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Freitagsfoto: „Wer jetzt kein Haus hat…“

Schnecken sind mit ihrem Haus fest verwachsen, sie können es nicht verlassen; leere Schneckenhäuser stammen daher von toten Gastropoden.

Schnecken sind mit ihrem Haus fest verwachsen, sie können es nicht verlassen; leere Schneckenhäuser stammen daher von toten Gastropoden.

Buchkultur vom Feinsten
Es ist nicht das erste Mal, dass wir der Schnecke hier im Blog Tribut zollen. Denn: „In unserer von zielloser Hektik und rastloser Geschäftigkeit geprägten Moderne hat die Schnecke mit ihrer ruhigen Beharrlichkeit gar das Zeug zum Sehnsuchtstier“, so schreibt der Berliner Verlag Matthes & Seitz auf seiner Homepage. Dort ist in der schönen Reihe Naturkunden das Buch „Schnecken“ von Florian Werner erschienen. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, empfehle es aber trotzdem, weil man diese sehr schön ausgestattete, von Judith Schalansky herausgegebene Naturkunden-Reihe eigentlich blind kaufen kann. Mich hat noch kein Buch aus der Reihe enttäuscht.

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Freitagsfoto: Too perfect

Gesehen in der Staudengärnterei Zeppelin in Sulzburg im Markgräflerland

Gott, was muss heute nicht alles perfekt sind oder wird uns als perfekt angepriesen: Autos (keine Diesel!), Mobiltelefone, Frisuren, Waschbrettbäuche, Eltern, Kinder, Werkzeugmaschinen, Wendeschneidplatten, VHM-Fräser, einfach alles.

Dieser Perfektionismus entspräche der deutschen Grundeinstellung, dem Ingenieursdenken, las ich vor ein paar Tagen in der Süddeutschen in dem Beitrag „Irren ist Chefsache“. Ulrich Schäfer vergleicht darin die krankhafte Null-Fehler-Kultur in weiten Teilen der deutschen Industrie mit der eher gegenteiligen Einstellung erfolgreicher Unternehmen im Silicon Valley. Mit Schadenstischen wie bei VW werden wir jedenfalls, so Schäfers Fazit, nicht weiter kommen. Eher mit einer von den Chefs vorgelebten Fehlerkultur. Den Artikel gibt’s hier online. Lohnt sich..

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Freitagsfoto: Schöne Ferien, aber wie?

Anleitung zum Nichtstun: Bitte 60 Sekunden dieses Foto betrachten.

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Minenfeld Ferien
Familienurlaube, zumal die großen Ferien, bergen jede Menge Sprengstoff. Die Kinder wollen ans Meer, am liebsten All Inclusive mit Pool, Sonnengarantie und WiFi, die Eltern zieht’s in die pittoresken Dörfer im Hinterland mit ihren romanischen Kirchen. Für den Hund ist Hitze, Sonne, Strand eine Zumutung, Stress pur. Und überhaupt: die Klassenkameraden machen viel coolere Urlaube und posten im Stundentakt unscharfe Fotos von Schwimmbädern, Abendbuffets und sonstigen austauschbaren Banalitäten.

Das Urlaubsziel verkommt wie so vieles zu einer Waffe, mit der Kinder und Eltern die eigene soziale Position gegenüber gesellschaftlichen Konkurrenten bestimmen oder die Gruppenzugehörigkeit verteidigen. Es gilt: je exotischer, desto prestigeträchtiger. „Wie, Ihr wart an Ostern in New York? Das machen wir immer über Allerheiligen; an Ostern waren wir in Myanmar, Trecking, und anschließend 7 Tage Bali zum Chillen.“ Man hakt die Länder in Google Maps ab, wie der Fitnesstracker die Trainingseinheiten.

„Unsere Existenzform ist die Rasanz
Roger Willemsen schreibt diesen Satz in seinem letzten Buch „Wer wir waren“. Willemsen, geboren 1955, gestorben 2016, hatte eigentlich ein größeres Werk geplant und in Arbeit. Ein Buch, das unsere heutige sich immer weiter beschleunigende Gegenwart aus der Zukunftsperspektive betrachtet. Seine Krebserkrankung hat dieses Projekt unmöglich gemacht. „Wer wir waren“ ist ein Fragment, basierend auf einer Rede, die Willemsem vor seiner Erkrankung gehalten hat. Dieses schmale Buch — eine lohnende Urlaubslektüre! — ist eine melancholische, dichte Gesellschaftskritik. Willemsen analysiert den Zustand unserer Gesellschaft glasklar und plädiert mit Leidenschaft für eine „Abspaltung aus der Rasanz der Zeit“.

