Der See hat eine Haut bekommen,
so dass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein grosser Fisch geschwommen,
so stösst er mit der Nase an.
Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr…
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draussen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.
Heute ist der Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. Es wird viele Veranstaltungen geben, und Marcel Reich-Ranicki wird im Bundestag sprechen. Laut einer Umfrage des Magazins STERN bringen 21 Prozent der unter Dreißigjährigen in Deutschland den Namen Auschwitz nicht mit dem Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten in Verbindung. 31 Prozent der Deutschen wissen nicht, dass Auschwitz in Polen liegt. 43 Prozent der Deutschen haben noch nie eine KZ-Gedenkstätte besucht.
„Sketchbook from Auschwitz“ · Screenshot: Kraas & Lachmann.
Eine Möglichkeit, sich diesem anstrengenden Thema zu nähern, ist das Buch „The Sketchbook from Auschwitz“, über das der SPIEGEL in einem Artikel in der Online-Ausgabe berichtet. Das Museum Auschwitz veröffentlicht in diesem Buch erstmals Zeichnungen, die ein unbekannter KZ-Häftling vom alltäglichen Grauen angefertigt hat: von der Selektion an der Rampe bis zu den Krematorien. Kaufen kann man das Buch direkt beim Auschwitz Birkenau State Museum. Einige der erschütternden Zeichnungen kann man auf SPIEGEL online betrachten, hier der Link.
update: 27.1.2012, 14.00
Die Rede Marcel Reich-Ranickis im Bundestag am 27.1.2012
Auf dem Weg ins Büro zwangsweise durch den Weihnachtsmarkt gelaufen: Kitsch wohin das Auge blickt. Frage mich ernsthaft, ob Glühweingestank, Bratwurstgeruch und der Anblick verblödeter Erzgebirgsengel aus China den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen? Juristen hier?
Trailer zum Buch „Unlikely Friendships“ von Jennifer S. Holland. via http://unlikelyfriendshipsbook.tumblr.com/
Vor gut einer Woche brachte das stets lesenswerte SZ-Magazin eine wunderbare Bildstrecke über außergewöhnliche Tierfreundschaften. Wer mal sehen möchte, wie sich ein Sumatratiger und ein Orang-Utan-Baby herzen, hier geht’s zum Artikel.
Wahre Freundschaft ist halt doch was anderes als Ware Freundschaft.
„Mensch, stellt Euch nicht so an wegen der paar Daten, das Internet weiß doch eh alles.“ So oder so ähnlich säuseln es uns die Digital Natives permanent und mit leicht genervtem Unterton ins Ohr. Und überhaupt: „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“ (Quelle: Facebook)
Also, alles ganz harmlos, die wollen nur spielen – mit unseren Daten. Wie das ablaufen kann, zeigt uns die taz in einem kleinen Info-Video:
Früher hat man die Kinder davor gewarnt, dem fremden Onkel, der einen auf dem Schulweg ansprechen könnte, zu sagen, wie man heißt, oder wo man wohnt, oder gar zu ihm ins Auto zu steigen. Warum nur verraten wir eigentlich dem Onkel Mark und seinen Kollegen alles?
Laut einer aktuellen Studie verbraten 67 Prozent der Arbeitnehmer mehr als zwei Stunden pro Woche mit dem Basteln von PowerPoint-Präsentationen. Rund 40 Prozent der Zeit wird dabei in die grafische Ausschmückung von PowerPoint-Folien investiert.
Was dabei rauskommt, kennen wir alle: häufig quietschbunte, überladene Folien mit viel Text (meistens eine Wiederholung des gesprochenen Textes), lustige Strichmännchen, verzerrte Grafiken, schlechte Fotos usw. (Quelle: Absatzwirtschaft online. Den Originalartikel finden Sie hier.)
