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Freitagsfoto: Bienen in der kleinen großen Stadt

Wo Geist und Bienen zu Hause sind: Bienenkasten von Rickmer Stohp. Foto: Norbert Kraas, Tübingen

Wo Geist und Bienen zu Hause sind: Bienenkasten von Rickmer Stohp. Foto: Norbert Kraas, Tübingen

Reklamekasper_Bienen_Rickmer_Stohp_Foto_Norbert_Kraas_20160619_NK_2V9A5763»Tübingen, das ist die kleine Stadt,
die geschichtsträchtig und weitläufig wie kaum eine andere ihr vergleichbare ist: ein großes Museum, das ständig verändert und umgebaut wird.«

Inge und Walter Jens haben das vor  Jahren in ihrem Buch Die kleine große Stadt Tübingen geschrieben. Wie geschichtsträchtig Tübingen ist, zeigt dieses Foto, das ich vor ein paar Tagen am Schönbuchrand aufgenommen. Hier sind sogar die Bienen intellektuell drauf. Ob sich das auf den Honig auswirkt, man womöglich davon gescheiter wird? Probieren Sie’s aus! Den Honig aus diesem schönen Bienenkasten bekommen Sie von Rickmer Stohp, der seine Imkerei in Waldhausen betreibt. Rickmer Stohp ist aber nicht nur ein guter Imker, sondern auch ein exzellenter Baumwart, der mit beiden Beinen fest auf der Leiter steht, und den legendären Öschberg-/Palmerschnitt beherrscht. Ach ja, einen interessanten Online-Wanderführer betreibt er auch noch: Geschichte zu Fuß. Apropos wandern. Neulich hat mir mein Freund O. einen guten Tipp für digitale Offline-Wanderkarten verraten: Map out. Ich mag ja eigentlich gedruckte Wanderkarten, aber neulich war’s echt hilfreich.

Schönes Wochenende

Norbert Kraas

P.S. Sagt mir jemand, wer der Typ auf Bienenkasten ist?

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“Therefore I say to you: let Europe arise!”
(Winston Churchill, Zürich 1946)

Statue of Clementine and Winston Churchill in Chartwell, Churchill's home in Kent. Photograph: Norbert Kraas

Statue of Clementine and Winston Churchill in Chartwell, Churchill’s home in Kent. Photograph: Norbert Kraas

Winston Churchill, dem vor allem wir Deutsche so viel zu verdanken haben, hat diesen Satz anlässlich einer Rede an die akademische Jugend an der Universität Zürich am 19. September 1946 gesagt. Die gesamte Rede kann man bei ZEIT online nachlesen.

Was hätte Churchill, dieser kluge Mann der klaren Worte, zur BREXIT-Abstimmung gesagt?

Wer mehr über Churchill wissen möchte:
Sebastian Haffner: Winston Churchill. Rowohlt, ISBN: 978-3-499-61354-8.
Thomas Kielinger: Winston Churchill: Der späte Held. C.H. Beck, ISBN 978-3-406-66889-0
Chartwell in Kent, Churchills geliebtes Haus, das heute dem National Trust gehört und einen Besuch wert ist. Beeindruckend und inspirierend.

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Freitagsfoto: Morgenstimmung mit Aubrac-Rindern

Aubrac-Rinder am frühen Morgen auf einer Weide in Burgund. Foto: Norbert Kraas

Aubrac-Rinder am frühen Morgen auf einer Weide in Burgund. Foto: Norbert Kraas

Wie fühlt sich das eigentlich an, so ein Frühlings- oder Frühsommertag ohne Dauerregen? Man hat’s schon fast vergessen. Aber, liebe Freunde, es wird auch wieder trockene Tage geben, fragt sich nur wann. Bis es so weit ist: mein Freitagsfoto mit den neugierig-freundlichen Aubrac-Rindern runterladen, als Bildschirmhintergrund (2000 px breit bei 96 dpi) installieren und einfach mal wirken lassen.

Schönes Wochenende!

