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Freitagsfoto: Freiland statt Fipronil

Das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) lüftet sein Federkleid, wenn es aufgeregt ist.

Das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) lüftet sein Federkleid, wenn es aufgeregt ist.

Wenn das so weitergeht mit den Lebensmittelskandalen sind wir Verbraucher*innen bald richtig fit in Sachen Insektiziden und Pestiziden. Die Namen dieser Gifte gehen uns leichter von den Lippen als der Name des scheidenden Landwirtschaftsministers. Seit Jahren jagt ein Lebensmittelskandal den nächsten. Und seit Jahren versichern uns die zuständigen Behörden jedes Mal, dass man alles unter Kontrolle hätte, und sowieso sei alles halb so schlimm. Mahlzeit!

Alles halb so schlimm

Diesen Sommer, ich war gerade mit meiner Familie auf einem kleinen Bauernhof in Burgund und habe unter anderem Hühner fotografiert, war Fipronil der Hit unter den Lebensmittelskandalen. Fipronil ist ein sogenanntes Kontaktgift gegen Tierläuse, Milben, Zecken, Schaben, Flöhe. Es gelangte über ein Desinfektions- und Reinigungsmittel, das in Hühnerproduktionsbetrieben zum Einsatz kommt, in die Hühnereier und damit in unsere Lebensmittelkette. Wie immer bei Lebensmittelskandalen wurde eifrig beschwichtigt (alles halb so schlimm, nur wenige Regionen und wenige Produzenten betroffen), bevor das wahre Ausmaß Ei für Ei ans Licht oder, wenn man so will, auf unsere Teller kam. Ein Ende des Skandals ist nicht in Sicht.

Ei, Ei, Ei

Vor ein paar Tagen mussten die Behörden zugeben, dass das Gift Fipronil über die verseuchten Eier in zahlreiche Lebensmittel gelangt sei, darunter Eierlikör. Ei,ei, ei, denkt man da. In der Süddeutschen war diese Woche zu lesen, dass die Behörden, allen voran das Landwirtschaftsministerium des Bundes, die Folgen systematisch kleingeredet oder vertuscht haben. Die Agrarlobby hat offensichtlich fähige Mitarbeiter. Eine Sauerei, ging aber leider im Jamaika-und-Obergrenzengeschrei der letzten Tage unter. Wen’s interessiert, der Artikel steht hier online: sehr lesenwert!

Wenn Hühner und Schweine die Wahl hätten, würden sie diese Art von Freilandhaltung wählen.

Wenn Hühner und Schweine die Wahl hätten, würden sie diese Art von Freilandhaltung wählen.

Scharren und gackern

Ob sich das mit den Lebensmittelskandalen irgendwann mal ändern wird? Nicht solange es eine Nachfrage für superbillige Lebensmittel gibt: zum Beispiel Hühnereier aus Käfighaltung für 9 Cent das Stück oder Milch für weniger als 30 Cent den Liter. Es liegt an uns, den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Finden wir es akzeptabel, dass ein Masthuhn 40 Tage auf der Fläche eines DIN A4 Blattes fristet, bevor es in einer automatischen Anlage geschlachtet wird? Oder wollen wir, dass das häufigste Haustier des Menschen das tut, was Hühner halt so tun: scharren, rumlaufen, gackern, Eier legen – und zwar draußen auf reichlich natürlicher Fläche? So wie das Federvieh bei meinem Freund Jean in der Bourgogne.

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1 Kommentar

  1. Bei uns auf dem Dorf (Windach am Ammersee) müssen freilaufende Hühner verschwinden, weil sie die Aussicht auf einen Berg versperren, Staubmachen, Zugezogene Kritik äußern, weil deren Kinder bei den Hausaufgaben gestört werden.

    Artikel erschien in der Augsburger Allgemeinen auch online (Schlagworte Hühner Windach)

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