Mit ‘Anzeige’ getaggte Artikel

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Donnerstag, 15. Oktober 2009

„Ideen zu haben ist himmlisch, sie auszuarbeiten die Hölle.“ Dieses Zitat wird dem belgischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Maurice Maeterlinck (1862–1949) zugeschrieben.

Ein netter Ausspruch, der gerne auch mal von uns sogenannten Kreativen bemüht wird. Besonders dann, wenn ein Gegenüber mal wieder der Meinung ist, die Agentur solle einfach nur mal schnell eine „pfiffige“ Idee liefern, umsetzen könne man es ja dann alleine, dazu brauche man die Agentur nicht. Wozu auch? „Wissen Sie, das machen wir inhouse, auf dem kleinen Dienstweg, quick and dirty.“ Und überhaupt, der Bruder der Chefin, ja der hätte ein richtig gutes Händchen fürs Fotografieren, und für Betriebsfeiern schreibe er auch immer so launige Gedichte.

Starke Sache? Quelle: Form+Werkzeug 5/09

Aber nein, das ist kein Witz, sondern oft erlebte Realität. Die Ergebnisse solcher „In-house-Aktionen“ sind allerdings manchmal sehr witzig. Wie man an der o.g. Anzeige der Firma bedra sehr schön sehen kann. Vom Oberarm bis hin zur Tätowierung, hier signalisiert alles provinzielle Mittelmäßigkeit. Von Leidenschaft keine Spur, wie uns die Headline suggeriert. Mal ganz abgesehen davon, dass weder eine Internet- noch eine Postadresse dem potenziellen Kunden die Kontaktaufnahme ermöglichen. Wie man sieht, ist es durchaus möglich, jede gute Idee mit einer schlechten Umsetzung in den Marketingabgrund zu stoßen.

Die gleiche Idee, aber etwas anders und zeitlich lange vorher umgesetzt in einer Anzeigenkampagne für die Walter AG, einer der führenden Hersteller von Präzisionswerkzeugen zur Metallbearbeitung.

Anspruchsvolles Produkt, anspruchsvolle Umsetzung.

Anspruchsvolles Produkt, anspruchsvolle Umsetzung.

Geheim, geheim, nicht geheim

Freitag, 14. August 2009

„Geheim!“,
sagt unsere neunjährige Tochter Emma verschmitzt, wenn wir wissen wollen, wer denn gerade zu ihren engsten Freundinnen zählt.

„Kryptos”, Skulptur auf dem CIA-Gelände (Quelle: SZ; Foto: oH)

„Kryptos”, Skulptur auf dem CIA-Gelände (Quelle: SZ; Foto: oH)

Geheim
ist auch die Botschaft, die der amerikanische Künstler James Sanborn als verschlüsselten Text vor 20 Jahren in seine Skulptur „Kryptos“ auf dem Gelände des CIA-Hauptquartiers eingearbeitet hat. So geheim, dass die besten Verschlüsselungsexperten des CIA die Botschaft bis heute nicht entschlüsseln konnten, wie die Süddeutsche in einem lesenswerten Artikel vom 21.7.2009 schreibt.

Verschlüsselte Botschaft? Anzeige in Fachzeitschrift.

Verschlüsselte Botschaft? Anzeige in Fachzeitschrift.

Geheim
scheint mir auch die Botschaft dieser Anzeige zu sein, die ich vor ein paar Tagen in einer Fachzeitschrift für Metallbearbeitung gesehen habe. Lieblich gezeichnete Löwen träumen von Stahlbauteilen, während sich die Löwin an ihren Partner anlehnt. Gibt es da draußen jemanden, der mir die Botschaft dieser Anzeige entschlüsseln kann?

Nicht geheim
ist, dass unser Büro ab morgen zwei Wochen geschlossen bleibt. Am Montag, den 31.8.2009 sind wir wieder im Einsatz.

Gar nicht geheim
sind unsere Lese-, Hör- und Sehtipps, die wir heute für Sie haben:
Alan Stockbridge empfiehlt einen Klassiker von Kurt Vonnegut. „Galapagos“ heißt der satirische Roman, der in dieser krisengebeutelten Zeit sicher gut tut.
Maria Lehmann schickt uns ins Kino, wo es „Coco Chanel“ zu sehen gibt, den neuen Film mit Audrey Tautou, die wie Coco Chanel in der Auvergne aufwuchs.
Jörn Elfert rät, sich den französischen Episodenfilm „So sind die Tage und der Mond“ anzuschauen.
Corinna Kern empfiehlt „Marie des Brebis“ von Christian Signol. Erzählt wird das Leben einer Schafhirtin im frühen 20. Jahrhundert, das einem in mehrfacher Hinsicht die Augen für das eigene Leben öffnet.
Mein Tipp lautet: „Odyssee“ von Homer; und zwar in der Erstausgabe im Original zu lesen. Schließlich entspannt unser Wirtschaftsminister vom Studium der ewigen Opel-Konzepte auch bei Platon im Original. Aber, Spaß bei Seite: Homer ja, aber als Hörbuch, gelesen vom einmalig guten Christian Brückner (Sie wissen schon, die deutsche Stimme von Robert de Niro) auf 13 CDs. Ein Genuss!

Politische Korrektheit und ihre lächerlichen Auswüchse

Mittwoch, 15. Juli 2009

Seit gut einem halten Jahr läuft für unseren Kunden Zeutschel eine neue Anzeigenkampagne in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Darin werden Menschen in Bibliotheken gezeigt, und diese Menschen tun Dinge, die in jeder Bibliothek eigentlich tabu sind. Ein Hingucker mit Humor und Augenzwinkern. Nun ereilt uns die Nachricht, dass ein Motiv unserer Kampagne, auf dem ein junger Mann mit nacktem Oberkörper zu sehen ist, in den Vereinigten Staaten nicht gezeigt werden darf. Warum, weiß kein Mensch so genau. Ist es anstößig? Sexistisch? Politisch nicht korrekt? Sei’s drum. Ich finde es lächerlich. Vor allem wenn man sich vor Augen hält, wie groß die Unterschiede zwischen daher geschwätzter „political correctness“ und der gelebten Realität sind. Man lese nur Obamas Buch „Dreams from my father“.
Aber jetzt kommt’s noch schlimmer, und zwar aus Frankreich; Sie wissen schon: Liberté toujours und so. Dort läuft in Paris in der Cinémathèque Française eine Ausstellung über Jacques Tati. Auf dem Original-Ausstellungsplakat ist ebendieser Tati auf seinem Velosolex mit obligatorischer Pfeife im Mund zu sehen. Den Pariser Verkehrsbetrieben war dies zu gewagt. Zumal es ein Gesetz gibt, das Werbung für Tabakprodukte untersagt. Also hat man dem armen M. Hulot flugs ein lächerliches Windrädchen auf die Pfeife gesetzt. C’est ridicule, non?

Links Originalfoto, rechts zensierte Fassung. Quelle: Nouvel Observateur.

Links vor, rechts nach der Zensur. Quelle: Nouvel Obs.

In den USA gestoppt, Zeutschel Anzeigenmotiv

In den USA gestoppt, Zeutschel Anzeigenmotiv