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Freitagsfoto: Too perfect

Gesehen in der Staudengärnterei Zeppelin in Sulzburg im Marktgräflerland

Gott, was muss heute nicht alles perfekt sind oder wird uns als perfekt angepriesen: Autos (keine Diesel!), Mobiltelefone, Frisuren, Waschbrettbäuche, Eltern, Kinder, Werkzeugmaschinen, Wendeschneidplatten, VHM-Fräser, einfach alles.

Dieser Perfektionismus entspräche der deutschen Grundeinstellung, dem Ingenieursdenken, las ich vor ein paar Tagen in der Süddeutschen in dem Beitrag „Irren ist Chefsache“. Ulrich Schäfer vergleicht darin die krankhafte Null-Fehler-Kultur in weiten Teilen der deutschen Industrie mit der eher gegenteiligen Einstellung erfolgreicher Unternehmen im Silicon Valley. Mit Schadenstischen wie bei VW werden wir jedenfalls, so Schäfers Fazit, nicht weiter kommen. Eher mit einer von den Chefs vorgelebten Fehlerkultur. Den Artikel gibt’s hier online. Lohnt sich..

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Freitagsfoto: Schöne Ferien, aber wie?

Anleitung zum Nichtstun: Bitte 60 Sekunden dieses Foto betrachten.

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Minenfeld Ferien
Familienurlaube, zumal die großen Ferien, bergen jede Menge Sprengstoff. Die Kinder wollen ans Meer, am liebsten All Inclusive mit Pool, Sonnengarantie und WiFi, die Eltern zieht’s in die pittoresken Dörfer im Hinterland mit ihren romanischen Kirchen. Für den Hund ist Hitze, Sonne, Strand eine Zumutung, Stress pur. Und überhaupt: die Klassenkameraden machen viel coolere Urlaube und posten im Stundentakt unscharfe Fotos von Schwimmbädern, Abendbuffets und sonstigen austauschbaren Banalitäten.

Das Urlaubsziel verkommt wie so vieles zu einer Waffe, mit der Kinder und Eltern die eigene soziale Position gegenüber gesellschaftlichen Konkurrenten bestimmen oder die Gruppenzugehörigkeit verteidigen. Es gilt: je exotischer, desto prestigeträchtiger. „Wie, Ihr wart an Ostern in New York? Das machen wir immer über Allerheiligen; an Ostern waren wir in Myanmar, Trecking, und anschließend 7 Tage Bali zum Chillen.“ Man hakt die Länder in Google Maps ab, wie der Fitnesstracker die Trainingseinheiten.

„Unsere Existenzform ist die Rasanz
Roger Willemsen schreibt diesen Satz in seinem letzten Buch „Wer wir waren“. Willemsen, geboren 1955, gestorben 2016, hatte eigentlich ein größeres Werk geplant und in Arbeit. Ein Buch, das unsere heutige sich immer weiter beschleunigende Gegenwart aus der Zukunftsperspektive betrachtet. Seine Krebserkrankung hat dieses Projekt unmöglich gemacht. „Wer wir waren“ ist ein Fragment, basierend auf einer Rede, die Willemsem vor seiner Erkrankung gehalten hat. Dieses schmale Buch — eine lohnende Urlaubslektüre! — ist eine melancholische, dichte Gesellschaftskritik. Willemsen analysiert den Zustand unserer Gesellschaft glasklar und plädiert mit Leidenschaft für eine „Abspaltung aus der Rasanz der Zeit“.

Info zum Buch: Roger Willemsem: Wer wir waren. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, ISBN: 978-3-10-397285-6, 12 Euro.

Wären die Ferien nicht eine gute Möglichkeit, sich mal rauszunehmen aus diesem ständigen Getriebensein, dem Vergleichen, dem Abhaken von Events? Pause von der Rasanz! Einfach mal nichts tun. Klar fällt das schwer, aber man kann es ja mal versuchen.

So, und jetzt: Schöne Ferien!

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Freitagsfoto: Eisenwaren

Was sie wohl zusammengehalten hat, und wo ist die Mutter?

Was sie wohl zusammengehalten hat, und wo ist die Mutter?

