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Freitagsfoto: ang, a-üng, ahrr

Wie bestellt: Rostgänse im Vorbeiflug vor der Wurmlinger Kapelle bei Tübingen. #nophotoshop

Wie bestellt: Rostgänse im Vorbeiflug vor der Wurmlinger Kapelle bei Tübingen. #nophotoshop

am Abendhimmel
Rostgänse auf Durchreise –
wie du und ich

in the evening sky
Ruddy Shelducks passing through –
like you and me

for Jack Ridl who shows us that there is poetry in the daily grind

Im Bierzelt nichts Neues

Nichts Neues gab es diese Woche bei den politischen Aschermittwochsveranstaltungen. Statt dessen wie immer deftige Sprüche in überfüllten Bierzelten vor mehr oder weniger abgefüllten Zuhörerinnen und Zuhörern. Von wegen Einstieg in die Fastenzeit und Umkehr.

Neu dagegen waren für mich die Rostgänse, die mir vor drei Tagen in der Nähe der Wurmlinger Kapelle vor die Linse geflogen sind. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass es Rostgänse gibt. Aufgeklärt hat mich ein Blick in den Kosmos Vogelführer von Svensson, Mullarney und Zetterström. Laut NABU ist dieser Vogelführer das umfassendste Bestimmungsbuch aller Vogelarten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. 900 Vogelarten werden auf mehr als 4000 schönen Farbzeichnungen dargestellt. Dazu gibt es alle wichtigen Informationen zu Größe, Lebensraum, Kennzeichen, Verbreitung und Stimme. Das Buch ist empfehlenswert, auch für ornithologische Laien wie mich. Es motiviert, rauszugehen und Vögel zu beobachten; man kann aber auch einfach darin schmökern und sich an der Vielfalt der Vogelwelt erfreuen.

„ang, a-üng, ahrr“

Zur Rostgans (Tadorna ferruginea), lesen wir bei Kosmos, dass sie 58 bis 70 Zentimeter lang ist und eine Spannweite von 110 bis 135 Zentimetern aufweist. Sie brütet in verschiedensten binnenländischen Lebensräumen: auf ausgedehnten Steppen, an Seen und Salzmarschen, an Flüssen, Hügeln und sogar felsigen Berghängen, oft weit vom Wasser entfernt. Die Rostgans gilt als Zugvogel, der oft in großer Höhe fliegt. In unseren Breiten ist sie aber auch als Gefangenschaftsflüchtling anzutreffen. Zur Stimme schreiben die Autoren:

Ruft kräftig nasal hupend, im Flug „ang“ und „ah-üng“ (zweisilbiger Ruf an Kanadagans oder weit entfernten Esel erinnernd), außerdem hohl rollend „ahrrr“.

Mal ehrlich, klingt der Ruf der Rostgans nicht viel schöner, ja geradezu poetisch, im Vergleich zum ewig gleichen Aschermittwochs-Politikergebelle?

Infos zum Buch

Lars Svensson, Killian Mullarney, Dan Zetterström: Der Kosmos Vogelführer
3. Auflage 2017
Kosmos Verlag Stuttgart
ISBN 9783440156353, 29,99 Euro

Erhältlich in jeder guten lokalen Buchhandlung. #SupportYourLocalBookstore

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„Der Wunschbruder“ im Wirtschaftswunderdorf

Mittlerweile außer Betrieb und nur noch Zeugin einer untergegangen Welt: Sägerei im südlichen Burgund

Mittlerweile außer Betrieb und nur noch Zeugin einer untergegangen Welt: Sägerei im südlichen Burgund.

„Vor einiger Zeit begegnete mir zum ersten Mal nach sehr langer Zeit jener Mensch wieder, der in der Kindheit mein Wunschbruder gewesen war und der mich damals fast umgebracht hätte.“

„Der Wunschbruder“

Wenzel Bogatz heißt er, dieser Wunschbruder. Und „Der Wunschbruder“ heißt auch der berührende, unbedingt lesenswerte Roman von Kurt Oesterle. 533 Seiten stark ist Oesterles Bildungs-, Entwicklungs- und Heimatroman, dabei keine Seite langweilig, moralisierend oder gar kitschig, wie man es beim dem Etikett „Heimatroman“ durchaus erwarten könnte. Doch zurück zu den ungleichen Brüdern.

