Foto: Petterson / Save the Children. Quelle: www.betterplace.org
„Wo gibt es in Deutschland noch Gold“, lasen wir letzte Woche in der BILD. Deutschland ist im Goldrausch, Eurokrise sei Dank. Manch einer fühlt sich da schon wie Jack London am Klondike. Und während sich Deutschland auf die Suche nach den letzten Nuggets begibt, suchen die Menschen in Ostafrika verzweifelt nach Nahrung, um das tägliche Überleben zu sichern. Mehr als 10 Millionen Menschen sind akut bedroht.
Die Plattform betterplace.org sammelt online Spenden und gibt diese direkt, ohne Abzug, an Organisationen vor Ort weiter. Wir haben letztes Jahr hier im Blog schon mal über betterplace.org berichtet. Die Plattform betterplace.org wird von der gemeinnützigen gut.org gAG betrieben. Jeder Mensch hat dort die Möglichkeit, Hilfe für ein Projekt zu suchen, oder aber gezielt ein Projekt seiner Wahl zu fördern und den Fortgang des Projekts zu beobachten. Die Seite ist übrigens auch graphisch ansprechend gemacht.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Norbert Kraas
P.S. Für alle großen und kleinen Goldsucher empfehle ich, wenn’s mit dem Goldwaschen mal wieder nicht so richtig klappt, den Film Tony Goldwascher, ideal an verregneten Ferientagen.
Der Boston Globe bringt auf seiner Seite The Big Picture eine erschütternde Fotoserie über die gefährlichsten Orte der Welt für Frauen. Hier das Ranking:
1. Afghanistan
2. Kongo
3. Pakistan
4. Indien
5. Somalia
„Unsere Produkte sind uns so egal wie unsere Kunden, Hauptsache bei Google stehen wir ganz oben.“
Zugegeben, das klingt jetzt ein bisschen überspitzt, aber manchmal fällt mir sofort dieser Satz ein, wenn ich höre, wie enorm wichtig vielen Unternehmen die Google-Platzierung ist.
Diesen Google-Suchmaschinen-Hype machen sich jetzt auch Betrüger zu nutze, die ihren Kunden viel versprechen und wenig halten. Thorsten Riedl hat in der Süddeutschen dazu gestern einen lesenswerten Artikel geschrieben:
Ich mache mir mittlerweile ernsthafte Sorgen um die Schirmindustrie. Die hat nämlich echte Konkurrenz bekommen. Was da so an großen und kleinen Rettungsschirmen ständig und überall aufgespannt wird, erstaunlich. Aber wer haftet eigentlich, wenn der Sturm so groß wird, dass der Schirm zerfetzt gen Himmel fliegt?
Infografik zur Eurozone. Screenshot. Quelle: FTD · http://www.ftd.de
Cover: Ein Regenschirm für diesen Tag. Wilhelm Genazino. Quelle: www.hanser.de
Aber jetzt noch kurz ein Buchtipp zum Thema. Über Wilhelm Genazinos Roman „Ein Regenschirm für diesen Tag“ schrieb die Kritikerin Andrea Köhler in der Neuen Zürcher u.a.: „Dieser Roman über ein friedlich scheiterndes «Ablenkungsleben» ist ein Buch für Leser, die «eine Trennung vom Leben wegen erwiesener Geringfügigkeit» nicht bloss andern empfehlen würden, Menschen, die zuweilen auch das Gefühl haben, dass ihr Leben ein lang gezogener Regentag ist und «ihr Körper der Regenschirm für diesen Tag.»“ (NZZ)
Screenshot Action Man von Font Squirrel · www.fontsquirrel.com
Der DFB gehört zu den größten und reichsten Sportverbänden dieser Welt, da verrate ich Ihnen kein Geheimnis. Keine Kosten und Mühen werden für die männlichen Balltreter gescheut, wenn es um Hotels, Trainingslager, Klamotten etc. geht. Unser Bundes-Jogi hat neulich ein Retrotrikot in Auftrag gegeben – in Einzelanfertigung.
Action Man für Fußball-Frauen. Geht’s noch?
Bei den Fußballerinnen der Nationalmannschaft, die schon zig Mal Weltmeister wurden, herrscht da ein anderer Geist, angefangen bei der Rückenbeschriftung der Trikots. (Danke für den Tipp, Alex)
Statt einen guten Typographen an diese Aufgabe ran zu lassen, durfte wahrscheinlich der Sohn eines DFB-Oberen mal schnell eine Schrift am Computer raussuchen. Aussehen egal, Hauptsache umsonst. Action Man heißt die Freeware-Schrift, wie der Kollege von esse est percipi rausgefunden hat. Der Fontblog spricht völlig zu Recht von Schweinebauch-Design und stellt auf seiner Seite ein paar Alternativen zu diesem Typoschrott vor.