Zuerst war sie locker, jetzt fehlt sie ganz, eine der vier Schrauben, mit der die Mulde auf dem Gestell meines Schubkarrens befestigt ist. Noch vor wenigen Wochen hätte die Ersatzbeschaffung einer einzelnen Schraube kein Problem dargestellt. Ich hätte eine der restlichen Schrauben im Eisenwarengeschäft vorgelegt und innerhalb von zwei Minuten eine einzelne, passende Schraube nebst Mutter in einem kleinen Papiertütchen überreicht bekommen. Bero hieß dieser Laden in der Tübinger Innenstadt, der seit ewigen Zeiten existierte und dessen Türen jetzt für immer geschlossen sind. Bedauerlich! Jetzt gibt es nur noch zwei Baumärkte in der Stadt. In einem davon wird mir suggeriert, ich müsse das Reindrehen einer Schraube zu meinem Projekt machen. Ich finde, Eisenwarenfachgeschäfte gehören sofort auf die Rote Liste und das Wort „Eisenwaren“ hat das Zeug zum Wort des Jahres.

Eisenwaren in der Unterstadt
Ich erinnere mich noch gut an die beiden Eisenwarenläden in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Es gibt dort in Hechingen eine Unter- und eine Oberstadt. Beim Eisenwarenhändler in der Oberstadt trugen die Männer im Verkauf Hemd, ja manchmal sogar Krawatte unterm grauen Kittel. Herr Wild, der freundlich-strenge Besitzer des Eisenwarengeschäfts in der Unterstadt, wo man mich als Kind hingeschickt hat, trug nie Krawatte unter seinem graunen Arbeitskittel, dafür kurze Hosen, wenn’s heiß war und immer einen Bleistift hinterm Ohr.

Schöner kann man über Schrauben nicht schreiben
Den schönsten, technisch höchst interessanten Text zum Thema „Schraube“ hat der großartige, vor einigen Monaten viel zu früh verstorbene Christopher Schmidt vor Jahren in der Süddeutschen Zeitung geschrieben. „Kopf hoch! Ein Lob an die Schraube“, lautet der Titel und ich empfehle Euch/Ihnen diesen Aufsatz allerwärmstens. Es lohnt sich! Die SZ hat den Artikel freundlicherweise hier online gestellt.

Ich wünsche gute Unterhaltung und ein schönes Wochenende!

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Photo Friday: Haiku with Britten

Fisher on the shingle beach in Aldeburgh, Suffolk feeding the gulls with the remains of the day

Fisher on the shingle beach in Aldeburgh, Suffolk feeding the gulls with the remains of the day

gulls squawk
shingles hush
concert for Britten

for Alan and Jack

The English composer, conductor and pianist Benjamin Britten (1913 – 1976) was born in Lowestoft, Suffolk and lived for more than 20 years in Aldeburgh, 56 miles south on the coast. Britten was a co-founder of The Aldeburgh Festival of Music and the Arts. When things got to busy for Britten in Aldeburgh he fled to compose in his little cottage in Horham, 25 miles inland. East Anglia was a very important source of inspiration for Britten.

„Suffolk, with its rolling, intimate countryside; its heavenly Gothic churches, big and small; its marshes, with those wild sea-birds; its grand ports and its little fishing villages. I am firmly rooted in this glorious county,” said Britten in 1951. (Source BBC)

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Freitagsfoto: England vom Wasser aus

Auf den Spuren von Roger Deakin am Stour bei Nayland in der englischen Grafschaft Suffolk

Auf den Spuren von Roger Deakin am Stour bei Nayland in der englischen Grafschaft Suffolk

Gestern im Freibad bin ich auf den letzten Bahnen von einem peitschenden Sommerregen und heftigen Wind überrascht worden. Es war elektrisierend! Das letzte Mal habe ich das wahrscheinlich als Jugendlicher gemacht, im Regen schwimmen.
Seit etlichen Jahren schwimme ich, auch um meinem Rücken etwas Gutes zu tun. Das Buch jedoch, das ich gerade lese, inspiriert, motiviert und macht mich offen für Neues, wie ich es selten in den letzten Jahren erlebt habe.

Explodierende Regentropfen
„The warm rain tumbled from the gutter in one of those midsummer downpours as I hastened across the lawn behind my house in Suffolk and took shelter in the moat. Breaststroking up and down the thirty yards of clear, green water, I nosed along, eyes just at water level. The frog’s eye view of the rain the moat was magnificient. […] Each raindrop exploded in a momentary, bouncing fountain that turned into a bubble and burst.“
aus: Roger Deakin, WATERLOG – A Swimmer’s Journey through Britain, Vintage Books, London, 2000, ISBN 978-0-099-28255-5. Auf Deutsch ist WATERLOG in einer sehr schönen Ausgabe bei Matthes & Seitz in der Reihe Naturkunden erschienen: Roger Deakin, Logbuch eines Schwimmers, Matthes & Seitz, Berlin, 2015, ISBN 978-3-95757-166-3.