Der Junge, der sich so sehnsüchtig einen Bruder wünscht, heißt Max Stollstein. Ein Einzelkind, geboren Mitte der fünfziger Jahre im fiktiven Rotach am Wald, einem Dorf in Nord-Württemberg fernab vom Schuss. Max wohnt mit seinen Eltern und Großeltern in

„einem hundertjährigen Haus an der Straße zum Friedhof, nahe dem Ortsrand. Straßennamen gab es in diesem Teil des Dorfs keine, nur Hausnummern, und unsere war auf einem wappenförmigen Stein über der Tür zu lesen: 79.“

Der Vater von Max ist Schreiner und arbeitet in der eigenen Werkstatt im Haus. Er schafft, wie es in der Wirtschaftswunderzeit nicht unüblich war, fast Tag und Nacht für ein bisschen Wohlstand und den Traum vom neuen Haus mit Zentralheizung und richtigem Klo.

Verwahrlostes Vertriebenenkind

Wenzel Bogatz, mit dem Max ab 1962 die örtliche Grundschule besucht, wohnt mit seinen Eltern zur Miete bei einer Bäuerin und Kriegerwitwe. Und wer zur Miete wohnte damals auf dem Dorf, konnte eigentlich nur heimatvertrieben sein. Bei den Alteingesessenen war es üblich, dass einem das Haus gehörte, in dem man lebte. Wenzel und seine Eltern sind Heimatvertriebene; und die hatten es nicht leicht in der Nachkriegszeit. Noch zu meiner Schulzeit in einer schwäbischen Kleinstadt in den sechziger und siebziger Jahren wurden Vertriebene häufig abfällig als Rucksackdeutsche bezeichnet.  Die meisten dieser Flüchtlinge waren, zumindest in meiner Erinnerung, sparsam und fleißig und haben es nicht selten schnell zu einem eigenen Häuschen gebracht. Auch dank des Lastenausgleichs, mit dem man sie für den Verlust ihrer Häuser und Höfe finanziell zu entschädigen suchte.

„Doch man neidete ihnen ihren neuen Besitz, man behauptete, daß er mit falschen Angaben über Gehöfte und Güter erschwindelt sei, weshalb mitunter der Satz zu hören war: »Schau, der Mond ist auch ein Flüchtling, er hat einen Hof!«“

Dass der Verlust der Heimat mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen war, wollten die meisten Alteingesessenen nicht verstehen, auch in Rotach nicht. Wie traumatisch neben den Schrecken des 2. Weltkriegs dieser Verlust für viele Menschen war, zeigt uns Kurt Oesterle gleich zu Anfang des Romans in der Person des Grundschullehrers Randolph Schumann. Der war Anfang der fünfziger Jahre mit seiner Familie aus der DDR nach Rotach geflüchtet. Schumann, der gebürtige Erzgebirgler, kommt im Unterricht schnell vom trennenden römischen Limes, zur trennenden Schandmauer, zum Todesstreifen, zu den Deutschen, die auf Deutsche schießen. Er gerät regelmäßig darüber in Wut und leidet schmerzlich daran.

Behütetes Einzelkind

Max Stollstein, das einsame, sensible und kunstsinnige Einzelkind hat diesem entwurzelten Randolph Schumann zwei Dinge zu verdanken. Zum einen ist es Schumann, der unbedingt dafür plädiert, Max auf die Oberschule zu schicken; und es ist Schumann, der Wenzel Bogatz einmal mit dem Stock so prügelt, dass das Blut läuft, worauf Max seinen zukünftigen Wunschbruder und Freund nach Hause begleiten muss. Dieses Zuhause besteht aus einem großen Zimmer mit einem Tisch, drei Stühlen und einem Bett. Fließend Wasser? Fehlanzeige. Wenzel freilich scheint die Gewalt des Lehrers nicht sonderlich zu beeindrucken. Ein frühes Anzeichen seiner Resilienz, seiner Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, statt in ihnen unterzugehen? Überhaupt Gewalt, damals durchaus noch üblich, nicht nur bei der Kindererziehung, sondern eben auch in der Schule. Oesterle schreibt:

