Es wäre aber auch zu schön gewesen für die Mächtigen in Berlin und Stuttgart. Trotz erheblicher Zweifel aller noch selbständig denkenden Bürger wäre es den Krisen-PR-Kommunikationsprofis in Berlin und Stuttgart beinahe gelungen, die Menschen glauben zu machen, dass dieses Atom-Moratorium einem wirklichen Umdenken und einer wirklichen Sorge der Politiker entsprungen sei. Scheibenkleister.
Der stets bis zur Peinlichkeit joviale Pfälzer Weinbauminister a.D. und jetzige Wirtschaftsminister o.P. Rainer Brüderle hat seinen verbalen Fallout nicht im Griff gehabt und sich verplappert. Wie die Süddeutsche berichtet, hat Brüderle am 14.3. vor sog. hochrangigen Industrie-Vertretern das Atom-Moratorium vor allem mit den anstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg begründet. Wir dürfen gespannt sein, wie die PR-Experten in Berlin und Stuttgart dieses krumme Ding wieder umzubiegen versuchen.
Empört Euch!
Drei Tage vor den Wahlen noch ein Literaturtipp: Empört Euch!, heißt die kleine Denkschrift von Stéphane Hessel, dem 93jährigen Résistancekämpfer, und diese 32 Seiten sind absolut lesenswert.
„Die Worte aus dem Munde des Weisen bringen ihm Gunst; aber des Toren Lippen verschlingen ihn selber.“
So steht’s im fünften Kapitel vom Prediger Salomo (Kohelet). Und genau diesen Eindruck hat man besonders bei den Toren der One-trick-Pony-Partei, die immerhin mal wirklich große Liberale wie Lord Ralf Dahrendorf zu den ihren zählen durfte. Heute setzt man dort auf Gorillas im Niebel.
Dank an Titanic für die geniale Bild-Wort-Kombination.
Einfach mal Fresse halten“, hat der Kabarettist Dieter Nuhr mal gesagt. Wäre das nicht ein guter Rat für all die, die ständig zu Allem was zu sagen haben, uns gerne mit Details aus ihrem Privatleben beehren und dann auf Einhaltung ihrer Privatsphäre pochen.
Mal angenommen, Sie haben einen Termin beim Frisör, der schneidet und stylt, dass es eine Wonne ist, Sie sind richtig zufrieden und fühlen sich hinterher rundum wohl. Käme es Ihnen da in den Sinn, an der Kasse noch schnell einen Nachlass von sagen wir mal 10 % zu verlangen? Mit der Begründung, dass ein Haarschnitt in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, schließlich umgerechnet nur 2 Euro kostet, inklusive Nackenmassage, Ohren waschen und was weiß ich nicht alles. Absurd, oder? In der Industrie aber gar nicht so selten. Meist wird dort allerdings das Nachverhandeln bereits vereinbarter Preise mit dem Suchen nach Haaren in der Suppe gezielt vorbereitet.
Mir sparet, koscht es, was es wolle: Einkaufen auf Schwäbisch
Rückblick: Vor gut einem Jahr ging es der Automobilindustrie (und zwar nicht nur Opel) richtig bescheiden. Das Jammern war groß und zeigte Wirkung. Die Abwrackprämie, deren langfristige Wirkung noch nicht absehbar ist, wurde ins Leben gerufen, um einen Industriezweig zu stützen, der nicht nur immer wieder Autos komplett am Markt vorbei entwickelt, sondern sich auch durch ein Einkaufsverhalten auszeichnet, das mit dem Bild der ausgequetschen Zitrone wahrscheinlich nur unzureichend beschrieben ist. Interessant, wenn nicht sogar zynisch in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass ausgerechnet Dieter Zetsche letztes Jahr gefordert hat, die Politik müsse auch die Automobilzulieferer unterstützen, weil sonst die Hersteller in Schwierigkeiten kämen. Und das, nachdem man vorher z. B. die vielen kleinen mittelständischen Zulieferer bis auf die Knochen ausgezogen hat. Geht’s eigentlich noch?
