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Qatna, Metzingen oder was bleibt?

Wunderschönes Exponat der Qatna Ausstellung. Quelle: Landesmuseum Stuttgart

Sehenswerte Schönheit
Vor ein paar Tagen waren wir mit unseren Kindern in der sehenswerten Ausstellung über das Stadtkönigreich Qatna, einer Handelsmetropole, die vor mehr als 3500 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Syriens existierte und 1340 vor Christus von den Hethitern komplett zerstört wurde.

Dem Tübinger Archäologie-Professor Peter Pfälzner ist dort Jahr 2002 ein sensationeller Grabungserfolg gelungen. Die wichtigsten Ausgrabungsstücke von Qatna werden jetzt erstmals in Stuttgart gezeigt. Es handelt sich um wunderschöne Fundstücke (Waffen, Schmuck, Alltagsgegenstände, Schriftrollen mit Keilschrift), die zum größten Teil so ästhetisch und filigran gearbeitet sind, das einem beim Betrachten vor Ehrfurcht die Kinnlade runterklappt.

Was bleibt von uns?
Wenige Tage nach dem katastrophalen und lächerlich erfolglosen Klimagipfel in Kopenhagen fragt man sich da natürlich schon mal, was dereinst ehrgeizige Archäologen in 1000, 2000 oder 3000 Jahren von uns finden werden?

Statt gut erhaltener Keilschrift-Tafeln vielleicht Festplatten mit unlesbaren PowerPoint-Daten?
Oder die Überreste von architektonischen Bankrotterklärungen wie, sagen wir mal, Kreissparkassen- oder Volksbankfilialen der 1970er Jahre?
Oder ein paar verrottete Atomkraftwerks-Sarkophage wie der von Tschernobyl, der jetzt schon im Zerfall begriffen ist und munter vor sich hinstrahlt?
Oder die letzten Reste von einem dieser gigantomanischen Outlet-Zentren. Metzingen wäre hier ein gutes Beispiel und wurde ja sogar mal von dem großen Lyriker Robert Gernhardt in einem Gedicht verewigt:

Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer
Das Häßliche erfreut durch Dauer

lauten die letzten beiden Zeilen („Nach dem er durch Metzingen gegangen war“, nachzulesen in dem schönen Gedichtband „Körper in Cafés“).

Hinterlassen wir womöglich nur ein paar gigantische Müllhalden wie diesen Plastikmüll-Strudel, der mit knapp 1,4 Mio. qkm fast 4 Mal so groß ist wie die Bundesrepublik und seit Jahrzehnten im Nordpazifik zwischen Kalifornien und Hawaii wächst und wächst?

Albatros-Küken, verendet an "Plastikfutter". Quelle: New York Times

Wohin das führt, konnte man unlängst Im New York Times Blog mit Entsetzen bestaunen. Der US-amerikanische Fotograf Chris Jordan hat auf dem Midway Atoll tote Albatros-Küken fotografiert, die von ihren Vogeleltern versehentlich mit Plastikmüll „gefüttert“ wurden und daran verendet sind.

Aber trotzdem
Aber – dem Hässlichen und Gewöhnlichen zum Trotz glauben wir bei Kraas & Lachmann auch im neuen Jahr an Vernunft, Qualität, Schönheit und ästhetischen Anspruch in Graphik, Text und Fotografie.

Ein schönes neues Jahr wünsche ich Ihnen und Ihren Familien!

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