„Gewalt war gut eingebürgert im Waldtal – ein uralters Erbe, älter als Viehzucht und Waldbau zusammen. Geprügelt wurde in den meisten Häusern, zu Straf- und Erziehungszwecken, oder einfach weil es Gewohnheitsrecht der Alten über die Jungen war, die immer noch Jüngere fanden, an denen sie üben konnten.“

Mit dieser Prügelepisode beginnt nun die Freundschaft und schließlich Pflegebruderschaft zwischen Max, dem behüteten Einzelkind, und Wenzel, dem stotternden Flüchtlingskind. Dessen Vater und Mutter sind schwere Alkoholiker, unfähig für das Kind richtig zu sorgen. Kurt Oesterle erzählt die Geschichte dieser beiden Freunde in einer wunderschönen Sprache. Selbst dann, wenn er die bordellartigen Zustände in Wenzels Elternhaus schildert, die schließlich dazu führten, dass die Eltern von Max den jungen Wenzel als Pflegekind aufnehmen. Damit geht für Max ein Traum in Erfüllung: der Traum von einem Bruder, an den er nicht mehr geglaubt hat. Dieser Traum allerdings nimmt im Verlauf des Romans alptraumhafte Züge an und steuert auf ein fatales Ende zu.

Wenzel Bogatz, das verwahrloste Vertriebenenkind, ist kein einfaches Kind für die bemühten Stollsteins und kein einfacher Wunschbruder für Max. Von Beginn an entzieht sich Wenzel immer wieder der Zuneigung von Max und der liebenden Fürsorge von dessen Eltern. Die Stollsteins, fleißige, grundehrliche Menschen, die für ihren Sohn Max nur das Beste wollen, leiden ebenso wie dieser an den Eskapaden Wenzels. Vor allem die Mutter, die sich bis zum Schluss Vorwürfe macht, das Pflegekind nicht genug zu lieben. Max bekennt als Erwachsener:

„daß dieser Wenzel es gewesen war, der mir als erster die Augen für menschliches Leiden geöffnet hatte, er hatte mich Mitgefühl und Respekt für den anderen gelehrt sowie Furcht um ihn; es war gleichgültig, ob er das gewollt hatte, niemand will unser Bestes, wir bekommen es immer geschenkt. Nie, nie wieder fühlte ich die Wucht des Lebens so wie in der Zeit mit ihm. Eine Geschichte, die fast auf den Tod hinausgelaufen wäre; das einzig Tragische, das mich jemals anrührte.“

Gefühlsachterbahn zweier Jungen

Kurt Oesterle nimmt uns aber nicht nur mit auf eine zehnjährige Fahrt in der Gefühlsachterbahn zweier heranwachsender Jungen. Dieser begnadete Erzähler lädt uns auch ein, mit ihm in eine längst untergangene dörfliche Welt einzutreten. Es ist die Welt der 50er und 60er Jahre. Wir nehmen Teil am Leben der alteingesessenen Bauern und Handwerker, von denen viele mit den zugezogenen Vertriebenen ebensowenig zurechtkommen wie mit dem Untergang der Hitler-Diktatur.

Oesterle schildert die Zeit des Wirtschaftswunders in einer klaren, bilderreichen Sprache ohne jedes „Wir-sind-wieder-wer-Pathos“ – dafür mit allen Härten. So sind die ewig langen Arbeitstage der Stollsteins der Preis für den Vorankommen. 16 Stunden, sechs Tage in der Woche laufen die Maschinen in der Werkstatt des Vaters. Die Mutter arbeitet im Betrieb mit, ebenso der kleine Max und der Großvater. Alle haben ihre Aufgaben auf dem Weg in eine bessere Zukunft. In den Neubaugebieten schießen die Häuser nur so aus dem Boden.

