Das MoTA zu Gast in der Galerie DRUCK & BUCH. Quelle: www.druckundbuch.de
Das Museum of Temporary Art zu Gast in Tübingen
Vergessen Sie mal das MoMa und die große gehypte Kunst. Gehen Sie ins MoTA, das Museum of Temporary Art, das vom 9. bis 30. Juli 2011 in der Galerie DRUCK & BUCH gastiert.
40 x 50 cm, 33 Abteilungen
Zu bestaunen sind in den 33 Abteilungen dieses 40 x 50 cm großen Museums die kleinen, häufig zur Bedeutungslosigkeit verdammten Dinge, die dem MoTA von Künstlern aus aller Welt überlassen wurden. Diesen Objekten gibt das MoTA seit 10 Jahren eine angemessene Plattform, die jetzt mit dem 1000sten Exponat geschlossen wird.
Eine Auswahl der Exponate ist in Susanne Padbergs Galerie in der Bachgasse 15 in Tübingen zu sehen. Die Vernissage ist am Samstag, dem 9.7.2011 um 12.00 Uhr.
Brown Paper Bag Box by Alice Bradshaw, UK. Screenshot: www.museum-of-temporary-art.com
Titel „Du Magazin“ Juni 2011. Quelle: http://www.du-magazin.com/
Wer hat Angst vor Ai Weiwei?
Das immer wieder lesenswerte, und auch grafisch sehr gut gemachte Schweizer Kulturmagazin Du widmet seine Juni-Ausgabe Ai Weiwei. Das Heft war bereits vor Ai Weiweis Verschwinden in Planung und bringt uns den Künstler und seine Arbeiten eindrucksvoll näher. Du gibt’s in jedem guten Kiosk oder hier. Interessant auch die 8 Punkte zur Beachtung von Mao Tse-Tung auf dem Magazin-Cover. Punkt 8 lautet: Misshandle nicht Gefangene.
Ich hatte hier im Blog ja schon verschiedentlich zum Thema Archive und Bibliotheken gepostet. Nun beschert uns der Perlentaucher einen lesenswerten Essay von Philipp Baar mit dem schönen Titel „Hätte Freud E-Mails geschrieben…“
Realität wird im Archiv entworfen
Ausgangspunkt von Baars Essay ist ein Buch von Jacques Derrida, in dem dieser sich Gedanken darüber macht, wie sich die Psychoanalyse entwickelt hätte, wenn Freud E-Mails geschrieben hätte. Philipp Baar zitiert Derrida u.a. mit dem Satz „Denn im Archiv wird die Realität nicht nur aufgezeichnet, sie wird dort entworfen.” Innerhalb des Essays finden sich auch einige Links zum Weiterlesen.
Illustration displaying the markings of various shells of ammunition, date and origin unknown. Quelle: www.forgottenbookmarks.com
Dieses Foto stammt aus dem Blog Forgotten Bookmarks. Der Blog wird von einem Antiquariat betrieben; gezeigt werden alle möglichen Dinge (z. B. Lesezeichen), die die Leute in Büchern vergessen. Auf dem Foto ist ein Deutsch-Englisch-Lexikon zu sehen, in dem jemand einen Zettel mit Abbildungen von Patronen vergessen hat.
„Je mehr wir ein ständig vernetztes Leben führen, umso mehr behandeln wir andere Menschen als Objekte, die man verwaltet und zu einem Rhythmus zwingt, den die Technik diktiert.“
(Sherry Turkle im Interview mit brand eins, April 2011)
Die amerikanische Professorin Sherry Turkle, 63, arbeitet seit 1978 am legendären MIT (Massachusetts Insitute of Technology). Ihr Spezialgebiet ist unsere computerisierte Gesellschaft und deren Veränderungen im Zuge der Digitalisierung. In der April-Ausgabe von brand eins hat Sherry Turkle ein Interview zum Thema Vernetzung gegeben, dass uns zu denken geben sollte.
Eine knackige Headline mit einem klaren Inhalt, darauf kommt es nicht nur in der Werbung an. Diese Botschaft, gewissermaßen Kunst am Bau (zu sehen ist die Tate Modern in London) gefällt mir besonders gut. Ein Interview mit Ai Weiwei gibt’s hier.
Die Tate Modern sagt, was Sache ist. Foto: tate modern april 7 2011 after an idea by artist jeremy deller
Kurt Weidemann 1922 – 2011. Foto: Felix von Pless, all rights reserved.
Kurt Weidemann, der große Gestalter und Typograph, ist letzten Mittwoch, am 30. März in Sélestat im Elsaß gestorben. Unsere Reklamewelt, um das mal etwas salopp zu formulieren, verliert damit nicht nur einen großen Schriftengestalter und Graphiker, sondern einen Menschen, der – nicht nur in graphischen Belangen – eine klare Haltung hatte und dazu den Mut, diese Haltung zu vertreten. Auf sein Konto gehen zahlreiche prägende Erscheinungsbilder, die die meisten von uns im Kopf haben: DB, Porsche, Zeiss, Shell um nur ein paar zu nennen.