Info zum Buch: Roger Willemsem: Wer wir waren. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, ISBN: 978-3-10-397285-6, 12 Euro.

Wären die Ferien nicht eine gute Möglichkeit, sich mal rauszunehmen aus diesem ständigen Getriebensein, dem Vergleichen, dem Abhaken von Events? Pause von der Rasanz! Einfach mal nichts tun. Klar fällt das schwer, aber man kann es ja mal versuchen.

So, und jetzt: Schöne Ferien!

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Freitagsfoto: Eisenwaren

Was sie wohl zusammengehalten hat, und wo ist die Mutter?

Was sie wohl zusammengehalten hat, und wo ist die Mutter?

Zuerst war sie locker, jetzt fehlt sie ganz, eine der vier Schrauben, mit der die Mulde auf dem Gestell meines Schubkarrens befestigt ist. Noch vor wenigen Wochen hätte die Ersatzbeschaffung einer einzelnen Schraube kein Problem dargestellt. Ich hätte eine der restlichen Schrauben im Eisenwarengeschäft vorgelegt und innerhalb von zwei Minuten eine einzelne, passende Schraube nebst Mutter in einem kleinen Papiertütchen überreicht bekommen. Bero hieß dieser Laden in der Tübinger Innenstadt, der seit ewigen Zeiten existierte und dessen Türen jetzt für immer geschlossen sind. Bedauerlich! Jetzt gibt es nur noch zwei Baumärkte in der Stadt. In einem davon wird mir suggeriert, ich müsse das Reindrehen einer Schraube zu meinem Projekt machen. Ich finde, Eisenwarenfachgeschäfte gehören sofort auf die Rote Liste und das Wort „Eisenwaren“ hat das Zeug zum Wort des Jahres.

Eisenwaren in der Unterstadt
Ich erinnere mich noch gut an die beiden Eisenwarenläden in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Es gibt dort in Hechingen eine Unter- und eine Oberstadt. Beim Eisenwarenhändler in der Oberstadt trugen die Männer im Verkauf Hemd, ja manchmal sogar Krawatte unterm grauen Kittel. Herr Wild, der freundlich-strenge Besitzer des Eisenwarengeschäfts in der Unterstadt, wo man mich als Kind hingeschickt hat, trug nie Krawatte unter seinem graunen Arbeitskittel, dafür kurze Hosen, wenn’s heiß war und immer einen Bleistift hinterm Ohr.

Schöner kann man über Schrauben nicht schreiben
Den schönsten, technisch höchst interessanten Text zum Thema „Schraube“ hat der großartige, vor einigen Monaten viel zu früh verstorbene Christopher Schmidt vor Jahren in der Süddeutschen Zeitung geschrieben. „Kopf hoch! Ein Lob an die Schraube“, lautet der Titel und ich empfehle Euch/Ihnen diesen Aufsatz allerwärmstens. Es lohnt sich! Die SZ hat den Artikel freundlicherweise hier online gestellt.

Ich wünsche gute Unterhaltung und ein schönes Wochenende!

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Photo Friday: Haiku with Britten

Fisher on the shingle beach in Aldeburgh, Suffolk feeding the gulls with the remains of the day

Fisher on the shingle beach in Aldeburgh, Suffolk feeding the gulls with the remains of the day

gulls squawk
shingles hush
concert for Britten

for Alan and Jack

The English composer, conductor and pianist Benjamin Britten (1913 – 1976) was born in Lowestoft, Suffolk and lived for more than 20 years in Aldeburgh, 56 miles south on the coast. Britten was a co-founder of The Aldeburgh Festival of Music and the Arts. When things got to busy for Britten in Aldeburgh he fled to compose in his little cottage in Horham, 25 miles inland. East Anglia was a very important source of inspiration for Britten.

„Suffolk, with its rolling, intimate countryside; its heavenly Gothic churches, big and small; its marshes, with those wild sea-birds; its grand ports and its little fishing villages. I am firmly rooted in this glorious county,” said Britten in 1951. (Source BBC)