„The iPhone Economy“. Quelle: www.nyt.com Screenshot: Kraas & Lachmann
Die New York Times wirft einen Blick auf Amerikas stotternde Jobmaschine und stellt sich die Frage, warum die „iPhone-Jobs“ endgültig verloren sind. Der ganze Artikel wird multimedial durch einem gut gemachten vierminütigen Film ergänzt.
Nicht beantwortet wird die Frage, wer die Fangnetze produziert hat, die zwischen den Fabrikationsgebäuden des Apple-Zulieferers Foxconn aufgespannt wurden, um Todesstürze durch unzufriedene Arbeiter zu verhindern. Da bekommt der Begriff Netzwerk doch mal eine ganz andere Bedeutung.
POETRY heißt das wunderbare App. Es wurde von der altehrwürdigen Poetry Foundation Chicago liebevoll mit Gedichten bestückt, grafisch ansprechend gestaltet und gut programmiert.
Warum ich dieses App empfehle? Weil ein Gedicht in Zeiten, in denen es nur noch um Geld, Gold und Rettungsschirme zu gehen scheint, uns eine andere Sicht auf die Realität ermöglicht. Um nicht zu sagen, ein gutes Gedicht schaut die Seele der Dinge und öffnet Räume.
1. „Wenn es nicht für alle reicht, dann müssen eben die Armen ran.“ (Ernst Bloch) via perlentaucher.
2. ”But you know what’s really irresponsible? Hijacking the debate over a crisis to push for the same things you were advocating before the crisis, and letting the economy continue to bleed.“
Quelle: Paul Krugman: ”The Hijacked Crisis“.
Ich mache mir mittlerweile ernsthafte Sorgen um die Schirmindustrie. Die hat nämlich echte Konkurrenz bekommen. Was da so an großen und kleinen Rettungsschirmen ständig und überall aufgespannt wird, erstaunlich. Aber wer haftet eigentlich, wenn der Sturm so groß wird, dass der Schirm zerfetzt gen Himmel fliegt?
Infografik zur Eurozone. Screenshot. Quelle: FTD · http://www.ftd.de
Cover: Ein Regenschirm für diesen Tag. Wilhelm Genazino. Quelle: www.hanser.de
Aber jetzt noch kurz ein Buchtipp zum Thema. Über Wilhelm Genazinos Roman „Ein Regenschirm für diesen Tag“ schrieb die Kritikerin Andrea Köhler in der Neuen Zürcher u.a.: „Dieser Roman über ein friedlich scheiterndes «Ablenkungsleben» ist ein Buch für Leser, die «eine Trennung vom Leben wegen erwiesener Geringfügigkeit» nicht bloss andern empfehlen würden, Menschen, die zuweilen auch das Gefühl haben, dass ihr Leben ein lang gezogener Regentag ist und «ihr Körper der Regenschirm für diesen Tag.»“ (NZZ)
Jetzt, da es überall wieder brummen soll und Minister Brüderle ständig vom XXL-Aufschwung pfälzert (als ob er dafür verantwortlich wäre), ist es Zeit, vielleicht mal einen Moment innezuhalten.
Krisenwerbung? Quelle: http://antarcticiana.blogspot.com/2010/05/your-message-here.html. via Andrian Kreye.
Richard Arthur Fleming hat im Mai 2010 leere Plakatwände in Brooklyn fotografiert und in seinem Blog einen lesenswerten Essay dazu geschrieben: Plakatwände als stumme Mahner sozusagen.
Beim Stichwort Umweltschutz denken Sie an geplatzte Gelbe Säcke, fünf verschiedene Mülltrennbehältnisse in der Küche und den erhobenen Zeigefinger von Ihrem Abfallwirtschaftsamt? Dann sollten Sie sich unbedingt mal die Website von Annie Leonard “The Story of Stuff” und ihren Blog anschauen.
