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Fallen

Sir, es war Zeit für einen schönen Sommer.
Setzen Sie einen Schatten auf
Sie können loszuwerden, die Wind und Gras.

Nachfrage für ganze Früchte;
Zwei Tage in den Süden
Anreize und darüber hinaus
Schwere Süße des Weines.

Jetzt sind die Menschen nicht tun, ist dies nicht das Haus.
Wer jetzt so lange allein gelassen,
Es lesen, schreiben, betrachten, langen Brief,
Fahrbahn wieder umherziehend weht,
hinterlässt keine Rückstände.

Auch Kunst: die blaue Hortensie in poartistischer Verfremdung

Herr, es ist Zeit – für was Neues
Heute ist Herbstanfang und damit eigentlich Zeit, das übliche Rilke-Gedicht zu posten. Herr, es ist Zeit, wer jetzt kein Haus hat… Sie wissen schon. So ergreifend und passend die Verse des großen deutschen Lyrikers sind, so überstrapaziert sind sie angesichts tausend­facher Verwendung in Blogs und auf romanti­schen Postkarten rund um die Welt.

Rilke reloaded
Was passiert eigentlich, so fragten wir uns, wenn man den alten Rilke quer durch die neuen Medien jagt und ihn dabei bewusst verfremden lässt? Und wer, so fuhren wir fort uns zu fragen, wäre für Verfremdung besser geeignet als der so selbstbewusst auftretende Google-Übersetzer, der so viele Sprachen zu beherrschen vorgibt, und doch Übersetzungen fabriziert, die keine Ähnlichkeit mehr mit dem Original haben? Man kennt das Ergebnis aus Bedienungsanleitungen vorwiegend asiatischer Produk­te im Stile von: „Slippel A kaum abbiegen und verklappen in Gegenstippel B fuer Illumination von GWK 9091“ (Aus der Gebrauchsanweisung für eine japanische Weihnachtskerze).

Was man nicht versteht, ist Kunst
Diese wunderbar sinnlose Eigenschaft des Google-Translators haben wir genutzt, um Rilkes Herbsttag kreuz und quer durch alle Sprachen zu schicken. Irgendwo auf dem Weg muss der Sinn verloren gegangen sein, denn als wir unser Werk wieder ins Deutsche transformierten, war nur noch fragmentarisch das Thema des Gedichtes zu erahnen. Herausge­kommen ist ein wundervoll dadaistisches Werk, das in kunstvollen Syntaxverdrehungen den Sinn der modernen Welt in Frage stellt und schlussendlich nicht vor subtiler Konsumkritik zurückschreckt. Kunst eben.

Viel Vergnügen mit dem neuen Herbsttag und eine schöne goldene Jahreszeit wünscht der Reklamekasper.

Ach ja, wenn hier jemand poetisch kommentieren möchte (Endreim, Stabreim, freier Vers, Haiku, wie auch immer) nur zu! Wir sind gespannt!

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2 Kommentare

  1. Da fällt mir doch der gute alte Gogenwitz ein:
    Hier steh ich auf der Neckarbrück´und steck den Finger in den A….
    reimt sich nicht, aber es dichtet….

  2. Hallo Herr Kraas,
    das könnte der Druchbruch des Google-Übersetzers in Poetenkreisen werden. Immerhin, das Gedicht in dieser Version „hinterlässt keine Rückstände“ und ist somit zumindest ökologisch unbedenklich.

    Ich persönlich mag ja sehr gerne den „Septembermorgen“ von Mörike:
    Im Nebel ruhet noch die Welt,
    Noch träumen Wald und Wiesen:
    Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
    Den blauen Himmel unverstellt,
    Herbstkräftig die gedämpfte Welt
    Im warmen Golde fließen.

    Mit freundlichem Gruß
    Lutz Roloff

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