Wolfgang Pittrich, Chefredakteur der fertigung, hat zum Thema Einkauf einen Branchenreport geschrieben und ein interessantes Interview mit Martin Fahrner von der ubf Unternehmensberatung aus Tübingen geführt. Fahrner vertritt unter anderem die These, dass die Automobilisten zunehmend in die technologische Defensive geraten, weil der Wertschöpfungsanteil von deren Zulieferern (2002 lag er bei ca. 65 Prozent) ständig steigt. Der Einkäufer steht also vor der Situation, dass er einerseits den Zulieferer und dessen großes technisches Know-how braucht, andererseits ihm aber zeigen will, wo der Barthel den Moscht holt. Da geht’s dann dem Einkäufer wie unserem fünfjährigen Sohn Henry, der einerseits mit mir schon gerne im Garten kicken will, andererseits aber bitte nur nach seinen Regeln. Keine einfache Situation. Den ganzen Artikel zum Thema Einkauf können Sie hier lesen oder runterladen: Branchenreport Einkauf (fertigung 3-4/2010)
Die Marke in Verkaufsverhandlungen
Was für globale Marken gilt, trifft auch für einen mittelständischen Hersteller von technischen Gütern zu. Marken erfüllen für den Verbraucher und den Einkäufer eine Reihe wichtiger Funktionen. Dazu zählt unter anderem die Differenzierungsfunktion, die die Marke vom Wettbewerb abhebt und als einzigartig positioniert. Erreicht wird diese Alleinstellung entweder über das Produkt selbst, oder, wenn es viele ähnliche Produkte gibt, über die Kommunikation.
Darüber hinaus können starke Marken helfen, bessere Preise zu erzielen, die Kunden stärker zu binden und den Absatz zu erhöhen. Mit einer starken Marke im Rücken tut sich der Verkäufer mit Sicherheit leichter in Verkaufsverhandlungen. Nicht umsonst investieren Unternehmen wie adidas oder Apple überdurchschnittlich viel im Bereich Marketing und Kommunikation.
Yes, we can: Obama hat seinen Wahlkampfslogan gut einkauft
Zahllose Unternehmen werben mittlerweile auf meist peinliche Art mit dem Slogan „Yes, we can“, der allgemein dem amerikanischen Präsidenten Barrack Obama bzw. dessen Wahlkampfteam zugeschrieben wird. Stimmt aber nicht. Der Slogan stammt, so stand es vor einer Weile in der Süddeutschen, von Keith Chapman, der damit der britischen BBC eine Menge Geld eingespielt hat. Keith Chapman ist der Schöpfer von Bob der Baumeister (auch das eine sehr starke Marke!), der zahlreiche Eltern wahrscheinlich noch im Schlaf verfolgt. „Yes, we can“, singen Bobs Freunde immer dann, wenn Bob sie fragt: „Can we fix it?“
Wie verkauft man eigentlich Ramsch?
Wo wir gerade beim Verkaufen sind. Wollen Sie mal sehen, wie Verkäufer aussehen, denen es gelungen ist, absolute Ramschprodukte für richtig gutes Geld zu verkaufen? Dann schauen Sie sich die Goldmann-Sachs-Anhörungen vor dem US-Kongress an. Da bleibt mir die Spucke weg. (Quelle: Andrian Kreye)
Es ist Wahlkampf, oder sollten wir sagen: Wahlkrampf. Die Medienmaschinen laufen auf Hochtouren. Der Wahl-o-Mat steht bereit. Die Spindoctors spinnen ohne Ende. Die Tigerenten in Berlin machen sich für Koalitionsverhandlungen bereit; und ich überlege mir ernsthaft, ob man in den Wahlkabinen eine Quicktipp-Maschine aufstellen sollte. Diese Maschinen kennen alle Lottospieler, denen partout keine sechs Zahlen zwischen 1 und 49 einfallen; ja, auch das kann ein Problem sein. Einen Lichtblick habe ich aber heute für Sie. Die Grünen haben ein sehr schönes Remake eines alten Loriot-Klassikers aufgelegt. Dieser Spot ist wirklich sehenswert, ganz gleich in welche Richtung der Quicktipp geht. Viel Spaß dabei.
