreibt Axel Rühl mit Verweis auf das BGH-Urteil sei von der Meinungsfreiheit gedeckt, da er keine unzulässige Herabwürdigung des Boulevardblattes enhalte (BGH, Urteil v. 1.10.2009, I ZR 134/07). Damit wurde ein Urteil des OLG Hamburg aufgehoben.
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Ist doch interessant, dass in Deutschland sogar der Humor letztinstanzlich genehmigt werden muss. Und da wundern wir uns immer, dass unsere Nachbarn uns ein gerüttelt Maß an Humorlosigkeit zuschreiben. Wir von Kraas & Lachmann jedenfalls arbeiten jedenfalls gerne mit intelligentem Humor, wenn es zum Produkt und zum Unternehmen passt – und wenn der Kunde Mut dazu aufbringt.
Noch ein Nachschlag zum Thema Bild. Der lesenswerte BildBlog hat auch einen sehr humorvollen Werbespot in eigener Sache produziert. Schauen Sie mal:
Vor ein paar Tagen habe ich hier noch meine schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich eines wahrscheinlich extrem langweiligen Wahlkampfes zum Ausdruck gebracht. Und jetzt das:
Endlich kommt Humor auf. Quelle: Stern online
Im Stern online sehe ich das Plakat der CDU-Politikerin Vera Lengsfeld aus Berlin. Chapeau Frau Lengsfeld. Ich gratuliere Ihnen zu Mut, Humor und Gelassenheit inmitten unserer bisweilen hysterisch-gender-gemainstreamten Gesellschaft, der die political correctness zum Teil schon zu den Ohren rauskommt. Peinlich finde ich den Kommentar des sog. Kommunikationsforschers Michael Scharkow in der taz, der da labert, die CDU sollte “staatstragender” wahlkämpfen und meint, die Wähler (in unserer Branche würde man von Zielgruppe sprechen) würden diese Art von Selbstironie nicht goutieren.
Ein Argument, das ich leider auch manchmal von Kommunikationsverantwortlichen in der Industrie höre. Da heißt es dann gerne auch mal, die Zielgruppe (z. B. Techniker und Ingenieure) verstehe das nicht und denke Tag und Nacht nur an Zahlen und Fakten. Leider falsch. Denn auch Ingenieure und Techniker haben ein Herz und Humor und fühlen sich von guter Werbung mit Humor und Augenzwinkern angesprochen.
Was meinen Sie?
1. Darf eine Politikerin so für sich werben?
2. Haben Ingenieure und Techniker Herz und Humor?
Ich freue mich auf Ihren Kommentar hier im Blog.
Vom Glück ist viel die Rede in letzter Zeit, fast so viel wie von der Mitte, die jetzt wieder – bis auf wenige Ausnahmen – alle Parteien für sich beanspruchen. „Wo wir sind, ist die Mitte!“, hat Frau Merkel auf dem letzten oder vorletzten Parteitag verkündet, wie schon Schröder ein paar Jahre zuvor, usw. usw.usw.
Wir sind Mitte. Quelle: NDR
Und der Mittelstand, wo bleibt der eigentlich? Wer kümmert sich um die unverschuldet in existenzielle Nöte geratenen mittelständischen Unternehmer, während in der causa Opel die Delegationen, Händler und Unterhändler zwischen Detroit, Rüsselsheim und Berlin hin und her fliegen, dass selbst Genscher auf die Bonusmeilen neidisch geworden wäre.
BIP vs. Glücksinlandsprodukt
Zurück zum Glück. Sarkozy, der ewig Umtriebige (oder Getriebene, und von wem eigentlich?) hat letztes Jahr eine hochkarätige Ökonomenkommission (inkl. Nobelpreisträger) ins Leben gerufen, die neben dem Bruttoinlandsprodukt, dem BIP, eine Messmethode entwickeln soll, die das Glück der Bevölkerung erfasst und bewertet. Eine Art GIP vielleicht, das Glückinlandsprodukt. Es gibt ja schon eine Art globalen Glücksindex, auf dem, wen wundert es, wir Deutschen relativ weit hinten landen. Vor drei Jahren noch waren wir die Weltmeister der Herzen. Sind wir jetzt auf dem Weg zur Weltmeisterschaft der Unzufriedenen? Hoffentlich nicht.