„Als um 1965 überall das massenhafte Bauen begann, sagte mein Vater: »Jetzt kommt die Stunde des kleinen Mannes.« Diese Stunde wollte er auch für sich und seine Familie nutzen. Der neuen Werkstatt würde in wenigen Jahren ein neues Wohnhaus folgen.“

Die Schreinerei brummt, denn für die meisten Bauherren macht Maxens Vater die Fenster. Schaffer, nennt man solche Leute auf Schwäbisch: ein großes Kompliment. Aber:

„Nach Feierabend saß er oft fahl und schweigend in unserer Küche wie in einem Wartesaal und lockte – Zigaretten rauchend, Most trinkend, vor sich hin murmelnd – den nächsten Arbeitstag herbei.“

Während in der Schreinerei die Maschinen unablässig kreischen, entwickelt sich über einen Zeitraum von rund zehn Jahren die ungleiche, dramatische Freundschaft zwischen Max und Wenzel. Hier Max, der sich vor Sehnsucht nach dem Freund verzehrt und alles für ihn tun würde. Dort Wenzel, der davon unbeeindruckt immer wieder abhaut, auch zu seiner alkoholkranken, verantwortungslosen Mutter. Ein ums andere Mal wird Max vor den Kopf gestoßen, ein ums andere Mal riskiert er seine eigene Zukunft, um seinem Wunschbruder seine Liebe zu beweisen. Ein packendes, mit viel Emphase erzähltes Drama, das schließlich mit der zweiten Vertreibung Wenzels endet.

Jahre später treffen sich die ungleichen Brüder als Erwachsene zufällig wieder. Oesterle beginnt seinen spannenden Roman mit diesem ersten Wiedersehn. Wir Leser folgen ihm gefesselt und häufig gerührt Seite um Seite. Mit dem erwachsenen Max nehmen wir Teil an der dramatischen Lebensgeschichte des erwachsenen Wenzel, der sich später Wolfgang nennt, und der trotz existenzieller Krisen nicht untergangen ist.

„Wenzel nahm freiwillig Abschied von uns und begab sich auf eine unfreiwillige Reise, zuerst hinunter in seinen allertiefsten Kummer, um danach vielleicht doch noch zu erreichen, was seine Mutter, seine Eltern niemals erreicht hatten: den Neuanfang“

Hat dieses wunderbare Buch auch einen Fehler? Ja, ich hätte gerne noch mal hundert Seiten von dieser melancholisch-schönen Sprache genossen.

Infos zum Buch

Kurt Oesterle: Der Wunschbruder
Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen, 2014
ISBN 978-3-86351-081-7

Erhältlich in jeder guten analogen Buchhandlung

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Freitagsfoto: ammil

Ammil, gesehen und fotografiert in Tübingen am 6. Januar 2017. Aber wie nennt man das auf Deutsch?

Ammil, gesehen und fotografiert in Tübingen im Januar 2017. Wie nennt man das auf Deutsch?

Der Wortsammler

Unser Freund W., ein naturbegeisterter und belesener pensionierter Kinderarzt, hat mich vor ein paar Tagen auf einen interessanten Artikel im Süddeutsche Zeitung Magazin aufmerksam gemacht. Es handelt sich um das Portrait des englischen Wortsammlers Simon Abdāl Hamīd Fitzwilliam-Hall. Der Autor Roland Schulz beschreibt einen Mann, der mehr als 50000 Wörter gesammelt hat, die Landschaften und ihre Eigenschaften bezeichnen. Gerne hätte man die beeindruckende Sammlung dieses melancholisch wirkenden Engländers als gedrucktes Buch. Gibt es aber leider nicht.

Ammil

Den lesenswerten Artikel kann man jedoch im SZ-Magazin online lesen. Dort bin ich auch auf das Wort „ammil“ gestoßen. The ammil bezeichnet den „dünnen Eisfilm, der entsteht, wenn nach einem kurzen Antauen wieder strenger Frost herrschaft.“ Das Wort stammt aus dem Dialekt der englischen Grafschaft Devon.