Norbert Kraas

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Freitagsfoto: „Kajsa as in Beckenbauer“

Portrait of a Gentleman with his dog, Selsey, West-Sussex. Foto: Norbert Kraas

Portrait of a Gentleman – with his dog, Selsey, West-Sussex. Foto: Norbert Kraas

Hunde, Bier und Beckenbauer
In einem unserer letzten England-Urlaube kam ich eines Morgens mit einem freundlichen älteren Herrn ins Gespräch. Der nette Gentleman hatte wie ich seinen Hund dabei. Wir sprachen über Deutschland, darüber, warum ich mit meiner Familie ausgerechnet in einer kleinen Stadt in West-Sussex Urlaub mache, über englisches Bier und natürlich über Hunde. Ich lernte, dass ein Lurcher keine spezielle Hunderasse ist, sondern eine Mischung zwischen Windhund und Nicht-Windhund. Solche Hunde wurden früher gerne von Wilderern zur Hasenjagd eingesetzt. Irgendwann kam die Frage nach dem Namen unseres Hundes auf. Ich sagte: „Kajsa.“ Worauf mein Gesprächspartner entgegnete: „Kajsa as in Beckenbauer?“.

Die Marke „Kaiser“
Schlagartig wurden mir zwei Dinge klar. Erstens, es handelt sich um einen klassischen „Wumbaba“. Zweitens: Die Marke „Kaiser“ mag bei uns in den unappetitlichen Nachwehen des sogenannten Sommermärchens ein paar Schrammen abbekommen haben; im Mutterland des Fußballs genießt der Kaiser aus Giesing immer noch einen Ruf wie Bobby Charlton. Dabei verbinden die Engländer mit dem Wort Kaiser seit dem 1. Weltkrieg eigentlich weniger die filigrane Ballkunst, sondern eher säbelrasselnde Großmannssucht.

Unser Hund heißt natürlich nicht Kaiser, wie käme ich dazu, sondern Kajsa. Das kommt aus dem Schwedischen und ist eine Koseform für Elisabeth. Wir haben es hier mit einem schönen Verhörer im Stil des weißen Neger Wumbaba von Axel Hacke zu tun. Das bringt mich jetzt zum Fußball, heute geht ja die EM los.

Fußballgefühle bei Bluna und Erdnussflips
Für die besagte Reise nach England habe ich Axel Hackes „Fußballgefühle“ als Hörbuch besorgt, von ihm selbst gelesen. Was soll ich sagen? Wir waren begeistert, Kinder, Frau, Hund und ich am meisten. Es gibt Passagen in diesem Hörbuch, da war ich angerührt, bekam feuchte Augen, irgendwo auf der Autoroute zwischen Reims und Calais. Zum Beispiel als Hacke über den 23. Juni 1973 spricht. An diesem Tag fand das Pokalfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln in Düsseldorf statt. Wir haben das Spiel bei einem Klassenkameraden angeschaut, dessen Eltern schon einen Farbfernseher besaßen. Ich sehe uns noch vor mir: sechs, sieben aufgeregte zwölfjährige Jungs mit Bluna und Erdnussflips. Die Gardinen zugezogen, denn das Spiel fand am Nachmittag statt. Gladbach, meine Mannschaft damals, siegte in der Verlängerung 2:1, und ein Mann hat sich unsterblich gemacht: Günter Netzer. Wie? Das müssen Sie bei Hacke nachhören oder -lesen. Glauben Sie mir, es lohnt sich. Buch und Hörbuch sind bei Kunstmann erschienen, hier klicken.

Viel Vergnügen!

Norbert Kraas

Fußball mit Gefühl. Foto: Norbert Kraas

Fußball mit Gefühl. Foto: Norbert Kraas

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Freitagsfoto: Marguerite und der Milchgipfel

Interessiert sich nicht für Milchgipfel in Berlin: Marguerite, glückliche Milchkuh in Burgund. Foto: Norbert Kraas

Interessiert sich nicht für Milchgipfel in Berlin: Marguerite, glückliche Milchkuh in Burgund. Foto: Norbert Kraas

Geiz essen Qualität auf
Was sind wir Verbraucher doch für schizophrene Wesen, habe ich mir diese Woche schon gedacht, als Landwirtschaftsminister Schmidt zum Milchgipfel geladen hat. Auf der einen Seite würden wir Milch und Eier am liebsten nur beim netten Biobauern kaufen, auf der anderen Seite investieren wir im Zweifel lieber in die fugenlose Designerküche als in qualitativ hochwertige Lebensmittel. Unsere landwirtschaftlichen Produkte sind die billigsten in ganz Europa, lese ich in der Zeitung, unsere Hightech-Küchen, möchte man ergänzen, die teuersten.