Ist das nicht wunderbar poetisch, wie Deakin das explosionsartige Auftreffen der Regentropfen auf die Wasseroberfläche des Wassergrabens vor seinem Haus beschreibt? Ganz ähnlich habe ich den heftigen Regenschauer gestern im Freibad empfunden, dank der Lektüre von Deakins Buch. Aber worum geht es in Waterlog, diesem Buch, das ich Euch/Ihnen wärmstens als Sommerbuch empfehle?

Roger Deakin wurde 1943 in Watford (Hertforshire) geboren. Er starb am 19. August 2006 mit 63 an einem Hirntumor in Mellis (Suffolk). Dort, im nördlichen Suffolk, hat er die meiste Zeit seines Lebens auf einer Farm aus dem 16. Jahrhundert gelebt und gearbeitet. Deakin studierte in Cambridge Literatur bei Kingsley Amis und hat danach zunächst kurz in London in der Werbebranche gearbeitet und dann ein paar Jahre an einer Schule in der Nähe von Mellis Französisch und Englisch unterrichtet. Er hat für die BBC Dokumentarfilme produziert und für Zeitungen über die englische Natur (Felder, Flüsse, Wälder) geschrieben. Er hat sich auch einen Namen als Umweltaktivist gemacht und war Gründungsmitglied von Friends of the Earth und Common Ground.

Ein sympathischer, schwimmender Exzentriker
In Waterlog nimmt uns der Autor mit auf eine Reise durch die britischen Inseln und lädt uns ein, seine – nasse – Heimat aus der Froschperspektive zu betrachten. Inspiriert von einer Kurzgeschichte von John Cheever mit dem Titel „The Swimmer“, beschließt Deakin, während er im heftigen, englischen Landregen seine Bahnen im Wassergraben zieht, die Gewässer Großbritanniens zu erkunden – schwimmend versteht sich. Und so folgen wir diesem einnehmend sympathischen und gebildeten Exzentriker fasziniert auf seinen mäandrierenden Gedankenströmen durch Tümpel, Seen, Flüsse, die Nordsee, das Meer vor Südengland, historische Schwimmbäder oder die Kanäle seines geliebten East Anglia. Ja, sogar in die eiskalten walisischen Bergseen wagen wir uns mit ihm.

Dieses Buch ist Kulturgeschichte, Landeskunde, Naturkunde, Philosophie, Poesie, Manifest für den Schutz der Umwelt, Schule der Achtsamkeit und vieles mehr. Vor allem aber ist Roger Deakins Werk ein flammendes Plädoyer für eine naturbelassene Natur ohne Zugangsbeschränkungen und Verbotsschilder. Von letzeren ließ sich Deakin schon mal gar nicht abhalten auf seinen nassen Reisen. Deakin war übrigens überzeugter Brustschwimmer, weil er so die Wasseroberfläche und alles, was im und am Wasser um ihn herum passiert, viel besser beobachten konnte. Waterlog ist, das sei gesagt, keine Trainingsanleitung. Deakin schwamm, weil es im Freude machte und weil er dieses mysteriöse Element Wasser über alles liebte. Gleich auf den ersten Seiten liest man:

„Part of my intention in setting our on the journey was not to perform any spectacular feats, but to try and learn something of the mystery D.H. Lawrence noticed in his poem ‚The Third Thing‘:

Water is H2O, hydrogen two parts, oxygen one,
But there is also a third thing, that makes it water
And nobody knows what it is.

So, jetzt lasse ich Euch/Sie schwimmen oder lesen oder beides! Viel Vergnügen!

Wenn man den schlammigen Einstieg geschafft hat, umfängt einen das weiche Wasser des Stour

Wenn man den schlammigen Einstieg geschafft hat, umfängt einen das weiche Wasser des Stour

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Freitagsfoto: Das Auto von morgen – kommt aus den Niederlanden

Wer hätte das gedacht? Nicht Apple, nicht Google, nicht Tesla, VW schon gar nicht, bringen das Null-Emission-Auto, sondern: die Niederländer. Mir ist in Delft ein Prototyp vor die Linse gekommen.

Null Emission!
Null Softwarebeschiss!
Null Dieselgate!

So sieht es aus, liebe deutsche Autobauer, das Auto von morgen.