Glück und Glosse
Schließlich zeigt sich das Glück sehr oft ziemlich unverhofft. Und meistens wird uns erst hinterher bewusst, dass das gerade ein glücklicher Moment war. Ich hatte gerade einen solchen mit einer großartigen (unbedingt lesen!) Glosse aus der SZ über Karl-Theodor zu Guttenberg, dem Mann, dem man gerne abnehmen möchte, dass er sich um den Mittelstand kümmert (siehe oben), und der Platon im Original liest, und dabei womöglich glücklich ist.
Werberglück
Happiness is a cigar called Hamlet, so lautete der Slogan einer legendären Kampagne für Zigarren und Zigarillos der Marke Hamlet. Eine Kampagne, die so unterhaltsam und wohl auch erfolgreich war, dass Sie fast dreißig Jahre in Großbritannien lief. Das ist echtes Werberglück, würde ich sagen. Wo ist eigentlich der Humor, das Hintersinnige in der Werbung abgeblieben? So wie hier zum Beispiel:
Der Krise mit Humor begegnet: HAAS-Anzeige
Noch mehr Glücksmomente
Auf der Website www.1000awesomethings.com finden Sie eine recht unterhaltsame Liste mit zahlreichen Beispielen, was Menschen so als glücklichen oder zufriedenen Moment empfinden.
„Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise”, so lautet – interessanterweise – ein Sprichwort aus Großbritannien. Und von dort kommt ja bekanntlich die „Atheistenkampagne“. Der Atheistenbus bewegt ja zur Zeit nicht nur die Tübinger Gemüter, und das zumeist mit einer typisch deutschen, also leicht verbissenen Ernsthaftigkeit – und zwar auf allen Seiten! Mir scheint, die Engländer gehen da mit etwas mehr und typisch britischem Humor zur Sache. Das würde uns auch mal gut anstehen. Und dann darf man ja auch mal über zwei Dinge ganz locker nachdenken. Erstens: Ist es nicht interessant, dass die Atheistenkampagne gerade dort ins Leben gerufen wurde, wo noch vor kurzer Zeit (und jetzt wohl schon wieder) der ungezügelte “Anything-goes-Raubtier-Kapitalismus” regierte, nämlich in der Londoner City? Dort, wo es in Sachen Kohle, Konsum und Kommerz kein Halten, keine Maßstäbe und keine Werte mehr zu geben schien, und Geschäftsessen unter Bankern schon mal mit mehreren tausend Pfund zu Buche geschlagen haben. Anything goes eben. Und zweitens hat der Philosoph Robert Spaemann in seinem Buch „Das unsterbliche Gerücht“ sinngemäß geschrieben, dass die Atheisten dringend auf Gott angewiesen sind, denn sonst gäbe es ja nichts, woran sie nicht glauben könnten. Auch ein interessanter Gedanke. Wie auch immer: Bitten wir also um Gelassenheit und Humor – wen auch immer.
Ergänzung vom 31. Juli 2009 Karl Poralla, von mir sehr geschätzter Künstler und emeritierter Professor der Mikrobiologie, hat mir vor ein paar Tagen ein Blatt mit einem Gadamer-Zitat („Horizonte berühren sich, Standpunkte nie.”) gemailt, das zu diesem Beitrag sehr gut passt.
In einem meiner letzten Einträge habe ich darüber amüsiert, dass schon jetzt die Neujahrskarten für 2010 ausliegen. Nach meiner mittäglichen Zeitungslektüre frage ich mich, ob wir nicht 2010 überspringen sollen (haben Sie einen Skip-Next-Year-Button in Ihrer Tastatur?), denn die Süddeutsche schreibt, der aktuelle Absturz sei steiler als 1929. Der Autor Ulrich Schäfer stützt sich dabei auf Aussagen zweier namhafter Ökonomen, die 1929 und die gegenwärtige Krise vergleichen. Es ist erschreckend und aufschlussreich zugleich. Erschreckend ist aber auch, wie viele Gutachten, Stimmungsbarometer und dergleichen Zeugs kursieren. IFO hoch, DOW runter, Prognosen hoch, Prognosen runter, Konsum stabil. Vielleicht sollte man’s doch mal mit einer Glaskugel probieren, wie die legendäre Witwe Schlotterbeck im Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler. Aber wir bleiben dabei, mit einer Schockstarre ist niemandem gedient und Humor hilft mit Sicherheit auch in einer solchen Situation. Was allerdings gar nicht hilft, sind Topmanager, die ihren Laden sehenden Auges an die Wand fahren, dabei noch verdienen und später konstatieren, sie hätten alles, aber auch alles richtig gemacht. Was sagen Sie dazu?