Das Pepsi-Logo nach dem Redesign 2008. Quelle: www.logomentor.com
„Köln kann’s besser“, so lautete der Wahlkampfslogan der Kölner SPD im gerade gelaufenen Kommunalwahlkampf. „Deutschland kann es besser“, so innovativ plakatiert die FDP im aktuellen Bundestagswahlkampf. „Keine Experimente“, lautete der Slogan der CDU im Wahlkampf 1957; ob die absolute Mehrheit von 50,2 % deshalb erreicht wurde? Ich weiß es nicht.
Aber ich habe den Verdacht, dass den Kommunikationsberatern der CDU bei der Kreation des Logos für ihre sog. Mitmachkampagne „teAM 2009“ der alte Adenauer-Slogan im Kopf rumgeschwirrt ist. Und deshalb hat man einfach das kürzlich überarbeitete Pepsi-Logo genommen und ein bisschen angepasst: Deutschland-Farben rein, Linienführung/Mundwinkel nach unten statt Pepsi-Lächelmund. Bin gespannt, ob es die Markenhüter bei Pepsi merken…
Vor ein paar Tagen habe ich hier noch meine schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich eines wahrscheinlich extrem langweiligen Wahlkampfes zum Ausdruck gebracht. Und jetzt das:
Endlich kommt Humor auf. Quelle: Stern online
Im Stern online sehe ich das Plakat der CDU-Politikerin Vera Lengsfeld aus Berlin. Chapeau Frau Lengsfeld. Ich gratuliere Ihnen zu Mut, Humor und Gelassenheit inmitten unserer bisweilen hysterisch-gender-gemainstreamten Gesellschaft, der die political correctness zum Teil schon zu den Ohren rauskommt. Peinlich finde ich den Kommentar des sog. Kommunikationsforschers Michael Scharkow in der taz, der da labert, die CDU sollte “staatstragender” wahlkämpfen und meint, die Wähler (in unserer Branche würde man von Zielgruppe sprechen) würden diese Art von Selbstironie nicht goutieren.
Ein Argument, das ich leider auch manchmal von Kommunikationsverantwortlichen in der Industrie höre. Da heißt es dann gerne auch mal, die Zielgruppe (z. B. Techniker und Ingenieure) verstehe das nicht und denke Tag und Nacht nur an Zahlen und Fakten. Leider falsch. Denn auch Ingenieure und Techniker haben ein Herz und Humor und fühlen sich von guter Werbung mit Humor und Augenzwinkern angesprochen.
Was meinen Sie?
1. Darf eine Politikerin so für sich werben?
2. Haben Ingenieure und Techniker Herz und Humor?
Ich freue mich auf Ihren Kommentar hier im Blog.
Steinmeier kann Mitte. Quelle: www.titanic-magazin.de
Das endgültige Satire-Magazin Titanic erfreut uns mit einem gelungenen Bild zum Thema Mitte. Ich habe die Befürchtung, dass es vom Wahlkampf um die Mitte zum mittelmäßigen Wahlkampf mittelmäßiger Politiker nur ein mittelgroßer Schritt ist. Wie sehen Sie das? Welche Wahlkampfaktionen halten Sie für besonders gelungen, welche für besonders mittelmäßig und öde? Ich freue mich auf Ihre Kommentare hier im Blog.
Vom Glück ist viel die Rede in letzter Zeit, fast so viel wie von der Mitte, die jetzt wieder – bis auf wenige Ausnahmen – alle Parteien für sich beanspruchen. „Wo wir sind, ist die Mitte!“, hat Frau Merkel auf dem letzten oder vorletzten Parteitag verkündet, wie schon Schröder ein paar Jahre zuvor, usw. usw.usw.