Extra vergine zum Discountpreis
Warum ist uns das Essen so wenig wert? Warum meinen wir, dass ein Liter Milch weniger als 50 Cent kosten sollte und ein Liter Olivenöl höchstens 3 Euro (natürlich extra vergine)? Können wir nicht rechnen? Eine seriöse Kostenrechnung für eine Flasche Sauvignon-Blanc aus Südafrika für 1,99 Euro geht nicht auf. Wer 2,99 Euro für ein Kilo Schweinebraten bezahlt, kann nicht erwarten, dass die Sau glücklich und artgerecht gehalten wurde.

Geiz ist nicht geil
Geiz ist der natürliche Feind von Qualität und guter Arbeit. Das gilt übrigens meines Erachtens nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Klamotten, und ja, auch für Texte, Fotos und Gestaltung.

Mahlzeit!

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Freitagsfoto: …und füttre sie mit Roggenbrot Toastbrot

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Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
ich laß sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

Christian Morgenstern

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Freitagsfoto: Setzkasten

Setzkasten, gesehen im Village du Livre de Cuisery im Burgund. Foto: Norbert Kraas

„Ach, nehmen Sie einfach eine Schrift aus dem Computer, Arial oder Times oder so, kann eh keiner unterscheiden.“ An diesen Satz, den ich nicht nur ein Mal in Besprechungen gehört habe, musste ich denken, als ich diesen schönen alten Setzkasten im Schaufenster eines Antiquariats im Village du Livre de Cuisery im Burgund entdeckt habe.

Banville, Diane, Univers, Algeriennes, Étoile, Europe Maigre, Chambord étroit: unter uns, die Univers von Adrian Frutiger, die gerne mit der Helvetica von Max Miedinger verwechselt wird, ist mir ein Begriff, bei den anderen Schriften, die auf den Schubladen stehen, muss ich passen. Zu meinem eigenen Bedauern. Denn mit dem Wissen um die Schriften verschwindet nicht nur der Beruf des Schriftsetzers, sondern auch die Schriftkultur.

Dabei ist ein gut gesetzter Text, sei es ein Buch, eine Produktbroschüre, ein Zeitungsartikel oder eine technische Anleitung, eine Wohltat für das Auge und macht das Lesen zum Vergnügen. „Wo der Buchstabe das Wort führt“, hat Kurt Weidemann, der große Schriftsetzer und Typograph, sein Hauptwerk genannt.

In diesem Sinne: Legen Sie Wert auf guten Satz!

Schönes Wochenende!

Norbert Kraas

P.S. Einen lesenswerten Blog zum Thema Schrift betreibt übrigens Erik Spiekermann, der bekennende Typomane, der u.a. mit FF Meta und ITC Officina zwei moderne Klassiker geschaffen hat. Hier geht’s zum Spiekerblog.

unamono x Erik Spiekermann: the famous typographer creating fashion for unamono from unamono on Vimeo.

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Freitagsfoto: Notausschalter für Zungenbrecher?

Wo ist der Notausschalter für alberne Marketingideen? Foto: Kraas & Lachmann

Liebe Ingenieurinnen und Ingenieure,
eigentlich sollte heute hier ein Beitrag zum Thema Typographie und Schriftengestaltung stehen, aber der muss warten. Wir dürfen nämlich gerade einem mittelschweren Marketing-GAU beiwohnen.

Folgendes ist passiert: Die angestellten Marketinggurus bei Siemens Healthcare (davor Siemens Medizintechnik) in Erlangen haben sich mit ein paar externen Marketinggurus zusammengetan, viel nachgedacht, viel Tee, Kaffee und weiß der Himmel, was noch, konsumiert. Und dann kam ein Heureka-Moment: es wurde beschlossen, dass alle Ingenieurinnen und Ingenieure bei Siemens Healthcare nicht mehr Ingenieure heißen sollen, sondern: Healthineers.