Bewegender Vortrag, ganz ohne Visualisierung
Wie ein bewegender Vortrag ganz ohne Visualisierungshilfsmittel aussieht, zeigt uns Ric Elias in einem TED-Vortrag (Was TED ist, lesen Sie hier). Sein Thema:Die letzten drei Minuten an Bord, bevor sein Flugzeug im Januar 2009 auf dem Hudson River in New York notlanden musste. Elias ging davon aus, dass es die letzten drei Minuten seines Lebens sind.
Foto: Petterson / Save the Children. Quelle: www.betterplace.org
„Wo gibt es in Deutschland noch Gold“, lasen wir letzte Woche in der BILD. Deutschland ist im Goldrausch, Eurokrise sei Dank. Manch einer fühlt sich da schon wie Jack London am Klondike. Und während sich Deutschland auf die Suche nach den letzten Nuggets begibt, suchen die Menschen in Ostafrika verzweifelt nach Nahrung, um das tägliche Überleben zu sichern. Mehr als 10 Millionen Menschen sind akut bedroht.
Die Plattform betterplace.org sammelt online Spenden und gibt diese direkt, ohne Abzug, an Organisationen vor Ort weiter. Wir haben letztes Jahr hier im Blog schon mal über betterplace.org berichtet. Die Plattform betterplace.org wird von der gemeinnützigen gut.org gAG betrieben. Jeder Mensch hat dort die Möglichkeit, Hilfe für ein Projekt zu suchen, oder aber gezielt ein Projekt seiner Wahl zu fördern und den Fortgang des Projekts zu beobachten. Die Seite ist übrigens auch graphisch ansprechend gemacht.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Norbert Kraas
P.S. Für alle großen und kleinen Goldsucher empfehle ich, wenn’s mit dem Goldwaschen mal wieder nicht so richtig klappt, den Film Tony Goldwascher, ideal an verregneten Ferientagen.
Der Boston Globe bringt auf seiner Seite The Big Picture eine erschütternde Fotoserie über die gefährlichsten Orte der Welt für Frauen. Hier das Ranking:
1. Afghanistan
2. Kongo
3. Pakistan
4. Indien
5. Somalia
„Unsere Produkte sind uns so egal wie unsere Kunden, Hauptsache bei Google stehen wir ganz oben.“
Zugegeben, das klingt jetzt ein bisschen überspitzt, aber manchmal fällt mir sofort dieser Satz ein, wenn ich höre, wie enorm wichtig vielen Unternehmen die Google-Platzierung ist.
Diesen Google-Suchmaschinen-Hype machen sich jetzt auch Betrüger zu nutze, die ihren Kunden viel versprechen und wenig halten. Thorsten Riedl hat in der Süddeutschen dazu gestern einen lesenswerten Artikel geschrieben:
Ich mache mir mittlerweile ernsthafte Sorgen um die Schirmindustrie. Die hat nämlich echte Konkurrenz bekommen. Was da so an großen und kleinen Rettungsschirmen ständig und überall aufgespannt wird, erstaunlich. Aber wer haftet eigentlich, wenn der Sturm so groß wird, dass der Schirm zerfetzt gen Himmel fliegt?
Infografik zur Eurozone. Screenshot. Quelle: FTD · http://www.ftd.de
Cover: Ein Regenschirm für diesen Tag. Wilhelm Genazino. Quelle: www.hanser.de
Aber jetzt noch kurz ein Buchtipp zum Thema. Über Wilhelm Genazinos Roman „Ein Regenschirm für diesen Tag“ schrieb die Kritikerin Andrea Köhler in der Neuen Zürcher u.a.: „Dieser Roman über ein friedlich scheiterndes «Ablenkungsleben» ist ein Buch für Leser, die «eine Trennung vom Leben wegen erwiesener Geringfügigkeit» nicht bloss andern empfehlen würden, Menschen, die zuweilen auch das Gefühl haben, dass ihr Leben ein lang gezogener Regentag ist und «ihr Körper der Regenschirm für diesen Tag.»“ (NZZ)