Wir sind Mitte. Quelle: NDR
Und der Mittelstand, wo bleibt der eigentlich? Wer kümmert sich um die unverschuldet in existenzielle Nöte geratenen mittelständischen Unternehmer, während in der causa Opel die Delegationen, Händler und Unterhändler zwischen Detroit, Rüsselsheim und Berlin hin und her fliegen, dass selbst Genscher auf die Bonusmeilen neidisch geworden wäre.
BIP vs. Glücksinlandsprodukt
Zurück zum Glück. Sarkozy, der ewig Umtriebige (oder Getriebene, und von wem eigentlich?) hat letztes Jahr eine hochkarätige Ökonomenkommission (inkl. Nobelpreisträger) ins Leben gerufen, die neben dem Bruttoinlandsprodukt, dem BIP, eine Messmethode entwickeln soll, die das Glück der Bevölkerung erfasst und bewertet. Eine Art GIP vielleicht, das Glückinlandsprodukt. Es gibt ja schon eine Art globalen Glücksindex, auf dem, wen wundert es, wir Deutschen relativ weit hinten landen. Vor drei Jahren noch waren wir die Weltmeister der Herzen. Sind wir jetzt auf dem Weg zur Weltmeisterschaft der Unzufriedenen? Hoffentlich nicht.
Glück und Glosse
Schließlich zeigt sich das Glück sehr oft ziemlich unverhofft. Und meistens wird uns erst hinterher bewusst, dass das gerade ein glücklicher Moment war. Ich hatte gerade einen solchen mit einer großartigen (unbedingt lesen!) Glosse aus der SZ über Karl-Theodor zu Guttenberg, dem Mann, dem man gerne abnehmen möchte, dass er sich um den Mittelstand kümmert (siehe oben), und der Platon im Original liest, und dabei womöglich glücklich ist.
Werberglück
Happiness is a cigar called Hamlet, so lautete der Slogan einer legendären Kampagne für Zigarren und Zigarillos der Marke Hamlet. Eine Kampagne, die so unterhaltsam und wohl auch erfolgreich war, dass Sie fast dreißig Jahre in Großbritannien lief. Das ist echtes Werberglück, würde ich sagen. Wo ist eigentlich der Humor, das Hintersinnige in der Werbung abgeblieben? So wie hier zum Beispiel:
Der Krise mit Humor begegnet: HAAS-Anzeige
Noch mehr Glücksmomente
Auf der Website www.1000awesomethings.com finden Sie eine recht unterhaltsame Liste mit zahlreichen Beispielen, was Menschen so als glücklichen oder zufriedenen Moment empfinden.
Ein Superwahljahr steht an, obwohl mir persönlich ein Super-Waljahr eigentlich lieber wäre. Sei’s drum. Die Parteien und deren bedauernswerte Kommunikationspartner (ja, ich weiß, was es heißt, vor zig Leuten zu präsentieren, von denen jeder meint pfiffig schreiben zu können, von denen jeder einen in der Familie hat, der klasse fotografieren kann (Digi und so…) und keiner das Entscheidungsheft in die Hand nehmen will) laufen sich warm. Die ersten Plakate hängen, die ersten Websites und Blogs sind online. So auch die tolle Mitmach-Website der FDP, die Mitmacharena. Kommt daher wie ein recycelte O2-Homepage, und da fehlt eigentlich nur noch der Kaiser, ja der, der auch Weißbier trinkt und mit dem großen Zeh am rechten Fuß Pässe über 600 Meter geschlagen hat, wie es einem die Altvorderen erzählen, damals in Mexiko 1970. Was soll das mit der Arena? Und warum heißen alle Fußballstadien heute Arena? Was meinen Sie dazu? Was halten Sie von Qualität der Wahlwerbung unserer Parteien?
Zum Thema Wahlwerbung noch eine interessante Ergänzung aus der Neuen Zürcher. Ist ja immer interessant zu wissen, wie der Nachbar einen so sieht.