Gebrochene Ingenieursherzen
„Siemens bricht die Zungen seiner Ingenieure“, schrieb die Süddeutsche. Gebrochene Zungen wären ja noch nicht so schlimm, gebrochene Ingenieursherzen aber schon. Siemens blamiere seine Ingenieure, habe ich sinngemäß auf einer englischen Website gelesen. Der Konzern hat dem Image des Ingenieurs und der Marke Siemens durch diese absurde Idee geschadet. Eingeführt wurden Name und  Konzept bei einer Art Open-Air-Konzert mit bunten Zombies, die auf einer Bühne rumhüpfen durften. Zum Video bitte hier lang.

Deutsche Ingenieurskunst
Deutsche Ingenieure (und natürlich Ingenieurinnen) genießen seit Jahrzehnten weltweit einen fast mythischen Ruf. Dieser hat zwar durch die Dieselaffäre von VW und einiger anderer Automobilhersteller ein paar deftige Kratzer bekommen, aber nicht wirklich dramatisch gelitten, so mein Eindruck. Wer technische Produkte „Made in Germany“ kauft, sei es eine Werkzeug-Schleifmaschine, einen Highend-Scanner oder eben ein MRT-Gerät von Siemens, der verlässt sich darauf, dass er das Beste bekommt, was in Sachen Ingenieurskunst auf der Welt zu haben ist. So jemand möchte nicht mit albernen Marketingideen belästigt werden.

Neulich waren wir bei unserem Freund T. zur Erstkommunion seines Sohnes eingeladen. T. ist mit einer liebenswerten Französin verheiratet. Es war ein lebhaftes Fest, wie man es erwarten kann, wenn unsere französischen Nachbarn über den Rhein zum Feiern kommen. Dabei kam ich mit einem französischen Ingenieur aus der Franche-Comté ins Gespräch. Raten Sie mal, wo der Mann unter anderem studiert hat, und wovon er geschwärmt hat. Richtig, er hat einen Teil seines Ingenieurstudiums in Deutschland absolviert („un must, non?“) und er hat von Siemens mit ebenso viel Respekt gesprochen wie von Deutscher Ingenieurskunst („encore et toujours impressionant“) im Allgemeinen. Was wohl mein französischer Tischnachbar zum Healthineer sagen würde?

Schönes Wochenende!

Norbert Kraas

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Freitagsfoto: Neue Töne auf dem grünen Klavier

alt Nicht wohltemperiert, sondern grün ist das Gartenklavier bei den Staudenmädchen. Foto: Kraas & Lachmann

BU Nicht wohltemperiert, sondern grün ist das Gartenklavier bei den Staudenmädchen. Foto: Kraas & Lachmann

Endlich hat dieser Winter, der keiner war, ein Ende. Höchste Zeit, neue Töne anzuschlagen, alte Triebe abzuschneiden und lustvoll mit beiden Händen in die Erde einzutauchen. Reichlich Inspiration für passionierte Gärtnerinnen und Gärtner gibt’s an diesem Wochenende (7. und 8. Mai) beim Frühlingsfest der kundigen Staudenmädchen der Tübinger Staudengärtnerei Erika Jantzen. Hingehen, es lohnt sich!

Über Lust und Freude des gemeinsamen Gärtnerns hat Vita Sackville-West, die mit Ihrem Mann Harold Nicolson Sissinghurst geschaffen hat, ein zauberhaftes Gedicht geschrieben. Passt laut gelesen sehr gut zu Pimm’s unter einem blühenden Baum. Ausprobieren!

“We owned a garden on a hill,
We planted rose and daffodil,
Flowers that English poets sing,
And hoped for glory in the Spring.
We planted yellow hollyhocks,
And humble sweetly-smelling stocks,
And columbine for carnival,
And dreamt of Summer’s festival.
And Autumn not to be outdone
As heiress of the summer sun,
Should doubly wreathe her tawny head
With poppies and with creepers red.
We waited then for all to grow,
We planted wallflowers in a row.
And lavender and borage blue, –
Alas! we waited, I and you,
But love was all that ever grew.”

aus: Vita Sackville-West: Poems of West & East, 1917

Schönes Wochenende!

Norbert Kraas

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