So unterhaltsam und graphisch anpruchsvoll hat meines Wissens noch kaum jemand Umweltthemen angepackt. Wichtige Botschaft exzellent verpackt, würde ich sagen. Hier zwei Beispiele zum Thema Elektronikmüll und Plastikmüll, den wir ja alle ständig produzieren:
Schmierige Kommunikation
Beyond petroleum. Mit diesem griffigen, zukunftsweisenden Slogan versuchte sich BP seit Jahren mit einer enorm teuren Kommunikationskampagne ein grünes Image zu verpassen. Greenwashing heißt das unter Marketing- und PR-Leuten. Dabei war das Umsatz-Geschäft mit erneuerbaren Energien für BP immer nur “peanuts”. Die grüne Kampagne, die das Ganze vermarkten sollte, ließ sich BP jedoch mehr als 150 Mio. US-Dollar kosten, so schätzen Experten. Sie erweist sich jetzt als reiner PR-Gag ohne Fundament. (siehe auch Deutschlandfunk) Kommunikation derart betrieben bringt nicht nur Industrieunternehmen, sondern auch unsere Kommunikationsbranche in Verruf.
Beyond Petrol. Greenwashing at its best. Quelle: http://www.onlinebp.de
Aber wahrscheinlich verdienen sich die Kommunikationsprofis der „Grünen Story“ jetzt mit der Krisen-PR von BP, nein keine ölige Nase, sondern eine goldene. Geschätzte 50 Mio. US-Dollar hat BP bis jetzt in PR-Maßnahmen (Anzeigen, TV etc.) rund um die kaum fassbare Katastrophe im Golf von Mexiko gesteckt. 10 Mio. haben bisher die Fischer und Kleinunternehmer bekommen, für deren Existenzgrundlage es bereits fünf nach zwölf ist.
Schmierentheater ohne Ende. BP im Golf. (Quelle: www.huffingtonpost.com)
Echt bleiben statt Schmierentheater
Mal ehrlich, die schöne grüne Kampagne von BP war doch blanker Schwachsinn, weil sie am Kerngeschäft des Öl-Multis komplett vorbeiging und jetzt als Bumerang voll zurückschlägt. Tolle Kommunikationsarbeit, oder?
Authentisch bleiben, Haltung zeigen und eine konsequente Linie beibehalten, statt lauwarmem Blabla. Gerne auf unterhaltsame, ironische Art und mit Augenzwinkern. Darauf kommt es für mich in der Unternehmenskommunikation an. Das bringt mich zum nächsten Beispiel und zu der Frage, was uns die Edelmarke Louis Vuitton mit dem wahnsinnigen Genie Maradona sagen will?
Öliger Typ
Pünktlich zur Fußball-WM hat die Luxusmarke Louis Vuitton eine neue Imagekampagne gestartet, die mir heute Morgen in der SZ auffiel. Wir sehen Pelé, Zidane und den Castro-Intimus Maradona am Tischkicker. Headline: „Drei außergewöhnliche Lebenswege. Ein legendäres Spiel.“
Die Hand Gottes. Quelle: www.horizont.net
Keine Frage, alle drei begnadete Kicker und außergewöhnliche Typen. Vor allem der ölige Maradona, der mit seiner Alkohol-, Drogen-, Fress- und Großmannssucht eine Herausforderung für jeden Therapeuten wäre. Selbst der Máximo Líder konnte ihn schließlich nicht nachhaltig auf den rechten Weg bringen. Der größte Gegner der Argentinier bei der WM sei der eigene Trainer, schreiben die Gazetten unisono. Ob Maradona als Vorbild taugt, daran darf gezweifelt werden. Ich hätte ihn für dieses Shooting nicht gecastet.
Wen hätten Sie als dritten Mann statt Maradona in der Anzeige aufgestellt?
Mal angenommen, Sie haben einen Termin beim Frisör, der schneidet und stylt, dass es eine Wonne ist, Sie sind richtig zufrieden und fühlen sich hinterher rundum wohl. Käme es Ihnen da in den Sinn, an der Kasse noch schnell einen Nachlass von sagen wir mal 10 % zu verlangen? Mit der Begründung, dass ein Haarschnitt in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, schließlich umgerechnet nur 2 Euro kostet, inklusive Nackenmassage, Ohren waschen und was weiß ich nicht alles. Absurd, oder? In der Industrie aber gar nicht so selten. Meist wird dort allerdings das Nachverhandeln bereits vereinbarter Preise mit dem Suchen nach Haaren in der Suppe gezielt vorbereitet.
