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Freitagsfoto: Eisenwaren

Was sie wohl zusammengehalten hat, und wo ist die Mutter?

Was sie wohl zusammengehalten hat, und wo ist die Mutter?

Zuerst war sie locker, jetzt fehlt sie ganz, eine der vier Schrauben, mit der die Mulde auf dem Gestell meines Schubkarrens befestigt ist. Noch vor wenigen Wochen hätte die Ersatzbeschaffung einer einzelnen Schraube kein Problem dargestellt. Ich hätte eine der restlichen Schrauben im Eisenwarengeschäft vorgelegt und innerhalb von zwei Minuten eine einzelne, passende Schraube nebst Mutter in einem kleinen Papiertütchen überreicht bekommen. Bero hieß dieser Laden in der Tübinger Innenstadt, der seit ewigen Zeiten existierte und dessen Türen jetzt für immer geschlossen sind. Bedauerlich! Jetzt gibt es nur noch zwei Baumärkte in der Stadt. In einem davon wird mir suggeriert, ich müsse das Reindrehen einer Schraube zu meinem Projekt machen. Ich finde, Eisenwarenfachgeschäfte gehören sofort auf die Rote Liste und das Wort „Eisenwaren“ hat das Zeug zum Wort des Jahres.

Eisenwaren in der Unterstadt
Ich erinnere mich noch gut an die beiden Eisenwarenläden in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Es gibt dort in Hechingen eine Unter- und eine Oberstadt. Beim Eisenwarenhändler in der Oberstadt trugen die Männer im Verkauf Hemd, ja manchmal sogar Krawatte unterm grauen Kittel. Herr Wild, der freundlich-strenge Besitzer des Eisenwarengeschäfts in der Unterstadt, wo man mich als Kind hingeschickt hat, trug nie Krawatte unter seinem graunen Arbeitskittel, dafür kurze Hosen, wenn’s heiß war und immer einen Bleistift hinterm Ohr.

Schöner kann man über Schrauben nicht schreiben
Den schönsten, technisch höchst interessanten Text zum Thema „Schraube“ hat der großartige, vor einigen Monaten viel zu früh verstorbene Christopher Schmidt vor Jahren in der Süddeutschen Zeitung geschrieben. „Kopf hoch! Ein Lob an die Schraube“, lautet der Titel und ich empfehle Euch/Ihnen diesen Aufsatz allerwärmstens. Es lohnt sich! Die SZ hat den Artikel freundlicherweise hier online gestellt.

Ich wünsche gute Unterhaltung und ein schönes Wochenende!

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1 Kommentar

  1. Ja, solche „Eisenwarenläden“ sind einfach faszinierend!
    Im Urlaub, v.a. in südlichen Ländern, üben sie eine magische Anziehungskraft auf uns aus!
    Eine Sichel aus Spanien oder ein Blech-Briefkasten ausPortugal – ein sehr markantes Souvenir !

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