In Anlehnung an ein Zitat von Andy Möller („Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“) sagt sich der DFB: „Frutiger oder Freefont – Hauptsache Schrift!“
Mein Kollege Jörn schickt mir gerade diesen Link (Danke!). Spannung, Humor, Überraschung: alles drin, was gute Werbung ausmacht.
Warum gibt’s nicht mehr davon? Liegt’s an der Einfallslosigkeit der Agenturen? Liegt’s an der Mutlosigkeit der Auftraggeber? Wollen wir, die Konsumenten, mit immer dem gleichen Werbekäse ins Konsumdelirium gelangweilt werden?
Warum wird in Briefings gerne großspurig ein kreativer Big Bang gefordert und dann im Pitch ein lächerliches Mini Bängle ausgewählt? Kapiert das jemand?
Wissen Sie, was ich am Zeitunglesen so schätze? Nein, nicht das schöne große Format, denn das treibt einen bei der Lektüre im Bett zum Wahnsinn. Ich schätze es vielmehr, dass ich mit Dingen konfrontiert werde, von denen ich keine Ahnung hatte, Dinge, die mich überraschen und die mir, ja auch das gehört dazu, manchmal auf den Wecker gehen. So ist das halt mit Überraschungen.
Genau hier liegt das Problem der großen Suchmaschinen und sozialen Netzwerke, denn deren Algorithmen bieten uns, in Verbindung mit unserem Such- und Surfverhalten, immer weniger Überraschungen. Zu diesem Schluß kommt jedenfalls der amerikanische Autor Eli Pariser in seinem Buch „Filter-Bubble“, das Dirk von Gehlen gestern in einem sehr lesenswerten Artikel in der SZ besprochen hat.
Wenn zwei Menschen, so Eli Pariser, dasselbe Wort googeln, dann erhalten sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht dasselbe Suchergebnis, sondern je eines, das sich nach ihrem bisherigen Such- und Surfverhalten richtet, ausgewählt (oder sollte man besser zensiert sagen?) von den Filter-Algorithmen der gerade benutzten Suchmaschine. Die Folge: statt überraschender Ergebnisse von jenseits des Tellerrandes, gibt es den Einheitsbrei, dessen Grundgeschmack wir schon kennen. Wollen wir das?
Eli Pariser auf der TED-Konferenz zum Thema Filter-Bubble:
Victoria’s Secret ist eine, zumindest in den USA bekannte Wäschemarke. Bob Dylan ist ein, nicht nur in den USA bekannter Mundharmonikaspieler. Wie lange es dieses Dessouslabel schon gibt, weiß ich nicht. Aber Bob Dylan wird 70, und zwar am Dienstag, den 24. Mai. Grund genug, hier mal den Werbespot zu zeigen, den die Unterwäsche-Menschen mit dem Mundharmonikaspieler gemacht haben.
Geht’s Ihnen auch manchmal so, dass Sie am Samstag nicht mehr wissen, wo Sie Montag zuvor waren? Gut, wenn Sie dann ein iPhone besitzen – und das kleine kostenlose Programm iPhone Tracker, denn damit können Sie zumindest nachvollziehen, wo Ihr iPhone war.
Pete Warden und Alasdair Allan haben iPhone Tracker entwickelt. Das Programm zieht aus dem lokalen iTunes-Backup die gespeicherten Geodaten des iPhone mit Zeitmarkierung und visualisiert alles schön auf einer Karte. Bei einem möglichen Hackangriff auf Ihren Rechner sind die Daten dann offen für jeden einsehbar.
„Quick and dirty“ soll heute alles ablaufen. Auch in unserer Branche: einfach mal schnell einen Flyer, eine Anzeige, ein Plakat oder einen Text produzieren. Geht doch alles ratzfatz heute, ein Druck auf die Enter-Taste und ab geht die Druckmaschine, natürlich megagünstig bei Flyeralarm. Gründliche Recherche, intensives Einlesen, strategisches Nachdenken? Geschenkt, braucht kein Mensch! Oder etwa doch?
Wem bei „quick-and-dirty-Briefings“ die Alarmglocken schrillen, dem empfehle ich einen Dokumentarfilm über den Verleger, Drucker und Büchermacher Gerhard Steidl. Dieser Mann ist das genaue Gegenteil von „quick and dirty“, denn er legt Wert auf kompromisslose Qualität in allen Produktionsstufen.
Ein etwas älteres Interview mit Gerhard Steidl gibt’s hier online. Bei Steidl erscheinen übrigens sogar die Verlagsprospekte als Hardcover-Ausgaben mit Fadenheftung. Das nenne ich mal anspruchsvoll. Apropos anspruchsvoll: Wenn Sie noch ein schönes Ostergeschenk suchen und gute Fotografie schätzen, dann gönnen Sie sich den Bildband „The Americans“ von Robert Frank. Ein Klassiker!