Kennt jemand ein deutsches Wort für ammil?

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Schön mutig! Schneeglöckchen

Sehr früh dran, waren diese Schneeglöckchen (Galanthus) am 11.1.2018

Sehr früh dran, waren diese Schneeglöckchen (Galanthus) am 11.1.2018

zwei Schneeglöckchen
im kahlen Winterbeet –
schön mutig

Der botanische Name Galanthus ist abgeleitet aus den griechischen Wörtern gála für Milch und ánthos für Blüte. Der deutsche Name „Schneeglöckchen“ bezieht sich auf das, den Frühling anzeigende Herausragen von Galanthus nivalis aus dem Schnee. Andere deutsche Trivialnamen sind: Frühlingsglöckchen, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocken, Märzglöckchen, Märzveilchen, Marienkerzen, Milchblume, Schnee-Durchstecher, Schneetulpe, Weiße Jungfrau, Weißglatze. (Quelle: Wikipedia)

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Freitagsfoto: Bärenpanther in Tübingen gesichtet

In der Fotofalle: Bärenpanther in vollem Lauf (Bildmitte) am Schönbuchrand bei Tübingen

In der Fotofalle: Bärenpanther in vollem Lauf (Bildmitte) am Schönbuchrand bei Tübingen

Der Bärenpanther

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist einem Tübinger Naturfotografen kurz vor Weihnachten erneut ein Foto des seltenen Bärenpanthers gelungen. Das extrem scheue Tier  (Ursus panthera pardus) ist dem Fotografen am Schönbuchrand bei Tübingen vor die Linse gelaufen. Es wird vermutet, dass das Tier durch Jäger aufgescheucht wurde, die dort auf Wildschwein-Treibjagd waren. Ob das Tier alleine unterwegs war, oder als Teil eines Rudels, konnte noch nicht geklärt werden.

Sollte es zur einer Begegnung mit dem Bärenpanther kommen, wird empfohlen, mit ruhiger, klarer Stimme Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“ vorzutragen.

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf —. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille —
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, September 1903

„Der Panther“ ist, neben allen anderen Gedichten Rilkes, in dieser schönen Ausgabe des Insel-Verlags enthalten:

Rainer Maria Rilke: Die Gedichte
Limitierte Sonderausgabe, Leinen, 895 Seiten
Insel-Verlag, Berlin, 2006
ISBN 978-3-458-17333-5

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2018: Resolutions and expectations

Wendelsheim im Landkreis Tübingen. Photograph: Norbert Kraas.

Wendelsheim im Landkreis Tübingen. Photograph: Norbert Kraas.

Broken the first resolutions for 2018?

The search query “Resolutions 2018” yields around 25 million hits, and these are just the results in English. Do more sports, read more, lose weight, gain weight, drink less, drink more, spend more time with the family and less with Social Media, etc. etc. etc. There are even (of course!) apps that want to help us to implement our good intentions. All well and good, but how about this one?

“Don’t expect much of the day. Be glad when you make it back to bed.”

I took these two sentences from the poem Take Love for Granted by the American poet and emeritus Professor of Literature Jack Ridl from Michigan. Students call him the Dumbledore of Creative Writing and the poet Naomi Shihab Nye says: “Jack Ridl is a superstar in the realm of compassionate, transporting, life-changing poetry.” There is no need to add to that.

I like this idea: lower your expectations, deal with what’s now, enjoy what’s now. Not yesterday, not tomorrow, not in an hour, now. I know, I know, this is not easy, but it’s worth a try.

In this spirit: Happy New Year to all of you!

 

P.S.
Of course Jack’s poem is not about New Year’s resolutions. It is about love in marriage. And if that’s not another very important issue for 2018.