„Mittelmaß engagiert Mittelmaß, züchtet Mittelmaß, versinkt im Mittelmaß.“ Von und über Kurt Weidemann gibt es viel Lesens- und Sehenswertes und viele gute Zitate wie dieses über das Mittelmaß, das uns ja alle quält, und vor dem wir alle nicht gefeit sind.
Wer beruflich mit Kommunikation zu tun hat, sei es auf Agenturseite oder auf Kundenseite, dem sei die Beschäftigung mit Kurt Weidemann auf jeden Fall geraten. Hier ein paar Lesetipps:
Zeittaucher. KREMENTSCHOUK300. Foto: Andrej Krementschouk. via www.scienceblogs.de
Zone – Heimat. Tschernobyl / Andrej Krementschouk
Was für ein trauriger Zufall. Der Scienceblog berichtet über eine Fotoausstellung, die das Leben nach 1986 in der Umgebung von Tschernobyl dokumentiert. Zu sehen sind die mehr als 100 Fotos des russischen Fotografen Andrej Krementschouk in den Mannheimer-Reiss-Engelhorn-Museen vom 20.03.2011 – 31.07.2011.
Mehr über die Ausstellung gibt’s im Scienceblog. Danke für den Tipp!
Heute ist Frühlingsanfang und, nicht zu vergessen, der Welttag der Poesie, der seit dem Jahr 2000 unter der Schirmherrschaft der Unesco steht. Die Literaturwerkstatt Berlin und deren höchst bemerkenswerte Internetplattform Lyrikline.org ist für die zentrale Veranstaltung in Deutschland verantwortlich. Das alles dient zur Förderung der Poesie. Ein Anliegen, das man nicht genügend unterstützen kann.
Also, Augen und Ohren auf für die Poesie und die poetischen Momente des Alltags. Damit zur Wettervorhersage, einem Gedicht von Michael Krüger. Zum Anhören einfach auf den Pfeil klicken.
WETTERVORHERSAGE
Irgendwann wird der Schnee
sich auflösen in der Schmelze
und zum Gießbach werden,
der die dunklen Flüsse aufhellt
auf ihrem bewachten Weg
zum Meer. Irgendwann
werden die Wolken hochgehen
und die Bühne freigeben
für die bittenden Augen.
Irgendwann werden wir wieder
im Freien sitzen
an den frisch gebeizten Tischen
und die Bücher lesen,
die im Winterschlaf lagen.
Also komm bitte bald,
denn so wie es aussieht,
wird es irgendwann wieder
schneien.
Kann ein sterbendes Eichhörnchen wichtiger sein, als ein sterbendes Kind in Afrika? Ja, sagt Mark Zuckerberg, der von seiner Idee beseelte Facebook-Chef. Wie wichtig etwas für Facebook-, Google- oder Amazon-Nutzer ist, das entscheiden die Filter-Algorithmen für uns, und zwar in Abhängigkeit von unserem Nutzerverhalten.
Keine Frage, dass die Welt für die Menschen, die sich fast nur über sog. soziale Netzwerke auf dem Laufenden halten, ziemlich beschränkt wird. Konrad Lischka hat auf Spiegel Online einen lesenswerten Artikel zu einer unguten Entwicklung geschrieben.
Meinungsvielfalt ist eine wunderbare, bisweilen ziemlich anstrengende Sache. Was aber, wenn ich gar keine anderen Meinungen mehr zugemutet bekomme, sondern nur noch Videos von zermatschten Eichhörnchen?
Logo von Wolff Olins für die Olympischen Spiele in London 2012. Quelle: www.creativereview.co.uk
Teheran is not amused
Wie der Guardian online berichtet, erwägt Iran einen Boykott der Olympischen Spiele 2012, weil das Logo der Spiele, so führende Designexperten und Verschwörungstheoretiker in Teheran, das Wort “Zion” darstelle. Der Begriff Zion steht für antisemitische Kräfte (nicht nur in der arabischen Welt) symbolisch für das sog. Weltjudentum. In der Heiligen Schrift der Juden gilt Zion seit dem Bau des ersten Jerusalemer Tempels als Wohnsitz des Gottes der Israeliten. (www.wikipedia.de)
Das Logo selbst wurde von der Design-Agentur Wolff Olins gestaltet. Also wirklich, man kann ja von diesem Logo halten was man will, aber das Wort Zion lese ich hier nicht. Das Wort 2012 allerdings auch nicht, und genau das soll im Logo gesehen werden.
Wie der Guardian übrigens anmerkt, hat Otl Aicher mit seiner Arbeit für die Spiele 1972 die graphische Messlatte extrem hoch gehängt. In London kann man gerade die Arbeiten Aichers bewundern.
Der Maßstab: Otl Aichers Arbeiten für die Olymischen Spiele 1972. Quelle: http://grainedit.com