Mir sparet, koscht es, was es wolle: Einkaufen auf Schwäbisch
Rückblick: Vor gut einem Jahr ging es der Automobilindustrie (und zwar nicht nur Opel) richtig bescheiden. Das Jammern war groß und zeigte Wirkung. Die Abwrackprämie, deren langfristige Wirkung noch nicht absehbar ist, wurde ins Leben gerufen, um einen Industriezweig zu stützen, der nicht nur immer wieder Autos komplett am Markt vorbei entwickelt, sondern sich auch durch ein Einkaufsverhalten auszeichnet, das mit dem Bild der ausgequetschen Zitrone wahrscheinlich nur unzureichend beschrieben ist. Interessant, wenn nicht sogar zynisch in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass ausgerechnet Dieter Zetsche letztes Jahr gefordert hat, die Politik müsse auch die Automobilzulieferer unterstützen, weil sonst die Hersteller in Schwierigkeiten kämen. Und das, nachdem man vorher z. B. die vielen kleinen mittelständischen Zulieferer bis auf die Knochen ausgezogen hat. Geht’s eigentlich noch?
Wolfgang Pittrich, Chefredakteur der fertigung, hat zum Thema Einkauf einen Branchenreport geschrieben und ein interessantes Interview mit Martin Fahrner von der ubf Unternehmensberatung aus Tübingen geführt. Fahrner vertritt unter anderem die These, dass die Automobilisten zunehmend in die technologische Defensive geraten, weil der Wertschöpfungsanteil von deren Zulieferern (2002 lag er bei ca. 65 Prozent) ständig steigt. Der Einkäufer steht also vor der Situation, dass er einerseits den Zulieferer und dessen großes technisches Know-how braucht, andererseits ihm aber zeigen will, wo der Barthel den Moscht holt. Da geht’s dann dem Einkäufer wie unserem fünfjährigen Sohn Henry, der einerseits mit mir schon gerne im Garten kicken will, andererseits aber bitte nur nach seinen Regeln. Keine einfache Situation. Den ganzen Artikel zum Thema Einkauf können Sie hier lesen oder runterladen: Branchenreport Einkauf (fertigung 3-4/2010)
Die Marke in Verkaufsverhandlungen
Was für globale Marken gilt, trifft auch für einen mittelständischen Hersteller von technischen Gütern zu. Marken erfüllen für den Verbraucher und den Einkäufer eine Reihe wichtiger Funktionen. Dazu zählt unter anderem die Differenzierungsfunktion, die die Marke vom Wettbewerb abhebt und als einzigartig positioniert. Erreicht wird diese Alleinstellung entweder über das Produkt selbst, oder, wenn es viele ähnliche Produkte gibt, über die Kommunikation.
Darüber hinaus können starke Marken helfen, bessere Preise zu erzielen, die Kunden stärker zu binden und den Absatz zu erhöhen. Mit einer starken Marke im Rücken tut sich der Verkäufer mit Sicherheit leichter in Verkaufsverhandlungen. Nicht umsonst investieren Unternehmen wie adidas oder Apple überdurchschnittlich viel im Bereich Marketing und Kommunikation.
Yes, we can: Obama hat seinen Wahlkampfslogan gut einkauft
Zahllose Unternehmen werben mittlerweile auf meist peinliche Art mit dem Slogan „Yes, we can“, der allgemein dem amerikanischen Präsidenten Barrack Obama bzw. dessen Wahlkampfteam zugeschrieben wird. Stimmt aber nicht. Der Slogan stammt, so stand es vor einer Weile in der Süddeutschen, von Keith Chapman, der damit der britischen BBC eine Menge Geld eingespielt hat. Keith Chapman ist der Schöpfer von Bob der Baumeister (auch das eine sehr starke Marke!), der zahlreiche Eltern wahrscheinlich noch im Schlaf verfolgt. „Yes, we can“, singen Bobs Freunde immer dann, wenn Bob sie fragt: „Can we fix it?“
Wie verkauft man eigentlich Ramsch?
Wo wir gerade beim Verkaufen sind. Wollen Sie mal sehen, wie Verkäufer aussehen, denen es gelungen ist, absolute Ramschprodukte für richtig gutes Geld zu verkaufen? Dann schauen Sie sich die Goldmann-Sachs-Anhörungen vor dem US-Kongress an. Da bleibt mir die Spucke weg. (Quelle: Andrian Kreye)