Take Love for Granted

Assume it’s in the kitchen,
under the couch, high
in the pine tree out back,
behind the paint cans
in the garage. Don’t try
proving your love
is bigger than the Grand
Canyon, the Milky Way,
the urban sprawl of L.A.
Take it for granted. Take it
out with the garbage. Bring
it in with the takeout.Take
it for a walk with the dog.
Wake it every day, say,
“Good morning.” Then
make the coffee. Warm
the cups. Don’t expect much
of the day. Be glad when
you make it back to bed.
Be glad he threw out that
box of old hats. Be glad
she leaves her shoes
in the hall. Snow will
come. Spring will show up.
Summer will be humid.
The leaves will fall
in the fall. That’s more
than you need. We can
love anybody, even
everybody. But you

can love the silence,
sighing and saying to
yourself, “That’ s her.”
“That’s him.” Then to
each other, “I know!
Let’s go out for breakfast!”

“Take Love for Granted” by Jack Ridl, from Practicing to walk Like a Heron. Wayne State University Press, Detroit, 2013, ISBN 978-0-8143-3453-9. Use of the text here with kind permission of the author.

A poetry volume from Jack for me is like a warm coat for body and soul, regardless of the season. That’s why one of Jack’s poetry books is actually always on my bedside table. More fine poetry and texts worth reading you’ll find on from Jack’s homepage.

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2018: Vorsätze und Erwartungen

Schon die ersten Vorsätze für 2018 gebrochen?

Rund fünf Millionen Treffer bringt die Suchanfrage „Vorsätze 2018“, und das sind nur die Resultate auf Deutsch. Mehr Sport, mehr lesen, abnehmen, zunehmen, weniger trinken, mehr trinken, sich mehr um die Familie kümmern, weniger daddeln: alles dabei. Es gibt so gar Apps, die uns helfen sollen, unsere Vorsätze umzusetzen. Alles schön und gut, aber wie wäre es damit?

“Don’t expect much of the day. Be glad when you make it back to bed.”

Diese zwei Sätze stammen aus einem Gedicht des US-amerikanischen Dichters und emeritierten Literaturprofessors Jack Ridl aus Michigan in den USA. Das Gedicht heißt Take Love for Granted und ist in der Sammlung practicing to walk LIKE A HERON enhalten.

Mir gefällt das: einfach mal die Erwartungen runterschrauben, sich mit dem beschäftigen, sich an dem erfreuen, was jetzt ist. Nicht gestern, nicht morgen, nicht in einer Stunde, jetzt. Klar braucht das Übung, aber einen Versuch ist es wert.

In diesem Sinne: Euch / Ihnen allen ein gutes neues Jahr!

 

P.S.

In dem Gedicht geht es nicht um gute Vorsätze, sondern um die Liebe in der Ehe. Und wenn das kein wichtiges Thema für 2018 ist.

Take Love for Granted

Assume it’s in the kitchen,
under the couch, high
in the pine tree out back,
behind the paint cans
in the garage. Don’t try
proving your love
is bigger than the Grand
Canyon, the Milky Way,
the urban sprawl of L.A.
Take it for granted. Take it
out with the garbage. Bring
it in with the takeout.Take
it for a walk with the dog.
Wake it every day, say,
“Good morning.” Then
make the coffee. Warm
the cups. Don’t expect much
of the day. Be glad when
you make it back to bed.
Be glad he threw out that
box of old hats. Be glad
she leaves her shoes
in the hall. Snow will
come. Spring will show up.
Summer will be humid.
The leaves will fall
in the fall. That’s more
than you need. We can
love anybody, even
everybody. But you

can love the silence,
sighing and saying to
yourself, “That’ s her.”
“That’s him.” Then to
each other, “I know!
Let’s go out for breakfast!”

“Take Love for Granted” von Jack Ridl, aus Practicing to walk Like a Heron. Wayne State University Press, Detroit, 2013, ISBN 978-0-8143-3453-9. Nutzung des Textes hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Ein Gedichtband von Jack Ridl ist für mich wie ein warmer Mantel, der auch die Seele wärmt, egal zu welcher Jahreszeit. Deshalb liegt ein Buch von Jack eigentlich immer auf meinem Nachttisch. Mehr Gedichte und Texte von findet man auf Jacks Homepage hier.

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